Polizei : Newsletter Nr. 104, Januar 2008                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Drei Büchergutscheine für Kritik am Polizei-Newsletter
 2)   Aggression und sexuelle Gewalt unter jungen Studierenden als Folge von Hochschulsport?
 3)   Gewalterfahrungen, gesellschaftliche Orientierungen und Risikofaktoren von Jugendlichen in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald 1998-2002-2006.
 4)   Kosten der Kriminalität – Studie in den Niederlanden
 5)   Erziehung bei Heranwachsenden nur bedingt für spätere Delinquenz verantwortlich
 6)   Drogenberichte der Vereinten Nationen
 7)   Studie zur Korruptionsbekämpfung
 8)   Gewalt auf Demonstrationen - Ursachen der Eskalation
 9)   Gesetz und Ordnung im Kosovo: Lessons Learnt?
10)  Kontakte zwischen Polizei und Bevölkerung – eine Befragung von 60.000 Bürgern
11)  Sanktionen und Maßnahmen: Was funktioniert, was funktioniert nicht?
12)  Hochschule für Soziales, Kommunikation und Management in Berlin gegründet – Uli Rothfuss Professor und Rektor
13)  Das Prinzip Sicherheit
14)  Wörterbuch zur Inneren Sicherheit
15)  Kriminalität und Strafverfolgung in Europa – Eurostat
16)  “Jugendgewalt nimmt zu”: “Die Welt” schreibt's – und alle schreiben ab
17)  Umfrage zu Evaluationen kriminalpräventiver Programme und Projekte
 
1) Drei Büchergutscheine für Kritik am Polizei-Newsletter
In der 100.sten Ausgabe des PNL hatten wir um Kritik und Anregungen gebeten. Der Polizei-Newsletter bedankt sich bei allen, die sich per E-Mail an uns gewandt haben. Die drei Büchergutscheine wurden ausgelost und sind inzwischen den Empfängern zugegangen
 
 
2) Aggression und sexuelle Gewalt unter jungen Studierenden als Folge von Hochschulsport?
Eine Studie aus den USA weist nun erstmals nach, dass der dort betriebene College-Sport in engem Zusammenhang mit sexueller Gewalt und Aggressionen gegen Frauen steht. Befragt wurden 147 College-Studenten, und es wurden Studenten, die sich an aggressiven Sportarten beteiligten mit denen vergleichen, die solche Sportarten nicht betreiben. Im Ergebnis sind diese Studierenden psychisch und physisch aggressiver, wenden häufiger sexuelle Gewalt bei ihren Partnern an, verursachen mehr Verletzungen, haben eher sexistische Einstellungen und hängen eher Vergewaltigungsmythen an als andere. Quelle: Forbes, G. B., Adams-Curtis, L. E., Pakalka, A. H., et al. (2006). Dating aggression, sexual coercion, and aggression-supporting attitudes among college men as a function of participation in aggressive high school sports, in: VIOLENCE AGAINST WOMEN 12(5), 441-455
 
 
3) Gewalterfahrungen, gesellschaftliche Orientierungen und Risikofaktoren von Jugendlichen in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald 1998-2002-2006.
Erste zentrale Ergebnisse einer Langzeitstudie zur Lebenssituation und Delinquenz von Jugendlichen in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald legen Frieder Dünkel, Dirk Gebauer, Bernd Geng vor. „Gewalterfahrungen, gesellschaftliche Orientierungen und Risikofaktoren von Jugendlichen in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald 1998-2002-2006. ", Greifswald 2007. Rund 175 Seiten (Word-Dokument, ca. 1,8 MB). http://www.rsf.uni-greifswald.de/duenkel/publikationen/internet/jugendkriminalitaet.html
 
 
4) Kosten der Kriminalität – Studie in den Niederlanden
Under dem Titel: “De kosten van criminaliteit. Een onderzoek naar de kosten van criminaliteit voor tien verschillende delicttypen” http://www.wodc.nl/onderzoeksdatabase/vervolgonderzoek-kosten-baten-van-justitiele-gedragsinterventies.aspx?cp=44&cs=6796#project-informatie ist in den Niederlanden eine Studie erschienen, die versucht, die gesamten Kosten zu berechnen, die durch Kriminalität dort im Jahre 2005 verursacht wurden, sowie die Kosten einzelner Delikte. Insgesamt wird eine Summe von 22.5 Milliarden Euro angegeben. Ein Mord beispielsweise kostet die Gesellschaft rund 3 Mio. Euro. Hinzu kommen die (hier nicht berechneten Kosten) aufgrund von Verhaltensänderungen bei den Opfern. Auch die Präventionskosten sind nicht einbezogen. Quelle: English summary available at http://www.wodc.nl/images/1273a_summary_tcm44-84119.pdf
 
 
5) Erziehung bei Heranwachsenden nur bedingt für spätere Delinquenz verantwortlich
Familiäre Einflussfaktoren stehen traditionell im Blickpunkt kriminologischer Theorien und empirischer Studien. Ein niederländisches Forschungsteam betrachtete nun den Einfluss der Erziehung speziell bei Heranwachsenden im Hinblick auf delinquentes Verhalten in ihrer späteren Zeit als junge Erwachsene. Förderlich für eine kriminelle Karriere sind dem¬nach mangelnde Organisation und fehlende Strukturen im Elternhaus. Kein Zusammen¬hang hingegen konnte zwischen einer späteren Delinquenz und einem autoritären Erziehungsstil, dem sozioökonomischen Status oder Bestrafungen ausgemacht werden. Quelle: Hoeve, Machtheld; Smeenk, Wilma; Loeber, Rolf (u.a.) (2007), Long-Term Effects of Parenting and Family Characteristics on Delinquency of Male Young Adults, in European Journal of Criminology 4 (2), 161-194.
 
 
6) Drogenberichte der Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen, Vienna Center UNODC, haben den Weltjahresbericht über die Produktion, den Vertrieb, den Konsum und Missbrauch von illegalen Drogen sowie über internationale Bekämpfungsanstrengungen vorgelegt. Wenn Sie an den umfangreichen Informationen interessiert sind, finden Sie Hinweise und einen Hyperlink für das Herunterladen unter: http://www.unodc.org/unodc/en/world_drug_report.html. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle der EU in Portugal hat ebenfalls ihren Jahresbericht vorgelegt. Der Grundbericht ist auch in deutscher Sprache verfügbar. Einzelne ergänzende Kapitel gibt es auf Englisch: http://ar2006.emcdda.europa.eu/de/home-de.html?CFID=6837964&CFTOKEN=f53bfad16f98d183-70D6C7D5-9BA1-F58A-04E9D99F45877640&jsessionid=2e30db440f68384b2b18 (Danke an H.-J.Kerner)
 
 
7) Studie zur Korruptionsbekämpfung
Die vorliegende Arbeit wurde von der Autorin als Dissertation an der Universität Tübingen eingereicht und beschreibt die Entwicklung verschiedener internationaler Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung. Insgesamt ist es eine gelungene Dissertation, in der die Effizienz der strafrechtlichen Korruptionsbekämpfung (vor allem) im internationalen Geschäftsverkehr untersucht wird. Simone Nagel, Entwicklung und Effektivität internationaler Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung, Baden-Baden 2007, 261 Seiten, ISBN 978-3-8329-2693-9, 47,-- EURO. Eine Besprechung des Buches on Ingo Techmeier findet sich im Buchbesprechungsteil des Polizei-Newsletter unter http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php.
 
 
8) Gewalt auf Demonstrationen - Ursachen der Eskalation
Die Georg-Elser-Initiative Bremen hat im April 2007 eine Tagung durchgeführt, bei der u.a. zu diesem Thema u.a. Hartmuth Wrocklage, Rolf Gössner und Martin Herrnkind sowie ein Vertreter der GdP referierten. Die Texte stehen unter http://www.georg-elser-arbeitskreis.de/texts/bremenapril2007.htm zur Verfügung.
 
 
9) Gesetz und Ordnung im Kosovo: Lessons Learnt?
Spätestens mit der bevorstehenden Unabhängigkeitserklärung des Kosovo wird die Frage aufgeworfen werden, ob sich der Einsatz der Vereinten Nationen dort zum Wiederaufbau von Polizei und Justiz bewährt hat. Eine bereits 2006 veröffentlichter Beitrag bezweifelt dies ebenso wie jüngst veröffentlichte Stellungnahmen z.B. der International Crisis Group oder ein als VS-NfD eingestuftes, dennoch im Internet verfügbares Gutachten, das die Bundeswehr in Auftrag gegeben hat. Quellen: (1) Beitrag von Wilson, J. M. (2006). Law and order in an emerging democracy: Lessons from the reconstruction of Kosovo's police and justice systems, in: THE ANNALS OF THE AMERICAN ACADEMY OF POLITICAL AND SOCIAL SCIENCE, 605(1), 152-177; (2) Bericht der International Crisis Group Kosovo Countdown: A Blueprint for Transition, http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=5201&l=1; (3) Interner Bericht des Instituts für Europäische Politik, Berlin: Jopp, M., S. Sandawi (2007) (IEP 2007): Operationalisierung von Security Sector Reform( SSR) auf dem Westlichen Balkan. Intelligente/kreativen Ansätze für eine langfristige positive Gestaltung diese Region. VS-NfD eingestuft, im Internet verfügbar unter http://balkanforum.org/IEP-BND/iep0001.PDF.
 
 
10) Kontakte zwischen Polizei und Bevölkerung – eine Befragung von 60.000 Bürgern
Über einen Zeitraum von 12 Monaten wurden über 60.000 Amerikaner zu ihren Kontakten mit der Polizei befragt. Insgesamt berichteten 19%, das es einen persönlichen Kontakt in diesem Zeitraum gegeben hatte. Nur 1,6% berichteten, dass Gewalt ihnen gegenüber angewendet oder angedroht worden war. Quelle: Interactions Between Police and the Public Examined. "Contacts between Police and the Public, 2005" (NCJ 215243, 12 pp.) http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/abstract/cpp05.htm
 
 
11) Sanktionen und Maßnahmen: Was funktioniert, was funktioniert nicht?
In einer umfangreichen Metaanalyse wurde der Erfolg verschiedener Sanktionsformen und Resozialisierungsmaßnahmen betrachtet. Verschiedene Programme werden sowohl auf wissenschafliche Standards hin untersucht als auch untereinander verglichen. Davon aus¬gehend nimmt der Autor eine thematische Darstellung vor, in der sich vielfältige Pro¬gramme von Beschäftigungsmaßnahmen bis hin zu „Boot Camps“ finden. Auf diese Weise wird die Effektivität eines breiten Reaktions- und Maßnahmenkataloges dargestellt. Quelle: MacKenzie, D. L. (Hrsg.) (2006), What works in corrections: Reducing the criminal activities of offenders and delinquents, in: Cambridge Series in Criminology. New York: Cambridge University Press. 391 ff.
 
 
12) Hochschule für Soziales, Kommunikation und Management in Berlin gegründet – Uli Rothfuss Professor und Rektor
Der Internationale Bund e.V., einer der größten freien Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit in Deutschland, hat jetzt seine eigene Hochschule gegründet. Die IB-Hochschule Berlin, Hochschule für Soziales, Kommunikation und Management, wird am Sitz in Berlin und künftig auch an Studienzentren in Stuttgart und an weiteren Standorten Studienangebote im Gebiet der Gesundheitswissenschaften mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Kreativtherapie und künftig auch Pflegewissenschaft, im Bereich der Kommunikation und Gestaltung sowie im Bereich Management anbieten. Rektor der IB-Hochschule Berlin ist Prof. Uli Rothfuss, ehemals Polizeibeamter und Auslandsreferent an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen, danach Kulturdezernent der Stadt Calw und Prorektor an der Internationalen Hochschule Calw. Er wurde jetzt zum Professor für Kulturwissenschaft und Rektor der neu gegründeten IB-Hochschule Berlin – Hochschule für Soziales, Kommunikation und Management – berufen. Die Hochschule legt einen Schwerpunkt ihres Studienangebots in ausbildungs- und berufsbegleitende Hochschulstudien, wobei das Studienkonzept die enge Verzahnung von Ausbildung, Praxis und Studium umfasst, und übernimmt darüber hinaus die Federführung im internationalen IB-Hochschulverbund, dem bereits Hochschulen in Belgien, Georgien und Polen angehören. Weitere Informationen: http://www.ib-hochschule.de.
 
 
13) Das Prinzip Sicherheit
Wolfgang Sofsky ist Soziologe, Journalist und Schriftsteller, der sich in seiner Forschungstätigkeit vor allem auf die Bereiche Krieg und Gewalt konzentriert. Vor seiner Tätigkeit in Erfurt lehrte er Soziologie an der Universität Göttingen. Er schreibt unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt. Als Soziologe und Politologe analysiert Sofsky in seinem Buch „Das Prinzip Sicherheit“ den Sicherheitsbegriff, indem er ihn in eine historische Perspektive rückt und die Geschichte von Sicherheits- und Unsicherheitsvorstellungen thematisiert. Anhand zahlloser Beispiele aus allen den Menschen und seine Umwelt betreffenden Lebensbereichen versucht er zu erläutern, dass das Empfinden von Risiko, Gefahr und Sicherheit keinesfalls als ein objektives eingestuft werden kann. Das Spektrum reicht von individuellen Sicherheitsbedürfnissen über Sicherheitsverhältnisse politischer Systeme bis zur globalen Sicherheitslage. Dabei spannt Sofsky einen weiten zeitlichen Bogen beginnend in der Neuzeit (z. Bspl. mit dem Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, dem ersten großen Börsenkrach im 17. Jahrhundert) bis zur aktuellen Beeinträchtigung der individuellen und globalen Sicherheit mit Aussicht auf zukünftige Entwicklungen, welche sich nach Sofsky zu Horrorszenarien entwickeln werden, sollte der Trend zu freiheitsbeschneidenden Sicherheitsmaßnahmen weiter nach oben gehen. Spätestens seit dem 11. September 2001 ist das Thema Sicherheit nicht nur Hauptthema der politischen Diskussion weltweit, sondern den Menschen der westlichen Welt ist durch dieses Ereignis die Verletzlichkeit ihres Daseins massiv in ihr Bewusstsein gerückt. Sofsky, Wolfgang: Das Prinzip Sicherheit. S. Fischer Verlag: Frankfurt/Main 2005. ISBN 310072710X, Gebunden, 176 Seiten, 16,90 EUR. Eine ausführliche Besprechung durch Klaus Gruber findet sich im Buchbesprechungsteil des Polizei-Newsletter http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php.
 
 
14) Wörterbuch zur Inneren Sicherheit
Das in erster Auflage erscheinende ‚Wörterbuch zur Inneren Sicherheit’ ist vom Seitenumfang ein eher schmales Werk und der Preis erscheint recht hoch. Dennoch ist der Inhalt von hoher Qualität. 42 Autorinnen ¬und Autoren informieren als ausgewiesene Fachleute aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wie der Poli-tikwissenschaft, Soziologie, Kriminologie, Rechtswissenschaft und der Histo¬rischen Polizeiforschung über 91 Begriffe zum Thema 'Innere Sicherheit'. Das Wörterbuch ist im Rahmen des „Interdisziplinären Arbeitskreises Innere Sicherheit“ (AKIS) aus Anlass der sicherheitspolitischen Diskussionen nach den Ereignis¬sen des 11. September 2001 und der damit im Zusammenhang häufig auftauchenden Begrifflich¬keiten entstanden. Es soll als Hilfsmittel und Wegweiser durch den Begriffsdschun¬gel dienen und dem Leser in verständlicher Sprache einen vertiefenden Überblick über Begriffe, von „A“ wie "ABC-Schutz" bis „Z“ wie "Zollbehörden", liefern. Lange, Hans-Jürgen (Hrsg.): Wörterbuch zur Inneren Sicherheit. 407 Seiten, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, Hardcover, € 46,00. Eine ausführliche Besprechung durch Nadine Diederich findet sich im Buchbesprechungsteil des Polizei-Newsletter http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php.
 
 
15) Kriminalität und Strafverfolgung in Europa – Eurostat
In dieser Statistik kurz gefasst werden die ersten Ergebnisse einer Datenerhebung von europäischen Ländern für den Zeitraum 1995-2005 vorgestellt. Zu den behandelten Themen gehören polizeilich registrierte Straftaten (Gesamtkriminalität, Tötungsdelikte, Gewaltdelikte, Raubdelikte, Wohungseinbrüche, Kraftfahrzeugdiebstahl und Drogenhandel), die Gefangenenpopulation und die Zahl der Polizeibeamten. Polizeilich registrierte Kriminalitätsdaten deuten darauf hin, dass nach lange anhaltender Zunahme die Gesamtkriminalität in der EU in jüngster Zeit zurückgeht. Crime and Criminal Justice - Issue number 15/2007 http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page?_pageid=1073,46587259&_dad=portal&_schema=PORTAL&p_product_code=KS-SF-07-015
 
 
16) “Jugendgewalt nimmt zu”: “Die Welt” schreibt's – und alle schreiben ab
Stein des Anstoßes der jüngsten Mediendebatte zum Thema Jugendgewalt ist ein Artikel der Tageszeitung “Welt am Sonntag”. Mit dem Verweis auf eine “Studie”, die der Redak-tion “vorliegt”, wird dort der Anstieg der Jugendgewalt beklagt. Dass es sich bei der “Stud-ie” um einen von fünf Bundesländern erstellten Lagebericht für die diesjährige Innenmin¬isterkonferenz (IMK) handelt, der für jedermann zugänglich im Internet “vorliegt”, hindert andere Zeitungen nicht, von der “Welt” abzuschreiben, ohne einen Blick auf die Primär¬quelle zu werfen. Dort liest man zwar, dass die PKS einen Anstieg der Fallzahlen für Ju¬gendgewalt aufweist. Gleichzeitig verschweigt der IMK-Bericht aber nicht, dass die krimino¬logische Dunkelfeldforschung einen tatsächlichen Anstieg nicht bestätigen kann und dass auf dieser Grundlage eben keine gesicherten Erkenntnisse möglich sind. Die Presseberichte bleiben dennoch so einseitig wie der “Welt”-Artikel. Dass dies nicht ohne Folgen bleibt, zeigen nun die Reaktionen von Politikern und Kommentatoren, die mit dem Strafrecht auf das Phänomen Jugendgewalt reagieren wollen. Der IMK-Bericht verweist hingegen auf kriminologische Forschung, die die Ursachen der Jugendgewalt in der sozialen und schulischen Lage sieht und vor diesem Hintergrund Ansätze in ebendiesem Bereich vorschlägt. In der Schlussbemerkung der IMK-Arbeitsgruppe wird folgerichtig nicht nach dem Strafrecht gerufen, sondern gefordert, zunächst das Lagebild innerhalb der Bundesländer zu vervollständigen, bevor konkrete Reaktionen auf jugendliche Gewalttäter empfohlen werden können. Der 27-seitige Bericht der Arbeitsgruppe der Innenministerkon¬ferenz inklusive Anlagen ist zu finden unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/seninn/imk2007/beschluesse/imk_185_bericht_top16.pdf; der “Welt”-Artikel ist online verfügbar unter: http://www.welt.de/article1464386/Jugendgewalt_in_Grossstaedten_nimmt_zu.html
 
 
17) Umfrage zu Evaluationen kriminalpräventiver Programme und Projekte
Zum Sommer 2008 wollen die Professoren Bannenberg und Rössner (s. auch: http://www.praeventionstag.de/go/brief ) einen Bericht über wirkungsevaluierte Projekte und Programme der Kriminalprävention in Deutschland erstellen. Der Bericht soll einerseits im Rahmen eines Vortrages beim 13. Deutschen Präventionstag am 2. und 3. Juni 2008 in Leipzig ( http://www.praeventionstag.de ) vorgestellt werden und bildet andererseits den deutschen Part einer Zusammenfassung nationaler Präventionsstrategien im Rahmen des europäischen Programms http://www.crimprev.eu. Evaluierte Projekte der Kriminalprävention können in ein Onlineformular des Deutschen Präventionstages eingetragen werden http://www.praeventionstag.de/go/meldung