Polizei : Newsletter Nr. 110, Juli 2008
 1)   “Saarbrücker Gutachten” in digitalisierter Form verfügbar
 2)   Religion als Schutz vor Kriminalität
 3)   Infos rund um Medien und Kommunikation
 4)   Geschlechterrollen und Reformen des Sicherheitssektors
 5)   Community Policing Newsletter
 6)   International Police Expertise Platform
 7)   Sicherheit in Genf 2007
 8)   Tötungsdelikte und Partnergewalt in England und Wales
 9)   Studie der Schottischen Regierung zu “Restorative Justice” in Schulen
10)  Kommission zur Akkreditierung von Strafverfolgungsbehörden in den USA
11)  Zentrale Beschwerdestelle Polizei
12)  Privatisierter Strafvollzug USA: Kosten- und Leistungsberechnung
13)  ERSTE-Stiftung in Zentral- und Südosteuropa
14)  Viktimisierung und Polizeistatistik im Großraum Paris
15)  Strafverfahren gegen Jugendliche: Die Jugendunruhen in Frankreich 2005
16)  Tagung „Empirische Polizeiforschung“
17)  Symposion zum Thema „Das moderne Strafrecht in der Mediengesellschaft“
18)  Tagung TÄTERINNEN - Befunde, Analysen, Perspektiven
 
1) “Saarbrücker Gutachten” in digitalisierter Form verfügbar
Das 1975 erstellte Gutachten über “Das Berufsbild des Pollizeivollzugsbeamten” ist noch heute unter dem Schlagwort “Saarbrücker Gutachten” ein Begriff. Auf mehr als 1600 Sei-ten haben die Autoren Christian Helfer und Wigand Siebel theoretische und empirische Erkenntnisse über den Polizeiberuf zusammengetragen. Der Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum hat das Gutachten nun mit freundlicher Genehmigung von Herrn Professor Wigand Siebel und Herrn HD Dr. Malte Helfer komplett eingescannt und in di¬gitaler Form aufbereitet. Die so entstandene pdf-Datei verfügt über ein Inhaltsverzeichnis, über das direkt zu den einzelnen Gliederungsebenen gesprungen werden kann, wodurch eine aufwendige Suche in dem umfangreichen Dokument entfällt. Bei Interesse können Sie ein Exemplar der pdf-Datei – aufgrund der Dateigröße auf CD-ROM gespeichert – zum Selbstkostenpreis in Höhe von 6.- Euro über den Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Uni¬versität Bochum erhalten. Anfragen bitte an: andreas.ruch@rub.de
 
 
2) Religion als Schutz vor Kriminalität
Religiosität und die damit verbundenen Wertvorstellungen können bei dem Umgang mit Straftätern eine Rolle spielen. Eine Langzeitstudie untersuchte nun die Frage, ob durch re¬ligiöse Prägung der Verlauf krimineller Karrieren positiv beeinflusst werden kann. Dazu wurden 152 Straftäter zunächst als Jugendliche und später als Erwachsene befragt. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Religiosität und normgerechtem Verhalten ließ sich dabei jedoch nicht feststellen. Quelle: Giordano, P.C., Longmore, M.A., Schroeder, R.D. u.a. (2008), A Life-Course Perspective on Spirituality and Desistance From Crime, in: Criminology, 46 (1), 99-132.
 
 
3) Infos rund um Medien und Kommunikation
Die Kommunikationswissenschaftler um den Essener Professor Jo Reichertz haben eine neue Internet-Plattform namens my[KoWi]net ins Leben gerufen. Die Teilnehmer sind in Form einer Community miteinander vernetzt und benutzen auf diese Weise die ver-schiedenen Lehr- und Lernangebote zu medien- und kommunikationswissen-schaftlichen Themen. Abgerundet wird das E-Learning-Angebot durch eine Wiki-Sektion, in der sich In¬formationen zu kommunikationswissenschaftlichen Theorien und Begriffen finden, die – ähnlich Wikipedia – von den Benutzern selbstständig weiterentwickelt werden. Durch eine Kooperation mit der Universität Münster soll das Angebot in nächster Zeit inhaltlich weiter ausgebaut werden. Die Plattform ist erreichbar unter: http://www.mykowi.net.
 
 
4) Geschlechterrollen und Reformen des Sicherheitssektors
Das schweizerische “Centre for the Democratic Control of the Armed Forces“ (http://www.dcaf.ch ) hat eine Reihe von Handbüchern zum Thema “Geschlechterrollen und Reformen des Sicherheitssektors” entwickelt. In ihnen wird für insgesamt zwölf si-cherheitsrelevante Bereiche zunächst dargestellt, warum es sich lohnt, sogenannte gender issues etwa bei Polizeireformen zu berücksichtigen. Sodann werden praktische Anleitungen präsentiert, wie die Auswirkungen von Geschlechterrollen in die einzelnen Reformschritte integriert werden können. Präzise Hinweise für Training und Ausbildung runden die Handbücher ab. Die einzelnen Dokumentationen sind als pdf-Dokumente verfügbar unter http://www.dcaf.ch/gender-security-sector-reform/_index.cfm?navsub1=37&navsub2=1&nav1=3
 
 
5) Community Policing Newsletter
Sinn und Zweck des Community Policing Dispatch, eines monatlich erscheinenden Online Newsletters, ist es, den Leser in Fragen der Strafjustiz, die die Einführung von Community Policing betreffen, weiterzubilden und Strafverfolgungspraktiker darin zu unterstützen, Kriminalität und soziale Unruhe in ihren Gemeinden effektiver anzugehen.
 
 
6) International Police Expertise Platform
IPEP ist eine internationale Plattform für Polizeibeamte in aller Welt. Archiv und Aus-gangspunkt für internationales Polizei-Wissen, wo Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden können. Was Sie vielleicht besonders interessiert: IPEP bietet einen ausführlichen Konferenz- und Veranstaltungskalender mit mehr als 175 Einträgen für das kommende Jahr. http://www.ipep.info/
 
 
7) Sicherheit in Genf 2007
Die Genfer Polizei hat ihre lokale Sicherheitsdiagnose für 2007 vorgelegt. Diese Untersu-chung – nach 2004 die zweite ihrer Art in Genf – verfolgt drei Ziele: Zunächst soll sie er-möglichen die allgemeine Sicherheit in der Stadt zu bestimmen. Gleichzeitig dient sie dazu die Bedürfnisse und Erwartungen der Bürger zu erfahren. Drittens hilft dieses Vorgehen - ganz im Sinne einer transparenten Polizeiarbeit - die Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu pflegen. Die Analyse orientiert sich an soziodemographische Daten, Polizeistatistiken und Bürgerbefragungen, wobei in der Vorgehensweise besondere Rücksicht auf die jeweiligen Bedingungen in den drei repräsentativ untersuchten Stadtteilen genommen wurde. Im Ergebnis fördert die Studie ein interessantes Fazit zu Tage: Seit 2004 hat in Genf zwar nicht die Kriminalität abgenommen, allerdings ist das Sicherheitsempfinden und das Ansehen der Polizei bei den Bürgern gestiegen. Schließlich formulieren die Autoren auf Grundlage ihrer Beobachtungen 13 Empfehlungen für die zukünftige Polizeiarbeit in Genf. Diese reichen von der lokalen Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern in besonderen Stadtvierteln bis hin zum Informationsaustausch zwischen den einzelnen Dienststellen. Für weitere Informationen: http://www.ge.ch/police/a-votre-service/statistiques/"
 
 
8) Tötungsdelikte und Partnergewalt in England und Wales
Der Bericht des britischen Innenministeriums über Tötungs- und Schusswaffendelikte sowie Partnergewalt (Zusatzband 2 zu Crime in England and Wales 2006/07) von David Povey (Ed.), Kathryn Coleman, Peter Kaiza, Jacqueline Hoare und Krista Jansson ist erhältlich unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs08/hosb0308.pdf
 
 
9) Studie der Schottischen Regierung zu “Restorative Justice” in Schulen
Die schottische Regierung veröffentlichte Ergebnisse aus einer Evaluation nach zwei Jahren restorative practices (RP; ausgleichende Gerechtigkeit, Wiedergutmachung) in 18 Schulen unter drei lokalen Behörden. Die Zusammenfassung des Berichtes lautet: „Die Evaluation deutet darauf hin, dass RP – so wie sie sich in dem Pilotprojekt entwickelten – einen kraftvollen und wirksamen Ansatz zur Förderung harmonischer Beziehungen in der Schule und zur erfolgreichen Lösung von Konflikten bieten kann.“ Die Studie enthüllte, dass RP, wenn sie von der ganzen Schule mitgetragen werden, erfolgreicher sind als wenn damit nur auf Fehlverhalten reagiert wird, und dass die Einführung erfolgreicher war, wenn alle Schulmitarbeiter in RP ausgebildet wurden und nicht nur die, die für das Handling von Verhaltensfragen zuständig sind. Der komplette Bericht findet sich unter: http://www.safersanerschools.org/library/scottishstudy.html (Danke an H.-J. Kerner)
 
 
10) Kommission zur Akkreditierung von Strafverfolgungsbehörden in den USA
Die US Kommission zur Akkreditierung von Strafverfolgungsbehörden wurde 1979 durch die gemeinsamen Bemühungen von wichtigen Ausführungsorganen der Strafverfolgung als Behörde zur Beurteilung von Befähigungen geschaffen. Der Zweck dieses Akkreditierungsprogramms ist die verbesserte Ausführung von Diensten der öffentlichen Sicherheit, hauptsächlich durch: Erhaltung bestimmter Standards, die von Praktikern aus dem Bereich öffentliche Sicherheit unter Berücksichtigung von vielen modernen Initiativen in diesem Bereich entwickelt wurden; einen Akkreditierungsprozess aufbauen und verwalten; und professionelle Exzellenz anerkennen. Die Ziele sind insbesondere: Kriminalitätsprävention und Kontrollfähigkeit stärken; grundlegende Managementverfahren formalisieren; faire und nicht-diskriminierende Personalpraxis aufbauen; Dienstausübung verbessern; Kooperation und Koordination zwischen den Behörden festigen; und das Vertrauen der Gemeinde und der Belegschaft in die Behörde vergrößern. http://www.calea.org/Default.htm
 
 
11) Zentrale Beschwerdestelle Polizei
Beim Landespräventionsrat in Sachsen-Anhalt soll eine Beschwerdestelle eingerichtet werden, die „für Anliegen sowohl von Polizistinnen und Polizisten als auch von Bürgerinnen und Bürgen“ offen stehen. Sie soll eine Möglichkeit sein, „die Arbeit der Polizei im Konfliktfall sachlich zu überprüfen“. Mitglieder der Beschwerdestelle sollen Vertreter des Innenministeriums, des Hauptpersonalrates der Polizei, des „Weißen Rings“, der „Mobilen Opferberatung“ und des Landespräventionsrates sein. Das Gremium soll „Prüfungs- und Vorschlagsrechte“ haben. Link zur Pressemitteilung: http://www.asp.sachsen-anhalt.de/presseapp/data/mi/2008/050_2008.htm (17.3.2008)
 
 
12) Privatisierter Strafvollzug USA: Kosten- und Leistungsberechnung
In den USA sitzen derzeit rund 110.000 Gefangene in privaten Anstalten ein. Das macht rund 7% aller Gefangenen und Verwahrten im "Prison System" des Bundes und der Ein-zelstaaten aus (also ohne Einberechnung der von Städten und Kreisen betriebenen Jails und der Jugenderziehungsanstalten oder -heime). In einem Artikel des jüngsten NIJ-Journals wird dargelegt, dass und warum es nicht so einfach ist, "costs and performance" genau zu bestimmen bzw. zu berechnen. Die Überlegungen könnten ggf. auch mit Blick auf die Diskussionen zur Privatisierung in Deutschland von Belang sein: http://www.ojp.usdoj.gov/nij/journals/welcome.htm (Danke an HJK)
 
 
13) ERSTE-Stiftung in Zentral- und Südosteuropa
Die ERSTE Stiftung http://www.erstestiftung.org/ ist in der Region Zentral- und Südosteu-ropa aktiv und arbeitet mit ESI (European Stability Initiative) zusammen. Sie hat ihre Tä-tigkeit im Jahr 2005 aufgenommen und entwickelt seither eigenständig und gemeinsam mit Partnern Projekte in den drei Programmen Soziales, Kultur und Europa. Sie will in Kooperation mit lokalen Initiativen gesellschaftlichen Wandel und soziale Integration mit-denken und mitgestalten. U.a. findet sich auf ihrer website eine interaktive Karte des Bal-kan unter http://www.esiweb.org/index.php?lang=en&id=276
 
 
14) Viktimisierung und Polizeistatistik im Großraum Paris
CESDIP hat eine lange Geschichte in der Forschung über Viktimisierung und Unsicherheit mit vom Centre selbst durchgeführten Erhebungen und Sekundäranalysen mit Daten von nationalen und regionalen Behörden. In dieser Ausgabe besprechen die Autoren ihre Analyse von Daten aus einer Erhebung, die 2003 im Großraum Paris durchgeführt wurde. Das vorliegende Papier konzentriert sich auf drei der vielen charakteristischen Beiträge über Viktimisierung und Unsicherheit: die unterschiedliche Verteilung von Viktimisierung innerhalb der Bevölkerung; die unterschiedlichen Opferprofile bei gleicher Viktimisierungsart; und schließlich der Vergleich der Erhebungsergebnisse mit der traditionelleren Quelle für Kriminalitätsberechnung, den Polizeistatistiken. Quelle: Renée Zauberman, Philippe Robert, Emmanuel Didier, Sophie Nevanen: Victimisation and Police Statistics in the Île-de-France Region Penal Issues (2006), janvier 2007, http://www.cesdip.org/spip.php?article282
 
 
15) Strafverfahren gegen Jugendliche: Die Jugendunruhen in Frankreich 2005
Nach den Unruhen im November 2005 und im Zusammenhang mit dem Nachdenken über das Jugendstrafjustizsystem in Öffentlichkeit und Politik boten wir den Gerichts- und Jugendgerichtspräsidenten von Bobigny unsere Dienste an bei der Forschung über die Minderjährigen, die von der Polizei bei diesen Ereignissen inhaftiert wurden. Das erste Ergebnis dieser Studie führte zur Klärung einiger Einzelheiten der sozialen und familiären Profile der identifizierten Randalierer. Sie liefert auch eine Reihe von Ergebnissen darüber, wie sie von der Polizei und dem Justizsystem behandelt wurden. Ein wichtiges Resultat war, dass die Qualität der polizeilichen Ermittlungen sehr oft problematisch ist: in 21 von 25 Fällen wurden die Jugendlichen weniger als eine halbe Stunde nach der Tat festgenommen, im allgemeinen nach einer Verfolgung. Jedoch zeigen die Berichte auch, dass viele Leute am Tatort anwesend waren und die Polizei nur einige von ihnen festnahm. Man fragt sich also, ob dies Beteiligte oder lediglich Zuschauer waren. Der Gesamteindruck ist, dass die Beamten in dem Tumult oft die Jugendlichen fingen, die nicht so schnell liefen wie die anderen. Quelle: Laurent Mucchielli, Aurore Delon: Judicial Processing of juveniles: The case of rioters in November 2005. http://www.cesdip.org/spip.php?article320
 
 
16) Tagung „Empirische Polizeiforschung“
„Diffundierung von Grenzen - Chancen und Risiken von Polizeiarbeit in der Sicherheits-architektur einer post-territorialen Welt“ - so lautet das Thema der Tagung, die vom 10.-12.7. 2008 in der Bundespolizeiakademie Lübeck stattfindet. Die Tagungsreihe „Empiri-sche Polizeiforschung“ versteht sich traditionell als Gelegenheit des Zusammentreffens von Polizeipraktikern und Polizeiwissenschaftlern. Es werden sowohl Forschungsskizzen, theoretische Konzepte und empirische Studien, aber auch reflektierende Erfahrungsberichte von Praktikern und Praktikerinnen aus dem Innern dieser Institutionen präsentiert. Angesprochen sind alle Disziplinen, die sich mit der Polizei oder anderen Akteuren mit „Gewaltlizenz“ beschäftigen. Programm und Anmeldung unter Dr. Rafael Behr, Polizeiakademie Niedersachsen, Bürgermeister-Stahn-Wall 9, 31582 Nienburg, oder E-Mail: rafael.behr@web.de
 
 
17) Symposion zum Thema „Das moderne Strafrecht in der Mediengesellschaft“
Zum 37. Mal fand am 12./13. April 2008 das Symposion des Instituts für Konfliktforschung e. V. Köln und des Vereins Deutsche Strafverteidiger e. V. Frankfurt/Main im Kloster Maria Laach statt. Seit vielen Jahren treffen sich hier Gutachter, forensische Psychiater und Psychologen, Strafrichter und Verteidiger zum Meinungsaustausch. Ein Konferenzbericht von Michael Stiels-Glenn findet sich bei den Online-Dokumenten des PNL: http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php
 
 
18) Tagung TÄTERINNEN - Befunde, Analysen, Perspektiven
Die Kriminologische Zentralstelle e.V. (KrimZ) veranstaltet vom 28. bis 30. Oktober 2008 in Wiesbaden eine Tagung zum Thema TÄTERINNEN - Befunde, Analysen, Perspektiven. Nur wer Frauen als „wirkliche“ Täterinnen - und zwar auch und gerade im Gewalt- und Sexualbereich - akzeptiert, kann zum einen ihre Opfer bemerken und zum anderen ihre geschlechtstypischen Sozialisations- und Lebensbedingungen wahrnehmen. Dies ist zwingende Voraussetzung, um mit ihnen erfolgreich arbeiten und weitere Taten verhindern zu können. Um diesen unterschiedlichen Facetten gerecht zu werden, widmen sich die Beiträge des ersten Tages grundlegenden Fragen, die von statistischen Erkenntnissen bis zu medialer Wahrnehmung reichen. Der zweite Tag steht im Zeichen einzelner Deliktformen, wobei eine Eingrenzung auf Gewalt- und Sexualkriminalität erfolgt. Die Beiträge des dritten Tages haben die Arbeit mit gewalttätigen bzw. straffälligen Frauen in unterschiedlichen Kontexten zum Gegenstand. Vollständiges Programm, weitere Informationen und Anmeldeformular unter http://www.krimz.de.