Polizei : Newsletter Nr. 118, April 2009
 1)   Studie legt vermehrten Einsatz von Fahrradstreifen nahe
 2)   Mit Gentests Einbrecher überführen
 3)   Persönlichkeitsmerkmale und Schusswaffeneinsatz bei Polizeibeamten
 4)   Schutzfaktoren bei kriminellem Verhalten von Mädchen
 5)   Gewalt im Zusammenhang mit Naturkatastrophen
 6)   Frühzeitiger Alkoholkonsum erhöht Risiko des Drogenmissbrauchs
 7)   Kombinierter Drogenmissbrauch von US-Jugendlichen
 8)   Chancen und Risiken der Finanzierung polizeilicher Aufgaben durch Private
 9)   Front Line bietet Unterst¨tzung für Menschenrechtsaktivisten
10)  Sexuelle Übergriffe in der US-Armee
11)  Heiligenfeld Kliniken bieten Behandlungsprogramme für Polizeibeamte an
12)  Die Tötung des Intimpartners
13)  New Yorker Bericht über den Ablauf des Jugendstrafprozesses veröffentlicht
14)  Dissertation zur Arbeit in einem Landeskriminalamt
15)  Sonderpreis für Kriminalistik geht erneut an Bochumer Masterstudierenden
16)  Bochumer Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“
17)  Aquinas-Konferenz 2009 zum Thema „Polizei und Bürger“
18)  Onlinedokumente und Buchbesprechungen
 
1) Studie legt vermehrten Einsatz von Fahrradstreifen nahe
Fahrradstreifen können unter bestimmten Voraussetzungen motorisierten Streifen überlegen sein. Eine US-Studie konnte im Vergleich zur Fahrzeugstreife mehr als zweimal so viele Kontakte zu Bürgern feststellen. Auch waren die Beamten durch das Fahrrad eher in der Lage, illegales Verhalten aufzudecken oder in Notlagen helfend einzugreifen, da sie unmittelbar sehen, hören und sogar riechen konnten, was in ihrer Umgebung geschieht. Nachteilig wirken sich der geringere physische Schutz sowie die eingeschränkten Möglichkeiten zur Daten- und Informationsverarbeitung aus. Quelle: Menton, C. (2008), Bicycle Patrols: An Underutilized Resource, in: Policing: An International Journal of Police Strategies and Management 2008, 31 (1), 93-108. http://www.ncjrs.gov/App/Publications/abstract.aspx?ID=244150
 
 
2) Mit Gentests Einbrecher überführen
Der Autor einer Studie zum Einsatz von Gentests bei Wohnungseinbrüchen erwartet eine Revolution der Strafverfolgung. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten zeigen, dass durch die Auswertung von DNA-Proben doppelt so viele Verdächtige ausgemacht und schließlich verurteilt werden können wie durch herkömmliche Ermittlungsarbeiten. Die im Rahmen des Projekts überführten Täter wiesen zudem ein höheres Vorstrafenregister auf, was jedoch darauf zurückzuführen ist, dass Erbmaterial bislang ausschließlich im Anschluss an schwere Straftaten gespeichert wird. Sollten DNA-Analysen in Zukunft flächendeckend eingesetzt werden, stünde das Strafverfolgungssystem vor zahlreiche Herausforderungen. Problematisch ist unter anderem die Frage, wie Gerichte und Justizvollzugsanstalten mit der zu erwartenden Steigerung an Angeklagten und Verurteilten umgehen werden. Die online verfügbare Kurzfassung der Studie liefert weitere lesenswerte Informationen, unter anderem einen Kosten-Nutzen-Vergleich. Quelle: Ritter, Nancy, DNA Solves Property Crimes (But Are We Ready for That?) (2008), in: NIJ Journal No. 261, October 2008, http://www.ojp.usdoj.gov/nij/journals/261/dna-solves-property-crimes.htm.
 
 
3) Persönlichkeitsmerkmale und Schusswaffeneinsatz bei Polizeibeamten
Forscher haben 186 Fälle des Schusswaffengebrauchs durch Polizeibeamte im Hinblick auf die Frage ausgewertet, welche persönlichen Merkmale des Beamten dabei eine Rolle spielen. Männliche Polizisten griffen demnach häufiger zur Waffe als ihre Kolleginnen. Der Schusswaffeneinsatz sank sowohl mit zunehmendem Alter als auch mit einem höheren Bildungsstand. Die untersuchte US-Stichprobe wies auch auf einen Einfluss der Herkunft des Polizisten hin. “White, non-Hispanic officers” machten häufiger Gebrauch von ihrer Waffe als “hispanic officers”. Quelle: McElvain, J. P., Kposowa, A.J. (2008), Police Officer Characteristics and the Likelihood of Using Deadly Force, in: Criminal Justice and Behavior, 35 (4), 505-521. http://cjb.sagepub.com/cgi/content/abstract/35/4/505
 
 
4) Schutzfaktoren bei kriminellem Verhalten von Mädchen
Ein aktuelles Dokument des US-Justizministeriums beschäftigt sich mit der Frage nach Schutzfaktoren bei kriminellem Verhalten junger Frauen. Positiv wirken sich demnach die Unterstützung durch Eltern oder Schule, Religiosität und schulischer Erfolg aus. Zu beachten ist, dass kein positiver Zusammenhang besteht, wenn bestimmte negative Voraussetzungen, wie z.B. eigene Viktimisierungserfahrungen oder ein schlechtes Wohnumfeld, bestehen. Quelle: U.S. Departement of Justice 2009 (Hrsg.), Girls Study Group, Understanding and Responding to Girls’ Delinquency, als Volltext (16 S.) verfügbar unter: http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/ojjdp/220124.pdf.
 
 
5) Gewalt im Zusammenhang mit Naturkatastrophen
Nach dem Hurricane Katrina wurde in zahlreichen Medien von zum Teil extremen Gewalthandlungen im Zusammenhang mit den Nachwirkungen des Unwetters berichtet. Forscher haben nun Opfer des Hurricanes nach ihren Gewalterfahrungen im Zusammenhang mit der Naturkatastrophe befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass es durchaus Sturmopfer gab, die reale Bedrohungslagen erlebt haben. Insgesamt wurde die Lage nach „Katrina“ jedoch nicht durch Gewaltszenarien dominiert wurde. Die Ergebnisse werden von den Autoren im Zusammenhang mit allgemeinen Überlegungen zur Kriminalitätskontrolle in Verbindung mit Naturkatastrophen diskutiert. Quelle: Brezina, Timothy, Kaufman, Joanne M. (2008), What Really Happened in New Orleans? Estimating the Threat of Violence During the Hurricane Katrina Desaster, in: Justice Quarterly 42 (4) 2008, 701-72
 
 
6) Frühzeitiger Alkoholkonsum erhöht Risiko des Drogenmissbrauchs
Ergebnisse einer Längsschnittanalyse zeigen einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum in jungen Jahren und einem erhöhten Risiko, illegale Drogen zu konsumieren. Die Hälfte der untersuchten Personen, die vor ihrem 15. Geburtstag Erfahrungen mit Alkohol machten, hatte später auch Kontakt mit illegalen Drogen. Für Personen, die erst im Alter von 20 Jahren oder später Alkohol tranken, traf dies nur in 10 % der Fälle zu. Quelle: Hingson, R.W., Heeren, T., Edwards, E.M. (2008), Age at Drinking Onset, Alcohol Dependence, and Their Relation to Drug Use and Dependence, Driving Under the Influence of Drugs, and Motor-Vehicle Crash Involvement Because of Drugs, in: Journal of Studies on Alcohol and Drugs 69(2):192-201, 2008. http://www.cesar.umd.edu/cesar/cesarfax/vol17/17-26.pdf
 
 
7) Kombinierter Drogenmissbrauch von US-Jugendlichen
Eine Studie des US-Justizministeriums untersucht den kombinierten Alkohol- und Drogenmissbrauch von US-Jugendlichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Konsum eines Rauschmittels die Wahrscheinlichkeit erhöht, auch zu anderen Drogen zu greifen. So haben 32 % der befragten 12- bis 17-jährigen, die innerhalb der letzten 30 Tage Alkohol konsumiert haben (23 % der Stichprobe), auch Marihuana konsumiert. Unter allen befragten Jugendlichen lag der Anteil der Marihuanakonsumenten jedoch nur bei 9 %. Der vollständige Bericht kann unter http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/ojjdp/219239.pdf heruntergeladen werden.
 
 
8) Chancen und Risiken der Finanzierung polizeilicher Aufgaben durch Private
Die Forderungen nach höheren Investitionen in die öffentliche Sicherheit lassen sich durch staatliche Stellen oft nicht vollständig finanzieren. Eine teilweise Finanzierung der Polizei durch Private scheint vor diesem Hintergrund naheliegend. Der vorliegende Aufsatz bietet eine schematische Darstellung der Aspekte, die bei einer privaten Finanzierung polizeilicher Aufgaben zu beachten sind. Risiken können entstehen, wenn die Polizeiarbeit von dem privaten Finanzgeber vereinnahmt wird oder Leistungen ungleich verteilt werden. Der Autor stellt Kriterien dar, anhand derer Ablauf und Grenzen privater Finanzierung festgesetzt werden können. Quelle: Grabosky, P.N. (2007), Private Sponsorship of Public Policing, in: Police Practice & Research: An International Journal, 8 (1), 5-16. http://www.ingentaconnect.com/content/routledg/gppr/2007/00000008/00000001/art00002
 
 
9) Front Line bietet Unterst¨tzung für Menschenrechtsaktivisten
Wer sich aktiv für den Schutz der Menschenrechte einsetzt, ist oftmals besonderen Gefahren ausgesetzt. Die internationale „Front Line“-Stiftung bietet daher einen 24-Stunden-Notruf an, über den schnell und unkompliziert Unterstützung bis hin zu einem Wechsel des Aufenthaltsortes organisiert wird. Weitere Informationen unter: http://www.frontlinedefenders.org/.
 
 
10) Sexuelle Übergriffe in der US-Armee
Im Rahmen einer Studie über die Lebenszeit-Prävalenz sexualisierter Gewalt gegenüber Soldatinnen berichtet fast die Hälfte der Befragten von Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen oder Belästigungen. Opfer einer Vergewaltigung wurden 28 % der Soldatinnen und damit doppelt so viele wie in der Vergleichsgruppe aller US-Amerikanerinnen (13 %). Der Großteil erstmaliger sowie wiederholter Vergewaltigungen fand dabei außerhalb der Armee statt (75 % bzw. 56 %). In 14 % der Fälle erstmaliger Vergewaltigungen war der Täter Angehöriger des Militärs (wiederholte Vergewaltigung: 26 %). Sofern die befragten Soldatinnen Opfer sexueller Belästigungen wurden, war der Täter in 31,8 % der Fälle ein Vorgesetzter im Militär und in 26,7 % der Fälle ein Militär-Kollege. Quelle: Bostock, D.J. & Daley, J.G. (2007), Lifetime and current sexual assault and harassment victimization rates of active-duty United States Air Force women, in: Violence Against Women, 13 (9), 927-944. http://vaw.sagepub.com/cgi/content/abstract/13/9/927
 
 
11) Heiligenfeld Kliniken bieten Behandlungsprogramme für Polizeibeamte an
Polizeivollzugsbeamte sind in ihrem Berufsalltag vielfältigen Belastungen ausgesetzt, aus denen psychische Erkrankungen resultieren können. Die psychosomatischen Fachkliniken in Heiligenfeld haben daher ein speziell auf die Bedürfnisse des Polizeiberufs abgestimmtes Behandlungskonzept entwickelt, um berufsspezifische psychische Beschwerden wie Überforderung, Ängste, Depressionen, Beziehungskrisen und posttraumatische Belastungsstörungen wirksam behandeln zu können. Weitere Informationen unter: http://www.heiligenfeld.org/heiligenfeld/index.php?option=com_content&task=view&id=30&Itemid=234
 
 
12) Die Tötung des Intimpartners
Wenn am Ende einer mit positiven Gefühlen verbundenen Beziehung die Tötung des Intimpartners (Intimizid) steht, wirft dies zahlreiche Fragen nach den Hintergründen der Tat auf. Forscher haben daher 80 Delikte gegen das Leben des Intimpartners mit 366 Tötungsdelikten ohne intime Vorbeziehungen verglichen. Intimizidtäter sind demnach im Vergleich zur Kontrollgruppe älter (41 vs. 30 Jahre) und verfügen über eine bessere berufliche und schulische Bildung. Dies stellt eine relativ günstige soziobiographische Konstellation dar, weshalb die Auslöser des Intimizid nach Auffassung der Autoren eher in der Ausprägung der Täter-Opfer-Beziehung mit ihren oftmals problematischen Abhängigkeits- und Machtverhältnissen sowie in der spezifischen Tatsituation zu suchen sind. Quelle: Marneros, Andreas; Reichel, Renate; Röttig, Dörthe (2008), Der soziobiographische Hintergrund von Intimizidtätern, in: MschKrim 2008, 241-249
 
 
13) New Yorker Bericht über den Ablauf des Jugendstrafprozesses veröffentlicht
Der New Yorker Bericht über den dortigen Ablauf des Jugendstrafprozesses enthält Daten über den Strafverfolgungsprozess von der Festnahme bis hin zur Verurteilung und bietet auf diese Weise Hilfestellungen für zukünftige Projekte im jugendstrafrechtlichen Bereich. Zu berücksichtigen ist, dass die Ergebnisse aufgrund des regionalen Bezuges nur eingeschränkt auf europäische Verhältnisse übertragbar sind. Das vollständige Dokument kann kostenlos heruntergeladen werden. Quelle: New York State Task Force on Juvenile Justice Indicators (2007), Widening the Lens: A Panoramic View of Juvenile Justice in New York State – Indicators for State and Local Planning, Albany NY, 108 Seiten. http://www.vera.org/publication_pdf/381_729.pdf
 
 
14) Dissertation zur Arbeit in einem Landeskriminalamt
Die Dissertation „Grenzjongleure. Der Umgang mit der Extrembelastung in einem Landeskriminalamt - eine qualitative Untersuchung“ ist kostenlos unter http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000006103 abrufbar. Die Arbeit analysiert die Handlungsmuster, mit denen Angehörige des LKAs verschiedene Extremsituationen innerhalb ihres Arbeitsalltags bewältigen.
 
 
15) Sonderpreis für Kriminalistik geht erneut an Bochumer Masterstudierenden
Bereits zum zweiten Mal hat ein Absolvent des Bochumer Masterstudienganges „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ den von der deutschen Gesellschaft für Kriminalistik (DGfK) ausgeschrieben Sonderpreis für Kriminalistik erhalten. Herrn Thorsten Schubert wurde der Preis für seine herausragende wissenschaftliche Abschlussarbeit zum Thema „Tatsächliche und fingierte Durchsuchungshandlungen als Gegenstand polizeilicher Ermittlungen“ im Rahmen der diesjährigen DGfK-Jahrestagung verliehen.
 
 
16) Bochumer Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“
An der juristischen Fakultät der Ruhr-Universität wird seit 2005 der weiterbildende Studiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ angeboten. Zum 01. Januar 2010 sind 60 Studienplätze im Fernstudium („Blended Learning“) zu vergeben. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2009. Danach findet eine Vorauswahl statt. Geeignete Bewerber werden dann zu einem mündlichen Auswahlverfahren in Bochum eingeladen. Zulassungsvoraussetzungen: Guter bis sehr guter Fachhochschul- oder Universitätsabschluss und mindestens ein Jahr Berufserfahrung danach. Der interdisziplinäre (berufsbegleitende) Studiengang richtet sich an Interessierte aus den Bereichen Jura, Medizin, Polizei, Sozialpädagogik, Psychologie, Soziologie und verwandte Berufe. Besonders qualifizierten Studierenden steht dann auch der Weg zur Promotion offen. Weitere Informationen unter http://www.makrim.de oder bei der Studiengangsverwaltung unter bzw. telefonisch unter 0234-32-29338.
 
 
17) Aquinas-Konferenz 2009 zum Thema „Polizei und Bürger“
Die diesjährige Aquinas-Konferenz findet am 13. Mai 2009 im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum zum Thema „Polizei und Bürger: die gesellschaftliche Kontrolle von Kriminalität“ statt. Unter anderem wird der deutsch-französische Soziologe Alfred Grosser, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, einen Vortrag über den „Rechtsstaat und seine Polizei“ halten. Die Veranstaltung ist öffentlich, Teilnehmer werden gebeten, sich unter jana.rickertsen@rub.de anzumelden. Das Tagungsprogramm kann unter http://www.rub.de/kriminologie/ abgerufen werden.
 
 
18) Onlinedokumente und Buchbesprechungen
Der ungarische Grenzoberst a.D. János Sallai hat eine Dokumentation der Geschichte des Eisernen Vorhangs „Vom Verlegen der Minen bis zum Entfernen der elektrischen Signalanlage“ erstellt, welches unter http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php abgerufen werden kann. Thomas Feltes hat die Neuauflage des Buches „Kriminologie. Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen“ von Hans-Dieter Schwind (2009) besprochen: http://polizei-newsletter.de/books_german.php.