Polizei : Newsletter Nr. 119, Mai 2009                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Falschaussagen aufdecken durch strategischen Einsatz von Beweismitteln
 2)   Wie ehrlich sind Polizisten, wenn es um Bürgerbeschwerden geht?
 3)   Schottische Rückfallstatistik veröffentlicht
 4)   Hintergründe des Zigarettenschmuggels in Griechenland
 5)   Berichte zur Organisierten Kriminalität
 6)   Korruption und Menschenrechte
 7)   Kein Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und eigener Gewaltbereitschaft
 8)   Kriminalitätsfurcht und nachbarschaftliches Umfeld
 9)   Arbeitsgruppe zum Thema „Policing“ gegründet
10)  Der Widerspenstigen Zähmung: Rechtfertigungsmuster bei häuslicher Gewalt
11)  Journalisten-Preis des Weissen Rings
12)  Der Nutzen von Strategien zur Entscheidungsfindung im Polizeialltag
13)  hemenheft zur Kriminalität online verfügbar
14)  Tagungshinweise
15)  Kontaktstudium Forensische Sozialwissenschaften
16)  Online-Dokumente zur Organisierten Kriminalität im Kosovo
 
1) Falschaussagen aufdecken durch strategischen Einsatz von Beweismitteln
Eine Ausbildung in der geschickten Verwendung von Beweismitteln im Rahmen eines Verhörs kann helfen, Falschaussagen aufzudecken. 82 geschulte und unge-schulte Polizisten verhörten vermeintliche Verdächtige und wurden später zu den angewandten Strategien befragt. Speziell ausgebildete Verhörpersonen verwendeten andere Strategien als ihre ungeschulten Kollegen und konnten häufiger Aussagen gewinnen, die im Widerspruch zu gewonnen Beweismitteln standen. Dies schlägt sich auch in den aufgedeckten Falschaussagen nieder: 85,4 % der geschulten Polizisten konnten Falschaussagen aufdecken; ihren un-geschulten Kollegen gelang dies bloß in 56,1 % der Fälle. Quelle: Hartwig, Maria; Granhag, Pär; Strömwall, Leif u.a. (2006), Strategic Use of Evidence During Police Interviews: When Training to Detect Deception Works, in: Law an Human Behavior, 30 (5), 603-619. http://www.ingentaconnect.com/content/klu/lahu/2006/00000030/00000005/00009053
 
 
2) Wie ehrlich sind Polizisten, wenn es um Bürgerbeschwerden geht?
Neben offiziellen Statistiken bietet die Befragung von Polizeibeamten eine weitere Quelle für Informationen über die Zahl an Bürgerbeschwerden. Ob durch einen sol-chen methodischen Ansatz überhaupt valide Daten erhoben werden können, ist Gegenstand einer empirischen Studie. Demnach scheinen Polizeibeamte größtenteils ehrlich zu sein, wenn es darum geht, von Bürgerbeschwerden über eigenes Verhalten zu berichten. Mittels eines Abgleichs der selbstberichteten Beschwerden mit offiziellen Angaben konnte eine Übereinstimung von 77 % festgestellt werden. Selbstberichtete Beschwerden sind demnach durchaus ein taugliches Mittel, um Aussagen über die Bürgerzufriedenheit mit der Polizei zu treffen. Quelle: Hickman, M.J. (2007), Validity of officer self-reported citizen complaints: A research note, in: Police Quarterly, 10 (3), 332-341. http://pqx.sagepub.com/cgi/content/abstract/10/3/332
 
 
3) Schottische Rückfallstatistik veröffentlicht
Die schottische Regierung hat Zahlen zur Rückfallhäufigkeit Haftentlassener veröffentlicht und präsentiert die wichtigsten Ergebnisse thesenartig und anhand von Tabellen und Grafiken in einem kostenlosen pdf-Dokument. Innerhalb eines Zwei-Jahres-Zeitraums sind demnach 44,5 % aller in den Jahren 2004 bis 2005 verurteilten Straftäter rückfällig geworden (Vorjahreskohorte: 44,7 %). 15 % aller verurteilten Straftäter wurden rückfällig und daraufhin zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die höchste Rückfallrate wurde bei Ladendiebstahl (69 %) und Wohnungseinbrüchen (68 %) gemessen. Rückfällig und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden am häufigsten Wohnungseinbrecher (40 %) und Räuber (36 %). Der komplette Bericht kann unter http://www.scotland.gov.uk/Resource/Doc/229014/0062005.pdf heruntergeladen werden.
 
 
4) Hintergründe des Zigarettenschmuggels in Griechenland
Führt man sich vor Augen, dass schätzungsweise 8 % aller in Griechenland konsumierten Zigaretten illegalen Ursprungs sind, werden die wirtschaftsschädigenden Folgen des Zigarettenschmuggels deutlich. Griechenland spielt dabei – entgegen des offiziellen Standpunktes – nicht nur eine Rolle als Transitland, sondern ist auch ein bedeutender Herkunfts- und Absatzmarkt. Sowohl Einzelpersonen als auch kriminelle Banden sind als Akteure auf dem Zigaretten-Schwarzmarkt beteiligt. Unter den Verurteilten bilden ausländische Täter die größte Gruppe, wodurch das tatsächliche Ausmaß der Beteiligung inländischer Täter in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt wird. Quelle: Antonopoulos, Georgios A. (2008), The Greek Connection(s). The Social Organization of the Cigarette-Smuggling Business in Greece, in: European Journal of Criminology, 5 (3), 263-288. http://euc.sagepub.com/cgi/content/abstract/5/3/263
 
 
5) Berichte zur Organisierten Kriminalität
Die OSZE hat einen Bericht über ihre Maßnahmen gegen Organisierte Kriminalität (OK) in verschiedenen europäischen Ländern veröffentlicht. Das englischsprachige Dokument kann unter http://polis.osce.org/library/details?doc_id=3564 heruntergeladen werden. Ebenfalls der OK ist eine Ausgabe der französischen Zeitschrift „Les Cahiers de la sécurité“ gewidmet“. Die Artikelübersicht inklusive abstracts findet sich unter: http://www.cahiersdelasecurite.fr/index.asp?LETTRE_ID=51&LETTRE_CRYPT=1k4SeO
 
 
6) Korruption und Menschenrechte
Der Zusammenhang zwischen Korruption und Menschenrechten ist Gegenstand eines Berichts des International Council on Human Rights. Demnach kann Korruption insbesondere dazu führen, dass Gleichheitsgrundsätze, z.B. im Gesundheitssystem, oder die Rechtsstaat- und Demokratieprinzipien verletzt werden. Das vollständige Dokument ist online verfügbar: http://www.ichrp.org/files/reports/40/131_web.pdf
 
 
7) Kein Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und eigener Gewaltbereitschaft
Im Rahmen einer Studie wurde untersucht, wie sich eine gewaltaffine Persönlichkeit, kriminelles Verhalten, Gewalt in der Familie, das Geschlecht und Gewaltdarstellungen in Computerspielen auf die eigene Gewaltbereitschaft auswirken. Während die ersten Merkmale einen Hinweis auf eigenes gewalttätiges Verhalten geben, konnte ein Einfluss von Gewalt in Computerspielen auf das Verhalten nicht festgestellt werden. Die Studie kann somit nicht die These unterstützen, dass Gewaltdarstellungen in Computerspielen die Gewaltbereitschaft des Konsumenten erhöhen. Quelle: Ferguson, C.J., Rueda, S.M., Cruz, A.M. u.a. (2008), Violent Video Games and Aggression: Causal Relationship or Byproduct of Family Violence and Intrinsic Violent Motivation?, in: Criminal Justice and Behavior, 35 (3), 311-332. http://cjb.sagepub.com/cgi/content/short/35/3/311
 
 
8) Kriminalitätsfurcht und nachbarschaftliches Umfeld
Kanadische Forscher gingen der Frage nach, inwiefern individuelle Faktoren und Umwelteinflüsse die Kriminalitätsfurcht beeinflussen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass lokale Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht hauptsächlich auf die persönlichen Unsicherheitsgefühle der Bürger zurückzuführen sind. Ein signifikanter Teil wird zusätzlich durch ein als negativ wahrgenommenes nachbarschaftliches Umfeld beeinflusst. Im Einzelnen konnte ein Zusammenhang zwischen Kriminalitätsfurcht und hohen Anteilen einkommensschwacher Familien, Alleinerziehender sowie Minderheiten festgestellt werden. Quelle: Fitzgerald, Robin (2008), Fear of Crime and the Neighborhood Context in Canadian Cities, hrsg. vom Canadian Centre for Justice Statistics. Online im Volltext verfügbar unter: http://www.statcan.ca/english/research/85-561-MIE/85-561-MIE2008013.pdf.
 
 
9) Arbeitsgruppe zum Thema „Policing“ gegründet
Die European Society of Criminology hat eine Arbeitsgruppe zum Thema “Policing” gegründet. Ziel ist es, ein länderübergreifendes Netzwerk aus Wissenschaftlern, Praktikern und Forschungseinrichtungen zu schaffen. Auf diese Weise sollen ein Wissensaustausch sowie gemeinsame Aktivitäten, z.B. vergleichende Forschungsprojekte, ermöglicht werden. Weitere Informationen finden sich unter: http://www.esc-eurocrim.org/workgroups.shtml#Policing
 
 
10) Der Widerspenstigen Zähmung: Rechtfertigungsmuster bei häuslicher Gewalt
Für eine amerikanische Studie zur häuslichen Gewalt wurden die Lebensgeschichten von 18 Gewalttätern ausgewertet. Dabei konnten zwei verschiedene Erzählweisen ausgemacht werden, die als Rechtfertigung für gewalttätiges Verhalten dienen. Beobachtet werden konnte zum Einen die Darstellung einer idealisierten Ehe, durch die die Ehefrau gehindert wird, ihre eigene Sichtweise darzustellen. Zum Anderen konnte eine Erzählweise anknüpfend an die Auffassung „Sie ist nicht mehr dieselbe Frau, die ich geheiratet habe“, festgestellt werden. Die Ehefrau wird dabei als widerspenstige Person dargestellt, die es zu zähmen gelte. Quelle: Yassour Borochowitz, D. (2008) The taming of the shrew: Batterers’ construction of their wives’ narratives, in: Violence Against Women, 14 (10), 1166-1180. http://vaw.sagepub.com/cgi/content/abstract/14/10/1166
 
 
11) Journalisten-Preis des Weissen Rings
2009 wird zum zweiten Mal ein Journalisten-Preis des WEISSEN RINGS ausgelobt. Unter dem Thema „Das Kriminalitätsopfer in der Gesellschaft“ stehen die sensible und aufklärerische Darstellung opferrelevanter Themen sowie Aspekte der Opferproblematik im Vordergrund. Um den Journalisten-Preis des WEISSEN RINGS kann sich jeder/jede Journalist/in bewerben. Eingereicht werden können journalistische Arbeiten aus den Bereichen Print, TV sowie Hörfunk. Die Beiträge müssen bei Fernsehsendungen als Mitschnitt auf DVD, bei Hörfunkbeiträgen als Mitschnitt auf CD eingereicht werden. Die Datenträger dürfen nicht kopiergeschützt sein. Die eingereichten Beiträge müssen in der Zeit vom 1. Mai 2007 bis zum 30. April 2009 in Deutschland veröffentlicht sein. Die Bewerbung muss bis zum 6. Mai 2009 vorliegen. Weiterführende Informationen unter: https://www.weisser-ring.de/internet/presse/journalisten-preis/index.html
 
 
12) Der Nutzen von Strategien zur Entscheidungsfindung im Polizeialltag
Strategien zur Entscheidungsfindung können die Treffsicherheit von Vorhersagen im Polizeialltag signifikant erhöhen. Dies ergab eine Studie, bei der Polizisten gebeten wurden, auf 36 Karten mit eingezeichneten Tatorten und topographischen Details die Wohnung eines Einbrechers einzuzeichnen. Nach der Hälfte der Karten wurde den Beamten eine simple Strategie zur Entscheidungsfindung aufgezeigt. Die Ergebnisse der Vorhersagen wurden mit einem geographischen Profiling-System verglichen. Erst nachdem die Polizisten in Entscheidungsfindung geschult worden waren, waren sie genauso treffsicher wie das geographische Profiling-System. Dabei spielte es keine Rolle, wie viele Tatorte bekannt waren oder ob topographische Details zur Verfügung standen. Quelle: Benell, C., Snook, B., Taylor, P. J. u.a. (2007), It’s no Riddle, Choose the Middle: The Effect of Number of Crimes and Topographical Detail on Police Officer Predictions of Serial Burglars’ Home Locations, in: Criminal Justice and Behavior, 34 (1), 119-132. http://cjb.sagepub.com/cgi/content/abstract/34/1/119
 
 
13) hemenheft zur Kriminalität online verfügbar
Eine Themenausgabe der Zeitschrift „Das Parlament“ widmet sich der Kriminalität. Abgedeckt wird eine Vielzahl an Einzelthemen. Unter anderem werden Maßnahmen der Kriminalprävention, die Aussagekraft der Kriminalstatistik oder der Alltag in deutschen Gefängnissen dargestellt. Die Online-Ausgabe kann im Volltext unter http://www.das-parlament.de/2008/46/Themenausgabe/index.html erreicht werden.
 
 
14) Tagungshinweise
Die 11. Wissenschaftliche Fachtagung der Kriminologischen Gesellschaft (KrimG) findet vom 17.-19. September 2009 in Gießen statt. Als Hauptthemen werden aktuelle Entwicklungen und Prävention von Wirtschaftskriminalität und Gewaltdelinquenz behandelt. Weitere Informationen sowie ein Anmeldeformular (auch für Nichtmitglieder) stehen auf der Website der KrimG bereit: http://www.krimg.de/drupal/node/107 Am 14. und 15. Mai 2009 findet in Jena ein Kongress zur Entwicklung von Strategien gegen Kinderarmut und Bildungsbenachteiligung statt. Weitere Informationen unter: http://www.kinderarmut.uni-jena.de/ Einen gendertheoretischen Blick auf Strafrecht und Kriminologie wirft die vom 12.06. bis 13.06.2009 stattfindende an der Universität Oldenburg stattfindende Tagung „Hat Strafrecht ein Geschlecht?“ Weitere Informationen unter: http://www.flugzeug-technik.de/giwk/dateien/Call-Geschlecht.pdf.
 
 
15) Kontaktstudium Forensische Sozialwissenschaften
Sozialarbeiter, Pädagogen, Psychologen und Absolventen verwandter Disziplinen können sich an der SRH Hochschule Heidelberg ab November 2009 im bundesweit ersten Kontaktstudium Forensische Sozialwissenschaften berufsbegleitend weiterbilden. Innerhalb von zehn Monaten vermittelt das Studium zunächst theoretische Grundlagen, wie z. B. Recht und die Entstehung von dissozialem Verhalten und Kriminalität. Außerdem werden die diagnostischen Kompetenzen der Teilnehmer geschult. Am 26. Mai und 22. September 2009 können sich Interessierte jeweils um 18 Uhr an der SRH Hochschule Heidelberg über das Studium informieren. Weitere Informationen sind online erhältlich: http://web.fh-heidelberg.de/de/fh-heidelberg/15722.html
 
 
16) Online-Dokumente zur Organisierten Kriminalität im Kosovo
Kolë Krasniqi und Azem Hajdari, Dozenten an der Universität Pristina, Kosovo, haben zwei Berichte über die Organisierte Kriminalität und den Menschenhandel im Kosovo verfasst. Beide Dokumente können unter http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php kostenlos abgerufen werden.