Polizei : Newsletter Nr. 134, Oktober 2010
 1)   Neuauflage der Arbeitshilfe zur Qualitätssicherung in der Polizeiarbeit
 2)   Untersuchung zu Gewalt in Beziehungen
 3)   Verbrechen gegen Menschen mit Behinderungen
 4)   Effekte freiheitsentziehender Maßnahmen in der Jugendhilfe
 5)   Neue Ausgabe der “International Statistics on Crime and Justice” erschienen
 6)   Kriminologische Zentralstelle präsentiert Informationen zu den deutschen sozialtherapeutischen Anstalten
 7)   Menschenhandel und organisierte Kriminalität in Finnland
 8)   Forschungsprojekt „Extremisten in biographischer Perspektive“ (EbiP)
 9)   Terrorismus und die Überwachung des Internet
10)  Achte Auflage der „World Prison Population List“ veröffentlicht
11)  Erhebung zur lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Sicherheitsverwahrung
12)  Forschungsstelle Kultur und Sicherheit (FoKuS) an der Hochschule der Polizei Hamburg
13)  Ergebnisse einer Fachtagung zur Demokratisierung der Polizei
14)  Call for Papers: Empirische Polizeiforschung XIV „Polizei und Gewalt“
15)  Rezensionen
 
1) Neuauflage der Arbeitshilfe zur Qualitätssicherung in der Polizeiarbeit
Die „Arbeitshilfe für Planung, Durchführung und Bewertung von Projekten – Qualitätssicherung in der Polizeiarbeit“ vom Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) ist als aktualisierte Neuauflage erschienen. Die Arbeitshilfe wendet sich nicht nur an Fachleute der Polizei, sondern auch an andere Einrichtungen, die in diesen Aufgabenbereichen tätig sind. Der Leitfaden soll für die Planung, Durchführung und Bewertung von Präventionsprojekten wichtige Hinwiese liefern. Alle Erläuterungen werden an konkreten Beispielen veranschaulicht. Eine kostenlose PDF-Version kann unter folgender URL herunter geladen werden: http://www.beccaria.de/Kriminalpraevention/de/Dokumente/Arbeitshilfe_Qualitaetssicherung_ProPK.pdf
 
 
2) Untersuchung zu Gewalt in Beziehungen
Eine Untersuchung des Landeskriminalamts Hamburg von Boldt und Jarchow beschäftigt sich mit der Dynamik von Eskalationsprozessen im Kontext von Beziehungsgewalt. Das Ziel der Untersuchung war es, anhand der zur Verfügung stehenden polizeilichen Daten, Risikogruppen frühzeitiger zu identifizieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Beziehungsgewalttäter eine sehr heterogene Gruppe darstellen und dass Beziehungsgewalt – im Gegensatz zu anderen Kriminalitätsformen – zu 54,9 % ein wiederholtes Ereignis eines Täters gegenüber ein und demselben Opfer darstellt. Die Studie, die auch die polizeiliche Behandlung von Beziehungsgewalttaten beleuchtet, kann per E-Mail unter lkasp2@[KEINSPAM]polizei.hamburg.de bestellt werden.
 
 
3) Verbrechen gegen Menschen mit Behinderungen
Michael Rand und Erika Harrell zeigen in Ihrer Untersuchung „Crime Against People with Disabilities“, dass Personen mit Behinderungen öfter Opfer von Gewalttaten werden, als Menschen ohne Einschränkungen und dass ein Fünftel der Opfer mit Behinderung der Meinung sind, nur aufgrund ihrer Einschränkung Opfer geworden zu sein. Die Studie basiert auf Daten der National Crime Victimization Survey (NCVS), herausgegeben vom U.S. Department of Justice (DOJ) und kann im Internet heruntergeladen werden: http://bjs.ojp.usdoj.gov/index.cfm?ty=pbdetail&iid=2022
 
 
4) Effekte freiheitsentziehender Maßnahmen in der Jugendhilfe
Hanna Permien stellt in einer Broschüre die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) vor. Die Befunde der Untersuchung „Effekte freiheitsentziehender Maßnahmen“ (FM) in der Jugendhilfe machen deutlich, dass FM auch positive und dauerhaft wirkende Effekte aufweisen können. Voraussetzung für das Eintreten positiver Effekte ist allerdings, dass die Jugendlichen die Maßnahmen nicht als Zwang erfahren, sondern als Hilfsmaßnahme begreifen. Darüber hinaus werden von der Autorin weitere Einflussfaktoren beleuchtet, die den sozialen Lernprozess von Jugendlichen beeinflussen. Die Studie finden Sie unter: http://dji.de/freiheitsentzug
 
 
5) Neue Ausgabe der “International Statistics on Crime and Justice” erschienen
Das “European Institute for crime prevention and control” (HEUNI) hat die 64. Ausgabe der „International Statistics on Crime and Justice“ veröffentlicht. Das Dokument enthält zahlreiche internationale statistische Befunde zu den Themen Kriminalität und Strafverfolgung. Der Band enthält acht Artikel unterschiedlicher Autoren und gibt unter anderem Auskünfte über Tötungsvergehen, Vorstrafendelikte, Drogenstraftaten, Menschenhandel und Strafjustizsystemen in verschieden Ländern. Das Dokument kann als kostenlose PDF-Version heruntergeladen werden: http://www.heuni.fi/Etusivu/Publications/HEUNIreports/1266333832841
 
 
6) Kriminologische Zentralstelle präsentiert Informationen zu den deutschen sozialtherapeutischen Anstalten
Unter http://krimz.de/texte.html stellt die „Kriminologische Zentralstelle“ in Wiesbaden Strukturdaten zur „Sozialtherapie im Strafvollzug“ online zur Verfügung. Susanne Niemz präsentierte die Ergebnisübersicht vom 31.03.2010. Insgesamt wurden 56 sozialtherapeutische Einrichtungen mit insgesamt 2.110 verfügbaren Haftplätzen untersucht. Die Auslastung der Plätze lag zu diesem Zeitpunkt bei 89,2%. Seit der gesetzlichen Einführung einer verpflichtenden sozialtherapeutischen Behandlung von Sexualstraftätern im Jahre 1998, stieg die Zahl der verfügbaren Haftplätze in der Sozialtherapie von ursprünglich 888 Plätzen in 20 Einrichtungen im Jahre 1997, auf 2.043 Plätze in 56 Einrichtungen im Jahre 2009.
 
 
7) Menschenhandel und organisierte Kriminalität in Finnland
Minna Viuhko und Anniina Jokinen stellen in ihrer Studie “Human trafficking and organized crime – trafficking for sexual exploitation and organized procuring in Finland” die Entwicklung des Menschenhandels in Finnland zwischen 2000 und 2009 dar. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 20 Polizeiermittlungen wegen Menschenhandels registriert. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die in Finnland zur Zwangsprostitution genötigt werden, meist legal aus Russland, Estland, Osteuropa, Thailand oder aus dem Balkan kommen und hauptsächlich von männlichen Bekannten, Freunden oder kriminellen Organisationen nach Finnland gelockt werden. Ausschlaggebend dafür sind Push- und Pullfaktoren wie Armut, Wirtschaftskrisen, Mangel an Alternativen, geringer Status der Frau in Gesellschaften und/oder Geldverdienst, Western Lifestyle sowie Abenteuerlust. Die Studie mit weiteren Informationen findet sich im Internet unter: http://www.akateeminen.com
 
 
8) Forschungsprojekt „Extremisten in biographischer Perspektive“ (EbiP)
Eine Untersuchung des Bundeskriminalamtes beschäftigt sich auf der Grundlage eines biographischen, lebensgeschichtlich orientierten Ansatzes mit den Lebenswegen von Menschen, die Delikte aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität verübt haben. Die Studie trägt den Titel „Die Sicht der Anderen – eine qualitative Studie zu Biographien von Extremisten und Terroristen“ und wurde von Saskia Lützinger (2010) durchgeführt. Die empirische Basis der Studie bilden 39 qualitative Interviews. Die Ergebnisse zeigen, dass Radikalisierungsverläufe eine Vielzahl von Übereinstimmungen aufweisen. Die untersuchten Biographien charakterisieren häufig entwicklungsbelastete Personen. Ursachen sind beispielsweise strukturell und emotional gestörte Familiensysteme, fehlende soziale Bindungen oder Brüche in Bildungs- und Berufskarrieren. Die vollständige Studie steht im Internet zum Download bereit: http://www.bka.de/kriminalwissenschaften/veroeff/band/band40/band40_die_sicht_der_anderen.pdf
 
 
9) Terrorismus und die Überwachung des Internet
Ian Brown und Douwe Korff beschäftigen sich in einer Studie mit der Verbreitung von Internetüberwachung in demokratischen Gesellschaften in Zusammenhang mit der Prävention von terroristischen Anschlägen. Die Autoren hegen dabei große Zweifel daran, dass die Überwachung (und evtl. Zensur) des Internet in ihrer gegenwärtigen Form im Einklang mit demokratischen Prinzipien steht. Des Weiteren zeigen sich nach Auffassung von Brown und Korff derzeit erhebliche Schwierigkeiten bei grenzüberschreitenden Kooperationen zwischen den Exekutivorganen. Brown, I. and Korff, D. (2009): Terrorism and the Proportionality of Internet Surveillance. European Journal of Criminology March 6, 119-134. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://euc.sagepub.com/content/6/2.toc
 
 
10) Achte Auflage der „World Prison Population List“ veröffentlicht
Das „International Centre for Prison Studies“ am King´s College London hat die achte Auflage der “World Prison Population List” veröffentlicht. Das Dokument enthält zahlreiche Daten und Informationen zum Strafvollzug aus 218 Ländern. Insgesamt waren 2009 weltweit etwa 9.8 Millionen Menschen in Strafvollzugsanstalten inhaftiert. Die meisten Häftlinge sitzen in den USA (2.29 Millionen), in Russland (0.89 Millionen) und in China (1.57 Millionen) ein. Die höchste Gefangenenrate weisen die USA auf (mit 756 pro 100.000 Einwohner). In Deutschland waren 2009 ca. 73.000 Personen in einem Gefängnis inhaftiert. Das vollständige Dokument kann kostenlos unter folgender URL herunter geladen werden: http://www.kcl.ac.uk/depsta/law/research/icps/publications.php?id=8
 
 
11) Erhebung zur lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Sicherheitsverwahrung
Die jährliche Erhebung zur lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Sicherungsverwahrung der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden wurde um die Daten von 2008 ergänzt und in aktualisierter Form im Internet veröffentlicht. Es zeigt sich, dass in Deutschland seit 2007 512 Sicherungsverwahrte erfasst wurden. Dabei stellen Gefangene mit unbefristeten Sanktionen nur einen kleinen Anteil der Population in den Justizvollzugsanstalten dar. Ende März 2009 befanden sich rund 73.600 Personen in den bundesweit 195 Vollzugsanstalten, darunter 2,7% lebenslange Gefangene und 0,6% Sicherungsverwahrte. Kommt es zu einer Entlassung aus der Sicherungsverwahrung, zeigt die Forschung bessere Ergebnisse, als nach einer Freilassung aus dem Vollzug einer regulären Freiheitsstrafe. Die Erhebung kann im Internet heruntergeladen werden: http://krimz.de/fileadmin/dateiablage/forschung/texte/LF_SV_2008.pdf
 
 
12) Forschungsstelle Kultur und Sicherheit (FoKuS) an der Hochschule der Polizei Hamburg
An der Hochschule der Polizei Hamburg wird derzeit eine Forschungsstelle für Kultur und Sicherheit (FoKuS) aufgebaut. Die neue Forschungsstelle fokussiert den gesellschaftlichen Zusammenhang von Kultur und Sicherheit, sowie die Organisationskultur in staatlichen Institutionen der Hoheitsverwaltung und von gewerblichen Sicherheitsanbietern. An der FoKuS soll nicht nur eine umfassende Daten- und Materialsammlung entstehen, sondern auch empirisch geforscht werden. Die Forschungsstelle ist an der Professur für Polizeiwissenschaften mit den Schwerpunkten Kriminologie und Soziologie angesiedelt. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://hdp.hamburg.de/forschungsstelle/1957270/fokus.html
 
 
13) Ergebnisse einer Fachtagung zur Demokratisierung der Polizei
Die Ergebnisse einer Fachtagung zum Thema Demokratisierung der Polizei sind im Internet veröffentlicht worden. Die Tagung wurde von der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft organisiert und setzte sich u.a. kritisch mit den Themen Polizeikultur und rechtswidrige Polizeigewalt auseinander. Der Vollständige Ergebnisreader, der auch einen Beitrag des renommierten Kriminologen Fritz Sack enthält, steht im Internet zum kostenlosen Download zur Verfügung: http://www.linksfraktion-hamburg.de/fileadmin/user_upload/PDF/Polizeibroschuere.pdf
 
 
14) Call for Papers: Empirische Polizeiforschung XIV „Polizei und Gewalt“
Der Arbeitskreis Empirische Polizeiforschung hat um die Einreichung von Beiträgen für die 14. Jahrestagung gebeten. Die Konferenz wird unter dem Motto „Polizei und Gewalt“ stehen und vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2011in der Polizeiakademie Niedersachsen in Hann. Münden stattfinden. Im Verlauf der Tagung soll Gewalt gegen Polizeibeamte, Gewalt durch Polizeibeamte und Gewalt innerhalb der Polizei thematisiert werden. Beitragsvorschläge können noch bis zum 30. November 2010 eingereicht werden. Weitere Hinwiese finden sich im Internet: http://www.empirische-polizeiforschung.de/tagungen-z.php
 
 
15) Rezensionen
Unter dem Link http://polizei-newsletter.de/books_german.php sind auf der Website des Polizei-Newsletter neue Rezensionen zu finden: Thomas Ohlemacher bespricht „Fremde als Ordnungshüter? – Die Polizei in der Zuwanderungsgesellschaft Deutschland“ von Daniela Hunold, Daniela Klimke, Rafael Behr und Rüdiger Lautmann. Thomas Feltes rezensiert Rebekka Salome Henrichs Studie „Sicherheit im Sexmilieu. Ethnografie des Sexmilieus Hamburg St. Pauli“, die von der Gesellschaft für interdisziplinäre wissenschaftliche Kriminologie (GiwK) mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus werden Kurzeinführungen von Jim Fraser („Forensic Science. A Very Short Introduction“) und David Canter (“Forensic Psychology. A Very Short Introduction”) besprochen.