Polizei : Newsletter Nr. 135, November 2010
 1)   Internationaler Studiengang „Criminology, Governance and Police Science“
 2)   Zusammenhang zwischen Bildung und Gewaltanwendung von Polizisten
 3)   Entwicklung des Polizierens in den USA nicht nachhaltig genug?
 4)   Tests zur Erstellung von Rückfallprognosen
 5)   Berichterstattung über sexueller Gewalt kann das Anzeigeverhalten beeinflussen
 6)   Untersuchung alternativer Sanktionsformen für Kinder und Jugendliche
 7)   Vergleichende Untersuchung der Politik zur Videoüberwachung in drei Ländern
 8)   Das Fehlen sozialwissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema Biometrie
 9)   Informationsbroschüre der EU „Freiheit, Sicherheit und Recht für alle“
10)  Harmonisierung der polizeilichen Informationstechnologie in der Schweiz
11)  Anne-Marie Orler zur obersten Polizistin der Vereinten Nation ernannt
12)  Ergebnisse des Stockholmer Symposiums für Kriminologie 2010
13)  Veranstaltungshinweis zur Fachwoche Straffälligenhilfe 2010
14)  Call for Papers der GiwK: Kriminalität in der Krise
15)  Rezensionen
 
1) Internationaler Studiengang „Criminology, Governance and Police Science“
Die juristische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum bietet seit 2005 den weiterbildenden Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ (www.makrim.de) an. Vor dem Hintergrund zunehmender Anfragen aus dem Ausland wird ab Januar 2011 der berufsbegleitende Masterstudiengang „Criminology, Governance and Police Science“ in Kooperation mit dem University College Ghent angeboten. Er richtet sich an Polizeibeamte (aus allen Ländern) sowie an Vertreter nationaler und internationaler Organisationen die auf dem Gebiet der inneren oder äußeren Sicherheit tätig sind und ist als englischsprachiger Fernstudiengang konzipiert. Weitere Informationen und Hinweise zur Studiendauer und den Studiengebühren finden sich im Internet unter www.macrimgov.eu oder können bei der Studienverwaltung per Mail (vonderheydenKEINSPAM@macrimgov.eu) bzw. via Telefon erfragt werden (+49 [0]234-32-25246
 
 
2) Zusammenhang zwischen Bildung und Gewaltanwendung von Polizisten
Jason Rydberg und William Terrill haben eine Untersuchung des Verhaltens von Polizeibeamten unter besondere Berücksichtigung ihrer Bildung bzw. ihrer schulischen Laufbahn vorgelegt. Die Autoren können dabei zeigen, dass die Bildung von Polizeibeamten nur sehr begrenzte Auswirkungen auf das Verhalten der Polizisten im Hinblick auf die Anzahl von Verhaftungen und die Qualität von Ermittlungsergebnissen hat. Allerdings zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Bildung von Polizisten und der Häufigkeit von Gewaltanwendungen. Beamte mit geringer Bildung neigen danach häufiger zu Gewaltanwendung im Dienst als Beamte mit höherer Bildung. Rydberg, J. and Terrill, W. (2010): The Effect of Higher Education on Police Behavior. Police Quarterly, 13(1), 92–120. Der Artikel steht derzeit zum kostenlosen Download bereit: http://pqx.sagepub.com/content/13/1/92.full.pdf+html
 
 
3) Entwicklung des Polizierens in den USA nicht nachhaltig genug?
Eine im September 2010 veröffentlichte Untersuchung der Harvard Kennedy School beschäftigt sich mit der Entwicklung des Polizierens in den USA zwischen 1985 und 2008. Die Untersuchung versteht sich als Fortsetzung zweier vorangegangener Studien aus den Jahren 1967 und 1991. Die Autoren, David Bayley und Christine Nixon, sehen in dem Rückgang der Kriminalitätsbelastung in den USA ein Zeichen dafür, dass es der Polizei und anderen Institutionen die mit der Erzeugung von Sicherheit beauftragt sind, gelungen ist, sich auf veränderte Bedrohungslagen und äußere Umstände einzustellen. Sie kritisieren jedoch, dass Fehlen einer ganzzeitlichen Strategie des Polizierens und äußern Zweifel daran, dass mit kurzfristig wirkenden Reformen (wie simplen Aufstockungen von Ressourcen) auch zukünftig mit einer positiven Entwicklung zu rechnen ist. Die Untersuchung steht im Volltext zum kostenlosen Download bereit: http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/nij/ncj230576.pdf
 
 
4) Tests zur Erstellung von Rückfallprognosen
Das englische Justizministerium hat eine Studie mit dem Titel „Applying Neural Networks to the Prediction of Recidivism“ veröffentlicht. Min Yang, Yuanyuan Liu und Jeremy Coid unterziehen darin die im englischsprachigen Gebiet genutzten Tests zur Erstellung von Rückfallprognosen einer kritischen Prüfung. Die Ergebnisse zeigen, dass beim Umgang mit den Instrumenten viel Sorgfalt und gründliche (einzelfallabhängige) Vorüberlegungen erforderlich sind. Weitere Informationen zur Untersuchung finden sich im Internet: http://www.justice.gov.uk/about/docs/neural-networks-research.pdf
 
 
5) Berichterstattung über sexueller Gewalt kann das Anzeigeverhalten beeinflussen
Marie-Eve Boudreau und Marc Ouimet haben die Häufigkeit von Sexualstraftaten im kanadischen Quebec untersucht. Dabei zeigte sich, dass die gemeldete Anzahl von leichten Sexualstraftaten seit 1980 anstieg, während die Anzahl schwerer Sexualstraftaten im gleichen Zeitraum rückläufig war. Die Autoren führen diesen zunächst irritierenden Befund auf eine Veränderung des Anzeigeverhaltens zurück. Durch eine systematische Auswertung von lokalen Zeitungsberichten, die zwischen 1974 und 2006 erschienen sind, kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Art und Weise der Berichterstattung für das veränderte Anzeigeverhalten maßgeblich gewesen sein kann. Boudreau, M.E., Ouimet, M. (2010): L'impact de la couverture médiatique des violences sexuelles sur les taux d'agressions sexuelles au Québec entre 1974 et 2006. University of Toronto Press, October, 52(5), 497-525. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://utpjournals.metapress.com/content/18457302871462p0/?p=d3baa02a0d904caa85cfa53b0627575c&pi=2
 
 
6) Untersuchung alternativer Sanktionsformen für Kinder und Jugendliche
Das „International Centre for Prison Studies” am King´s College London hat eine Evaluation von Maßnahmen vorgelegt, die darauf abzielen die Anzahl von inhaftierten Kindern und Jugendlichen in England und Wales zu senken. Die Autoren der Studie, Enver Solomon und Rob Allen, beschreiben und bewerten hierfür alternative Sanktionsformen und Präventionsmaßnahmen aus verschiedenen Ländern. Dabei zeigt sich, dass die Wirkung verschiedener Maßnahmen stark variiert. Unter http://www.kcl.ac.uk/depsta/law/research/icps/publications.php?id=9 steht der Beitrag im Volltext zum kostenlosen Download zur Verfügung.
 
 
7) Vergleichende Untersuchung der Politik zur Videoüberwachung in drei Ländern
Leon Hempel und Eric Töpfer haben die Innenpolitik zum Thema Videoüberwachung (CCTV) in Deutschland, Frankreich und in Großbritannien untersucht. Unter Rückgriff auf psychoanalytische Konzepte verweisen sie dabei auf die Widersprüchlichkeit der CCTV, die einerseits zu höhere Transparenz beitragen soll, während sie andererseits überwiegend im Verborgenen (außerhalb des Wahrnehmbaren) stattfindet. Hempel, L., Töpfer, E. (2009): The Surveillance Consensus – Reviewing the Politics of CCTV in Three European Countries. European Journal of Criminology, 6(2), 157-177.
 
 
8) Das Fehlen sozialwissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema Biometrie
Daniel Neyland setzt sich in „Who´s Who? The Biometric Future and the Politics of Identity” kritisch mit der biometrischer Personenerfassung und der Diskussion um ihre Einführung in Großbritannien auseinander. Neyland kritisiert besonderes das Fehlen von fundierten sozialwissenschaftlichen Untersuchungen. Diese Vernachlässigung führe unweigerlich zu größeren Handlungsspielräumen in der Entwicklung und Anwendung biometrischer Technologien. Neyland, D.: (2009): Who´s Who? The Biometric Future and the Politics of Identity. European Journal of Criminology, 6(2), 135-155.
 
 
9) Informationsbroschüre der EU „Freiheit, Sicherheit und Recht für alle“
Die Europäische Kommission hat die Broschüre „Freiheit, Sicherheit und Recht für alle – Justiz und Inneres in der Europäischen Union“ herausgegeben. In dem Dokument werden u.a. die wesentlichen Maßnahmen der EU beschrieben, die zu einer Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit nationaler Polizei-, Justiz- und Zollbehörden beitragen sollen. Die deutsche Version der Broschüre kann unter folgender URL kostenlos herunter geladen werden: http://ec.europa.eu/publications/booklets/move/42/de.pdf
 
 
10) Harmonisierung der polizeilichen Informationstechnologie in der Schweiz
Die föderalistische Struktur des Schweizer Staates und damit auch der schweizerischen Polizeilandschaft kommt auch bei dem Betrieb der heute bestehenden polizeilichen Informationssysteme zum Ausdruck. So ist eine Vielfalt von nur zum Teil kompatiblen Informatiksystemen bei den 26 Schweizer Kantonspolizeien im Einsatz und jede Polizei betreibt eine eigene Informatik mit eigenen Anwendungen. Nicht weniger als 11 verschiedene und zum Teil nicht kompatible Systeme sind momentan bei den Schweizer Polizeikorps im Einsatz. Der minimal notwendige Datenaustausch zwischen den polizeilichen Stellen erfolgt mit XML-Standard über ein gemeinsames System. Die Konferenz der kantonalen Polizei- und Justizdirektoren hat nun beschlossen, die Harmonisierung der schweizerischen Polizei IT voranzutreiben und ein Projekt hierzu in Auftrag zu geben.
 
 
11) Anne-Marie Orler zur obersten Polizistin der Vereinten Nation ernannt
Die ehemalige Sektionsvorsitzende von Amnesty International Schweden, Anne-Marie Orler, ist zum UN-Police-Advisor ernannt worden. Die 49-jährige Schwedin ist somit Chefin von rund 13.000 Polizeibeamten aus 90 Ländern, die in 15 Friedens-missionen weltweit im Einsatz sind. Orler hat Journalismus und Rechts¬wissen-schaften studiert, war Polizeibeamte und hat sich über 20 Jahre für Menschenrechte und gegen Folter engagiert. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.un.org/en/peacekeeping/sites/police/adviser.shtml
 
 
12) Ergebnisse des Stockholmer Symposiums für Kriminologie 2010
Das Stockholmer Symposium für Kriminologie berichtet auf seiner Homepage über die Ergebnisse der Jahrestagung 2010. Der eigens hierfür generierten Website sind zahlreiche Informationen zum Ablauf und zu den Ergebnissen des diesjährigen Symposiums zu entnehmen. Auf der Website finden sich neben der Zusammenfassung der Tagungsbeiträge auch zahlreiche Videos mit Statements von namhaften Kriminologen. Der diesjährige Preis des Symposiums wurde dem Kriminologen David Weisburd verliehen. http://www.criminologyprize.com/extra/news/?module_instance=2&id=15.
 
 
13) Veranstaltungshinweis zur Fachwoche Straffälligenhilfe 2010
Die Evangelische Konferenz für Straffälligenhilfe (EKS) veranstaltet gemeinsam mit der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe (KAGS) eine Fachwoche zur sozialräumlich orientierten Straffälligenhilfe. Die Veranstaltung wird zwischen dem 29. November und dem 1. Dezember 2010 in Wittenberg stattfinden. Im Zentrum der Tagung stehen dabei auch Themen der Kriminlaprävention. Das ausführliche Veranstaltungsprogramm finden sich im Internet: http://www.fachwoche.de/attachments/055_Fachwoche_Straffaelligenhilfe_2010_Programm.pdf
 
 
14) Call for Papers der GiwK: Kriminalität in der Krise
Die Gesellschaft für interdisziplinäre wissenschaftliche Kriminologie (GiwK) hat um die Einreichung von Beiträgen für eine Konferenz zum Thema „Kriminalität in der Krise – Deutungen und Bewältigungsstrategen in Zeiten der Wirtschaftskrise„ gebeten. Die Veranstaltung wird voraussichtlich am 29. und 30. März 2012 in Bielefeld sattfinden. Beitragsvorschläge können noch bis zum 15. November 2010 eingereicht werden. Weitere Hinwiese finden sich im Internet: http://www1.uni-hamburg.de/giwk/dateien/CallKrise.pdf
 
 
15) Rezensionen
Unter dem Link http://polizei-newsletter.de/books_german.php sind auf der Website des Polizei-Newsletter neue Rezensionen zu finden: Thomas Feltes rezensiert die vierte Auflage von Harry Dammers und Jay Albaneses “Comparative Criminal Justice Systems“. Jan Köhler bespricht den Band „Sport und Gewalt“, der in der Schriftenreihe der Deutschen Hochschule der Polizei erschienenen ist. Oliver Bidlo stellt „Die Spur. Ratgeber für die spurenkundliche Praxis“ vor. Das von Peter Pfefferli, Ursula Germann, Manfred Holder und Anderen herausgegebene Ringbuch richtet sich an alle Praktiker, die mit der Sicherung und Interpretation von Spuren zu tun haben.