Polizei : Newsletter Nr. 136, Dezember 2010
 1)   Zum Interaktionsverhalten zwischen Jugendlichen und der Polizei
 2)   Polizeiausbildung in Argentinien
 3)   Homepage für Strafverfolgungsbehörden zum Thema Social-Web
 4)   Arbeitskreis Juristen zu „Stuttgart 21“
 5)   Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2009 veröffentlicht
 6)   Werden Opfer von sexuellem Missbrauch häufiger zu Sexualstraftätern?
 7)    Die Bedeutung von moralischen Überzeugungen für Wiederholungstäter
 8)   Die Geschichte der Street-Gangs in den USA
 9)   Stetiger Rückgang von Kindstötungen seit 2006
10)  Gesundheit und Kriminalitätsfurcht
11)  Kostenlose Online-Schriftenreihe des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit
12)  Ausschreibung: Preis der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik
13)  Veranstaltungshinweis für Fachkräfte der Jugend- und Bewährungshilfe
14)  Call for Papers für den 16ten Weltkongress der Kriminologie
15)  Rezensionen
 
1) Zum Interaktionsverhalten zwischen Jugendlichen und der Polizei
Welche Faktoren bestimmen den Umgang zwischen Jugendlichen und der Polizei? Welche Wahrnehmungen und Sichtweisen existieren über die jeweils andere Gruppe und wie lassen sich die Interaktionen zwischen beiden Seiten beschreiben und erklären? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Wolfgang Koller in seiner Masterarbeit mit dem Titel „Jugend und Polizei – Eine qualitative Studie zu ihrem Interaktionsverhalten“. In Form von narrativen Interviews lässt der Autor beide Seiten zu Wort kommen und geht so den Erfahrungen und Erwartungen auf den Grund, welche nicht zuletzt den gegenseitigen Umgang bestimmen und so die Realität zwischen Jugendlichen und der Polizei begründen. Die Arbeit steht auf der Homepage des Polizei-Newsletter zum kostenlosen Download bereit: http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php
 
 
2) Polizeiausbildung in Argentinien
Der argentinische Politikwissenschaftler Nicolás Rodriguez Games hat eine Reihe von Projekten zur Verbesserung der polizeilichen Ausbildung in Südamerika durchgeführt. Sein Ziel ist es, die argentinische Polizeiausbildung zu professionalisieren. Der Abschlussbericht über die Entwicklung eines Schulungsmodells steht zum kostenlosen Download (in spanischer Sprache) bereit und erlaubt interessante Einblicke in die Ausbildung der Polizei in Südamerika: Rodriguez Games, N. et al. (2007) "Análisis del modelo de enseñanza y formación de la ex-Policía Aeronáutica Nacional". Buenos Aires, Policía de Seguridad Aeroportuaria. http://www.ilsed.org/index.php?option=com_docman&task=doc_view&gid=257
 
 
3) Homepage für Strafverfolgungsbehörden zum Thema Social-Web
Das US-Justizministerium betreibt mit dem Bureau of Justice Assistance eine Homepage zum Thema Social Web und Web 2.0. Das Ziel der Initiative ist es, die Kompetenzen der Strafverfolgungsbehörden im Umgang mit Social-Web-Diensten zu stärken. Die Homepage http://www.iacpsocialmedia.org enthält neben zahlreichen technischen Informationen und Erklärungen auch nützliche Hinweise für Institutionen, die sich auf den Aufbau einer Infrastruktur im Social-Web beziehen.
 
 
4) Arbeitskreis Juristen zu „Stuttgart 21“
In Zusammenhang mit dem umstrittenen Bahnprojekt „Stuttgart 21“ hat sich ein Arbeitskreis von engagierten Juristinnen und Juristen gebildet, der sich aus bürgerschaftlichem Engagement mit Rechtsfragen des Projekts befasst. Derzeit sind etwa 30 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, Richterinnen und Richter sowie andere Juristen in dem Arbeitskreis aktiv. Weitere Informationen zu den Aktivitäten des Arbeitskreises finden sich auf der Homepage http://www.juristen-zu-stuttgart21.de.
 
 
5) Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität 2009 veröffentlicht
Das Bundeskriminalamt hat das Lagebild Wirtschaftskriminalität 2009 auf seiner Homepage veröffentlicht. Dem Dokument ist zu entnehmen, dass die Anzahl der registrierten Delikte aus dem Beriech der Wirtschaftskriminalität auf 101.340 Fälle angestiegen ist. Das entspricht einem Anstieg um fast 20% gegenüber dem Vorjahr. Obwohl der Anteil der Delikte aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität an allen bekannt gewordenen Straftaten lediglich 1,6 % beträgt, belief sich der hieraus entstandene Schaden auf ca. 3,43 Milliarden Euro. Damit verursachte die Wirtschaftkriminalität (ähnlich wie im Berichtsjahr 2008) nahezu die Hälfte des in der PKS dokumentierten finanziellen Gesamtschadens von ca. 7,2 Milliarden Euro. Das Dokument steht im Volltext zum Download bereit: http://www.bka.de/lageberichte/wi/wikri_2009.pdf
 
 
6) Werden Opfer von sexuellem Missbrauch häufiger zu Sexualstraftätern?
In einer Literaturanalyse vergleichen Ashley Jespersen, Martin Lalumiere und Michael Seto die Daten von 17 verschiedenen Täter- und Opferbefragungen. Die Autoren vergleichen dabei insbesondere die Angaben von Personen, die eine Sexualstraftat begangen haben mit den Angaben von Personen die keine derartige Tat begangen haben. Dabei zeigte sich, dass Sexualstraftäter in ihrer Vergangenheit deutlich häufiger das Opfer von Missbrauch wurden. Den Daten der Studie zufolge scheint dabei die Art des erlebten Missbrauchs von untergeordneter Bedeutung zu sein. Quelle: Jespersen, A., Lalumière, M., Seto, M. (2009): Sexual abuse history among adult sex offenders and non-sex offenders: a meta-analysis. Child abuse & neglect, 33(3), 179-192.
 
 
7) Die Bedeutung von moralischen Überzeugungen für Wiederholungstäter
Eine Untersuchung von Stavros Kiriakidis hat sich mit der Bedeutung von moralischen Überzeugungen von jugendlichen Wiederholungstätern beschäftigt. Im Rahmen der Studie, die auf einer Befragung von 152 straffällig gewordenen Jugendlichen in Schottland basiert, konnte gezeigt werden, dass die Loslösung von moralischen Überzeugungen bei Jugendlichen, die bereits straffällig geworden sind, ein Indikator für zukünftiges delinquentes Verhalten sein kann. Die Loslösung von moralischen Überzeugungen hat allerdings keinen messbaren Einfluss auf die Häufigkeit der begangenen Delikte gezeigt und war für die Begehung der ersten Tat nur von eingeschränkter Bedeutung. Quelle: Kiriakidis, S. (2010): Young Offenders’ Decisions to Re-offend as A Breakdown of Self-Regulation of Hierarchically Organised Feedback Loops: The Role of Moral Disengagement in Formulating Decisions to Re-offend. European Journal on Criminal Policy and Research 16, 237–250.
 
 
8) Die Geschichte der Street-Gangs in den USA
Eine Veröffentlichung des US-amerikanischen Office of Juvenile Justice and Delinquency Prevention (OJJDP) von James Howell und John Moore beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung von Street-Gangs in vier verschiedenen Regionen der USA. Das Dokument enthält neben der Darstellung der historischen Entwicklung auch eine aufschlussreiche analytische Beschreibung der gegenwärtigen Situation. Quelle: Howell, J. & Moore, J. (2010): History of Street Gangs in the United States. National Gang Center Bulletin No.4. Die Veröffentlichung steht im Internet zum Download bereit: http://www.nationalgangcenter.gov/Content/Documents/History-of-Street-Gangs.pdf
 
 
9) Stetiger Rückgang von Kindstötungen seit 2006
Die Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik hat in einer im November erschienen Publikation nachweisen können, dass die Anzahl von Kindstötungen seit 2006 stetig gesunken ist. In der Novemberausgabe der „Kommentierten Daten der Kinder- und Jugendhilfe“ (KomDat) verweisen Thomas Rauschenbach und Jens Pothmann darauf, dass die Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes 2009 noch 38 Fälle ausweist, in denen Kinder unter zehn Jahren aufgrund eines tätlichen Angriffs zu Tode gekommen sind. Demnach kommen auf 1 Mio. unter 6-Jährige derzeit fünf Fälle. Vor zwanzig Jahren waren es ca. 15 Fälle. Die Autoren führen die positive Entwicklung vor allem auf die ebenfalls beobachtete Zunahme der Anzeigen bei Misshandlungen, die Verdopplung bei den erzieherischen Hilfen und einen Anstieg bei den Eingriffen in die elterliche Sorge zurück. Weitere Informationen können der KomDat 2/2010 entnommen werden: http://www.akjstat.uni-dortmund.de/akj/komdat/pdf/komdat38.pdf
 
 
10) Gesundheit und Kriminalitätsfurcht
In dem Artikel „Public Health and Fear of Crime: A Prospective Cohort Study“ beleuchten Jonathan Jackson und Mai Stafford das Verhältnis zwischen Gesundheit und Kriminalitätsfurcht. Die Autoren können dabei zeigen, dass eine schlechte psychische oder physische Verfassung oft mit einer höheren Kriminalitätsfurcht einhergeht. Quelle: Jackson, J., & Stafford, M. (2009): Public health and Fear of Crime: A Prospective Cohort Study. The British Journal of Criminology, 49(6), 832-847.
 
 
11) Kostenlose Online-Schriftenreihe des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit
Das Forschungsforum Öffentliche Sicherheit hat die ersten Ausgaben einer neuen „Schriftenreihe Sicherheit“ veröffentlicht. Im Rahmen dieser Reihe sollen aktuelle Forschungsergebnisse und Diskussionsfelder aus dem Bereich der Sicherheits-forschung aufbereitet und dokumentiert werden. Darüber hinaus werden die Ergeb¬nisse der Studien und der regelmäßigen Workshopveranstaltungen des Forschungs¬forums in der neuen Schriftenreihe publiziert. Die Reihe erscheint als kostenlose Onlineausgabe und als Printversion. Weitere Informationen finden sich im Internet unter: http://www.sicherheit-forschung.de/schriftenreihe/index.html
 
 
12) Ausschreibung: Preis der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik
Die Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik (DGfK) hat den Jahrespreis für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Kriminalistik ausgelobt. Der Preis ist mit 1.000€ dotiert. Bis zum 31.12.2010 können wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Bereich der Kriminalistik für den Preis vorgeschlagen werden, sofern sie im Jahr 2010 entstanden sind. Einsendungen sind zu richten an: Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik, Horst Clages, Im Kornfeld 6, 51491 Overath. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.kriminalistik.info/
 
 
13) Veranstaltungshinweis für Fachkräfte der Jugend- und Bewährungshilfe
„Hoffnungslose Fälle? Kompetenzen für den Umgang mit besonders herausfordernden Klienten“ - so lautet der Titel eines Seminars, das von der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ) zwischen dem 7. und 9. Februar 2011 in Reinhausen bei Göttingen organisiert wird. Die Veranstaltung konzentriert sich unter anderem auf mögliche gegenseitige Wirkungsweisen in der Klienten-Betreuer-Beziehung. Anmeldeschluss ist der 9. Dezember 2010. Weitere Informationen sind dem Veranstaltungskalender der DVJJ zu entnehmen: http://www.dvjj.de/download.php?id=1382
 
 
14) Call for Papers für den 16ten Weltkongress der Kriminologie
Die Internationale Gesellschaft für Kriminologie hat um die Einreichung von Beiträgen für den 16ten Weltkongress der Kriminologie gebeten. Der Kongress wird zwischen dem 5. und 9. August 2011 in Kobe (Japan) stattfinden und trägt den Titel: "Global Socio-Economic Crisis and Crime Control Policies: Regional and National Comparison". Beitragsvorschläge können noch bis zum 31. Januar 2011 eingereicht werden. Weitere Hinwiese finden sich im Internet: http://wcon2011.com/
 
 
15) Rezensionen
Unter dem Link http://polizei-newsletter.de/books_german.php sind auf der Website des Polizei-Newsletter neue Rezensionen erschienen: Ingo Techmeier beschäftigt sich mit dem von Patrick Sensburg herausgegeben Sammelband „Die neue Sicherheitslage in der Bundesrepublik Deutschland“ sowie mit dem von Thomas Grumke und anderen herausgegebenen Buch „Offener Demokratieschutz in einer offenen Gesellschaft - Öffentlichkeitsarbeit und Prävention als Instrumente des Verfassungsschutzes“. Thomas Feltes rezensiert „Kraft Gesetz“ und „Wege der Sicherheitsgesellschaft“, herausgegeben von Gerhard Wagner bzw. von Axel Groenemeyer sowie das „Handbook of Loss Prevention and Crime Prevention“ von Lawrence Fennelly.