Polizei : Newsletter Nr. 138, Februar 2011
 1)   Polizeikultur als Schutzfaktor bei traumatischen Belastungen
 2)   Die Haltung von Polizeibeamten zum Thema Gewalt gegen Frauen
 3)   Videoüberwachung im Polizeieinsatz
 4)   Die Kosten der Polizeiarbeit in den USA
 5)   Rekordbelegung in zahlreichen Gefängnissen der Schweiz
 6)   Strafvollzugstatistik 2010
 7)   Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Sachsen-Anhalt
 8)   Theoretische Analyse von School Shootings
 9)   Programm zur Bekämpfung von Jugendgangs in den USA evaluiert
10)  Mehr Geld für Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland
11)  Soziale Unterschiede hemmen die Integration von Migranten in Deutschland
12)  Qualifizierte Einwanderer sind für Europa unentbehrlich
13)  Aus Politik und Zeitgeschichte: Extremismus
14)  Dokumentation europäischer Dunkelfeldforschung veröffentlicht
15)  Rezension
 
1) Polizeikultur als Schutzfaktor bei traumatischen Belastungen
Eine Studie von Schneider & Latscha (2010) hat sich mit möglichen Schutzfaktoren vor der Entstehung von Posttraumatischen Belastungsstörungen beschäftigt. Durch die Befragung und Untersuchung von 203 Polizeibeamten konnten die Autoren feststellen, dass neben den üblichen Schutzfaktoren wie Konzepten der Selbstwirksamkeitserwartungen und psychischen Widerstandsfähigkeit auch das Erleben der polizeilichen Gemeinschaft vor Posttraumatischen Belastungsstörungen schützt. Die polizeiliche Gemeinschaft scheint dabei eine doppelte Wirkung zu entfalten: Einerseits schützt sie als sozialer Puffer direkt. Andererseits schützt „die durch Polizeikultur geformte Persönlichkeit der Beamten“ vor dem Auftreten einer Belastungsstörung. Schneider, D. & Latscha, K. (2010). Polizeikultur als Schutzfaktor bei traumatischen Belastungen. Polizei und Wissenschaft, 4/2010, 30 – 43.
 
 
2) Die Haltung von Polizeibeamten zum Thema Gewalt gegen Frauen
Eine Untersuchung der Universität Valencia von Gracia et al. beschäftigt sich mit der Haltung von Polizeibeamten zum Thema Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften. Die Autoren verglichen die Ergebnisse einer Befragung von 318 Polizisten. Dabei zeigten sich zwei verschiedene Haltungsmuster bei den Beamten. Für eine Gruppe, der untersuchten Polizisten, war es für das weitere polizeiliche Vorgehen von großer Bedeutung, ob das Opfer von häuslicher Gewalt den Wunsch äußerte, dass der Täter bestraft wird. Die andere Gruppe der Beamten wurde durch die Haltung des Opfers gegenüber dem Täter im weiteren polizeilichen Vorgehen nur unwesentlich beeinflusst. Diese Gruppe der „unabhängigen“ Beamten zeigte insgesamt höhere Werte auf einer Empathie-Skala, niedrigere Werte auf eine Skala zur Messung von Sexismus und fühlte sich bei Fällen von häuslicher Gewalt deutlich häufiger persönlich involviert. Gracia, E., García, F., Lila, M. (2011).Police Attitudes towards Policing Partner Violence against Women: Do they correspond to different Psychosocial Profiles? Journal of Interpersonal Violence, 26 (1), 189 – 207. Der vollständige Beitrag steht noch bis März 2011 zum kostenlosen Download bereit: http://jiv.sagepub.com/content/26/1/189.full.pdf+html
 
 
3) Videoüberwachung im Polizeieinsatz
Ein Beitrag in der Januarausgabe der Zeitschrift „Deutsche Polizei“ thematisiert neue Möglichkeiten, die mit der Verwendung von moderneren Kameraüberwachungssystemen bei verschiedenen polizeilichen Einsatzszenarien verbunden sein können. Neben dem Einsatz fest installierter Systeme beschreibt der Artikel auch die Funktionsweise von tragbaren Systemen, bei denen die Bildübertragung zwischen Kamera und Empfangsstation keine Kabelverbindung benötigt. Quelle: Müller, H. (2011). Moderne Kamera-Überwachung im täglichen Polizeieinsatz. Deutsche Polizei – Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, 60 (1), 24 – 25.
 
 
4) Die Kosten der Polizeiarbeit in den USA
Ein Beitrag von George Gascón und Todd Foglesong von der Harvard Kennedy School beschäftigt sich mit den Kosten der Polizeiarbeit in den USA. Die Autoren können zeigen, dass die Kosten in den letzten Jahren rapide angestiegen sind. Zwischen 1996 und 2006 stiegen sie jährlich um 8,6%. Seit 1997 sind es im Durchschnitt etwa 4% jährlich. In ihrem Beitrag stellen die Autoren auch einige theoretische Kostenmodelle vor, die dazu beitragen sollen die Polizeiarbeit effektiver und finanzierbarer zu gestalten. Der vollständige Beitrag steht im Internet zum Download bereit: http://ncjrs.gov/pdffiles1/nij/231096.pdf
 
 
5) Rekordbelegung in zahlreichen Gefängnissen der Schweiz
Ende 2010 waren in der Schweiz 6181 Personen in Einrichtungen des Freiheitsentzugs inhaftiert. Hierbei handelt es sich um den höchsten Stand seit 1999. In den lateinischen Kantonen liegt die Belegungsrate der Gefängnisse mittlerweile bei 105%. Von den Inhaftierten befanden sich 31% in Untersuchungshaft, 61% im Straf- und Massnahmenvollzug, 6% waren im Rahmen von Zwangsmaßnahmen gemäß Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer inhaftiert. Seit 2004 ist der prozentuale Anteil an ausländischen Inhaftierten stabil und macht 72% des Gesamtbestandes aus. Allerdings zeigt sich eine deutliche Übervertretung ausländischer Inhaftierter in der Untersuchungshaft. Rund 81 Prozent der Insassen in Untersuchungshaft sind ausländischer Nationalität. Quelle: Veröffentlichung des eidgenössischen Bundesamtes für Statistik: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/medienmitteilungen.Document.139525.pdf
 
 
6) Strafvollzugstatistik 2010
Das statistische Bundesamt (Destatis) hat die Strafvollzugstatistik 2010 veröffentlicht. Neben demographischen und anderen kriminologisch relevanten Merkmalen der Strafgefangenen werden auch ergänzende Informationen zu den Sicherungsverwahrten in Deutschland, sowie Zeitreihen zum Thema Strafvollzug von 1965 bis 2010 bereitgestellt. Die neue Ausgabe der Fachserie 10, Reihe 4.1, kann kostenfrei über den Publikationsservice des Bundesamtes im Internet bezogen werden. https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?CSPCHD=0000000100004kujughX0000003wx7mgybRQBQ3tw6jPc16Q--&cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1026530
 
 
7) Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Sachsen-Anhalt
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat die Ergebnisse einer Befragung von 2.590 Schülerinnen und Schülern aus Sachsen Anhalt vorgelegt. Den inhaltlichen Schwerpunkt der Studie bildeten die Gewalterfahrungen, die sowohl aus der Opfer- als auch aus der Täterperspektive beleuchtet wurden und das Mediennutzungsverhalten der Schüler. Dabei zeigte sich, dass 13,4% der Jugendlichen in Sachsen-Anhalt Gewalterfahrungen aus der Täterperspektive aufweisen. Höher belastet sind nur noch die drei Stadtstaaten, wie vergleichbare Studien zeigen. Der Ergebnisbericht der Untersuchung kann im Volltext kostenlos von der Homepage des KFN heruntergeladen werden: http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb110.pdf
 
 
8) Theoretische Analyse von School Shootings
School Shootings werden seit Ende der 1990er Jahre zunehmend in der Wissenschaft und Praxis thematisiert. Ungeachtet der Vielzahl der Erklärungsansätze, die in den Medien und in der Politik diskutiert werden, fehlt es an abgesichertem Wissen über Zusammenhänge und Risikofaktoren. Mit dem Artikel von Hong et. al. (2010) „Revisiting the Virginia Tech Shootings: An Ecological Systems Analysis“ ist nun ein Beitrag vorgelegt worden der sich dem Thema School Shootings stark theoriegeleitet annimmt. Der Beitrag ist im Journal of Loss and Trauma (15, 561 – 575) erschienen und kann auch kostenlos im Internet heruntergeladen werden: http://news.msu.edu/media/documents/2011/01/16d2ac17-33f5-41fc-bac6-bd10145f8c83.pdf
 
 
9) Programm zur Bekämpfung von Jugendgangs in den USA evaluiert
Das US Department of Justice präsentierte die Ergebnisse der Evaluation des „Gang Reduction Program's”. Im Rahmen dieses Programms wurde versucht, in vier Großstädten der USA, der Bildung von Jugendgangs entgegenzuwirken. Das Programm war mit Erwartung verbunden auf diesem Wege die Straßen- und Gewaltkriminalität zu reduzieren. Dem Evaluationsbericht zufolge hat sich das Programm nicht als Patentrezept gegen die Bildung von Gangs erwiesen. Ungeachtet dessen war das Programm mit zahlreichen Erfolgen verbunden. Die vollständigen Ergebnisse der Evaluation finden Sie im Internet unter: http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/ojjdp/230106.pdf
 
 
10) Mehr Geld für Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind die Ausgaben für Kinder und Jugendhilfe in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 9,4% angestiegen. Dementsprechend wurden ca. 24,3 Milliarden Euro für Kinder- und Jugendhilfe aufgewendet. Die Kosten für vorläufige Schutzmaßnahmen, wie die Inobhutnahme bei Gefährdung des Kindeswohls, sind um 20,6% gestiegen und beliefen sich damit auf ca. 144 Millionen Euro. Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Nr. 477 vom 20. Dezember 2010. Detailliertere Ergebnisse zu den Ausgaben sind über den Publikationsservice von Destatis online abrufbar: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/12/PD10__477__225,templateId=renderPrint.psml
 
 
11) Soziale Unterschiede hemmen die Integration von Migranten in Deutschland
Eine Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat das Phänomen der räumlichen Segregation von Migranten untersucht. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Zuwanderer aus nicht-westlichen Ländern häufig unter sich wohnen wollen. Die Ursache hierfür wird in der vorliegenden Untersuchung nicht zwangsläufig als ein Zeichen für mangelnden Integrationswillen gesehen. Soziale Unterschiede zwischen einheimischen Deutschen und verschiedenen Migrantengruppen scheinen wesentlich stärkere Erklärungskraft zu haben. Der Schlüssel zur Integration der Migranten in die deutsche Gesellschaft wird von den Autoren daher in der Verringerung der Ungleichheiten in Bezug auf Bildung und Einkommen gesehen. Weitere Informationen finden sich in einem Wochenbericht des DIW der zum kostenlosen Download bereitsteht: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.364396.de/10-49.pdf
 
 
12) Qualifizierte Einwanderer sind für Europa unentbehrlich
Eine Untersuchung von Martin Kahanec und Klaus Zimmermann, vom Deutschen Institute für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, hat sich mit der Einwanderungspolitik in Europa kritisch auseinandergesetzt. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die (ökonomische) Zukunft vieler europäischer Volkswirtschaften ohne die Einwanderung von hochqualifizierten Fachkräften gefährdet werden könnte und sie kritisieren das Fehlen einer angemessenen Migrationspolitik in Europa. Die Studie steht im Volltext zum kostenlosen Download bereit: Kahanec, M., Zimmermann, K. (2011). High-Skilled Immigration Policy in Europe. DIW Discussion Papers, Nr. 1096. Berlin. http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.366717.de/dp1096.pdf
 
 
13) Aus Politik und Zeitgeschichte: Extremismus
Die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) hat das Themenheft „Extremismus“ veröffentlicht. In dem Beitrag wird sowohl der politische als auch der religiöse Extremismus moderner Gesellschaften behandelt. Dabei werden nicht nur die verschiedenen Formen und Ausprägungen des Extremismus beschrieben und die dahinter stehenden Denkmuster skizziert. Der Beitrag thematisiert zugleich mögliche gesellschaftliche Abwehrreaktionen und setzt sich mit politischen Strategien auseinander, die gegen extremistische Haltungen gerichtet sind. Das vollständige Heft steht im Internet zum kostenlosen Download bereit: http://www.bpb.de/files/4FP0SI.pdf
 
 
14) Dokumentation europäischer Dunkelfeldforschung veröffentlicht
Im Rahmen des Seminars “10 Years of the Crime Victimization Survey in Catalonia – European Experiences. Assessment and Future Challenges“ hat ein internationaler Wissens- und Erfahrungsaustausch über Dunkelfeldstudien stattfinden können. Die Ergebnisse der Kooperation und Debatten wurden nun in einer Publikation gebündelt, die sich mit aktuellen Problemen der Dunkelfeldforschung beschäftigt. Das Dokument steht zum kostenlosen Download im Internet unter folgender URL zur Verfügung:
 
 
15) Rezension
Unter der Rubrik Buchbesprechungen ist auf der Website des Polizei-Newsletter (http://polizei-newsletter.de/books_german.php) folgende neue Rezension zu finden: Anna Schnepper stellt Ira Lippelts „Innenansichten und Wirkungsforschung zum Täter-Opfer-Ausgleich im Jugendstrafrecht“ vor.