Polizei : Newsletter Nr. 14, Februar 2000                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Nachtrag zu „Hamburger Polizeibericht“
 2)   Polizeihauptmeister erst ab 30?
 3)   Kriminalgeografie und Crime Mapping
 4)   Effizienz von Besprechungen verbessern
 5)   Telefon-Hotline für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Kinder
 6)   Bundesgesetzblatt gratis via Internet
 7)   Neo-Liberalismus als Gefahr für die Grundlagen unserer Kultur
 8)   Community Policing
 9)   Menschen werden immer älter
10)  Soziologie-FAQ
11)  Freiwilliger Polizeidienst und Wachpolizei in Hessen
12)  Alltagshilfe für erfolgreiche Männer
13)  Feuerwände/Firewalls
14)  ProPK Online
15)  Das Letzte?
 
1) Nachtrag zu „Hamburger Polizeibericht“
Im letzten Newsletter hatten wir über den Hamburger Polizeibericht sowie über die dortige Polizeikommission informiert. Die dort angegebenen Zahlen zum Beschwerdeaufkommen der Kommission stammen allerdings nicht (wie von uns berichtet) aus dem Polizeibericht, sondern aus dem „Jahresbericht 1999 der Polizeikommission“, der im Internet unter http://www.hamburg.de/Behoerden/PK/bericht.htm zu erhalten ist oder bei der Geschäftsstelle der Polizeikommission, Johanniswall 4, 20095 Hamburg, Tel. 040/3096890 kostenlos bestellt werden kann (Dank an Werner Lehne von der Geschäftsstelle der Polizeikommission für diesen Hinweis).
 
 
2) Polizeihauptmeister erst ab 30?
Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat am 15.07.1999 (2 B 11402/99) entschieden, dass ein Mindestlebensalter von 30 Jahren bei der Beförderung zum Polizeihauptmeister rechtens ist. Begründung war u.a.: effektivere Verwaltungsarbeit, besseres Vorankommen für jüngere Beamte (!?) und eine ausgewogenere Personalstruktur. Inwiefern diese Begründung die jüngeren Bewerber zufriedenstellt, bleibt abzuwarten! Quelle: Polizeispiegel; 01/2000; S. 24
 
 
3) Kriminalgeografie und Crime Mapping
Das National Institute of Justice (NIJ) möchte seinen Polizeibeamten, Kriminalwissenschaftlern und anderen Interessierten die Methoden der Visualisierung von Verbrechen mit der Hilfe von Karten näher bringen. Mehr als 110 farbige Grafiken illustrieren wie geografische Informationssysteme (GIS) benutzt werden, um Straftaten zu analysieren. Im Anhang werden 50 Webseiten aufgelistet, die sich mit dem "Crime mapping" beschäftigen. Der Report "Mapping Crime“ (NCJ 178919) steht als PDF-File unter http://www.ncjrs.org/html/nij/mapping/pdf.html zum Download bereit. Der Report hat 206 Seiten, die Datei 3,26 MB. Quelle: JustInfo
 
 
4) Effizienz von Besprechungen verbessern
Bis zu 30% der Arbeitszeit wird in Besprechungen verbracht, die oftmals schlecht vorbereitet sind. Die Minolta AG hat Materialien vorgelegt, wie Besprechungen optimiert werden können (Medien für Meetings, 112 S., DM 64.-, Fax 0511-7404644). Danach kann die Besprechungszeit um die Hälfte verringert werden, indem z.B. die Zahl der Routine-Meetings verringert wird, jede Besprechung ein festes Zeitbudget, ein Ziel und eine Tagesordnung hat, die allen Beteiligten vorher bekannt sind und – besonders wichtig – zuvor Grundinformationen als Sitzungsunterlagen zusammengestellt werden (Quelle: Trendletter 12/99). Gute Sitzungsunterlagen, von einem Mitarbeiter vorbereitet, können einer Vielzahl anderer Mitarbeiter (und dem Vorgesetzten) Zeit und Ärger ersparen.
 
 
5) Telefon-Hotline für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Kinder
Ende 1999 wurde vom Berliner Senat eine „Hotline bei häuslicher Gewalt gegen Frauen“ eingerichtet (030/6110300). Träger ist der Verein BIG e.V. (Berliner Initiative gegen Gewalt gegen Frauen), zu dem auch das „Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt“ gehört, mit dem die Berliner Polizei schon seit Jahren zusammenarbeitet. Informationen hierzu sowie zu anderen Themen sind  auch über den Fax-Abruf der LPS zu bekommen (Infos über Marco Müller,  ppr.lps-mediendienst@snafu.de). Quelle: Kompass (Mitteilungsblatt der Landespolizeischule Berlin 1, 2000, S. 32)
 
 
6) Bundesgesetzblatt gratis via Internet
Über http://bundesgesetzblatt.makrolog.de/ (Achtung! Ohne „www“) kann man sich als Gratis-Nutzer für das Bundesgesetzblatt eintragen lassen und dort in über 60.000 Seiten (Dokumente seit 1949) suchen.
 
 
7) Neo-Liberalismus als Gefahr für die Grundlagen unserer Kultur
Pierre Bourdieu, einer der bekanntesten und renommiertesten Soziologen, hat in einem lesens- und nachdenkenswerten Beitrag die aktuelle Diskussion um den Neo-Liberalismus analysiert und kommentiert. Sein Resumé: Der Neo-Liberalismus ist eine gefährliche Sozialphilosophie. Er ist neo-darwinistisch, zerstört das traditionelle europäische Solidaritätsprinzip und vereinzelt die Menschen. Damit werden – so Bourdieu – die Grundlagen der europäischen Kultur untergraben. Quelle: franz. In L`Humanité, dt. in der taz vom 4./5.12.1999
 
 
8) Community Policing
Auch die Michigan State University beschäftigt sich mit "Community Policing" (CP) und hat eine beachtliche Linksammlung zu diesem Thema zusammengestellt. Unter den Themen befinden sich Beiträge, z.B. zur Gegenüberstellung Fußstreife – Fahrzeugstreife, zum Umgang mit Minderheiten und zur „Messbarkeit“ von CP. Die Link-Sammlung ist zu finden unter: http://www.ssc.msu.edu/~cj/cp/cptoc.html
 
 
9) Menschen werden immer älter
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in den USA für Frauen bereits jetzt bei 80 Jahren, Langfrist-Prognosen gehen aber von ganz anderen Zahlen aus: Nach dem Millennium Geborene sollen im Alter von 80 bis 100 Jahren in Rente gehen und mit 120 Jahren sterben. Viele werden im Alter um die 40 in einen befristeten Ruhestand gehen, um sich dann der Familie zu widmen. Geht die bis dahin selbst erarbeitete Rente zur Neige, beginnt eine zweite Phase beruflicher Tätigkeit: Mit Fernstudium werden Weiterbildungsleistungen nachgefragt und einen zweiten Beruf zu erlernen (Quelle: Trendletter 12/99). Schon jetzt würden manche gerne diese Auszeit oder ein Sabbatical rechtzeitig nehmen, unser System ist darauf aber noch nicht eingestellt. Wie lange glauben wir noch, dass jemand (z.B. bei der Polizei) tatsächlich 40 Jahre lang ohne Unterbrechung optimale Leistungen erbringen kann?
 
 
10) Soziologie-FAQ
Soziologen mit Internet-Erfahrung werden das "SOZIOLOGIE-FAQ" von Martin Rost, Kiel, kennen http://www.netzservice.de/Home/maro/sozfaq.html), das ca. 500 Soziologie-Hyperlinks zu Newsgroups, Bibliotheken und Datenbanken, Online-Texten, Theoretikern, Themen, Periodicals, Verbänden, Organisationen sowie weiteren Soziologie-Ressourcen im Internet enthält. Das "SOZIOLOGIE-FAQ" wird künftig integriert im GESIS-Angebot "SoWi-Links" weitergeführt werden: http://www.bonn.iz-soz.de/navigation/socsci/. Quelle: IZ-Telegramm4/1999
 
 
11) Freiwilliger Polizeidienst und Wachpolizei in Hessen
Mit acht Millionen DM sollen zukünftig in Hessen WachpolizistInnen mit Pistole, Schlagstock und Uniform die dortige Polizei unterstützen. Bezahlt werden sie nach BAT VII, und 60 der vorerst 120 sollen in Frankfurt eingesetzt werden. In Wiesbaden, Marburg, Fulda und Offenbach sind Versuche mit ehrenamtlichen Polizeihelfern (DM 14.- pro Stunde) geplant. Bisher sind in Baden-Württemberg 1.600 freiwillige Polizeihelfer tätig, in Berlin umfasst die Freiwillige Polizeireserve nur noch 565 Personen (nach über 4.000 in den 60er Jahren), und in Bayern gibt es ca. 40 Gemeinden mit sog. Sicherheitswacht. Quelle: Unbequem, Dezember 1999, S. 8 f.
 
 
12) Alltagshilfe für erfolgreiche Männer
Kleine Probleme für große Männer? Herbert Hertramph, Soziologe an der Uni Ulm bietet mit „Herberts Männerseiten“ neben praktischen Tipps bei Alltagsproblemen viele nützliche Informationen zu den Themen Job, Freizeit, Flirt, Haushalt ..... Vom Krawatten-Binden über Assessment-Center bis hin zu Gesprächsführungskursen und Persönlichkeitstests sowie den geheimen Codes der Arbeitszeugnisse: http://www.maennerseiten.de ist ernsthafter, als es auf den ersten Blick scheint. Meine persönliche Empfehlung des vergangenen Jahres 1999, weil es Spass macht, die Seiten anzusehen und weil der Inhalt stimmt.
 
 
13) Feuerwände/Firewalls
Wie Unternehmen (und Polizeidienststellen) ihr Computernetzwerk sicher für das Internet öffnen können, das beschreibt "Firewalls". Das Buch liegt jetzt in der zweiten Auflage vor - ergänzt und überarbeitet. Es liefert detaillierte Anleitungen, wie Firewalls für unterschiedliche Unternehmen aufgebaut werden können. Breiten Raum nimmt dabei auch eine genaue Erläuterung der möglichen Angriffspunkte und der gängigen Hackertools ein. Neu in dem Werk von Stefan Strobel sind Themen wie "Hochverfügbarkeit", "Intrusion Detection" und "Remote Access". "Firewalls" kostet 78 Mark, ist im dpunkt.verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Mehr unter http://www.dpunkt.de/produkte/firewalls2a.html. Quelle: forumnews 19.01.00
 
 
14) ProPK Online
Das Polizeiliche Kriminalpräventionsprogramm der Länder und des Bundes (ProPK) ist jetzt online. Seit Jahresbeginn präsentiert ProPK sich und seine Arbeit im Netz. Auf den schick aufgemachten Seiten findet man alle Informationen rund um die polizeiliche Präventionsarbeit, für die Besucher der Presse ist ein extra Bereich eingerichtet. Im speziell für Kinder kreierten Bereich erklärt "Clicky" den jüngsten Internet-Surfern, was man in bestimmten Situationen, zum Beispiel wenn man eine Geldbörse findet, tun sollte. Die Internetseite http://www.polizei.propk.de sieht aber nicht nur gut aus, sie verlangt dem Browser auch einiges ab. Das Macromedia Flash4 Plug-In sollte installiert sein und "Clicky's" virtueller Spielplatz mit Sound braucht bei 1,5 MB (ohne Ton 337 kb) doch ein wenig Zeit zum download. Rundum ist ProPK hier aber eine stilvolle Site gelungen, die einen Besuch wert ist.
 
 
15) Das Letzte?
Düfte und Gerüche im öffentlichen Raum sind „out“

Wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es immer mehr (ungeschriebene) Regeln. Neu ist, dass Parfums, Deos, Haarsprays in öffentlichen Räumen nicht mehr als zumutbar gelten. In Kanada gibt es bereits Unternehmen und Verwaltungen, die Besucher und Mitarbeiter anweisen, keine „aufdringlichen“ Düfte zu benutzen (Quelle: Trendletter 12/99).