Polizei : Newsletter Nr. 143, Juli 2011
 1)   Deutschland im oberen Bereich im weltweiten Rechtsstaats-Ranking – aber auch deutlicher Nachholbedarf
 2)   Polizei in Dresden hat zehntausende Verbindungs- und Positionsdaten von Mobilfunkgeräten ausgespäht
 3)   Polizei nutzt Fotos auf Facebook für Ermittlungen
 4)   Nutzung von Elektroschockpistolen und anderen „weniger-tödlichen“ Waffen durch die Polizei
 5)   Akzeptanz der Polizei bei Kindern im Vereinigten Königreich
 6)   „Being Smart On Crime“ durch transparente Wirkungsevaluation
 7)   Praxisorientierte Broschüre zur Prävention von Korruption
 8)   Schriftenreihe Sicherheit: Pandemie und Endemie
 9)   Statistische Analyse zur lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Sicherungsverwahrung
10)  Hasskriminalität in den USA
11)  Studie zu Mord und organisierter Kriminalität im Vereinigten Königreich
12)  Online-Archiv der kritischen Kriminologen aus Neuseeland und Australien
13)  Dokumentation des deutschen Präventionstages
14)  Veranstaltungshinweis: 12. Tagung der Kriminologischen Gesellschaft in Heidelberg
15)  Rezensionen
16)  Masterstudiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft
 
1) Deutschland im oberen Bereich im weltweiten Rechtsstaats-Ranking – aber auch deutlicher Nachholbedarf
In einem gerade veröffentlichten Ranking zur Rechtsstaatlichkeit in insgesamt 66 Ländern weltweit wird Deutschland unterschiedlich eingestuft. Nach vier Jahren intensiver Recherche hat das „World Justice Project“, eine unabhängige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Washington, seinen Bericht 2011 veröffentlicht. Der Bochumer Jurist und Kriminologe Thomas Feltes war als einer von mehr als 2.000 Experten weltweit an der Befragung beteiligt. Darüber hinaus waren mehr als 66.000 Personen zu ihren Erfahrungen mit der Justiz in ihrem Land befragt worden. Während beim Zugang zu den Zivilgerichten und dem Schutz der Grund- und Menschenrechte Deutschland relativ weit oben rangiert (Platz 2 bzw. 6 weltweit), belegen wir im Bereich Korruption lediglich Rang 12 und bei der „Transparenz der Regierung“ Rang 11 und liegen damit deutlich hinter anderen Ländern. Der aktuelle Bericht des „World Justice Project“ steht unter http://worldjusticeproject.org/rule-of-law-index/ zum Download zur Verfügung.
 
 
2) Polizei in Dresden hat zehntausende Verbindungs- und Positionsdaten von Mobilfunkgeräten ausgespäht
Die Polizei in Dresden hat nach Informationen der Tageszeitung (taz) die Verbindungs- und Positionsdaten von Mobilfunkgeräten von mehreren zehntausend Personen überwacht. Mit Hilfe der Funkzellenauswertung (FZA) sollten ursprünglich Personen gesucht werden, die im Rahmen einer Demonstration Polizeibeamte angegriffen haben sollen. Konkret „erfasste die Polizei über einen Zeitraum von mindestens viereinhalb Stunden sämtliche Anrufe und SMS-Nachrichten“ bei allen Personen, die sich am 19. Februar in der Südvorstadt in Dresden aufhielten. Neben den Daten der Demonstranten, wurden dadurch auch die Daten sämtlicher Anwohner erfasst. Darunter sind Anwälte, Ärzte und Seelsorger sowie Bundestagsabgeordnete. Nun wurde bekannt, dass die Daten, die nur mit richterlichem Beschluss erhoben werden durften, auch für andere Ermittlungsverfahren zweckentfremdet wurden. Quelle und weitere Informationen: http://taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/mal-eben-ausgespaeht/
 
 
3) Polizei nutzt Fotos auf Facebook für Ermittlungen
Nach einem Bericht der Hamburger Morgenpost online ermittelt die Polizei verstärkt mithilfe von sozialen Netzwerken wie Facebook. Die öffentlich zugänglichen Daten werden insbesondere zur Identifikation von Verkehrssündern genutzt. Die Hamburger Morgenpost berichtet von einem konkreten Fall, bei dem ein Verkehrssünder, der zunächst angab nicht gefahren zu sein, durch einen Abgleich des Beweisfotos mit seinem Profilbild bei Facebook überführt werden konnte. Quelle und weitere Informationen: http://www.mopo.de/hamburg/panorama/polizei-jagt-raser-mit-facebook/-/5067140/8543310/-/index.html
 
 
4) Nutzung von Elektroschockpistolen und anderen „weniger-tödlichen“ Waffen durch die Polizei
Eine Studie des Office of Justice Programms des US-amerikanischen Justizministeriums hat die Nutzung von Elektroschockpistolen und anderen „weniger-tödlichen“ Waffen bei den Polizeibehörden in den USA untersucht. Dabei zeigte sich, dass die angemessene Verwendung von Pfefferspray und Elektroschockpistolen, die Anzahl schwerer Verletzungen bei Beamten und bei Verdächtigen reduzieren kann, wenn die Anwendung von Gewalt unabwendbar wird. Die Untersuchung steht im Internet zum kostenlosen Download bereit: http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/nij/232215.pdf
 
 
5) Akzeptanz der Polizei bei Kindern im Vereinigten Königreich
Eine Sonderauswertung des britischen British Crime Survey (BCS) beschäftigt sich mit der Haltung und Einstellung von Kindern gegenüber der Polizei. Mit Hilfe der Daten von mehr als 3.700 befragten Kindern kann dabei gezeigt werden, dass die Akzeptanz der Polizei unter Kindern in Großbritannien recht hoch ist. 87% der befragten Kinder stimmten bspw. der Aussage zu, dass die Polizei helfen würde, wenn Hilfe benötigt werde. Von den Kindern, die in den letzten zwölf Monaten Kontakt mit der Polizei hatten (und der Kontakt von der Polizei hergestellt wurde), äußerten sich sogar noch 77% der Kinder positiv über den Kontakt mit den Beamten. Der Erlebnisbericht kann vollständig im Internet heruntergeladen werden: http://www.homeoffice.gov.uk/publications/science-research-statistics/research-statistics/crime-research/hosb0811/hosb0811?view=Binary
 
 
6) „Being Smart On Crime“ durch transparente Wirkungsevaluation
Auf der neu eingerichteten Homepage http://www.crimesolutions.gov werden verschiedene kriminalpolitische Maßnahmen vorgestellt. Dabei werden die wissenschaftlich nachweisbaren Wirkungen der verschiedenen Programme kritisch beleuchtet und durch ein einfaches Bewertungssystem transparent gemacht. Die Homepage wird vom Office of Justice Programms des US-amerikanischen Justizministeriums betrieben und versteht sich als Teil einer „Being Smart On Crime“-Strategie.
 
 
7) Praxisorientierte Broschüre zur Prävention von Korruption
Die australische Police Integrity Commission (PIC) hat eine Broschüre zum Thema Korruptionsbekämpfung veröffentlicht. Das Dokument richtet sich an die Praxis und stellt konkrete Präventionsmaßnahmen vor. Die vorgeschlagenen Strategien basieren dabei häufig auf einem Vergleich bzw. einer Übertragung von Erkenntnissen aus der Praxis der beruflichen Unfallverhütung. Die Broschüre steht im Internet zum kostenlosen Download bereit:http://www.pic.nsw.gov.au/files/reports/OH&S%20R&I%20Paper%20No.%208.pdf
 
 
8) Schriftenreihe Sicherheit: Pandemie und Endemie
Das Forschungsforum Öffentliche Sicherheit hat weitere Beiträge in der kostenlosen „Schriftenreihe Sicherheit“ veröffentlicht. Im Rahmen dieser Reihe sollen aktuelle Forschungsergebnisse und Diskussionsfelder aus dem Bereich der Sicherheitsforschung aufbereitet und dokumentieret werden. Im Juni 2011 sind zwei neue Beiträge zum Thema Pandemie und Endemie erschienen. Die Reihe erscheint als Printversion und als kostenlose Onlineausgabe die im Internet zum Download bereit steht: http://www.sicherheit-forschung.de/publikationen/schriftenreihe/index.html
 
 
9) Statistische Analyse zur lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Sicherungsverwahrung
Die jährliche Erhebung zur lebenslangen Freiheitsstrafe und zur Sicherungsverwahrung der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden wurde um die Daten von 2009 ergänzt und in aktualisierter Form im Internet veröffentlicht. Aus dem Dokument geht hervor, dass 2009 bei insgesamt 37 Straftätern die Sicherungsverwahrung beendet wurde. 26 der Betroffenen wurden direkt in die Freiheit entlassen, sechs wurden in den psychiatrischen Maßregelvollzug verlegt, ein Straftäter wurde ins Ausland abgeschoben und vier Straftäter verstarben im Vollzug. Das Dokument verweist auch in diesem Jahr darauf, dass die Forschung zur Legalbewährung bei Entlassungen von sicherungsverwahrten Straftätern positive Befunde erbracht hat. Straftäter, die in Sicherungsverwahrung einsaßen, werden nach einer Entlassung deutlich seltener rückfällig als die Straftäter, die eine Freiheitsstrafe ohne Sicherungsverwahrung verbüßt haben. Die Auswertung kann im Internet heruntergeladen werden: http://krimz.de/fileadmin/dateiablage/forschung/texte/LF_SV_2009.pdf
 
 
10) Hasskriminalität in den USA
Das US-amerikanische Bureau of Justice Statistics (BJS) hat den statistischen Jahresbericht über Hasskriminalität in den USA veröffentlicht. Der Beitrag basiert auf Daten des National Crime Victimization Survey(NCVS) die zwischen 2003 und 2009 erhoben wurden. Aus dem Dokument geht hervor, dass die Anzahl von registrierten Taten im Bereich der Hasskriminalität seit 2003 sinkt. In mehr als vier von fünf Fällen, die im Jahr 2009 registriert wurden, handelte es sich allerdings um Gewaltdelikte. Der Ergebnisbericht steht im Internet zum kostenlosen Download: http://www.bjs.gov/content/pub/pdf/hc0309.pdf
 
 
11) Studie zu Mord und organisierter Kriminalität im Vereinigten Königreich
Laut einer Studie des britischen Home Office hatten sechs Prozent der Morde, die im Jahr 2005 erfasst wurden, einen Bezug zur organisierten Kriminalität (OK). Morde, die im vereinigten Königreich erfasst werden, weisen damit nur selten einen Bezug zur organsierten Kriminalität auf. Darüber hinaus zeigte sich, dass sowohl die Opfer als auch die Täter bei Morden im OK-Umfeld überwiegend männlich und zwischen 18 und 29 Jahren alt sind. Der Ergebnisbericht der Studie kann kostenlos heruntergeladen werden: http://www.homeoffice.gov.uk/publications/science-research-statistics/research-statistics/crime-research/horr54?view=Binary
 
 
12) Online-Archiv der kritischen Kriminologen aus Neuseeland und Australien
Die University of Sydney hat eine online-Dokumentation der jährlichen Konferenz kritischer Kriminologen aus Australien und Neuseeland eingerichtet. Auf der Homepage werden zahlreiche Beiträge der Referenten im Volltext zum kostenlosen Download angeboten. Die Website kann über folgende URL erreicht werden: http://sydney.edu.au/law/criminology/ANZCCR/
 
 
13) Dokumentation des deutschen Präventionstages
Auf der Homepage des deutschen Präventionstages (DPT) können unter der Rubrik „Dokumentation“ zahlreiche Dokumente zum Thema Kriminalprävention kostenlos heruntergeladen werden. Bei den Unterlagen handelt es sich überwiegend um die Dokumentation von Beiträgen, die im Rahmen der jährlichen Kongresse des DPT eingereicht wurden. Die Dokumente sind nach Schlüsselbegriffen sortiert und stehen im PDF-Format unter folgender URL zur Verfügung: http://www.praeventionstag.de/nano.cms/dokumentation/begriffe
 
 
14) Veranstaltungshinweis: 12. Tagung der Kriminologischen Gesellschaft in Heidelberg
Vom 29. September bis 1. Oktober 2011 findet in Heidelberg die 12. wissenschaftliche Fachtagung der Kriminologischen Gesellschaft statt. Die Veranstaltung trägt den Titel „Täter – Taten – Opfer. Grundlagenfragen und aktuelle Probleme der Kriminalität und ihrer Kontrolle“. Im Zentrum der Veranstaltung sollen insbesondere die Themen Täterpersönlichkeit, Entwicklungskriminologie, bio-psycho-soziale Kriminalitätsursachen, Delinquenzverläufe und kriminelle Karrieren stehen. Anmeldeschluss ist der 16. September. Weitere Informationen finden sich auf Website des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak2/krimi/KrimG%20FT2011.html
 
 
15) Rezensionen
Unter der Rubrik Buchbesprechungen sind auf der Website des Polizei-Newsletter (http://polizei-newsletter.de/books_german.php) folgende neue Rezension zu finden: Thomas Feltes rezensiert das „wortgewaltige“ Buch von Thomas Hetzer, „Finanzmafia - Wieso Banker und Banditen ohne Strafe davonkommen“. Darüber hinaus stellt Jan Köhler das von Christian Barthel herausgegebene Handbuch „Personalentwicklung als Führungsaufgabe in der Polizei“ vor.
 
 
16) Masterstudiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft
An der juristischen Fakultät der Ruhr-Universität wird seit 2005 der weiterbildende Studiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ angeboten. Zum 1. Januar 2012 sind 60 Studienplätze im Fernstudium („Blended Learning“) zu vergeben. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli 2011. Zulassungsvoraussetzungen: abgeschlossenes Fachhochschul- oder Universitätsstudium sowie eine mindestens einjährige einschlägige Berufserfahrung. Der interdisziplinäre (berufsbegleitende) Studiengang richtet sich an Interessierte aus den Bereichen Jura, Medizin, Polizei, Sozialpädagogik, Psychologie, Soziologie und verwandter Berufe. Besonders qualifizierten Studierenden steht auch der Weg zur Promotion offen. Seit dem 1. Juni 2011 besteht unter http://www.makrim.de die Möglichkeit sich online zu bewerben. Weitere Informationen können per Mail (makrim@rub.de) oder telefonisch (Tel.: 0234-32-29338) erfragt werden.