Polizei : Newsletter Nr. 149, Februar 2012                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Call for Papers: Fußball und Fans – Wissenschaftliche Perspektiven
 2)   Pläne zur Strukturreform der Polizei in Baden-Württemberg vorgestellt
 3)   Namensschilder für Polizeibeamte gefährden nicht die Sicherheit der Beamten
 4)   Zu den Vor- und Nachteilen von Acht-, Zehn- und Zwölfstundenschichten im Polizeidienst
 5)   Forschung an der nationalen Polizeihochschule in Finnland
 6)   Abschluss der Kampagne „Transparenz bei der Polizei schützt Menschenrechte“
 7)   Gefängnisse sind nur unzureichend vor Hackerangriffen geschützt
 8)   Schriftenreihe Sicherheit: Naturereignisse und Sozialkatastrophen
 9)   Todesursachenstatistik in den USA
10)  Wechsel des Wohnortes kann Haftentlassene vor Rückfällen schützen
11)  Humor im Gefängnis
12)  Cyber-Mobbing: Beobachter können den Opfern helfen
13)  Rezensionen
14)  Veranstaltungshinweis: Kriminalität in der Krise
15)  Stellenausschreibung an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster
 
1) Call for Papers: Fußball und Fans – Wissenschaftliche Perspektiven
Der Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum richtet am 12. und 13. Dezember 2012 eine Konferenz zum Thema „Fußball und Fans“ aus. Die Veranstaltung wird in Bochum stattfinden. Ab sofort können zu den folgenden Themenbereichen Abstracts bei den Veranstaltern eingereicht werden: Fankultur und Fanverhalten, Pyrotechnik, Fan- und Sicherheitsbeauftragte, Stadionverbote, Kommerzialisierung und Vermarktung, Gewalt im und um das Stadion, Veranstaltungsmanagement und Organisation, Polizei, Öffentliche Sicherheit sowie zum Thema Sicherheits- und Ordnungsdienste. Einsendeschluss ist der 13.05.2012. Die Abstracts sollen das Thema sowie die wesentlichen Inhalte des geplanten Beitrages enthalten (max. 250 Worte) und sind zu richten an fussballgewalt@rub.de. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Lehrstuhls für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum: http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/.
 
 
2) Pläne zur Strukturreform der Polizei in Baden-Württemberg vorgestellt
Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall hat im Januar die Eckpunkte einer Strukturreform der Polizei vorgestellt. Im Rahmen der geplanten Reform sollen die vier Landespolizeidirektionen, die 34 Polizeidirektionen und die drei Polizeipräsidien zu zwölf Regionalpräsidien zusammengefasst werden. Die 150 Polizeireviere und fast 360 Polizeiposten sollen allerdings vollständig erhalten bleiben. Durch die Reform sollen erhebliche Personalreserven frei werden, die dazu genutzt werden könnten den Polizeidienst „auf der Straße“ zu verstärken. Weitere Informationen können der Beschreibung der Eckpunkte der geplanten Reform entnommen werden: http://www.polizei-bw.de/Documents/Eckpunkte_Struktur_der_Polizei_BW_2012_Web-Version.pdf
 
 
3) Namensschilder für Polizeibeamte gefährden nicht die Sicherheit der Beamten
In der Mediathek des ZDF ist eine weitere Reportage erschienen, die sich mit der Diskussion um die Kenzeichnungspflicht von Polizeibeamten beschäftigt. Der Beitrag thematisiert neben dem Polizeieinsatz im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010 auch die Ereignisse um die Verhaftung eines Jugendlichen in Rosenheim im September 2011. Der Beitrag stellt klar, dass die Behauptung, Polizeibeamte würden durch die Kennzeichnungspflicht gefährdet, schlichtweg falsch ist. Verwiesen wird unter anderem auf die USA, wo die Kennzeichnung von Polizeibeamten bisher nicht zu einer erhöhten Gefährdung der Polizisten geführt hat. Der Beitrag ist online verfügbar und kann über die folgende URL erreicht werden: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1543980/Namensschilder-fuer-Polizisten%253F?setTime=1#/beitrag/video/1543980/Namensschilder-fuer-Polizisten%3F
 
 
4) Zu den Vor- und Nachteilen von Acht-, Zehn- und Zwölfstundenschichten im Polizeidienst
In einer Studie der US-amerikanischen Police Foundation wurden die Auswirkungen von Acht-, Zehn- und Zwölf-Stundenschichten auf die Lebens- und Arbeitsqualität von Polizeibeamten untersucht und miteinander verglichen. Während sich die Lebensqualität nach Angaben der befragten Beamten nicht signifikant unterschied, zeigten sich jedoch Unterschiede bei der Bewertung der Arbeitssituation: Beamte, die in Achtstundenschichten ihren Dienst absolvierten, zeigten sich deutlich unzufriedener als die Beamten, die in Zehnstundenschichten arbeiteten, aber regelmäßig Ausgleichstage in Anspruch nehmen konnten. Die Zwölfstundenschicht ergab gegenüber der Zehnstundenschicht jedoch keine Vorteile. Quelle und weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.nij.gov/topics/law-enforcement/officer-safety/stress-fatigue/shift-work.htm
 
 
5) Forschung an der nationalen Polizeihochschule in Finnland
Die finnische Hochschule der Polizei informiert seit kurzem in einem englischsprachigen Journal über aktuelle Forschungsaktivitäten an der Polizeihochschule. Das Resaerch-Review soll einmal jährlich erscheinen. Die erste Ausgabe des Journals kann über folgende URL erreicht werden: http://www.polamk.fi/rr1/researchreview_2012_1_web.pdf
 
 
6) Abschluss der Kampagne „Transparenz bei der Polizei schützt Menschenrechte“
Amnesty International (AI) Deutschland hat nach über 18 Monaten die Kampagne „Mehr Verantwortung bei der Polizei“ abgeschlossen. Im Rahmen der Kampagne setzte sich AI unter anderem für eine bundesweite Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten und für unabhängige Untersuchungsinstanzen bei der Polizei ein. Darüber hinaus fordert Amnesty International eine gründlichere Dokumentation von Vorgängen auf den Polizeiwachen in Deutschland. Auf der Website von AI Deutschland ist nun ein Blog online, der die Aktivitäten der Kampagne resümiert und kritisch bilanziert. Der Blog ist über folgende URL erreichbar: http://www.amnestypolizei.de/aktuell/zum-kampagnenabschluss-1-3-thema-gesetzt-erfolge-erzielt-bewegung-angestossen
 
 
7) Gefängnisse sind nur unzureichend vor Hackerangriffen geschützt
Auf dem 28ten Chaos Communication Congress schilderten Tiffany Rad, Teague Newman und John Strauchs wie störanfällig die Sicherheitsmaßnahmen in modernen Gefängnissen sind. In ihrem Vortrag verwiesen sie darauf, dass die Sicherheitsarchitektur in den meisten Gefängnissen gar nicht oder nur sehr unzureichend die Gefahr von Hackerangriffen berücksichtigt. Der sehr informative Vortrag kann über Youtube abgerufen werden: http://www.youtube.com/watch?v=th-5WEE2-dk. Der Chaos Communication Congress wird vom Chaos Computer Club ausgerichtet und findet seit 1998 jährlich in Berlin statt.
 
 
8) Schriftenreihe Sicherheit: Naturereignisse und Sozialkatastrophen
Auf der Website des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit ist ein weiterer Beitrag in der kostenlosen „Schriftenreihe Sicherheit“ erschienen. Im Rahmen dieser Reihe werden aktuelle Forschungsergebnisse und Diskussionsfelder aus dem Bereich der Sicherheitsforschung aufbereitet und dokumentiert. Vor Kurzem ist ein Beitrag zum Thema „Naturereignisse und Sozialkatastrophen“ erschienen. Der Beitrag ist online verfügbar: http://www.sicherheit-forschung.de/publikationen/schriftenreihe/index.html.
 
 
9) Todesursachenstatistik in den USA
Das US-amerikanische National Center of Health Statistics hat die Todesursachenstatistik für das Jahr 2010 veröffentlicht. Zu den häufigsten Todesursachen gehörten in den USA Herzkrankheiten, Krebs und chronische Erkrankungen der Atemwege. Totschlag und andere mit Gewalteinwirkung verbundene Todesursachen gehörten 2010 (anderes als im Vorjahr) nicht mehr zu den 15 häufigsten Todesursachen in den USA. Quelle und weitere Informationen: http://www.cdc.gov/nchs/data/nvsr/nvsr60/nvsr60_04.pdf
 
 
10) Wechsel des Wohnortes kann Haftentlassene vor Rückfällen schützen
In der Mediathek des National Institute of Justice des US-amerikanischen Justizministeriums ist ein Video-Beitrag erschienen in dem David Kirk über die Bedeutung von Wohnortwechseln referiert. Im Zusammenhang mit dem Tropensturm „Katrina“ mussten Tausende Menschen ihre Heimatorte verlassen und umziehen. Darunter waren auch zahlreiche Personen, die erst vor Kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden waren. Kirk hatte die Möglichkeit die Rückfallraten dieser Personen mit den Rückfallraten von Personen zu vergleichen, die zum gleichen Zeitpunkt entlassen worden waren, aber nicht gezwungen waren umzuziehen. Dabei zeigte sich, dass die kurzfristig Umgezogenen seltener Rückfällig wurden als diejenigen, die in ihren Heimatorten bleiben konnten. Das sehenswerte Video kann über folgende URL abgerufen werden: http://www.nij.gov/multimedia/presenter/presenter-kirk/data/resources/presenter-kirk-transcript.htm
 
 
11) Humor im Gefängnis
Malene Molding Nielsen hat eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Humor im Gefängnis“ vorgelegt. Auf der Basis zahlreicher qualitativer Interviews, untersuchte sie gängige Scherze im Gefängnis und zugleich Situationen in denen Insassen und/oder Beamte von Justizvollzugsanstalten scherzhafte Bemerkungen machen. Dabei zeigte sich, dass Humor im Knast einen Raum schaffen kann, indem die Rollen (Insasse/Beamter) oder die Positionen und Hierarchien (Mächtig/Ohnmächtig, hohes Ansehen/geringes Ansehen) kurzfristig durchbrochen werden können. Humor erwies sich im Rahmen dieser ethnografisch gekennzeichneten Studie aber auch als identitätsstiftend (sowohl für die Insassen als auch für die im Vollzug tätigen Beamten). Molding Nielsen, M. (2011). On Humor in prison. In: European Journal of Criminology, 8 (6), 500-514.
 
 
12) Cyber-Mobbing: Beobachter können den Opfern helfen
In einer Untersuchung der Technischen Universität Berlin wurden Jugendliche in Fokus-Gruppen zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen zum Thema Cyber-Mobbing befragt. Im Rahmen der Untersuchung berichteten die Jugendlichen über eine Vielzahl unterschiedlicher Formen von Cyber-Mobbing. Insgesamt zeigte sich eine enge Verbindung zwischen online und offline gezeigtem Verhalten. „Auch wenn die Jugendlichen ihre Einflussmöglichkeiten auf die Täter von Cyber-Mobbing eher gering einschätzten“ zeigte sich in den berichteten Fällen, dass die Zuschauer bzw. Beobachter der Attacken den Opfern sowohl online als auch offline helfen können. Weitere Informationen finden sich im Internet unter: http://www.paedpsy.tu-berlin.de/fileadmin/fg236/Jan_Pfetsch/Pfetsch_Kurzbericht_Studie_Bystander_von_Cyber-Mobbing.pdf
 
 
13) Rezensionen
Unter der Rubrik Buchbesprechungen sind auf der Website des Polizei-Newsletters (http://polizei-newsletter.de/books_german.php) folgende neue Rezensionen zu finden: Jana Kudlacek bespricht „Hells Angels – Eine Analyse der Wirksamkeitseffekte strafrechtlicher Verbotsnormen am Beispiel des Hamburger Charters“ von Jana Frauen. Darüber hinaus rezensiert Frank Ebert Peter Jamins „Abgeknallt – Gewalt gegen Polizisten“.
 
 
14) Veranstaltungshinweis: Kriminalität in der Krise
An der Universität Bielefeld wird zwischen dem 29. und 30. März 2012 eine Tagung der Gesellschaft für interdisziplinäre wissenschaftliche Kriminologie (GiwK) stattfinden. Die Veranstaltung trägt den Titel: „Kriminalität in der Krise“ und thematisiert die „Deutungen und Bewältigungsstrategien in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Krisen“. Dabei soll insbesondere untersucht werden, welche Funktion den klassischen kriminal- und sicherheitspolitischen Ordnungsinstanzen und entsprechenden Deutungsmustern (Schuld und Strafe, Opfer oder Täter, Gefahr und Sicherheit) zu kommt. Die Anmeldefrist endet am 6. März 2012. Weitere Informationen finden sich auf der Website der GiwK: http://www1.uni-hamburg.de/giwk/
 
 
15) Stellenausschreibung an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster
An der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster ist am Fachgebiet Kriminologie und interdisziplinäre Kriminalprävention im Rahmen einer Studie zu Kriminalitätsgefahren und Sicherheitspotenzialen im höheren Lebensalter zum 1.3.2012 oder später eine Stelle (mit 50% der regelmäßigen Arbeitszeit) als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu besetzen. Die Stelle ist befristet bis zum 30.04.2014. Bewerbungsschluss ist der 10.2.2012. Die vollständige Stellenausschreibung ist über folgende URL zu erreichen: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=stellenausschreibung%20dhpol%20sicherheitspotenziale&source=web&cd=1&ved=0CDMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.dhpol.de%2Fde%2Fmedien%2Fdownloads%2Faktuelles%2FStellenausschreibung_3Jan2012.pdf&ei=7ZslT_ecNYOS-waZudGUCQ&usg=AFQjCNFAGiSLstCYcLwXUDIje9pAkvK_Xg