Polizei : Newsletter Nr. 152, Mai 2012
 1)   Fußballfan beim Spiel von Schalke 04 wurde wahrscheinlich durch ein Geschoss der Polizei getötet
 2)   Gewalt gegen Rettungskräfte
 3)   Präventionsportal “Polizei – Dein Partner”
 4)   Politische Bildung in der Polizei
 5)   Der Warnschussarrest ist ein „kriminalpolitischer Irrweg“
 6)   Gutachten: Sicherheit als Grundbedürfnis der Menschen
 7)   Arbeitspapiere des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie
 8)   Aktualisierung und Erweiterungen bei KrimDok
 9)   Weniger Videoüberwachung als vermutet?
10)  Quartiersentwicklung in benachteiligten Stadtteilen in NRW
11)  Jahresbericht zur Verhütung von Folter vorgestellt
12)  Hell´s Angels dürfen vor Gericht keine Kutten tragen
13)  PhD-Studiengang an der Universität Maribor
14)  Veranstaltungshinweis: Fachtagung der KrimZ „Justizvollzug in Bewegung“
15)  Call for Papers: 10th Plenum of Social Work & Society
 
1) Fußballfan beim Spiel von Schalke 04 wurde wahrscheinlich durch ein Geschoss der Polizei getötet
Der verstorbene Athletic-Bilbao-Fan Inigo Cabaças wurde wahrscheinlich von einem Gummigeschoss der baskischen Polizei getötet. Wie aus einem nun vorgestellten Obduktionsbericht hervorgeht, ist der schwere Schädelbruch, der letztlich zum Tod des 28-Jährigen führte, nachweislich auf die Einwirkung eines Gummi-Projektils zurückzuführen. Das baskische Innenministerium hatte Berichte und Darstellungen von Augenzeugen, die angaben, Cabaças sei von einem Gummi-Projektil der Polizei getroffen worden zunächst als „völlig abwegig“ zurückgewiesen. Der baskische Innenminister Rodolfo Ares versprach nun eine vollständige und rückhaltlose Aufklärung des Todesfalls. Darüber hinaus ordnete er an, dass die Verwendung von Gummigeschossen nur noch unter besonderen Umständen stattfinden darf. Der Vorfall ereignete sich am Rande der Partie Athletic-Bilbao vs. Schalke 04 in der baskischen Stadt Bilbao in Spanien. Quelle und weitere Informationen: http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/04/10/paisvasco/1334059701_673079.html http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/04/09/paisvasco/1334003810_364405.html
 
 
2) Gewalt gegen Rettungskräfte
Im Rahmen einer Untersuchung des Lehrstuhls für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum und der Unfallkasse NRW wurden Rettungskräfte in Nordrhein-Westfalen nach ihren Erfahrungen mit verbaler und körperlicher Gewalt im Zusammenhang mit Rettungseinsätzen befragt. Dabei zeigte sich, dass 98% der Rettungskräfte in NRW während des Einsatzes verbale Gewalt erlebt haben, 59% berichteten davon schon einmal Opfer eines „aggressiven Übergriffs“ geworden zu sein. „Die Rettungskräfte fühlen sich nur unzureichend darauf vorbereitet und sind mit der Situation oft überfordert. Sie wünschen sich gezieltere Angebote in der Aus- und Weiterbildung.“ Die Studie steht zum kostenlosen Download bereit: http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/images/stories/pdf/Abschlussbericht%20Gewalt%20gegen%20Rettungskräfte.pdf
 
 
3) Präventionsportal “Polizei – Dein Partner”
Auf dem Präventionsportal “Polizei – Dein Partner” werden zahlreiche Informationsbroschüren und Materialien zu verschiedenen Themen der Kriminlaprävention bereitgestellt. Darüber hinaus bietet das Portal einen Newsletter und einen praktischen Bußgeldrechner. „Polizei - Dein Partner“ wird von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) betrieben und ist über den folgenden Link erreichbar: http://www.polizei-dein-partner.de/
 
 
4) Politische Bildung in der Polizei
Eine Dissertation der Universität Essen widmet sich dem Thema „Politische Bildung in der Polizei“. Die Arbeit ist chronologisch aufgebaut und behandelt das Thema in vier großen Abschnitten: „Erziehung zur Demokratie in der Nachkriegszeit“, „Staatsbürgerkunde in der Aufbauphase der Bundesrepublik“, „Politisierung und demokratische Erneuerung (1968 – 1989)“ und „Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten“. Die (vollständige) Dissertation kann kostenlos heruntergeladen werden: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-11668/Diss.pdf
 
 
5) Der Warnschussarrest ist ein „kriminalpolitischer Irrweg“
Die Bundesregierung diskutiert derzeit die Einführung des Warnschussarrestes. Diese Maßnahme soll jugendliche Intensivtäter zu Beginn ihrer kriminellen Karriere von der Begehung weiterer Straftaten abschrecken. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, „dass die Rückfälligkeit nach einem Jugendarrest höher ist als nach einer zweckentsprechend gestalteten Bewährungszeit.“ Ferner widerspricht die Einführung des Warnschussarrestes der Grundidee der Bewährungsstrafe. Die Einführung des Warnschussarrestes ist demnach irrational und wird keinesfalls zur Verhinderung von Straftaten beitragen. Quelle und weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/warnschussarrest-bundestag
 
 
6) Gutachten: Sicherheit als Grundbedürfnis der Menschen
Die Kriminologin Wiebke Steffen hat anlässlich des 17. Deutschen Präventionstages (DPT) ein wissenschaftliches Gutachten zum Schwerpunktthema „Sicher leben in Stadt und Land“ erstellt. Dem sehr lesenswerten Gutachten liegt ein umfassendes Verständnis von Sicherheit und Prävention zu Grunde. Entsprechend werden die „Bedeutung von sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit für die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl der Menschen“ dargestellt und die Zusammenhänge zwischen Sozial- und Kriminalpolitik treffend diskutiert. Das Gutachten steht zum kostenlosen Download bereit: http://www.praeventionstag.de/html/GetDoc.cms?ID=185
 
 
7) Arbeitspapiere des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie
Das Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) in Wien stellt auf der Homepage des Instituts einige Arbeitspapiere zum kostenlosen Download bereit. Die Dokumente behandeln unter anderem die Themen: „Empirische Forschung zur Jugendkriminalität in Österreich“, „Urban Disorders and Perceptions of Insecurity: Report on Qualitative Research in Vienna“ und „Neurobiologische Grundlagen von Kriminalität aus sozialwissenschaftlicher Sicht“. Die Working Papers sind über die folgende URL erreichbar: http://www.irks.at/pub_workingpaper.html
 
 
8) Aktualisierung und Erweiterungen bei KrimDok
KrimDok ist eine online verfügbare Literaturdatenbank für Beiträge aus dem Bereich der Kriminologie. Nun wurde der Datenbestand, der mittlerweile über 178.000 Beiträge umfasst, aktualisiert und erweitert. Die Datenbank kann über folgende URL erreicht werden: http://avanti.jura.uni-tuebingen.de/~avanti-x/cgi-bin/acwww25/krimdok.htm
 
 
9) Weniger Videoüberwachung als vermutet?
Wenn über Videoüberwachung berichtet wird, wird häufig behauptet, dass im Vereinigten Königreich ca. 4,2 Millionen Videokameras den öffentlichen Raum überwachen. Darüber hinaus ist häufig zu lesen, dass ein Bürger Großbritanniens im Tagesdurchschnitt von 300 Videokameras gefilmt wird. Eine Untersuchung der Polizei von Cheshire konnte nun zeigen, dass diese Zahlen drastisch übertrieben und die Grundlagen dieser Schätzungen vollkommen fehlerhaft sind. Wahrscheinlich sind ca. zwei Millionen Kameras im öffentlichen Raum installiert. Damit bleibt das Vereinigte Königreich immer noch eines der Länder, in denen außergewöhnlich viele Videokameras den öffentlichen Raum überwachen. Eine kompakte Ergebnisdarstellung der Untersuchung steht im Internet zum kostenlosen Download bereit: http://www.securitynewsdesk.com/wp-content/uploads/2011/03/CCTV-Image-42-How-many-cameras-are-there-in-the-UK.pdf
 
 
10) Quartiersentwicklung in benachteiligten Stadtteilen in NRW
Das Deutsche Institut für Urbanistik hat eine Broschüre zum Thema Quartiersentwicklung in benachteiligten Stadtteilen erarbeitet. Die Veröffentlichung bezieht sich auf die Situation in Nordrhein-Westfalen und schildert die gegenwärtige Diskussion um die Verstetigung integrierter Quartiersentwicklung. Die Broschüre ist online verfügbar: http://edoc.difu.de/edoc.php?id=7TINRUJ6
 
 
11) Jahresbericht zur Verhütung von Folter vorgestellt
Die nationale Stelle und die Länderkommission zur Verhütung von Folter haben ihren gemeinsamen Jahresbericht für 2010/2011 vorgestellt. Obwohl „keinerlei Anzeichen von Folter oder Misshandlungen“ in deutschen Gewahrsamseinrichtungen festgestellt wurden, „haben die Besuche dennoch Anlass zu Beanstandungen gegeben“. Bspw. wurden Vorrichtungen zur Fixierung im Gewahrsam und zur Überwachung von Toiletten kritisiert. Darüber hinaus bemängelt der Bericht die Ausstattung und die hygienischen Zustände einiger Einrichtungen. Der Bericht ist online verfügbar: http://www.antifolterstelle.de/fileadmin/dateiablage/Dokumente/Berichte/Jahresberichte/Jahresbericht2010-11.pdf
 
 
12) Hell´s Angels dürfen vor Gericht keine Kutten tragen
Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat die Verfassungsbeschwerde eines Mitglieds der Hell´s Angels abgewiesen. Der Beschwerdeführer sah sich in „seinem Recht auf ein faires Verfahren sowie auf eine willkürfreie Rechtsanwendung verletzt“ weil ihm während eines Prozesses vor einem Landgericht untersagt wurde seine Kutte zu tragen. Das Landgericht vertrat die Auffassung, dass das „massenhafte Tragen szenetypischer Kleidung […] eine nicht hinnehmbare Machtdemonstration“ darstellt, „die bei der Öffentlichkeit ein Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung hervorrufen sowie Verfahrensbeteiligte einschüchtern und beeinflussen könne“. Quelle und weitere Informationen: http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg12-025.html
 
 
13) PhD-Studiengang an der Universität Maribor
Die Faculty of Criminal Justice and Security der Universität Maribor in Slowenien organisiert seit kurzem einen international ausgerichteten PhD-Studiengang. Das auf drei Jahre ausgelegte Studienprogramm ist maßgeblich von dem Kriminologen Gorazd Mesko gestaltet und umfasst folgende Schwerpunkte: Police Activity and Criminal Investigation, Criminology, Business Processes Security, Security Risk/Threat Management und Information Security. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.fvv.uni-mb.si/en/study/postgraduate/criminal-justice-and-security--phd.aspx
 
 
14) Veranstaltungshinweis: Fachtagung der KrimZ „Justizvollzug in Bewegung“
Die Kriminologische Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden veranstaltet am 27. und 28. September 2012 eine Fachtagung in Wiesbaden zum Thema „Justizvollzug in Bewegung.“ Im Rahmen der Tagung werden die Entwicklung der Gefangenzahlen in Europa, diverse Ansätze der Gewaltprävention und der Umgang mit gefährlichen Straftätern im Justizvollzug thematisiert. Die Veranstaltung will sowohl eine wissenschaftliche als auch eine vollzugspraktische Perspektive berücksichtigen. Weitere Informationen: http://www.krimz.de/fileadmin/dateiablage/download/FlyerTagung2012.pdf
 
 
15) Call for Papers: 10th Plenum of Social Work & Society
Die international Social Work & Society Academy (TiSSA) richtet ihr zehntes Jahrestreffen zwischen dem 24. und 29. August 2012 in Bukarest aus. Die Veranstaltung wird in diesem Jahr unter dem Motto „Between Private, Public and the State“ abgehalten. Beitragsvorschläge können noch bis 15. Juni 2012 eingereicht werden. Weitere Informationen zu der Veranstaltungen und der Call for Papers finden sich im Internet: http://www.tissa.net/tissa2012/t12_plenum.htm