Polizei : Newsletter Nr. 155, September 2012
 1)   Bewerbung für den englischsprachigen Masterstudiengang „Criminal Justice, Governance and Police Science“
 2)   Lagebild Gewalt gegen Polizeibeamte in Bayern
 3)   Sicherheitshinweise für Polizeibeamte
 4)   Macht der Polizeidienst krank?
 5)   Kriminalstatistik in den USA: Weniger Taten im Dunkelfeld
 6)   Wird die Gefahr von homegrown terrorism in den USA überschätzt?
 7)   Gewalt in deutschen Gefängnissen
 8)   Opferschutzbericht der Landesregierung NRW
 9)   Broschürenreihe Opferhilfe
10)  Zeitschrift Forum Kriminalprävention jetzt kostenlos im Netz verfügbar
11)  Audiobeitrag: Gewalt gegen Frauen in Italien – ein Tabuthema
12)  Forschungsprojekt Kooperative Sicherheitspolitik in der Stadt (KoSiPol)
13)  Lesen bildet (auch Juristen)
14)  Buchrezensionen
15)  Doktorandenstellen und Stipendien am Max-Planck-Institut in Freiburg
 
1) Bewerbung für den englischsprachigen Masterstudiengang „Criminal Justice, Governance and Police Science“
Am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wird seit kurzem der berufsbegleitende Masterstudiengang „Criminal Justice, Governance and Police Science“ in Kooperation mit dem University College Ghent angeboten. Das Programm ist als englischsprachiger Fernstudiengang konzipiert und richtet sich an Polizeibeamte (aus allen Ländern) sowie an Vertreter nationaler und internationaler Organisationen, die auf dem Gebiet der inneren oder äußeren Sicherheit tätig sind. Der Studiengang wurde von der fächerübergreifenden Akkreditierungsagentur AQAS e.V. akkreditiert und wird mit Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes gefördert. Bewerbungsschluss für den Beginn des Studiums im April 2013 ist der 31. Oktober 2012. Weiter Informationen zum Studiengang und zum Zulassungsverfahren finden sich im Internet: www.macrimgov.eu. Neben dem international ausgerichteten Studiengang wird am Lehrstuhl für Kriminologie der RUB bereits seit 2005 der deutschsprachige Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“ angeboten: http://www.makrim.de/
 
 
2) Lagebild Gewalt gegen Polizeibeamte in Bayern
Aus dem im August vorgestellten Lagebild „Gewalt gegen Beamte in Bayern“ geht hervor, dass sich in Bayern im Jahr 2011 über 6.900 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte ereignet haben: „14.645 Polizistinnen und Polizisten waren 2011 von psychischer und physischer Gewalt“ im Dienst betroffen. Rund 800 Beamte wurden verletzt – das sind ca. acht Prozent mehr als im Vorjahr. Es bleibt zu hoffen, dass die Zahlen Anlass zu einer umfassenden Analyse der Entstehungszusammenhänge von Gewalt gegen Polizeibeamte geben. Die Forderung nach härteren Strafen ist nutzloser Populismus, der die Sicherheit der Beamten zu keinem Zeitpunkt verbessert. Jeder Polizist der Opfer einer Gewalttat im Dienst geworden ist, weiß, dass die Täter im Vorfeld einer Tat nicht das Strafmaß ihrer Handlungen abwägen. Weitere Informationen zum Lagebild: http://www.innenministerium.bayern.de/presse/archiv/2012/278.php
 
 
3) Sicherheitshinweise für Polizeibeamte
Das US-Amerikanische National Institute of Justice (NIJ) informiert auf seiner Homepage über Sicherheitshinwiese für Polizeibeamte. Unter der Rubrik Officer Performance and Safety werden unter anderem Informationen und weiterführende Links zu schusssicheren Westen und zum Umgang mit less-lethal weapons bereitgestellt. Das Informationsangebot beschränkt sich dabei nicht nur auf technische Ausrüstungsgegenstände sondern umfasst auch Hinweise zu Verfahrensabläufen bspw. bei Verkehrskontrollen und Unfällen. Das Informationangebot kann über folgende URL erreicht werden: http://www.nij.gov/nij/topics/law-enforcement/officer-safety/welcome.htm
 
 
4) Macht der Polizeidienst krank?
Im Rahmen einer Studie der Universität Buffalo (NY/USA) wurde der gesundheitliche Zustand von 464 Polizeibeamten über fünf Jahre beobachtet und mit dem von nicht-Polizisten verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Polizisten gesundheitlich stärker belastet waren als die Personen in der Vergleichsgruppe. Die Polizisten waren deutlich häufiger von Bluthochdruck, Schlaganfällen und Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes betroffen. Ursächlich hierfür scheinen insbesondere die Belastungen zu sein, die mit dem Schichtdienst einhergehen. Weitere Informationen: http://lawenforcementtoday.com/2012/07/18/bcops-study-indicates-police-work-may-have-adverse-health-effects/?goback=.gde_2806462_member_136368632
 
 
5) Kriminalstatistik in den USA: Weniger Taten im Dunkelfeld
In einer Sonderauswertung des National Crime Victimization Surveys hat sich das US-amerikanische Bureau of Justice Statistics (BJS) mit den Taten beschäftigt, die der Polizei nicht zur Anzeige gebracht wurden. Dabei zeigte sich, dass schwere Gewaldelikte etwas seltener unentdeckt blieben. 1994 blieben ca. 50% der Vergewaltigungen im Dunkelfeld. 2010 waren es 42%. Bei 65% der Taten, die (2010) im Dunkelfeld blieben (und nicht bei der Polizei gemeldet wurden) bestand schon vor der Tat eine Beziehung zwischen Täter und Opfer. Der Bericht über die Sonderauswertung ist online verfügbar: http://www.bjs.gov/content/pub/pdf/vnrp0610.pdf
 
 
6) Wird die Gefahr von homegrown terrorism in den USA überschätzt?
Benjamin Friedman vertritt in einem Beitrag der online-Zeitschrift NATO Review den Standpunkt, dass die Gefahr die in den USA von homegrown terrorism ausgeht, in den letzten Jahren drastisch überschätzt wurde. Friedman verweist zunächst darauf, dass die Attentate auf die Präsidenten Lincoln (1865), McKinley (1901) und Kennedy (1963) sowie der Bombenanschlag in Oklahoma (1995) von gebürtigen US-Amerikanern verübt wurden. Das Phänomen ist seiner Auffassung nach also keinesfalls neu, noch habe seine Bedrohlichkeit in den letzten Jahren zugenommen. Die wenigen amerikanischen Jihadisten agierten – nach Friedman – in den letzten Jahren „vorhersehbar und inkompetent“. Der vollständige Beitrag ist online verfügbar: http://www.nato.int/docu/review//2012/Threads-Within/Homegrown-Failure/EN/index.htm?utm_medium=email&utm_campaign=NATO+Review+newsletter+ENG+July+2012&utm_content=NATO+Review+newsletter+ENG+July+2012+CID_fee0abecff9e5de5e591b3d65f2f1359&utm_source=Email+marketing+software&utm_term=Read+more
 
 
7) Gewalt in deutschen Gefängnissen
Im Rahmen einer Studie des kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) wurden ca. 7.000 Gefängnis-Insassen zum Thema Gewalt im Justizvollzug befragt. 25,7% der männlichen Befragten gaben dabei an, in den letzten vier Wochen vor der Tat, Opfer eines körperlichen Übergriffes geworden zu sein. 20% gaben an bestohlen worden zu sein. Die Hälfte aller männlichen Teilnehmer wurde in den vier Wochen vor der Befragung Opfer psychischer oder verbaler Gewalt. Im Rahmen der Studie wurden 2011 und 2012 fast 12.000 Fragebögen (in 18 Sprachen) in sämtlichen Justizvollzugsanstalten in Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen verteilt. Link zum Ergebnisbericht der Untersuchung: http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fob119.pdf
 
 
8) Opferschutzbericht der Landesregierung NRW
Aus dem im April veröffentlichten Opferschutzbericht der Landesregierung NRW geht hervor, dass die Anzahl von „Verbrechensopfern zwischen 2001 und 2010 von 133.247 auf 222.462“ in NRW erheblich angestiegen ist. Mehr als die Hälfte der Opfer von Gewaltstraften (ca. 54%) war mit dem Täter (im Vorfeld der Tat) persönlich bekannt. Bei der Interpretation der Zahlen darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass der Anstieg auch auf ein verändertes Anzeigeverhalten und eine höherer Sensibilität der Behörden zurückgeführt werden kann. Der 400 Seiten umfassende Bericht bündelt neben statistischem Zahlenmaterial auch Informationen über zahlreiche Präventionsprojekte in NRW. Der Bericht steht zum kostenlosen Download bereit: http://www.justiz.nrw.de/BS/opferschutz/allgemeine_informationen/Opferschutzbericht.pdf
 
 
9) Broschürenreihe Opferhilfe
Das US-amerikanische Office for Victims of Crime (OVC) stellt seit kurzem die Broschürenreihe OVC HELP zum kostenlosen Download bereit. Die Broschüren sind thematisch sortiert und bündeln auf jeweils zwei Seiten wichtige Informationen für die Opfer von sexuellem Missbrauch, häuslicher Gewalt, Stalking und vielen anderen Taten. Die englischsprachigen Broschüren können über folgende URL erreicht werden: http://www.ovc.gov/pubs/helpseries/index.html#
 
 
10) Zeitschrift Forum Kriminalprävention jetzt kostenlos im Netz verfügbar
Die jeweils aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Forum Kriminalprävention kann seit kurzem im Internet kostenlos eingesehen werden. Forum Kriminalprävention erscheint viermal im Jahr und richtet sich mit hochwertigen und aktuellen Beiträgen aus Forschung und Praxis sowohl an Praktiker aus Polizei, Strafjustiz, Jugend- und Sozialarbeit als auch an Wissenschaftler, die sich auf dem Gebiet der Kriminologie, Kriminalpolitik und der Polizeiwissenschaft betätigen. Der Internetauftritt der Zeitschrift umfasst ferner ein Archiv. Hier können auch einige ältere Beiträge, die in der Zeitschrift erschienen sind, kostenlos eingesehen werden. Die jeweils aktuelle Ausgabe kann über folgenden Link erreicht werden: http://www.kriminalpraevention.de/forum-home.html.
 
 
11) Audiobeitrag: Gewalt gegen Frauen in Italien – ein Tabuthema
Seit Beginn des Jahres 2012 sind in Italien mehr als 70 Frauen von Ihren Ehemännern, Ex-Ehemännern, Freunden oder Ex-Freunden getötet worden. Camilla Zanzi, Vereinspräsidentin von "Centro ascolto donna", einer Anlaufstelle für misshandelte Frauen, berichtet in einem Audiobeitrag vom Deutschlandfunk über das häufig tabuisierte Thema Gewalt gegen Frauen innerhalb der Familie. Nach Auffassung von Zanzi ist soziale Kontrolle der einzig wirksame Schutz gegen die Gewalt. „Solange [..] Nachbarn und sogar Freunde und Verwandte wegschauen, wenn Frauen in der Familie misshandelt werden, wird die Zahl der Opfer in Italien kaum sinken.“ Quelle und Link zum Beitrag: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/1847068/
 
 
12) Forschungsprojekt Kooperative Sicherheitspolitik in der Stadt (KoSiPol)
Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „Kooperative Sicherheitspolitik in der Stadt“ (KoSiPol) wurden die internen Strukturen von Kooperationsgremien untersucht, die sich mit Kriminalprävention beschäftigen. Im Fokus der Untersuchung standen dabei die Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse bei Kriminalpräventiven Räten, Ordnungspartnerschaften und anderen Public-Private-Partnerships. Im Rahmen der Untersuchung wurden Fallstudien zu kriminalpräventiven Kooperationen in 16 deutschen Kommunen durchgeführt. Die Ergebnisse sind in der Schriftenreihe „Kooperative Sicherheitspolitik in der Stadt“ veröffentlicht. Weitere Informationen finden sich im Netz unter: http://www.uni-muenster.de/IfPol/forschen/regieren/kosipol.html
 
 
13) Lesen bildet (auch Juristen)
Vor dem Hintergrund, dass Studienanfänger (auch im Fach Jura) zunehmend über nicht ausreichende Lesekompetenz verfügen, wird ab dem Wintersemester 2012/13 an der juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum die Vorlesung Kriminologie I (Grundlagen), durch ein didaktisches Zusatzprogramm begleitet. 30 zufällig ausgewählten Jura-Studierende wird ein Kriminologie-Lehrbuch kostenlos zur Verfügung gestellt, mit dem Sie während der Vorlesung und unter didaktischer Anleitung und Betreuung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters den Lehrstoff der Vorlesung nachbereiten und sich auf die Abschlussklausur vorbereiten können. Die Klausurergebnisse dieser Studierenden werden mit dem Durchschnitt der anderen Studierenden verglichen. Das Projekt wird unterstützt vom Nomos-Verlag. Quelle und weitere Informationen: http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/images/Lesen%20bildet%20Legal%20Tribune.pdf
 
 
14) Buchrezensionen
Unter der Rubrik Buchbesprechungen sind auf der Website des Polizei-Newsletters (http://polizei-newsletter.de/books_german.php) neue Rezension zu finden: Thomas A. Fischer rezensiert den von Frank J. Robertz herausgegeben Sammelband „Gewaltphantasien. Zwischen Welten und Wirklichkeiten“. Darüber hinaus bespricht Anna Schnepper „Fußball und Sicherheit in Österreich“ von Ireen Christine Winter und Bernhard Klob. Der Beitrag liefert eine „Gesamtdarstellung zur Sicherheitslage in der österreichischen Fußball-Bundesliga“ und berücksichtigt dabei die Perspektive von Fans, Vereinen und Polizei.
 
 
15) Doktorandenstellen und Stipendien am Max-Planck-Institut in Freiburg
Am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg i. Br. sind mehrere Doktorandenstellen und Stipendien im Rahmen der „Research School on Retaliation, Mediation and Punishment“ zu vergeben. Das Programm befasst sich mit „Fragestellungen der Aushandlung, Konstruktion, Aufrechterhaltung und Wiedergewinnung von sozialer Ordnung, Frieden und Sicherheit“ in Postkonfliktgesellschaften. Die Ausschreibung richtet sich an Nachwuchswissenschaftler (m/w) aus den Sozial- und Rechtswissenschaften. Bewerbungsschluss ist der 30.September 2012. Weitere Informationen: http://www.mpicc.de/shared/data/pdf/remep_ausschreibung_kriminologie_juli_2012.pdf