Polizei : Newsletter Nr. 161, März 2013
 1)   Beeinflussen das äußere Erscheinungsbild und die Art der Kommunikation von Polizeibeamten die Gewaltbereitschaft von jungen Menschen?
 2)   Bürgerkontrolle statt Bürgernähe?
 3)   Anzahl der Polizisten in Deutschland seit 2002 stabil
 4)   Polizeiliche Vernehmung von Kindern und Jugendlichen
 5)   Stellungnahme zur Akkreditierung der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster
 6)   Sind Kriminalitätsfurcht, soziale Sorgen und Mediennutzung doch nicht miteinander verbunden?
 7)   Law-and-Order-Politik reduziert nicht die Kriminalitätsrate
 8)   Immer mehr psychisch Kranke oder Pathologisierung der Gesellschaft?
 9)   Griechische Polizei retuschiert Fotos von verletzten Verdächtigen
10)  Kinderunfallatlas der Bundesanstalt für Straßenwesen
11)  Toolbox „Prävention von Jugendkriminalität vor Ort“
12)  Website Opferschutz und Opferhilfe
13)  Fortbildungskalender des Fachverbands für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik
14)  Forum Kriminalitätsprävention im Kindes- und Jugendalter
15)  Veranstaltungshinweis: Preventing Deaths in Police Custody
 
1) Beeinflussen das äußere Erscheinungsbild und die Art der Kommunikation von Polizeibeamten die Gewaltbereitschaft von jungen Menschen?
Im Rahmen einer Studie der Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen wurde untersucht, ob die verbale Kommunikation und das äußere Erscheinungsbild von Polizeibeamten einen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft von jungen Menschen haben können. Dazu wurden ca. 900 jungen Menschen verschiedene Videos gezeigt, in denen Polizeibeamte zu sehen waren, die eine Maßnahme anlässlich einer Ruhestörung in einem Jugendhaus durchsetzten. Die eigens angefertigten Videos variierten und unterschieden sich hinsichtlich zwei Variablen: Äußeres Erscheinungsbild (Uniform korrekt getragen vs. inkorrekt/unordentlich) und Kommunikation (korrekt vs. inkorrekt). Im Ergebnis zeigte sich, dass „eine freundliche aber konsequente verbale Kommunikation im Sinne von ‚wie Du mir so ich Dir‘ (Tit for Tat) die Gewaltbereitschaft“ senkt. „Eine unordentliche, unkorrekt getragene Uniform hingegen steigert die Gewaltbereitschaft.“ Quelle und weitere Informationen sind einer ersten Ergebniszusammenfassung zu entnehmen, die in der Rubrik Onlinedokumente verfügbar ist: http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php
 
 
2) Bürgerkontrolle statt Bürgernähe?
Stefanie Tränkle und Dirk Herzbach haben den Umgang der französischen Police Nationale mit der jungen Bevölkerung in den Vorstädten Frankreichs untersucht. Dabei zeigen sie, welche negativen Folgen mit repressiven Polizeistrategien verbunden sind: „Die Konsequenz ist, dass nicht nur der Graben zur Bevölkerung vergrößert wird, sondern dies führt auch zu Frustration unter Polizeipraktikern an der Basis, welche die ambivalent konzipierten Strategien nicht mittragen, sondern sich als Spielball der Politik sehen.“ Tränkle, S. & Herzbach, T. (2012). Bürgerkontrolle statt Bürgernähe. Der Umgang der Police Nationale mit der jungen Bevölkerung in den Vorstädten Frankreichs. Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe, 23, S. 369-374.
 
 
3) Anzahl der Polizisten in Deutschland seit 2002 stabil
Auf der Homepage der Kriminologischen Gesellschaft (KrimG) ist eine kompakte Auswertung der amtlichen Statistik zum Thema „Personal des öffentlichen Dienstes“ erschienen. Der Auswertung kann entnommen werden das 2011 ca. 309.000 Personen bei der Polizei beschäftigt waren. 262.148 waren Beamte. Die Anzahl der Polizeibeamten ist damit seit 2002 weitestgehend stabil. Der Anteil weiblicher Beamter lag bei den Polizeien der Länder 2011 bei 16,2 %. Quelle und weitere Informationen: http://www.krimg.de/drupal/node/86
 
 
4) Polizeiliche Vernehmung von Kindern und Jugendlichen
Im Rahmen einer Untersuchung der University of Minnesota wurden ca. 300 Protokolle von Vernehmungen untersucht, bei denen Kinder und Jugendliche polizeilich vernommen wurden. Die Untersuchung, die sich auf die Situation in den USA bezieht und lediglich solche Fälle berücksichtigte, bei denen die Jugendlichen verdächtigt wurden eine besonders schwere Straftat begangen zu haben, zeigte, dass die Richtlinien für Verhöre von Kindern und Jugendlichen nicht immer eingehalten werden. Insbesondere die festgeschriebene Höchstdauer einer Vernehmung wurde häufig überschritten. Die Studie steht im Volltext zum Download bereit: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/lasr.12000/pdf
 
 
5) Stellungnahme zur Akkreditierung der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster
Bei einer Akkreditierung handelt es sich um ein Verfahren zur Qualitätssicherung, „das klären soll, ob eine […] Hochschuleinrichtung in der Lage ist, Leistungen in Lehre und Forschung zu erbringen, die anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben entsprechen“. Nun hat der Akkreditierungsausschuss des Wissenschaftsrates seine Stellungnahme zur der Akkreditierung der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster veröffentlicht. „Der Wissenschaftsrat gelangt im Ergebnis zu einem positiven Akkreditierungsvotum, nimmt aber hiervon das der DHPol gesetzlich verliehene Promotionsrecht aus, da die Kriterien des Wissenschaftsrates für die Vergabe eines eigenständigen Promotionsrechts nicht erfüllt sind“. Quelle und Link zur Stellungnahme: http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2843-13.pdf
 
 
6) Sind Kriminalitätsfurcht, soziale Sorgen und Mediennutzung doch nicht miteinander verbunden?
In zahlreichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Entwicklung der polizeilich registrierten Kriminalität nur bedingt mit der Entwicklung der Kriminalitätsfurcht korrespondiert. Das heißt, dass sich das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung auch dann verschlechtern kann, wenn die Anzahl polizeilich registrierter Kriminalität sinkt. Maßgeblichen Einfluss auf die Furcht vor Kriminalität zeigten jedoch (regelmäßig) soziale Ängste (vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg) sowie das Mediennutzungsverhalten. Eine Untersuchung von Karl-Heinz Reuband ergab nun ein anderes Ergebnis: Mediennutzungsverhalten und soziale Ängste zeigten sich für die Entwicklung der Kriminalitätsfurcht ebenso wenig von Bedeutung wie die Entwicklung der polizeilich registrierten Kriminalität und individuelle Viktimisierungserfahrungen. Reuband, K.-H. (2012). Paradoxien der Kriminalitätsfurcht. Welchen Stellenwert haben Kriminalitätsrisiken, Medienberichterstattung und generalisierte Ängste für die Veränderung des lokalen Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung? Neue Kriminalpolitik, 24, S. 133-140.
 
 
7) Law-and-Order-Politik reduziert nicht die Kriminalitätsrate
Eine Studie von David Greenberg macht erneut deutlich, dass eine scharfe Sicherheitspolitik mit harten Strafen keine Auswirkung auf die Kriminalitätsrate zu haben scheint. Quelle und weitere Informationen: http://www.heise.de/tp/artikel/38/38512/1.html Link zur Studie von David Greenberg: http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/07418825.2012.752026
 
 
8) Immer mehr psychisch Kranke oder Pathologisierung der Gesellschaft?
Die American Psychiatric Association (APA) kennt heute drei Mal so viele Krankheiten wie noch 1952. Die Anzahl von Jugendlichen, die mit Antidepressiva behandelt werden hat sich seit 1987 (in den USA) verzehnfacht. Sind diese Veränderungen darauf zurückzuführen, dass es immer mehr Kranke und neue Krankheiten gibt, oder findet eine zunehmende Pathologisierung der Gesellschaft statt? Dieser Frage stellt sich Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie Psychotherapie des Berliner Universitätsklinikums Charié in einem kurzem Interview, das über folgende URL erreichbar ist: http://www.spiegel.de/app42013psychiatrie
 
 
9) Griechische Polizei retuschiert Fotos von verletzten Verdächtigen
Anfang Februar wurden vier Männer in der nordgriechischen Stadt Kozani nach einem Bankraub festgenommen. Am Tag darauf veröffentlichte die Polizei digital bearbeitete Bilder, die die Verdächtigen mit leichten Blessuren zeigten. Mittlerweile hat die Polizei zugegeben, dass die Betroffenen auf der Polizeiwache zum Teil schwere Verletzungen erlitten haben. Die Überarbeitung der Fotografien sei erforderlich gewesen, um Zeugen eine Identifikation der Verdächtigen zu ermöglichen. Durch die Maßnahme sollten keineswegs die Verletzungen der Verdächtigen verschleiert werden. Quelle und weitere Informationen: http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-21324974
 
 
10) Kinderunfallatlas der Bundesanstalt für Straßenwesen
Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat den zweiten Kinderunfallatlas veröffentlicht. „Der Bericht offenbart ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Kinderunfälle in der Mitte und im Süden Deutschlands sind seltener als in den übrigen Regionen. […] Kinder verunglücken als Fußgänger besonders häufig in Nordrhein-Westfalen und großen Städten, während sie als Radfahrer in Kreisen und kreisfreien Städten in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg besonders gefährdet sind. Als Mitfahrer in Pkw verunglücken die meisten Kinder in vielen ländlichen Regionen Bayerns und den östlichen Regionen der Bundesrepublik.“ Quelle und weitere Informationen: http://bast.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2012/602/pdf/M_232b.pdf
 
 
11) Toolbox „Prävention von Jugendkriminalität vor Ort“
Das European Crime Prevention Network (EUCPN) hat eine Zusammenstellung von Informationen zu Präventionsmaßnahmen veröffentlicht, die auf die Verhinderung von Jugendkriminalität zielen. Das Dokument umfasst unter anderem ein Handbuch für Entscheidungsträger und Personen, die vor Ort in die Präventionsarbeit eingebunden sind. Die Toolbox ist online verfügbar: http://www.eucpn.org/library/results.asp?category=32&pubdate
 
 
12) Website Opferschutz und Opferhilfe
Das Land Baden Württemberg betreibt eine Website zur Unterstützung von Opfern von Straftaten. Das Angebot versteht sich nicht nur als Wegweiser zu anderen Stellen sondern kann den Betroffenen mit Informationen und Auskünften auch direkt Hilfe und Unterstützung bieten. Die Site ist über folgende URL erreichbar: http://www.service-bw.de/zfinder-bw-web/lifesituations.do;jsessionid=C6EDFA7BFECBE7FDBEC89A9D8A4D202A?llid=321880&llmid=0
 
 
13) Fortbildungskalender des Fachverbands für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik
Der Fortbildungskalender des Bildungswerkes des DBH-Fachverbandes für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik für das Jahr 2013 ist erschienen. Das Fortbildungsangebot richtet sich insbesondere an Fachkräfte im Bereich der Straffälligen- und Opferhilfe. Der Veranstaltungskalender ist online verfügbar: http://www.dbh-online.de/fortb-facht/dbh-fortbild-kal_13.pdf
 
 
14) Forum Kriminalitätsprävention im Kindes- und Jugendalter
Erstmals wird die DJI-Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention auf dem diesjährigen Deutschen Präventionstag in Bielefeld ein eigenständiges Forum zu dem Thema „Kriminalitätsprävention im Kindes- und Jugendalter – erzieherische Herausforderung für alle beteiligten Institutionen“ durchführen. Experten und Expertinnen der Handlungsfelder Polizei, Schule, Justiz, Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Kinder- und Jugendhilfe nehmen dafür zentrale Entwicklungen im Feld der Prävention von Delinquenz im Kindes- und Jugendalter in den Blick. Das Forum am 22. und 23. April bildet den Rahmen für sechs Vorträge und ein Fachgespräch über zentrale jugendpolitische Rahmenbedingungen für eine gelungene Kriminalitätsprävention. Weitere Informationen: http://www.dji.de/jugendkriminalitaet
 
 
15) Veranstaltungshinweis: Preventing Deaths in Police Custody
Am 1. Mai 2013 veranstaltet die britische Kooperationsstelle Public Policy Exchange eine Tagung mit dem Titel "Preventing Deaths in Police Custody". Veranstaltungsort ist London. Im Rahmen der Tagung werden zunächst Fälle analysiert, in denen Menschen zu Tode gekommen sind während sie in polizeilichem Gewahrsam waren. Den Schwerpunkt der Veranstaltung bildet die Diskussion möglicher Präventionsansätze. Weitere Informationen zum Programm und zum Anmeldeverfahren: http://publicpolicyexchange.co.uk/events/DE01-PPE.php