Polizei : Newsletter Nr. 163, Mai 2013                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Stellenausschreibung am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum
 2)   Videobeitrag: Vortrag von Fernando Bermudez
 3)   Polizist aus NRW übernimmt die Leitung der „Police Division“ bei den Vereinten Nationen
 4)   Vorträge der Tagung „Kritische Polizeiforschung“ online
 5)   Jahresbericht des Scottish Institute for Policing Research
 6)   Interview mit Dieter Hermann: Studien zur abschreckenden Wirkung der Todesstrafe häufig unbrauchbar
 7)   Evaluationsstudie zeigt Wirkungslosigkeit von Antigewalttraining in der Bewährungshilfe
 8)   Deutscher Präventionstag: Der Stand des empirischen Wissens zum Opferwerden und zu den Opferbedürfnissen ist unbefriedigend
 9)   Prison Research in der Schweiz
10)  Täter - Taten - Opfer. Grundlagenfragen und aktuelle Probleme der Kriminalität und ihrer Kontrolle
11)  YouPrev: Jugendkriminalität ist ein universelles Entwicklungsphänomen
12)  Bürgerrechtsorganisationen kritisieren das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum sog. Antiterrordateigesetz
13)  Buchrezensionen: „So und nicht anders – Erinnerungen eines Kriminalisten“ und „Nicht durch formale Schranken gehemmt – Die Deutsche Polizei im Nationalsozialismus“
14)  Empirische Polizeiforschung XVI: Polizei und Politik
15)  Fachkonferenz zur gesellschaftlichen Dimensionen der Sicherheitsforschung
 
1) Stellenausschreibung am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum
Am Lehrstuhl für Kriminologie ist zum 15.06.2013 die Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters/ einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterin mit 50 % der regulären Arbeitszeit befristet für die Dauer von zunächst zwei Jahren zu besetzen. Zu den Aufgaben gehört die Unterstützung des Lehrstuhlinhabers bei Forschung und Lehre sowie bei der Koordination und Weiterentwicklung der Bochumer kriminologisch-polizeiwissenschaftlichen Masterstudiengänge sowie die Betreuung verschiedener Online-Projekte des Lehrstuhls (Polizei-Newsletter, Kriminologie-Lexikon Online) sowie von Schriftenreihen. Link zur Ausschreibung: http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/
 
 
2) Videobeitrag: Vortrag von Fernando Bermudez
Der US-Amerikaner Fernando Bermudez war 18 Jahre unschuldig in New Yorks Gefängnissen inhaftiert. 2009 wurde er nach einer Odyssee durch die Instanzen des US-amerikanischen Rechtssystems freigesprochen. Im April 2013 war Bermudez zu Gast an verschiedenen Universitäten in Deutschland und berichtete über seine Erfahrungen und das Leben nach der Inhaftierung. Eine Aufzeichnung seines Vortrags, den er an der Ruhr-Universität in Bochum hielt, ist nun online als Connect-Video verfügbar: https://connect.ruhr-uni-bochum.de/bermudez/
 
 
3) Polizist aus NRW übernimmt die Leitung der „Police Division“ bei den Vereinten Nationen
Stefan Feller, Leitender Polizeidirektor aus Nordrhein-Westfalen wird die Leitung der „Police Division" bei den Vereinten Nationen (VN) in New York übernehmen. Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen Ralf Jäger bezeichnete die Berufung als „eine internationale Auszeichnung für die hohe Leistungsfähigkeit der NRW-Polizei". Feller wird zukünftig den Generalsekretär der VN zu den polizeilichen Aspekten der Krisenbewältigung beraten. „Zu seinen Aufgaben gehören auch die Planung und Durchführung von internationalen Polizeimissionen mit UN-Mandat.“ Stefan Feller war unter anderem Leiter der UN-Polizei im Kosovo und führte in Brüssel den Polizeistab im Ratssekretariat der EU. Seit 2008 führte er die Europäische Polizeimission in Bosnien und Herzegowina. Stefan Feller ist auch als Gutachter im internationalen Masterstudiengang „Criminal Justice, Governance and Police Science“ tätig (Link zum Studiengang: http://vmrz0183.vm.ruhr-uni-bochum.de/macrimgov/). Quelle der Meldung: http://www.mik.nrw.de/
 
 
4) Vorträge der Tagung „Kritische Polizeiforschung“ online
Am 8. und 9. Februar 2013 hat an der Goethe-Universität in Frankfurt eine Tagung zum Thema „Kritische Polizeiforschung“ stattgefunden. Im Zentrum der Veranstaltung standen die vielfältigen Restrukturierungsprozesse der Institution Polizei die seit den 1990er Jahren stattgefunden haben. „Neben dem Aufbau der Polizeien in Ostdeutschland ist hier insbesondere die Einführung neuer Steuerungselemente auch bei der Polizei zu nennen; schließlich hat sich auch das Aus– und Weiterbildungskonzept tiefgreifend gewandelt.“ Die im Rahmen der Tagung gehaltenen Vorträge und Präsentationen stehen nun im Internet zum kostenlosen Download bereit. Referenten waren (unter anderem) Bernd Belina (Goethe-Universität Frankfurt), Rafael Behr (Hochschule der Polizei Hamburg) und Maja Apelt (Universität Potsdam). Quelle und Link zum Download der Vorträge: http://www.neuordnungen.info/2013/03/26/vortrage-kritische-polizeiforschung/
 
 
5) Jahresbericht des Scottish Institute for Policing Research
Das Scottish Institute for Policing Research (SIPR) hat seinen Jahresbericht für 2012 veröffentlicht. Der Bericht informiert über Projekte und wissenschaftliche Neuerscheinungen im Bereich der Politikwissenschaft. Der Bericht steht zum Download im Internet bereit: http://sipr.us4.list-manage.com/track/click?u=4b4960bc66cb5af84fb443141&id=0935a2c790&e=d8f790f25d
 
 
6) Interview mit Dieter Hermann: Studien zur abschreckenden Wirkung der Todesstrafe häufig unbrauchbar
In einem Interview mit der Legal Tribune Online hat Dieter Hermann darauf hingewiesen, dass zahlreiche Studien, die der Todesstrafe eine abschreckende Wirkung attestieren, weitgehend unbrauchbar sind. Im Rahmen einer Metaanalyse empirischer Abschreckungsstudien zeigte sich, dass die Ergebnisse vieler Untersuchungen durch das Menschenbild des Forschers beeinflusst sind. „Ein Ökonom mit der Vorstellung eines rational-utilitaristisch handelnden Menschen wird wahrscheinlich feststellen, dass die Todesstrafe wirkt. Wenn der Forscher davon ausgeht, dass der Mensch nicht nur aufgrund von Kosten-Nutzen-Überlegungen handelt, dann sieht auch seine Studie anders aus.“ Insgesamt sprechen die Ergebnisse der Metaanalyse dafür, „dass es keinen Zusammenhang zwischen Todesstrafe und Kriminalitätsrate gibt“. Quelle und Link zum vollständigen Interview: http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/todesstrafe-studien-statistik-abschreckung-interview/
 
 
7) Evaluationsstudie zeigt Wirkungslosigkeit von Antigewalttraining in der Bewährungshilfe
Antigewalttrainings (AGT) im Strafvollzug zur Rückfallprävention bei Gewaltstraftätern haben seit geraumer Zeit Konjunktur. Methodisch verlässliche Untersuchungen zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen sind allerdings selten. Eine Evaluationsstudie zum AGT-Projekt „Neustart“ zeigte nun, dass die Teilnehmer an dem Projekt „keine niedrigeren Wiederverurteilungsraten“ aufwiesen, als Insassen, die nicht an dem Projekt teilgenommen haben. „Der Grund dafür dürfte in dem Umstand zu suchen sein, dass die nicht ins Gruppentraining aufgenommenen Gewaltprobanden kompensatorisch in den Genuss einer intensivierten Deliktsbearbeitung durch den die Beziehungsarbeit leistenden Bewährungshelfer kommen.“ Quelle: Hirtenlehner, H. & Hiebinger, I. (2013). Rückfallergebnisse eines gruppenorientierten Antigewalttrainings in der Bewährungshilfe – Befunde aus Österreich. Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe, 24, 57–63.
 
 
8) Deutscher Präventionstag: Der Stand des empirischen Wissens zum Opferwerden und zu den Opferbedürfnissen ist unbefriedigend
Der Deutsche Präventionstag (DPT) hat in einer Erklärung anlässlich des 18. Deutschen Präventionstages darauf hingewiesen, dass der Stand des empirischen Wissens zum Opferwerden und zu den Opferbedürfnissen in Deutschland unbefriedigend ist. In der Erklärung fordert der Präventionstag unter anderem die täterorientierten Kriminalstatistiken mit der Erfassung von Opfern und Opfermerkmalen über den schon erreichten Stand hinaus zu erweitern und das Dunkelfeld der Viktimisierung durch regelmäßige, repräsentative, auch bundesweit durchgeführte Opferbefragungen zu erhellen. Quelle und Link zur Bielefelder Erklärung des DPT: http://www.praeventionstag.de/nano.cms/pressemitteilungen
 
 
9) Prison Research in der Schweiz
An der Universität Freiburg i.Ü. (Schweiz) wird seit 2006 ein Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet des Strafvollzugs etabliert. Die Website http://prisonresearch.ch/ informiert über die laufenden und abgeschlossenen Projekte des Netzwerks. Unter der Rubrik Publikationen kann auch die aktuelle Ausgabe des Info Bulletins „Information zum Straf- und Massnahmenvollzug“ heruntergeladen werden.
 
 
10) Täter - Taten - Opfer. Grundlagenfragen und aktuelle Probleme der Kriminalität und ihrer Kontrolle
In der „Neuen Kriminologischen Schriftenreihe“ der Kriminologischen Gesellschaft (KrimG) ist ein weiterer umfangreicher Sammelband erschienen. „Täter – Taten – Opfer“ bündelt über 50 Fachaufsätze. Die Beiträge behandeln unter anderem Themen aus dem Bereich der Lebenslaufforschung und des Opferschutzes. Darüber hinaus werden Kriminalitätsformen thematisiert, „die sich auf neuere technische Entwicklungen beziehen. [...] Schließlich werden die kriminologische Ausbildungssituation in Deutschland, Österreich und der Schweiz behandelt. Der Band endet mit Laudationes für die mit der Beccaria-Medaille Geehrten“. Der Band umfasst mehr als 850 Seiten und ist auch als PDF-Dokument im Netz frei verfügbar: http://www.krimg.de/drupal/files/9783942865111.pdf
 
 
11) YouPrev: Jugendkriminalität ist ein universelles Entwicklungsphänomen
Im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes Youth deviance and youth violence (YouPrev) wurden unter anderem ca. 11.000 Schülerinnen und Schülern in sechs europäischen Ländern zu ihren Kriminalitäts- und Gewalterfahrungen sowie zu Präventionsmaßnahmen befragt. Darüber hinaus wurden im Rahmen des Projektes Experten zur Jugendkriminalität zu erwartenden Trends und zu Perspektiven der Prävention befragt. Im Ergebnis zeigte sich, „dass Jugendkriminalität ein universelles Entwicklungsphänomen ist. Regeln zu brechen ist Teil des Prozesses des Erwachsenwerdens, und die meisten Jugendlichen übertreten während ihrer Adoleszenz dann und wann auch strafrechtliche Normen. Für die Mehrheit der jungen Menschen ist das Auftreten delinquenten Handelns biografisch auf eine gewisse Zeitspanne begrenzt und geht kaum über den Bereich von Bagatelldelikten (wie kleine Ladendiebstähle, digitale Urheberrechtsverletzungen, Schwarzfahren, Besitz kleiner Mengen illegaler Drogen oder auch leichtere Körperverletzungsdelikte) hinaus.“ Quelle/Link zum Abschlussbericht: http://www.praeventionstag.de/kriminalpraevention/Module/News/Media/YouPrev_A4_NationalerReport_web_736.pdf
 
 
12) Bürgerrechtsorganisationen kritisieren das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum sog. Antiterrordateigesetz
In der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum sog. Antiterrordateigesetz (1 BvR 1215/07) stellte das Gericht fest, dass die bisherigen Regelungen zur Antiterrordatei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Bürgerrechtsorganisationen zeigten sich von dem Urteil dennoch enttäuscht. Der Vorsitzendede der humanistischen Union, Werner Koep-Kerstin, bemängelte, dass das Gericht der zentralen Frage des Verfahrens ausgewichen sei: „Im Zeitalter digitaler Ermittlungen reicht es längst nicht mehr aus, allein die Aufgaben und Befugnisse von Polizei und Geheimdiensten sauber zu trennen. Ermittlungsarbeit stützt sich heutzutage immer mehr auf die Gewinnung, Verarbeitung und den Austausch von Informationen zwischen den verschiedenen Sicherheitsbehörden. Deshalb wäre es an der Zeit, das Trennungsgebot auf der informationellen Ebene umzusetzen. Das haben die Karlsruher Richter mit ihrer [...] Entscheidung leider versäumt." Quelle und weitere Informationen: http://www.humanistische-union.de/presse/2013/pressedetail_2013/back/presse-2013/article/lange-liste-handwerklicher-fehler-im-antiterrordateigesetz-aber-den-systemfehler-leider-uebersehen/
 
 
13) Buchrezensionen: „So und nicht anders – Erinnerungen eines Kriminalisten“ und „Nicht durch formale Schranken gehemmt – Die Deutsche Polizei im Nationalsozialismus“
Unter der Rubrik Buchbesprechungen sind auf der Website des Polizei-Newsletters (http://polizei-newsletter.de/books_german.php) neue Rezensionen zu finden: Thomas Feltes stellt die „lesenswerten Tagebuchaufzeichnungen“ des südwestdeutschen Kriminalisten Manfred Teufel „So und nicht anders“ vor. Darüber hinaus bespricht Jan Issinger das Buch von Wolf Kaiser, Thomas Köhler, Thomas & Elke Grylewski „Nicht durch formale Schranken gehemmt - Die Deutsche Polizei im Nationalsozialismus“. Dabei handelt es sich um ein multimedial unterstütztes Lehrbuch, das von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird. Es versteht sich als „Schlussstein des mehrjährigen Projekts ‚Die Polizei im NS-Staat‘.
 
 
14) Empirische Polizeiforschung XVI: Polizei und Politik
Der Arbeitskreis Empirische Polizeiforschung veranstaltet zwischen dem 4. und 6. Juli 2013 seine 16. Jahrestagung im Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Bamberg. Im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung stehen Fragen zum Verhältnis von Polizei und Politik. „Die Tagungsreihe ‚empirische Polizeiforschung‘ versteht sich traditionell als Gelegenheit des Zusammentreffens von Polizeipraktikern und Polizeiwissenschaftlern.“ Weitere Informationen zur Veranstaltung sind online verfügbar: http://www.empirische-polizeiforschung.de/tagungen-z.php
 
 
15) Fachkonferenz zur gesellschaftlichen Dimensionen der Sicherheitsforschung
Am 13. und 14. Juni 2013 findet in Berlin die zweite Fachkonferenz zur gesellschaftlichen Dimensionen der Sicherheitsforschung statt. Im Rahmen der Veranstaltung werden Befunde des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ thematisiert. „Die Ergebnisse aus verschiedenen Förderschwerpunkten werden aufgegriffen, mit aktuellen Debatten zu Sicherheitsthemen verbunden, zur intensiven Fachdiskussion gestellt und wissenschaftlich eingeordnet.“ Die Veranstaltung richtet sich an die gesamte Fachöffentlichkeit im Bereich der zivilen Sicherheitsforschung. Quelle und weitere Information zur Veranstaltung sowie zum Anmeldeprozedere: http://sifo-dialog.de/sifo-de/index.php