Polizei : Newsletter Nr. 17, Mai 2000                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Stasi "Raubgold" im Internet
 2)   Unternehmen müssen nicht mehr nur grün, sondern blau sein
 3)   Juristen für das Informationszeitalter
 4)   Opfer von politisch motivierter Folter: Ein zunehmendes Problem
 5)   Juristisches Informationssystem
 6)   Neue Homepage der American Society of Criminology
 7)   Geständniszwang
 8)   Software (in Englisch) und Handbuch (in Deutsch) für Opferbefragungen
 9)   Elektronische Fußfessel: Erste Ergebnisse aus England
10)  E-Mails überfordern Versicherungen
11)  Einsatztaktik und Kontrollen
12)  Sicherheit in den Städten – Tagung des Europäischen Forum für urbane Sicherheit
13)  Rahmenkonzept Controlling
14)  Prostituierten-Selbsthilfeorganisationen im WEB
15)  Das Letzte... Mit Hightech auf Partnersuche
 
1) Stasi "Raubgold" im Internet
Das Internet als modernes Fundbüro, so berichtete Wired-News vergangenen Monat über den Versuch des Berliner Stasi-Landesbeauftragten mit im Netz veröffentlichten Bildern der (Kunst-) Gegenstände die wahren Eigner zu finden. Es ist zwar nur ein kleiner Teil der Sammlung, den die ehemaligen Machthaber der DDR ein 2 Jahrzehnten "zusammengeplündert" haben, so Wired, aber es geht nicht um den finanziellen sondern meist um den sentimentalen Wert für die Familien, die Schmuck, Kunst, Briefmarkensammlungen und andere Wertgegenstände unfreiwillig abgeben mussten. Die Internetadresse: http://www.berlin.de/new/Land/NachGeo/Stasibeauftragter/lstuweb/schmuck.html

Quelle: http://www.wired.com/news/politics/0,1283,34771,00.html
 
 
2) Unternehmen müssen nicht mehr nur grün, sondern blau sein
So formuliert die Brand Futures Group (http://www.brandfutures.com) die Anforderungen der Zukunft: Es reiche nicht mehr, Schäden etwa in der Umwelt zu unterbinden (=grün sein). Jetzt soll auch der Nachweis über gute Taten erbracht werden (=blau sein). Das Unternehmen verhält sich als anständiger Bürger, fördert das Gemeinwesen und achtet Minderheitenrechte (Quelle: Trendletter 3/2000).
 
 
3) Juristen für das Informationszeitalter
Während in den USA die Universitäten wirtschaftsnah und anwendungsbezogen den Nachwuchs für die IT-Branche ausbilden, beleuchtet man in Europa die Materie eher juristisch. Elf Universitäten aus neuen EU-Staaten haben das "European Legal Infomatics Study Programme" (EULISP) ins Leben gerufen, das Juristen für das Internet-Zeitalter fit machen soll. In Deutschland bietet die Universität Hannover im Rahmen dieses Programms einen zweisemestrigen Aufbaustudiengang "Rechtsinformatik" an, der in diesem Wintersemester zum erstenmal mit zwanzig Studenten durchgeführt wird. Pflichtfächer sind Telekommunikations- und Datenschutzrecht, IT-bezogenes Immaterialgüterrecht, Vertragsrecht und Recht der Datensicherung. Da andere Universitäten im Verbund andere Schwerpunkte setzen, ist das zweite Semester an einer ausländischen Universität Pflicht. Abschluss ist der international anerkannte Grad L.L.M (Legal Law Master). Quelle: http://www.forumnews.de/Artikel.asp?AID=3429
 
 
4) Opfer von politisch motivierter Folter: Ein zunehmendes Problem
Im Oktober 1998 hatten sich mehr als 300 Mediziner und Sozialwissenschaftler bei einer Tagung in den USA mit diesem Thema beschäftigt. Jetzt liegt der umfangreiche Konferenzreport vor: http://www.ojp.usdoj.gov/ovc/infores/motivatedtorture/.
 
 
5) Juristisches Informationssystem
Die Juristische Linkpage Stich (http://www.zurecht.de) liefert neben Urteilsübersichten und einem Anwaltsverzeichnis auch einen sehr guten Überblick über juristische Datenbanken. Jurastudenten und junge Juristen an der Berliner Humbold-Universität haben ein neues Forum  für juristische Fragen zusammengestellt: http://www.humboldt-forum-recht.de . (Danke an Manfred Klumpp, BdKBW für den Hinweis).
 
 
6) Neue Homepage der American Society of Criminology
Die weltweit größte Vereinigung von Kriminologen hat eine neue Homepage. Hinter dem schlichten Kürzel http://www.asc41.com verbirgt sich ein kleiner Schatz: Abstracts aller Beiträge, die seit 1980 in der Zeitschrift „Criminology“ erschienen sind. Über Adobe Acrobat kann geladen und dann durchsucht werden.
 
 
7) Geständniszwang
Überlegungen zu einer Theorie des Geständnisses hat – mit psychoanalytischem Hintergrund – Michael Niehaus von der Universität Essen zusammengestellt im Kriminologischen Journal 32, 1, 2000, S. 2-18. Zur Lektüre nur dem empfohlen, der bereit ist, über Zusammenhänge zwischen Geständnis und Inquisition nachzudenken?
 
 
8) Software (in Englisch) und Handbuch (in Deutsch) für Opferbefragungen
Eine eigene Software für Opferbefragungen hat das amerikanische Justizministerium herausgegeben. Sie kann kostenlos aus dem Internet geladen oder als CD-Rom für US$ 12 bestellt werden. http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/abstract/cvs.htm. Man muss danach eine User-ID und ein Passwort beantragen.

Das „Handbuch Kommunale Kriminalprävention“ der Forschungsgruppe Kommunale Kriminalprävention Baden-Württemberg, das ein Muster für eine Befragung in deutschen Städten zu den Themen Opferwerden, Verbrechensfurcht und Polizeieinschätzung erhält, wird derzeit vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg neu aufgelegt. Bestellungen an 422@lka.polizei-bw.de .
 
 
9) Elektronische Fußfessel: Erste Ergebnisse aus England
Seit Januar 1999 können bestimmte Strafgefangene in England 60 Tage früher aus dem Gefängnis entlassen werden, wenn Sie sich einer elektronischen Überwachung unterziehen. Insgesamt haben im ersten Jahr rund 16.000 Straftäter (oder ca. 30% aller Entlassenen) von dieser Möglichkeit gebrauch gemacht. Die Auswertung dieses weltweit größten electronic monitoring Programms durch das britische Homeoffice liegt nunmehr vor (Research Findings No. 110; http://www.homeoffice.gov.uk/rds/index.htm). Danach lag die Misserfolgsquote (Widerruf der Aussetzung) bei 5%, wobei in der Mehrzahl dieser Fälle ein Verstoß gegen die Überwachungsrichtlinien die Ursache war (und nicht eine erneute Straftat). Insgesamt werden nur wenig Probleme mit dieser neuen Technologie berichtet.
 
 
10) E-Mails überfordern Versicherungen
Die der Polizei durchaus bekannte Unternehmensberatung Mummert + Partner hat sich jetzt mit Kundenanfragen per E-Mail beschäftigt und festgestellt, dass rund 40 Prozent der angemailten Unternehmen gar nicht reagierten. Die durchschnittliche Reaktionszeit der übrigen 60 Prozent lag bei einer Woche. Dabei antworteten die meisten Versicherer per Post, einige erst nach einem Monat. Zehn schickten einen Außendienstmitarbeiter, obwohl der Kunde ausdrücklich darum gebeten hatte, von Außendienstbesuchen abzusehen. Informationsmaterial wird von 87 Prozent der Versicherungen per Post zugestellt; nur jede dritte Gesellschaft bietet das Herunterladen der Broschüren auf den heimischen Computer an - dies widerspricht deutlich der Internetphilosophie, Informationen in Sekundenschnelle verfügbar zu machen. Wenigstens kann man bei nahezu 60 Prozent der Kompositversicherer eine Schadensmeldung über das Internet machen. Quelle: Forum-News, 03.03.00
 
 
11) Einsatztaktik und Kontrollen
Das britische Homeoffice ist der Frage nachgegangen, ob es Ungleichbehandlungen bei polizeilichen Kontrollen und Durchsuchungen gibt und wie diese möglicherweise abzustellen sind. Die Studie der „Policing and Reducing Crime Unit“ zeigt tatsächlich, dass es „Schwächen“ bei der polizeilichen Vorgehensweise gibt und schlägt das Anlegen einer Datenbank vor, um die Effektivität der Einsatzführung zu verbessern. In diese Datenbank soll jeder Polizeieinsatz mit seinen typischen Merkmalen eingetragen werden (Ort, Zeit, Grund oder Verdacht, Charakteristika der kontrollieren Person, Information zum Polizeibeamten, der kontrolliert). Strukturen wurden entwickelt, die als Leitbilder und Kontrollfunktionen dienen können. Zudem soll die Ausbildung verbessert und die Gemeinde soll stärker über polizeiliche Handlungsweise informiert und in Planungsprozesse integriert werden. Quelle: P. Quinton/N. Bland: Modernising the tactic: Improving the use of Stop and search. Policing and Reducing Crime Unit, Briefing Note No.2/99
 
 
12) Sicherheit in den Städten – Tagung des Europäischen Forum für urbane Sicherheit
Vom 7.-9. Dezember 2000 findet in Neapel/Italien eine Tagung des Forum Européen Pour La Sécurité Urbaine zur urbanen Sicherheit und Stadtentwicklung statt. Das Forum ist 1987 unter der Schirmherrschaft des Europarates gegründet worden und ist eine internationales Netzwerk von über 300 Lokalbehörden. Das Forum wird von den Städten Antwerpen (Belgien), Mulhouse (Frankreich), Lissabon (Portugal) und Modena (Italien) geleitet. Deutsche Städte und Gemeinden sind bislang leider nur am Rande vertreten. Nähere Infos über Michel Marcus (fesu@urbansecurity.org) oder http://www.urbansecurity.org
 
 
13) Rahmenkonzept Controlling
In der Reihe „Verwaltung im Wandel“ hat die Stabsstelle für Verwaltungsreform des Innenministeriums Baden-Württemberg eine Studie zu den Grundlagen des Controllling, zur Organisation und zu den Instrumenten sowie zur Einführung veröffentlicht. Bestellungen an Registraturs@im.bwl.de; Bearbeiter Michael Hifmann und Sabine Lutz (michael.hofmann@im.bwl.de).
 
 
14) Prostituierten-Selbsthilfeorganisationen im WEB
Mit mehreren Homepages präsentieren sich Hydra e.V. , Madonna e.V. und  HWG e.V. und ihre Arbeit im Internet. Bereitgestellt werden neben Dokumenten der „Hurenkongresse“ sowie Literaturhinweisen auch Informationen zur Geschichte der Prostituiertenbewegung und zur Organisation sowie (auf der HWG-Seite) Infos und Links zu ausländischen Organisationen und zur europäischen Charta und juristischen Fragen im Zusammenhang mit der Prostitution. http://www.lustgarten.de/madonna bzw. http://www.lustgarten.de/hydra und http://www.lustgarten.de/hwg. (Hinweis: Diese Seiten befinden sich auf der Oberfläche eines kommerziellen Anbieters...).
 
 
15) Das Letzte... Mit Hightech auf Partnersuche
Vor bösen Überraschungen bei Verabredungen schützt die amerikanische Agentur Check-A-Date in San Diego (http://www.check-a-date.com): Für 80 US$ überprüft das Unternehmen innerhalb von 48 Stunden den persönlichen und beruflichen Hintergrund von Neubekanntschaften (Quelle: Trendletter 3/2000).