Polizei : Newsletter Nr. 175, Juni 2014
 1)   Jugendliche mit wenig Zukunftshoffnung begehen mehr Straftaten
 2)   Eingesperrt in Amerika
 3)   Polizei in den USA bemerkt massiven Anstieg der Drogentoten durch Überdosis
 4)   Suizid unter religiösen arabischen Gemeinschaften in Nazareth
 5)   Mehr als einer von 25 zum Tode Verurteilten in den USA unschuldig
 6)   Geistige Erkrankung und Kriminalität nicht üblicherweise miteinander verbunden
 7)   Überwachen als Thema
 8)   Schwierige Kindheitserfahrungen – Repräsentativstudie in UK
 9)   Innenministerium contra Spiegel – Konstruierter Anstieg der linken Kriminalität
10)  Hinweis: Privatisierung in der Bewährungshilfe
11)  § 226 a StGB – Verstümmelung weiblicher Genitalien – symbolisches Strafrecht?
12)  Polizeigewalt im Fernsehen
13)  Team-Consult-Preis für die besten Kriminologie-Master-Absolventen an der RUB
14)  RUB-Kriminologie-Lehrstuhl Website auf deutsch und englisch und Stellenausschreibung
15)  Buchbesprechung: European Internal Security von Christian Kaunert
 
1) Jugendliche mit wenig Zukunftshoffnung begehen mehr Straftaten
Eine Studie der University of Texas in Dallas hat gezeigt, dass Jugendliche, die nicht daran glauben, dass sie ein langes und erfolgreiches Leben vor sich haben, mehr und schwerere Straftaten begehen als Jugendliche, die ihrer Zukunft zuversichtlich entgegensehen. Quelle: Alex R. Piquero (2014): Take My License n’ All That Jive, I Can’t See: Little Hope for the Future Encourages Offending Over time, Justice Quarterly, http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/07418825.2014.896396#.U2CdmFdCN8E
 
 
2) Eingesperrt in Amerika
Im Jahr 1972 saßen in den USA rund 300.000 Menschen im Gefängnis, im Jahr 2014 sind dort rund 2.300.000 Menschen in Gefängnissen. Was sagt das über eine Gesellschaft (und deren Entwicklung) aus? Hier ein Link zu dem aufrüttelnden Film „Locked up in Amerika – Prison State“: http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/locked-up-in-america/#prison-state. Hintergründe, grafisch dargestellt, siehe hier: http://www.vox.com/2014/5/1/5669166/the-two-simple-facts-that-explain-why-the-us-prison-population
 
 
3) Polizei in den USA bemerkt massiven Anstieg der Drogentoten durch Überdosis
Inzwischen sterben mehr Menschen in den USA aufgrund einer Überdosis als durch Mord oder Totschlag. Dementsprechend hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Behandlung von Drogenabhängigen wichtiger und wirksamer ist als deren Verfolgung und Verhaftung. Quelle: http://www.thecrimereport.org/news/inside-criminal-justice/2014-04-drug-summit
 
 
4) Suizid unter religiösen arabischen Gemeinschaften in Nazareth
Suizid ist eine der führenden Todesursachen in vielen westlichen Ländern, aber in den Ländern des Ostens war dieses Phänomen bis vor kurzem extrem selten. Diese Studie beleuchtet die Prävalenz und den Hintergrund des wahrnehmbaren Anstiegs von Suizidversuchen in der konservativen und religiösen arabischen Gemeinschaft von Nazareth, Israel. Dabei sind Suizidversuche bei Frauen (77 Prozent) mehr als drei Mal so hoch wie bei Männern (23 Prozent). Die Gründe waren zu 50 Prozent in sozialen Ursachen, zu 26 Prozent in Anpassungsproblemen und zu 24 Prozent in psychischen Krankheiten zu suchen. Quelle: Elia Hay et al., The Underlying Reasons of Suicide Attempts among Arab Population in the Holy-Land—Nazareth: View and Overview. (Open Access) http://preview.tinyurl.com/oobpcfj
 
 
5) Mehr als einer von 25 zum Tode Verurteilten in den USA unschuldig
Mehr als vier Prozent der Angeklagten, die in den USA zum Tode verurteilt werden, sind einer Studie zufolge, die gerade in den Berichten der National Academy of Science veröffentlicht wurden, unschuldig. Die Autoren schreiben auch, dass – diesen Resultaten folgend – zahlreiche der 1320 seit 1977 exekutierten Verurteilten unschuldig waren. Quelle: http://www.pnas.org/content/early/2014/04/23/1306417111.full.pdf+html
 
 
6) Geistige Erkrankung und Kriminalität nicht üblicherweise miteinander verbunden
Die Studie der Amerikanischen Psychologischen Vereinigung über Straftaten, die von Menschen mit ernsthaften geistigen Störungen begangen wurden, erbrachte überraschenderweise nur wenige Beziehungen zu den Symptomen der geistigen Störung. Lediglich 7,5 Prozent der Straftaten hatten direkt, nur 18 Prozent indirekt oder relativ direkt mit Symptomen Erkrankung zu tun. Quelle: http://www.apa.org/pubs/journals/releases/lhb-0000075.pdf
 
 
7) Überwachen als Thema
Dem Thema „Überwachen“ widmet sich die neue Ausgabe von „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (64. Jg., 18-19/2014, 28.4.2014): Ein Staat büßt an Legitimität ein, wenn er es nicht vermag, seine Bürger vor Gefahren zu schützen. In verschiedenen Essays wird der Frage der Wichtigkeit von Geheimdiensten und der Frage nachgegangen, wie sich in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft ein Generalverdacht gegen unbescholtene Bürger rechtfertigen lässt. Siehe unter: http://www.bpb.de/apuz/183082/ueberwachen
 
 
8) Schwierige Kindheitserfahrungen – Repräsentativstudie in UK
Die erste repräsentative Studie im Vereinigten Königreich (UK) über schwierige Kindheitserfahrungen ergab, dass zu 11,9 Prozent Komasaufen, zu 13,9 Prozent schlechte Ernährung, zu 22,7 Prozent Rauchen, zu 52 Prozent Gewaltausübung, zu 58,7 Prozent Heroin-, Crack- oder Kokainkonsum, und zu 37,6 Prozent unerwartete Schwangerschaft zu schwierigen Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences ACHE) beitragen. Näheres unter http://www.biomedcentral.com/1741-7015/12/72, das Summary unter http://blogs.biomedcentral.com/bmcblog/2014/05/02/adverse-childhood-experiences-the-long-term-impact/, und die WHO Richtlinien über das Messen der schwierigen Kindheitserfahrungen ACHE: http://www.who.int/violence_injury_prevention/violence/activities/adverse_childhood_experiences/en/
 
 
9) Innenministerium contra Spiegel – Konstruierter Anstieg der linken Kriminalität
Das Bundesinnenministerium meldete kürzlich, Linke hätten im vergangenen Jahr 8.673 politisch motivierte Straftaten verübt – rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Spiegel meldet nun, dass für diesen Anstieg vor allem die „Verstöße gegen das Versammlungsrecht“ in Form von Sitzblockaden verantwortlich sind, viele davon gegen Aufmärsche von Neonazis. Bundeskriminalamt und Landeskriminalämter wurden deshalb vom Bundesinnenministerium aufgefordert, den Themenkatalog für politisch motivierte Straftaten zu überarbeiten. Siehe: http://www.taz.de/Linksextreme-Straftaeter/!137829/ und http://www.spiegel.de/politik/deutschland/linksextreme-straftaten-statistik-dramatisiert-tatsaechliche-zahlen-a-967481.html
 
 
10) Hinweis: Privatisierung in der Bewährungshilfe
In der letzten Ausgabe Nr. 174 des PNL wiesen wir auf die Privatisierung in der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg hin. Hierzu folgender weitergehende Hinweis: Der Text, auf den in dem Hinweis verwiesen wird, stammt überwiegend allein vom Justizministerium Baden-Württemberg. Von den mit der Evaluation beauftragten Gutachtern (Professoren Entorf, Hermann und Dölling) wurde allein der Abschnitt IV. Fachliche Qualität (S. 51 bis 172) verfasst. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenfassung des ausführlichen Gutachtens, das ebenfalls auf den Internetseiten des Justizministeriums Baden-Württemberg zugänglich ist. Siehe: http://www.justizministerium.baden-wuerttemberg.de/pb/site/jum/get/documents/jum1/JuM/JuM/Evalution%20der%20Bew%C3%A4hrungshilfe/Evaluation%20der%20Bew%C3%A4hrungshilfe%20Anlage%20SV-Bericht.pdf
 
 
11) § 226 a StGB – Verstümmelung weiblicher Genitalien – symbolisches Strafrecht?
Die Verstümmelung weiblicher Genitalien war auch bisher strafbar, allerdings blieben die Fälle im Dunkelfeld. Motiv für den neuen Straftatbestand war insbesondere die Verstärkung des Unrechtsbewusstseins. Allerdings wurde weder eine ärztliche Meldepflicht etabliert noch die Erstreckung auf Auslandstaten eindeutig geklärt. Daher wird – wie bisher – kaum einer der geschätzten 25.000 Fälle in das Hellfeld gelangen. Siehe http://blog.beck.de/2013/10/04/der-neue-226-a-stgb-verst-mmelung-weiblicher-genitalien-verfassungswidrig
 
 
12) Polizeigewalt im Fernsehen
Gleich mehrmals wurde im Mai das Thema „Polizeigewalt“ in Fernsehberichten thematisiert. „Bayern 3“ brachte am 5. Mai einen 45-minütigen Bericht http://ssl.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/import/audiovideo/die-polizei-im-fadenkreuz-100.html bzw. http://redir.ec/pnl11. Die RBB-Dokumentation „Tödliche Polizeikugeln. Wenn psychisch Kranke Opfer sind“ wurde am 27. Mai im RBB-Fernsehen gesendet (http://www.rbb-online.de/fernsehen/programm/27_05_2014/12184493246.html bzw. http://redir.ec/pnl12 ). In den letzten 5 Jahren wurden bundesweit 38 Menschen durch Polizeikugeln getötet, der weitaus größte Teil waren psychisch Kranke, Verwirrte oder Lebensmüde, die eigentlich Hilfe brauchen - eine erschreckend hohe Zahl, die jedoch unbekannt ist, weil die offizielle Statistik sie erst gar nicht erfasst. In beiden Sendungen war Thomas Feltes ein Interviewpartner.
 
 
13) Team-Consult-Preis für die besten Kriminologie-Master-Absolventen an der RUB
Mit dem Team-Consult-Preis für die beste Masterarbeit im Studiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum werden Anne Katharina Wonsack aus Frankfurt und Martin Thüne aus Mühlhausen ausgezeichnet. Anne Katharina Wonsack beschäftigte sich mit dem Thema „Skimming. Der Täter im kriminologischen Blickfeld“, Martin Thüne mit dem polizeilichen Umgang mit psychisch gestörten Tätern. Beide Arbeiten wurden mit der Note „excellent“ (1,0) bewertet. Zum Studiengang siehe: http://www.makrim.de/
 
 
14) RUB-Kriminologie-Lehrstuhl Website auf deutsch und englisch und Stellenausschreibung
Der Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum stellt die eigene Lehrstuhl-website nun auch auf Englisch zur Verfügung. Den Link zu der neuen Homepage finden Sie hier: http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/index.php/en/ Am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum ist zum 01.08.2014 die Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters bzw. einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterin mit 50% der regulären Arbeitszeit befristet für die Dauer von zunächst zwei Jahren zu besetzen. Zu den Aufgaben gehört die Unterstützung von Forschung und Lehre am Lehrstuhl sowie die Koordination und Weiterentwicklung des weiterbildenden Studienganges „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“. Link zur Ausschreibung: http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/
 
 
15) Buchbesprechung: European Internal Security von Christian Kaunert
Robin Hofmann beschäftigt sich mit Christian Kaunerts Buch „European Internal Security – Moving towards supranational Governance in the Area of Freedom, Security and Injustice” und kommt zu dem Ergebnis, dass es sich um eine gut geschriebene und weit ausholende Übersicht der europäischen inneren Sicherheit mit starkem Fundament in den politischen Theorien handelt, besonders geeignet für Leser mit politisch-theoretischem Hintergrund und Interesse am Thema Sicherheitspolitik und deren Integration auf europäischer Ebene. Siehe: http://www.polizei-newsletter.de/books/2014_KaunertReviewCorrected.pdf.