Polizei : Newsletter Nr. 198, Juli 2016                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Die Bereitschaft, Vergehen von Beschäftigten im Wirtschaftssektor bei der Polizei anzuzeigen
 2)   Blog des katalanischen Innenministeriums
 3)   Versammlungsfreiheit
 4)   Radfahrer mit Helm gehen mehr Risiko ein
 5)   Im Mob löst sich persönliche Verantwortung auf
 6)   Polizeiforscher Fabien Jobard zu der Beziehung zwischen Polizei und Bevölkerung anlässlich der gewalttätigen Demonstrationen in Paris im Mai 2016
 7)   Legales Cannabis – was wissen wir Mit der Frage, ob und wie sich die Legalisierung von Cannabi
 8)   Bodycams: Mehr Angriffe gegen Polizeibeamte, Polizeigewalt sinkt nicht
 9)   RAF-Info
10)  Stadtteilspaziergänge in Oberhausen-Süd und Augsburg
11)  Neue Homepage der Themen-Koordinationsgruppe Polizei & Menschenrechte von Amnesty International
12)  Diskussion zu privaten Sicherheitsdiensten
13)  Wie Menschen die Rechte muslimischer Gruppen in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland sehen
14)  Auswirkungen der Geburtsreihenfolge auf die Persönlichkeit
15)  Abschreckung bei Hochrisiko-Heranwachsenden
16)  Polizeiarbeit in Brennpunkten
17)  Werkzeuge zur Risikoeinschätzung überschätzen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Straftat bei Sexualstraftätern
 
1) Die Bereitschaft, Vergehen von Beschäftigten im Wirtschaftssektor bei der Polizei anzuzeigen
Nicht alle Vergehen durch eigene Beschäftigte, die in einer Firma vorkommen, werden bei der Polizei angezeigt. Dieser Artikel konzentriert sich auf Opferberichte von durch Mitarbeiter begangene Taten wie Betrug, Diebstahl und unfairem Wettbewerb und nimmt zum ersten Mal in der Schweiz die Variablen unter die Lupe, die mit dem Anzeigeverhalten von Firmen zusammenhängen. Die Analyse zeigt, dass die Entscheidung, eine Straftat anzuzeigen oder nicht, unterschiedlich ausfällt und von der Unternehmensart, Art der Straftat, ihrer Schwere oder der Schadenshöhe der Straftat, der Angst vor Rufschädigung und Vertrauen in die Polizei abhängt. Quelle: http://euc.sagepub.com/content/13/3/372.abstract
 
 
2) Blog des katalanischen Innenministeriums
Die Notes de seguretat (Sicherheitsnotizen) sind eine Benutzerfläche, die bezweckt, Expertenwissen im Bereich Sicherheit mit Menschen, die mit Sicherheit beruflich zu tun haben, und der breiten Öffentlichkeit zu teilen. Der Blog ist ein Zusatz aus qualitativer Perspektive zu der starken Präsenz von Diensten in den sozialen Medien, die im Zusammenhang mit Innenpolitik stehen. In diesem Blog werden professionelles Wissen und Beiträge zu sicherheitsorientierter Politik der katalanischen öffentlichen Verwaltung vorgestellt. Es wird zwei Beiträge pro Woche geben. Quelle: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=335
 
 
3) Versammlungsfreiheit
Im aktuellen Heft der Zeitschrift „vorgänge“ beschäftigen sich gleich mehrere Beiträge mit dem Thema Versammlungsfreiheit, darunter auch eine sehr gute Analyse von Udo Behrendes. Quelle:  http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=336 Die pdf-Version des Heftes kann für 5.- Euro erworben werden unter http://www.humanistische-union.de/shop/vorgaenge/
 
 
4) Radfahrer mit Helm gehen mehr Risiko ein
Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Studie in England. Der Fahrradhelm erhöht die Risikobereitschaft. Quelle: http://www.cycle-helmets.com/gamble-walker-2015.pdf
 
 
5) Im Mob löst sich persönliche Verantwortung auf
Wer Teil eines „Mobs“ ist, der gibt seine Verantwortung an die Gruppe ab. Gleichzeitig sinken Intelligenzniveau und Qualität von Entscheidungen. Quelle: Interview mit Thomas Brudermann in „Psychologie Heute“ 6, 2016, S. 12 ff. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=337
 
 
6) Polizeiforscher Fabien Jobard zu der Beziehung zwischen Polizei und Bevölkerung anlässlich der gewalttätigen Demonstrationen in Paris im Mai 2016
Der französische Polizei- und Gewaltforscher Fabien Jobard wurde in zahlreichen französischen Zeitungen zur Thematik der Beziehung zwischen der Bevölkerung und der Polizeigewalt in Frankreich zitiert. Eine Auswahl der Artikel ist hier verfügbar: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=338 Ein Portrait von Jobard, der derzeit am Centre Marc Bloch in Berlin tätig ist, findet sich hier: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=339 und Beiträge von ihm (auch in Deutsch) finden sich zum download hier: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=340
 
 
7) Legales Cannabis – was wissen wir Mit der Frage, ob und wie sich die Legalisierung von Cannabi
Mit der Frage, ob und wie sich die Legalisierung von Cannabis in Kalifornien auswirken wird, beschäftigt sich ein Beitrag in dem „RAND-Blog“, einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=341
 
 
8) Bodycams: Mehr Angriffe gegen Polizeibeamte, Polizeigewalt sinkt nicht
Anhand einer zukunftsorientierten Metaanalyse randomisierter Kontrollversuche aus verschiedenen Orten und Ländern gibt es Hinweise darauf, dass Kameras das Risiko eines Angriffs gegen Polizeibeamte vergrößern können. Da andere Institutionen mit Öffentlichkeitskontakt gleichfalls in Betracht ziehen, ihr Personal mit am Körper getragenen Kameras auszustatten (z. B. Feuerwehrleute, private Sicherheitsleute, Politessen), sind die Ergebnisse zu den Risiken am Körper getragener Kameras auf diese Berufe ebenso übertragbar. Quelle: http://euc.sagepub.com/content/early/2016/05/17/1477370816643734.full.pdf+html
 
 
9) RAF-Info
Diese Seite war viele Jahre lang die einzige Seite im deutschsprachigen Netz auf der man gebündelt Informationen zur Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) finden konnte. Mit der Arbeit wurde 1997 begonnen und vielen der Inhalte merkt man dieses Alter auch an. Quelle: http://www.rafinfo.de/index.php
 
 
10) Stadtteilspaziergänge in Oberhausen-Süd und Augsburg
Mittels des Stadtteilspazierganges sollen die Ansichten der Bewohnerschaft über ihre Wohngegend erfahren werden. Prozesse der Planung sollen demokratisiert und die Bewohner/innen darin bestärkt werden, sich für ihre Nachbarschaft und ihr Wohnumfeld verantwortlich zu fühlen. Quelle: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=342 In diesen Zusammenhang passt auch ein Seminar zur Kriminalprävention und subjektiven Sicherheit an der Universität Augsburg. Die Ergebnisse stehen hier bereit: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=343
 
 
11) Neue Homepage der Themen-Koordinationsgruppe Polizei & Menschenrechte von Amnesty International
Die neu gestaltete Website wird immer auf dem aktuellen Stand gehalten, es gibt einen neuen Newsletter und vieles mehr. Quelle: http://amnesty-polizei.de/
 
 
12) Diskussion zu privaten Sicherheitsdiensten
Eine Antwort an Philip Stenning von Ian Loader und Adam White. Dieser Blogbeitrag führt die Diskussion um private Sicherheitsdienste aus zwei früheren Blogbeiträgen von Adam White (5 Gründe warum es schwierig ist, die Polizei zu privatisieren) und Philip Stenning (Eine kurze Antwort an Adam White) fort. Sie können über die Kommentarfunktion der Webseite oder über Twitter (@BSCPolicingNet) in die Diskussion einsteigen. Quelle: https://bscpolicingnetwork.com/2016/03/08/502/
 
 
13) Wie Menschen die Rechte muslimischer Gruppen in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland sehen
Die Autoren untersuchten die Ansichten der Mehrheitsbevölkerung und der muslimischen Bevölkerung zu den Rechten muslimischer Gruppen. Sie fanden hochsignifikante Unterschiede zwischen den Mehrheitsbevölkerungen und den Muslimen; die Mehrheitsbevölkerungen sind überall weniger wohlgesonnen. Quelle: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1369183X.2015.1082288 Für Deutschland liegt die Studie "Deutschland postmigrantisch 2" vor. Quelle: https://www.projekte.hu-berlin.de/de/junited/deutschland-postmigrantisch-2
 
 
14) Auswirkungen der Geburtsreihenfolge auf die Persönlichkeit
Die Untersuchungen bestätigten die erwartete Auswirkung der Geburtsreihenfolge auf die Intelligenz. Die Wissenschaftler beobachteten auch eine signifikante Abnahme des selbsteingeschätzten Intellekts mit einem Zehntel Standardabweichung mit ansteigender Position in der Geburtsreihenfolge. Dieser Effekt dauerte nach der Überprüfung mit objektiv gemessener Intelligenz an. Sie fanden durchweg keine Auswirkung der Geburtsreihenfolge auf Extrovertiertheit, emotionale Stabilität, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit oder Vorstellungskraft. Quelle: http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.522470.de
 
 
15) Abschreckung bei Hochrisiko-Heranwachsenden
Die Pathways-to-Desistance-Studie begleitete 1.300 schwere jugendliche Straftäter über sieben Jahre hinweg nach ihrer Verurteilung. Einige der wichtigsten Ergebnisse zu dem Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung der Androhung von Sanktionen und Abschreckung von einer Straftat bei schweren jugendlichen Straftätern: Es gab keinen bedeutenden Rückgang bei Straftaten oder Verhaftungen als Reaktion auf härtere Strafen. Quelle: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=344
 
 
16) Polizeiarbeit in Brennpunkten
Gezielte Polizeiarbeit hat sich in Gegenden, in denen schwere Verbrechen stark konzentriert sind, als wirksam herausgestellt. Die Mechanismen, die für den Erfolg der sogenannten Brennpunktstrategien verantwortlich sind, sind aber nach wie vor wenig bekannt. Eine Studie untersuchte nun die Wirkung eines neunmonatigen, randomisierten, überwachten Brennpunktfeldexperiments zu Übergriffen mit Schusswaffen und Raubüberfällen in den USA. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Eingreifen die Vorfälle nichthäuslicher Übergriffe mit Schusswaffen bedeutend verringerte, ohne augenscheinliche Verbrechensverlagerung in umliegende Gebiete. Quelle: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=346 und Criminology 3, 52, 2014, S. 428 ff.
 
 
17) Werkzeuge zur Risikoeinschätzung überschätzen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Straftat bei Sexualstraftätern
Das Risiko ist in den Fokus der heutigen Strafjustizpolitik geraten. Dieser Artikel analysiert kritisch die Vorhersagefähigkeiten von versicherungsstatistischen Risikovorhersagewerkzeugen unter Verwendung statistischer, empirischer und rechtlicher Methoden. Der Autor begegnet den Argumenten der Befürworter, dass die versicherungsstatistischen Risikoergebnisse zulässig sein sollten, denn sie bestehen lediglich aus einem Beweisstück in einer vielschichtigen Entscheidung und dass jegliche Unzulänglichkeiten oder Irrtümer im Beweis durch normale kontradiktorische Verfahren abgeleitet werden können. Quelle: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2416918