Polizei : Newsletter Nr. 204, Februar 2017
 1)   Unabhängige Polizeibeschwerdestellen
 2)   Die „Kultur der Polizeiarbeit” verändern. Neue Ausbildung bei der NYPD
 3)   Wie sicher ist Ihre Stadt?
 4)   Kriminologie in Bochum jetzt doppelt besetzt
 5)   „Crimigration“ – Ausweisung als Mittel der Migrations- und Kriminalitätskontrolle
 6)   Landesunterschiede in der Jugendgewalt
 7)   Gewalt und Bedrohung gegen Polizei und Justizbeamte. Was vorhergesehen werden kann, lässt sich verhindern.
 8)   Verbrechen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2016: Eine vorläufige Analyse
 9)   Die Polizei und die Schweigepflicht
10)  Forschung zu Prostitution
11)  Gentrifizierung und die Flexibilisierung räumlicher Kontrolle: Überwachung von Prostitution in Deutschland
12)  Neue Methoden zur Erkennung von Lügenverhalten
13)  Leitfaden zur strukturierten Vernehmung mit Vernehmungskarten
14)  Polizei darf einen Patienten kurzfristig fesseln, damit er behandelt werden kann
15)  Wirtschaftliche Verlierer, Protestierende, Islamophobe oder Fremdenhasser? Vorhersage öffentlicher Unterstützung für eine Gegenbewegung zum Dschihad
16)  Frankfurter Sicherheitskonferenz
 
1) Unabhängige Polizeibeschwerdestellen
Das Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung (BUG) hat ein „Konzept für die Einrichtung unabhängiger Polizeibeschwerdestellen“ vorgelegt. Erarbeitet wurde das Konzept vom BUG gemeinsam mit zahlreichen anderen NGOs, darunter Amnesty International und Humanistischer Union. http://www.bug-ev.org/fileadmin/user_upload/Konzept_UPSPol_final_final.pdf
 
 
2) Die „Kultur der Polizeiarbeit” verändern. Neue Ausbildung bei der NYPD
Die neue Herangehensweise der New Yorker Polizei bei der Ausbildung ihrer Beamten wird in einer 900 Millionen Euro teuren Einrichtung verkörpert, die auch eine Turnhalle und ein Schwimmbecken in Olympiagröße beherbergt. Ein Porträt über die neue Generation von Polizisten, die die Arbeit der New Yorker Polizei verändern soll, findet sich  hier: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=391
 
 
3) Wie sicher ist Ihre Stadt?
Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Diskussion über die Verbrechensquote auf nationaler Ebene eine wesentliche Größe auslässt: die gelebte Erfahrung urbaner Gewalt, da sich Gewalt von Stadtteil zu Stadtteil stark unterscheiden kann. Das Risiko, Opfer zu werden, ist nicht in allen Teilen der Stadt gleich groß, sondern ballt sich am stärksten in einer Handvoll Häuserblocks. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=392
 
 
4) Kriminologie in Bochum jetzt doppelt besetzt
Ab März 2017 wird Tobias Singelnstein (bisher FU Berlin) einen weiteren Lehrstuhl für Kriminologie an der juristischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum besetzen. Er wird dort zusätzlich zu Thomas Feltes, der seit 2002 den Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft innehat, tätig sein und nach dessen Emeritierung diesen Lehrstuhl übernehmen. Für den neu eingerichteten Lehrstuhl werden noch wissenschaftliche MitarbeiterInnen gesucht. www.kriminologie.rub.de Stellenausschreibung hier: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=393
 
 
5) „Crimigration“ – Ausweisung als Mittel der Migrations- und Kriminalitätskontrolle
Unter anderem durch die islamistisch motivierten Attentate im Juli und Dezember 2016 ist das Thema Sicherheit in der Flüchtlingsdebatte sehr präsent. Das Strafrecht fungiert dabei als eine politisch leicht verfügbare Ressource und gerade das daran anknüpfende Ausweisungsrecht ist symbolpolitisch attraktiv, signalisiert es doch, Kontrolle über Kriminalität sowie über das Einwanderungsgeschehen zu haben. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=394
 
 
6) Landesunterschiede in der Jugendgewalt
Zu den Faktoren, die Jugendgewalt erklären, gehören soziodemografische Faktoren wie Geschlecht und Schulbildung, sozioökonomische Faktoren wie Arbeitslosigkeit und elterlicher Berufsstatus sowie die familiäre Sozialisation. Unterschiede zwischen der Gewalt, die durch Jugendliche unterschiedlicher Herkunft begangen wird, erklären diese Faktoren jedoch nicht. Eine Analyse deutscher und russischer Befragungsdaten legt nahe, dass diese Unterschiede auf Norm- und Wertorientierungen der Jugendlichen beruhen, die aber die aktuelle gesellschaftliche Situation widerspiegeln. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=395
 
 
7) Gewalt und Bedrohung gegen Polizei und Justizbeamte. Was vorhergesehen werden kann, lässt sich verhindern.
Mit der Frage, wie Gewalt gegen Mitarbeiter von Strafverfolgungsbehörden vorhergesagt und verhindert werden kann, beschäftigt sich ein Beitrag aus Kanada. Es werden Faktoren zusammengestellt und bewertet, die es ermöglichen, solche Gewalt zu verhindern. http://online.liebertpub.com/doi/full/10.1089/vio.2016.0016
 
 
8) Verbrechen in den Vereinigten Staaten im Jahr 2016: Eine vorläufige Analyse
Die Mordrate in den USA stieg 2016 um 13 Prozent, wobei die Hälfte des Anstiegs allein auf Chicago zurückzuführen ist (234 von 496 Morden). Andere Großstädte, die 2015 den landesweiten Anstieg bei Morden hochtrieben, erleben nach der Hochrechnung 2016 einen signifikanten Rückgang. Die Ursachen sind noch unklar, aber manche Theorien sprechen von höherer Armutskonzentration, verstärkter Bandenaktivität und weniger Polizisten. https://www.brennancenter.org/publication/crime-2016-preliminary-analysis
 
 
9) Die Polizei und die Schweigepflicht
Die Schweigepflicht wird schon seit langem als ernsthaftes Hindernis bei der Bekämpfung von Fehlverhalten bei der Polizei und zum Erreichen von polizeilicher Verantwortlichkeit angesehen. Die Studie zeigt, dass der Unwille der Polizisten, Fehlverhalten zu melden, aus der Wahrnehmung entsteht, andere Polizisten würden es ebenfalls nicht melden. Die Schweigepflicht steht auch in negativem Zusammenhang zur Bekanntheit mit den offiziellen Richtlinien, zur Bewertung von Fehlverhalten als schwerwiegend und zu der Erwartungshaltung härterer Disziplinarmaßnahmen. http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0887403416680853
 
 
10) Forschung zu Prostitution
Der Blog im Link bietet Wissenschaftlern, Studenten, Aktivisten und jedem, der an Forschung zu Prostitution und damit zusammenhängenden Themen, auch Menschenhandel, interessiert ist, Informationen. https://sexworkresearch.wordpress.com/
 
 
11) Gentrifizierung und die Flexibilisierung räumlicher Kontrolle: Überwachung von Prostitution in Deutschland
Gentrifizierung wurde oft mit der räumlichen Verdrängung Marginalisierter, darunter Prostituierten, in Verbindung gebracht. In Deutschland jedoch sind die gesetzlichen Räume der Prostitution bis zu einem gewissen Ausmaß zu verteidigen. Gentrifizierungsprozesse betreffen oft große Teile der Innenstadt, was wenig Platz für Verdrängung lässt. Ein wissenschaftliches Papier analysiert nun, wie die Polizei die sich verschiebende Gentrifizierungsgeografie formt. Das Papier zeigt, wie räumliche Verdrängung von zwei zusätzlichen Polizeistrategien beeinflusst: Intensivierung der Versuche, protestierende Bürger durch Diskurs zu beschwichtigen und Flexibilisierung der Eingrenzung von Prostitution in der Innenstadt. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=396
 
 
12) Neue Methoden zur Erkennung von Lügenverhalten
In dem Artikel wird dargestellt, warum keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen Lügen und nonverbalem Verhalten anzunehmen sind. Zwei vielversprechende Interviewmethoden zur Einschätzung von Lügenverhalten werden vorgestellt und hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Sicherheitsbereichen diskutiert. https://www.kriminalistik.de/ausgabe/inhalt-der-ausgabe-november-2016#Artikel9
 
 
13) Leitfaden zur strukturierten Vernehmung mit Vernehmungskarten
Verschiedene Studien dokumentieren erhebliche Defizite in der Durchführung von Vernehmungen. Der Artikel stellt dar, warum unter der Anwendung der strukturierten Vernehmung mit Vernehmungskarten Schwachstellen begegnet werden kann und dies auch der Wahrheitsfindung dienlich ist. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=397
 
 
14) Polizei darf einen Patienten kurzfristig fesseln, damit er behandelt werden kann
Nach einer Entscheidung des Schleswig-Holsteinisches Verwaltungsgerichts vom Dezember 2016 dürfen Polizeibeamte durch Fesselung für den Verbleib eines Patienten im Krankenhaus bis zum Eintreffen des Amtsarztes zu sorgen, wenn eine Unterbringung in einer Psychiatrie ansteht, weil ein Patient nicht in der Lage ist, die Entscheidung über seine Entlassung aus dem Krankenhaus selbst zu treffen. Die Fesselung sei als Zwangsmittel gerechtfertigt gewesen, da der Patient aus Sicht der Beamten im Begriff gewesen sei, sich durch das Verlassen der Klinik selbst in die Gefahr des Todes zu bringen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=398
 
 
15) Wirtschaftliche Verlierer, Protestierende, Islamophobe oder Fremdenhasser? Vorhersage öffentlicher Unterstützung für eine Gegenbewegung zum Dschihad
Dieser Artikel stützt sich auf eine neue Umfrage mit einer Stichprobe selbsternannter Anhänger und untersucht die Vorhersagefaktoren für öffentliche Unterstützung für die English Defence League (EDL), das erste „Verteidigungsbündnis“ in Europa. http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1111/1467-9248.12159
 
 
16) Frankfurter Sicherheitskonferenz
Am 10. Februar 2017 findet unter dem Thema „Sicherheitspolitik und Menschenrechte“ die Frankfurter Sicherheitskonferenz der GRÜNEN statt. Programm und Anmeldung hier: http://www.gruene-hessen.de/partei/frankfurter-sicherheitskonferenz/