Polizei : Newsletter Nr. 215, Februar 2018                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Jugendliche von Strafe noch weniger beeindruckt als Erwachsene
 2)   Jugendkriminalität in Deutschland von 2007 bis 2015 um die Hälfte gesunken
 3)   Medizinische Altersfeststellung
 4)   Interaktive Karte zur Migration und Integration
 5)   Wie Polizeibeamte falsche Vergewaltigungsanschuldigungen wahrnehmen
 6)   Publikationen des Forschungsprojekts „Flucht als Sicherheitsproblem“
 7)   Deutlich mehr individuelle Überwachungen durch Verfassungsschutz und BND
 8)   Recherchejournalismus für das Gemeinwohl
 9)   Fehler bei Kriseninterventionen: Ein Fehler ist (auch) ein Feedback
10)  Tatverhalten und Rückfallprognose bei Sexualstraftätern mit und ohne Migrationshintergrund
11)  Delinquenz von Personen mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund
12)  Wirkungen von persönlichen Alarmsystemen im Gesundheitsbereich
13)  Zu Risiken und Nebenwirkungen des Taser-Einsatzes
14)  FBI reduziert die verfügbaren Kriminalitätsdaten
15)  Kosten Häuslicher Gewalt in Deutschland
 
1) Jugendliche von Strafe noch weniger beeindruckt als Erwachsene
Eine aktuelle Studie der Harvard Universität deutet darauf hin, dass Jugendliche ihr Verhalten noch weniger an Strafe und Belohnung anpassen als Erwachsene. Der (biologische) Grund hierfür: Anders als bei Erwachsenen kommunizieren Hirnareale, die Belohnungen und Bestrafungen bewerten, kaum mit solchen, die kognitive Ressourcen für die Bewältigung von Aufgaben regulieren. https://www.nature.com/articles/s41467-017-01369-8
 
 
2) Jugendkriminalität in Deutschland von 2007 bis 2015 um die Hälfte gesunken
Die Jugendkriminalität in Deutschland ist zwischen 2007 und 2015 um die Hälfte zurückgegangen. Darüber hinaus nimmt die Brutalität bei Straftaten ab. Als mögliche Ursachen für diese Entwicklung benennen die Forscher den Rückgang der Gewalt in Familien sowie geringere Arbeitslosigkeit. Es dürften vor allem aber demographische Gründe eine Rolle spielen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=486
 
 
3) Medizinische Altersfeststellung
Im Zusammenhang mit den jüngsten (mutmaßlichen) Straftaten unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMA) ist die medizinische Altersfeststellung wieder in den Fokus der Forensik gerückt. Ein aktueller Beitrag diskutiert die unterschiedlichen Methoden der Altersbestimmung sowie deren Zuverlässigkeit. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=487
 
 
4) Interaktive Karte zur Migration und Integration
Ein vom Statistischen Bundesamt veröffentlichtes interaktives Kartenangebot („Migration.Integration.Regionen“) gibt einen Überblick über die regionale Verteilung von Ausländern und Schutzsuchenden in Deutschland auf Kreisebene. Es werden Daten zu den Themen Ausländeranteil, ausländische Bevölkerung, Schutzsuchende sowie Ausländern am Arbeitsmarkt visualisiert. https://service.destatis.de/DE/karten/migration_integration_regionen.html
 
 
5) Wie Polizeibeamte falsche Vergewaltigungsanschuldigungen wahrnehmen
Die Untersuchung fand heraus, dass die Schätzungen von Polizeibeamten zu falschen Anschuldigungen zwischen 5 und 90 % schwanken. Polizeibeamte differenzieren zwischen „Berichtsarten“, die sie als falsch betrachten, und gehen mit einer gedanklichen „Hierarchie“ bei vermuteten Falschanschuldigungen vor, die von rachsüchtig/bösartig bis zu missverstanden/verwirrt reicht. http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09589236.2016.1194260
 
 
6) Publikationen des Forschungsprojekts „Flucht als Sicherheitsproblem“
Das Bochumer Forschungsprojekt veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen den Fluchtpunkt: Kurze und visuell aufbereitete Ergebnisse des Projekts. Das Projekt hat zudem ein erstes Arbeitspapier zur Forschungskonzeption veröffentlicht. http://www.flucht.rub.de/index.php/de/veroeffentlichungen
 
 
7) Deutlich mehr individuelle Überwachungen durch Verfassungsschutz und BND
Das Bundesamt für Verfassungsschutz, der BND und der MAD haben im vorigen Jahr 261 „Individualmaßnahmen" mit Eingriffen ins Fernmeldegeheimnis durchgeführt, das sind 68 mehr als 2015. Dies geht aus dem Jahresbericht des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) des Bundestags zu G10-Maßnahmen hervor. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/001/1900163.pdf
 
 
8) Recherchejournalismus für das Gemeinwohl
Mit „Correctiv“, einer Journalismusorganisation neuen Typs, beschäftigt sich ein Beitrag, der methodisch u. a. auf Interviews und Redaktionsbeobachtungen beruht. Er beschreibt das Ethos und die Arbeitsweise von Correctiv. Auch das Fact-Checking im Auftrag von Facebook wird problematisiert. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=488
 
 
9) Fehler bei Kriseninterventionen: Ein Fehler ist (auch) ein Feedback
Es gibt viele Studien zu polizeilichen Kriseninterventionen (z. B. bei Geiselnahmen oder Demonstrationen) und der Arbeit der dort tätigen Beamten. Jetzt wurde erstmals in den Niederlanden untersucht, welche Auswirkungen Fehler bei solchen Einsätzen haben können. http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15614263.2017.1326007
 
 
10) Tatverhalten und Rückfallprognose bei Sexualstraftätern mit und ohne Migrationshintergrund
Sexualstraftäter mit Migrationshintergrund aus dem Nahen Osten und Nordafrika sind jünger, weisen weniger einschlägige Vordelinquenz auf und werden seltener für sexuellen Missbrauch verurteilt. Im Vergleich zu Tätern ohne Migrationshintergrund treten sie eher durch Gelegenheitstaten und Taten in Gruppen sowie eine allgemeine dissoziale Lebensführung in Erscheinung. https://link.springer.com/article/10.1007/s11757-017-0441-4
 
 
11) Delinquenz von Personen mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund
Welche Merkmale Einfluss auf die Delinquenz von Menschen mit türkischem und arabischem Migrationshintergrund haben, erforschte eine Befragungsstudie mit forensischen Experten. Migrations- und kultursensible Faktoren wurden von den Experten dabei für genauso wichtig gehalten wie Faktoren gängiger Kriminalitätstheorien. https://link.springer.com/article/10.1007/s11757-017-0443-2
 
 
12) Wirkungen von persönlichen Alarmsystemen im Gesundheitsbereich
Eine Studie untersucht die Auswirkungen von persönlichen Alarmsystemen im Krankenhausbereich, der Psychiatrie oder anderen Unterbringungseinrichtungen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass solche technischen Lösungen durchaus sinnvoll sein können. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=489
 
 
13) Zu Risiken und Nebenwirkungen des Taser-Einsatzes
In einer umfangreichen Serie beschäftigen sich die investigativen Journalisten von Reuter aus der Sicht unterschiedlicher Bereiche (darunter Wissenschaft und Praxis) mit der Anwendung von Tasern. Dort findet man auch eine Karte der USA, auf der die Todesfälle nach Taser-Einsatz verzeichnet sind.   https://www.reuters.com/investigates/special-report/usa-taser-911/
 
 
14) FBI reduziert die verfügbaren Kriminalitätsdaten
Mehr als 5.000 Kriminologen haben in den USA dagegen protestiert, dass das FBI (in Abstimmung mit der Regierung) die verfügbaren Daten zur Kriminalität und Kriminalitätsentwicklung in den USA um 70 % reduziert. Damit wird vor allem die Analyse von Trends praktisch unmöglich gemacht. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=490
 
 
15) Kosten Häuslicher Gewalt in Deutschland
Die erste deutschlandweite Studie zu Häuslicher Gewalt gegen Frauen beziffert jährliche Kosten auf 3,8 Milliarden Euro. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=491