Polizei : Newsletter Nr. 24, Dezember 2000                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Gewalt im sozialen Nahraum: Erfolg durch Therapie?
 2)   Newsletter "Sozialwissenschaften in Osteuropa":
 3)   Gewalt in der Schule: Materialien der IACP
 4)   Freitag ist besprechungsfreier Tag
 5)   Eintritt 23.- DM: Tages-Ticket für London geplant
 6)   Die Schweizer Drogenpolitik
 7)   Erste Internet-Bank ausgeraubt
 8)   Studie zur Selektivität von polizeilichen Kontrollmaßnahmen
 9)   Verbindungsdaten sechs Monate speichern
10)  Erste Globale Web-Konferenz zum Thema "Aggressive Driving Issues"
11)  Empirische Studie zu Richtern in der Schweiz
12)  Verbrechensfurcht und Fernsehnachrichten – eine empirische Studie
13)  Erster Jahresbericht der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention
14)  Das Letzte? Mehr Hierarchieebenen!
15)  Da war doch noch was: 13 Polizeibeamte beschützen nach wie vor Howard Safir
 
1) Gewalt im sozialen Nahraum: Erfolg durch Therapie?
Unter dem Titel “Does Batterer Treatment Reduce Violence?: A Randomized Experiment in Brooklyn” ist ein Evaluationsbericht erschienen, wonach zwar kurzfristige Erfolge mit entsprechenden Behandlungsprogrammen zu erzielen sind, jedoch keine langfristigen Effekte.

http://www.ncjrs.org/rr/vol1_2/01.html. In einer anderen Studie wurden je 8.000 Männer und Frauen wurden in den USA zu ihren Erfahrungen mit Gewalt im sozialen Nahraum befragt. Neben dem Umfang dieser Gewalterfahrungen spielten Charakteristika und Konsequenzen aus diesen Erfahrungen eine besondere Rolle. Der Bericht unter dem Titel "Extent, Nature, and Consequences of Intimate Partner Violence: Findings From the National Violence Against Women Survey" (NCJ 181867) ist verfügbar unter http://www.ncjrs.org/resdocs.htm#181867.
 
 
2) Newsletter "Sozialwissenschaften in Osteuropa":
Ein Sonderheft „Westeuropäische sozialwissenschaftliche Forschung zu Osteuropa" ist zum Weltkongress der Osteuropaforschung (Tampere, Finnland, 29.07. - 04.08.2000) erschienen. Der Newsletter zugänglich unter der Adresse

http://www.berlin.iz-soz.de/publications/en/newsletter/socsci-eastern-europe/nl002/.

Der Newsletter erscheint viermal pro Jahr. Ein Abonnement - gedruckt oder als E-Mail - kann kostenlos bestellt werden beim IZ Sozialwissenschaften, Schiffbauerdamm 19, D-10117 Berlin.
 
 
3) Gewalt in der Schule: Materialien der IACP
Die „International Association of Chiefs of Police“ hat Materialien zum Thema Gewalt in der Schule veröffentlicht. Neben Präventionsvorschlägen geht es auch im Medienarbeit und Krisenintervention. Der "Guide for Preventing and Responding to School Violence" ist verfügbar über die Website von IACP http://www.theiacp.org/pubinfo/pubs/pslc/svindex.htm.
 
 
4) Freitag ist besprechungsfreier Tag
Um einen entspannten Start ins Wochenende für die Mitarbeiter in der Zentrale zu ermöglichen, hat BP den Freitag zum besprechungsfreien Tag erklärt. Ohne Meetings können die Mitarbeiter ausserdem Liegengebliebenes für die nächste Woche in Ruhe aufarbeiten. Quelle: Management Today 7/2000.
 
 
5) Eintritt 23.- DM: Tages-Ticket für London geplant
Soviel sollen ab dem Jahr 2003 Autofahrer bezahlen, wenn sie in die Kernzone der Metropole fahren wollen – empfiehlt das Gutachten „Road Charging Options for London“, im Auftrag der Stadtverwaltung erstellt. Bereits jetzt haben Oslo, Bergen und Trondheim entsprechende Regelungen. Quelle: Trendletter 9/2000.
 
 
6) Die Schweizer Drogenpolitik
ist ausführlich in einer Broschüre beschrieben, die 1999 vom dortigen Bundesamt für Gesundheit veröffentlicht wurde: „Die schweizerische Drogenpolitik. Strategie der vier Säulen mit spezieller Berücksichtigung der ärztlichen Verschreibung von Heroin“. Die Broschüre kann beim Bundesamt bestellt werden (drog-int@bag.admin.ch) und ist jetzt auch über das Internet verfügbar: www.admin.ch/bag/sucht/drog-pol/drogen/d/dpolitik/brosch-d.htm
 
 
7) Erste Internet-Bank ausgeraubt
Die britische Internet-Bank Egg (www.egg.com) ist als vermutlich erstes virtuelles Geldhaus in Großbritannien Opfer von Online-Bankräubern geworden. Das zu den Pionieren der Branche zählende Unternehmen räumte ein, Hacker hätten es um "einige tausend Pfund" erleichtert. Eine Sprecherin der zum Versicherungskonzern Prudential zählenden Bank betonte, der Ausfall gehe zu Lasten der Bank und nicht der Anleger. "Das Geld der Verbraucher ist sicher." Wegen des Vorwurfs betrügerischer Bankgeschäfte nahm die Polizei unterdessen drei Verdächtige vorübergehend fest. Die Betrugsvorwürfe beziehen sich auf den Versuch, unter falschem Namen Konten zu eröffnen und damit auf fremde Geldbeträge zuzugreifen, sagte Egg-Geschäftsführer Gary Clifton-Marshall. Die Rechensysteme hätten sich indes als "robust" erwiesen und den Zugriffsversuchen widerstanden. Nach Angaben eines Sprechers der britischen Sondereinheit für Betrugsbekämpfung (National Crime Squad) war die Polizei in sechsmonatigen Ermittlungen auf die Spur der Festgenommenen gekommen. (AFP/ur)
 
 
8) Studie zur Selektivität von polizeilichen Kontrollmaßnahmen
Das britische Home Office hat in seiner „Police Research Series“-Reihe eine empirische Studie veröffentlicht, die sich mit der Frage der ungleichmäßigen, selektiven Kontrolle von ethnischen Minderheiten durch die Polizei beschäftigt. Neben der Tatsache, dass dieses Thema offen angegangen wird, sind auch die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Forderungen nicht uninteressant: MVA Joel Miller, Profiling Populations Available for Stops and Searches, Police Research Series Paper 131, London 2000 (Policing and Reducing Crime Unit, Research, Development and Statistics Directorate. In der gleichen Reihe beschäftigt sich ebenfalls eine empirische Studie mit der Effizienz und Effektivität von solchen Kontrollen: Nick Bland, Joel Miller, Paul Quinton, Managing the Use and Impact of Searches: A review of force interventions (Paper Nr. 132, gleiche Reihe).
 
 
9) Verbindungsdaten sechs Monate speichern
Die neue Telekommunikations-Datenschutzverordnung (TDSV) der Bundesregierung verletzt nach Ansicht von Experten den Datenschutz, anstatt ihn zu fördern. In einer gemeinsamen Presseerklärung werfen die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der meisten Länder der Bundesregierung vor, mit der Neuregelung das Fernmeldegeheimnis zu verletzen und gegen die geltenden Rechtsgrundsätze der Datensparsamkeit zu verstoßen. Die neue Verordnung, die vor kurzem den Bundesrat passierte, sieht unter anderem vor, dass die Telefon-Firmen die Verbindungsdaten ihrer Kunden künftig sechs Monate lang speichern. Bisher betrug diese Frist 80 Tage. Als treibende Kraft hinter der Verlängerung haben die Datenschützer die Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste ausgemacht. Sie versprächen sich davon eine vorsorgliche Datensammlung, die ihnen bei künftigen Ermittlungen nützlich sein könnte. Allerdings dürfe nach Ansicht der Datenschützer nur im Zusammenhang mit konkreten Ermittlungen das Recht auf Datenschutz zurückstehen. Grundlage für den Datenzugriff von Polizei und Geheimdiensten ist der verfassungsrechtlich umstrittene Paragraf 12 des Fernmeldeanlagengesetzes (FAG). Er wurde Ende 1999 auf Drängen der Innenexperten im Bundestag befristet verlängert. Zum Datenabruf genügt ein reiner Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft. (ur) Quelle: www.billiger-telefonieren.de
 
 
10) Erste Globale Web-Konferenz zum Thema "Aggressive Driving Issues"
Vom 16. Oktober bis 30. November findet unter www.aggressive.drivers.com die laut eigenen Angaben erste globale Internetkonferenz zu Verkehrssicherheitsthemen statt. Die Seite wird auch nach Abschluss der Konferenz erreichbar bleiben, die sich mit Fragen beschäftigt wie: Warum fahren Menschen aggressiv Auto oder wer ist unter welchen Umständen am ehesten dafür anfällig? Natürlich soll auch diskutiert werden, wie man den angesprochenen Problemen begegnen kann. Veröffentlichte Arbeiten sind in Englisch abgefasst, die Seite bietet jedoch einen Link zu einem automatisierten Übersetzer von Altavista, welcher jedoch eher zum Schmunzeln anregt: "Junge Männer neigen, sich zu sehen, wie weit überlegen, wenn sie Kraftfahrzeuge als Frauen anfassen." (aus: Can speeding be justified? Von Sarah Redshaw, Project Director, Driving Cultures, School of Cultural, Histories and Futures, University of Western Sydney, Australia). Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Meldung waren "Papiere" aus Australien, Belgien, Kanada, England und Hawaii (neben anderen) zu finden. Der globale Anspruch der kanadischen Macher der Konferenz scheint realisierbar. Zu den besonnenen deutschen Autofahrern hat sich (bisher) noch kein Experte geäußert.
 
 
11) Empirische Studie zu Richtern in der Schweiz
Das Institut für Polizeiwissenschaften und Kriminologie an der Universität Lausanne hat eine Studie zum Sanktionsverhalten von Richtern in der Schweiz veröffentlicht. Während Alter und Geschlecht der Richter offensichtlich keinen Einfluss auf das Strafmass haben, sind Westschweizer und Tessiner Richter offensichtlich punitiver, d.h. sie verhängen höhere Strafen. Quelle: Crimiscope 11, Oktober 2000
 
 
12) Verbrechensfurcht und Fernsehnachrichten – eine empirische Studie
Den Einfluss von Fernsehnachrichten auf Verbrechensfurcht haben amerikanische Wissenschaftler untersucht und dabei herausgefunden, dass lokale Nachrichten die Verbrechensfurcht wesentlich deutlicher beeinflussen als überregionale Nachrichten. Einen wichtigen Einfluss hat – neben der Häufigkeit des Fernsehkonsums und der „Realitätsgläubigkeit“ der Nutzer - auch die Wohngegend: Wer in sog. „high crime areas“ wohnt, wird eher negativ beeinflusst als andere. Insgesamt zeigt die Studie, dass Nachrichten (und Medien allgemein) dann einen deutlichen Einfluss haben, wenn sie auf bereits vorbereiteten Boden fallen, also von Personen konsumiert werden, die selbst Opfer geworden sind oder in einer entsprechenden Wohngegend leben. Insgesamt betonen die Autoren, dass man nicht von monokausalen Zusammenhängen ausgehen darf, sondern dass entscheidend das Zusammenwirken von persönlichen Erfahrungen, Einstellungen, Wohnumgebung und Medienberichten ist. Es kann dann zu einer „doppelten Viktimisierung“ durch Medienberichterstattung kommen. Quelle: T. Chirocos, K. Padgett, M. Gertz, Fear, TV News, and the Reality of Crime. In: Criminology 38, 3, 2000, S. 755-785
 
 
13) Erster Jahresbericht der Kommission Polizeiliche Kriminalprävention
Erstmalig hat die Kommission Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes einen Jahresbericht veröffentlicht, und zwar beginnend mit dem Berichtsjahr 1998/99. In knapper und übersichtlicher Form werden die einzelnen Arbeitsgebiete vorgestellt und präventionsrelevante Daten, Erkenntnisse und Einschatzungen der Polizei zu verschiedenen Entwicklungen und Deliktfeldern der Kriminalität beschrieben. Ein wichtiger Bestandteil des Jahresberichts ist die Darstellung von aktuellen Projekten und Maßnahmen, die von der Polizei oder in Zusammenarbeit der Polizei mit anderen Institutionen durchgeführt werden. Der Jahresbericht richtet sich nicht nur an die mit Präventionsaufgaben betrauten Dienststellen und Beamten in der Polizei, sondern auch an außerpolizeiliche Träger der Prävention (z.B. Präventionsräte, Vereine und Verbände mit Aufgaben des Opferschutzes, der Jugendhilfe, Suchtprävention).Der Jahresbericht kann bestellt werden entweder per Fax oder elektronische Nachricht an: Zentrale Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention, Taubenheimstraße 85, 70372 Stuttgart, Telefax: 07 11 / 2 26 80 00, zgs@polizei.propk.de; www.polizei.propk.de
 
 
14) Das Letzte? Mehr Hierarchieebenen!
Bei Henkel und Microsoft werden wieder mehr Hierarchieebenen eingeführt. Begründung: Menschen sind genetisch darauf programmiert, nach Status zu streben. Hormone, die positive Gefühle auslösen, werden vom Körper besonders stark ausgeschüttet, wenn eine Statusverbesserung stattgefunden hat. Statussymbole seien ein wirksames Motivationsinstrument sein und sollen auch so eingesetzt werden... Quelle: Trendletter 9/2000.
 
 
15) Da war doch noch was: 13 Polizeibeamte beschützen nach wie vor Howard Safir
Der ehemalige Leiter der New Yorker Polizei (Nachfolger von William Bratton) hat auch Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst (er arbeitet nun für ein privates Computerunternehmen) einen umfassenden Personenschutz, ohne dass konkrete Bedrohungen gegen ihn vorliegen. Bis zu 13 Beamte (Jahresgehalt jeweils US$ 80.000) kümmern sich um ihn und fahren ihn und seine Frau im geschützten Fahrzeug zu diversen Veranstaltungen. Kosten in Höhe von mehr als 500.000 US$ sollen so zusammenkommen. Bereits letztes Jahr war Safir ins Gerede gekommen, als 8 Polizeibeamte ihn und seine Frau bei der Hochzeit seiner Tochter chauffieren mussten. Auch muss Safir US$ 7.000 an Revlon-Cosmetics zurückzahlen, weil diese ihm und seiner Frau den Flug zur Oscar-Verleihung und den Aufenthalt dort bezahlt hatten.
(Danke an Mike Bosak, ret. NYPD-Officer)