Polizei : Newsletter Nr. 25, Januar 2001                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Kampf den "elektronischen Straftaten"
 2)   Bundesgesetzblatt seit 1949 im Faksimile-Format
 3)   Zufriedenheit mit der Polizei: Abhängig vom Lebensumfeld
 4)   Britisches Home Office veröffentlicht Studien zu Polizeikontrollen
 5)   Neue Intelligenzen
 6)   Empirische Studie zu Belästigungen und Verbrechensfurcht bei Frauen
 7)   Neue Anti-Drogen-Kampagne in den USA
 8)   Cybercrime wird kaum verfolgt
 9)   Kugelsichere Westen aus Spinnweben
10)  "Hate Crime"
11)  Effektive Preispolitik reduziert Cannabiskonsum wirkungsvoller als juristische Strafen
12)  Handy-Verbot am Steuer ist Gesetz
13)  Das Letzte. Oder: Was auf uns (möglicherweise) zukommt: Kopftransplantation
 
1) Kampf den "elektronischen Straftaten"
Wie ein kürzlich veröffentlichtes Untersuchungsergebnis des NIJ (National Institute of Justice, USA) feststellt, scheint es den US-Amerikanischen Strafverfolgern nicht viel besser zu ergehen als hierzulande. Die Studie, erstellt durch 126 Vertreter von 114 Behörden, hat 10 Punkte zusammengetragen, die als besonders wichtig erachtet wurden, hierunter unter anderem die Reform von Gesetzen sowie die Darstellung der Problematik in der Öffentlichkeit. Weiterhin fehlt es an qualifizierter Ausbildung der Beamten (Polizisten, Staatsanwälte und Richter) sowie an Hard- und Software. Lapidar der Schlußsatz: Es besteht ein erheblicher Abstand zwischen dem Fachwissen und der Ausrüstung der "Cyber-Kriminellen" und den Behörden, die sie verfolgen sollen. Die Studie ist abrufbar als PDF-Datei oder ASCII-Textfile unter http://www.ncjrs.org/ledocs.htm#183451 und ist in Teilen durchaus auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Quelle: Justinfo V.6, No 18
 
 
2) Bundesgesetzblatt seit 1949 im Faksimile-Format
Die Internetseiten von Makrolog unter http://bgbl.makrolog.de bieten dem registrierten Besucher (kostenlos) die Recherche in allen Bundesgesetzblättern seit 1949. Auf der Startseite werden dem Benutzer automatisch die neuesten Gesetzesänderungen präsentiert. Der Anbieter spricht von einer "Volltext-Suche" die bei ersten Suchanfragen als solche nicht nachvollzogen werden konnte. Allerdings war der Inhalt der Themenüberschriften der Blätter recherchierbar. Zur Darstellung der Publikaitonen ist ein Plug-In für den Internetbrowser notwendig, welches vergleichbar mit dem Acrobat-Reader ist. Es ist kostenlos über die Website von Makrolog oder unter http://www.cartesianinc.com/ erhältlich und lässt sich ohne Neustart (kinderleicht) installieren.
 
 
3) Zufriedenheit mit der Polizei: Abhängig vom Lebensumfeld
Die Zufriedenheit von Bürgern mit der Polizei hängt - einer empirischen Studie aus den USA zufolge – stärker von den Lebensbedingungen in der Nachbarschaft als von konkreten Erfahrungen mit der Polizei ab. Dabei geht es vor allem um Faktoren wie subjektiv empfundene Sicherheit und „Unordentlichkeiten“ in der Nachbarschaft, sowie generelle Bewertung des Wohnumfeldes. Allerdings gibt es auch innerhalb der gleichen Nachbarschaft grössere Unterschiede in der Bewertung der Polizei, die nicht statistisch zu erklären sind. Quelle: M.D. Reisig, R.B. Parks: Experience, Quality of Life, and Neighborhood Context: A Hierarchical Analysis of Satisfaction with Police. In: Justice Quarterly 17, 3, 2000, S.607-630
 
 
4) Britisches Home Office veröffentlicht Studien zu Polizeikontrollen
Gleich vier verschiedene Studien zu Polizeikontrollen sind in der „Police Research Series“ des Home Office erschienen. Die paper No. 127 bis 130 beschäftigen sich mit dem Einfluss solcher Massnahmen auf die Gemeinde, der Evaluation solcher Massnahmen, die Bewertung der Öffentlichkeit (einschl. der Zufriedenheit der Bürger mit der Polizei) sowie mit Ergebnissen von Interviews und teilnehmender Beobachtung.Die Berichte sind – zusammen mit vielen anderen empirischen Studien zur Polizei – inzwischen via Internet (Adobe Acrobat) verfügbar: http://www.homeoffice.gov.uk/prgpubs.htm#
 
 
5) Neue Intelligenzen
Adversive Intelligenz (die Fähigkeit, Stress auszuhalten), spirituelle Interlligenz (das grosse Ganze wahrnehmen könnnen), der Innovationsquotient (auf der Suche nach Kreativität) und der elektronische Intelligenz-Quotient (Fähigkeit, mit der elktronischen Datenflut umzugehen) gelten als Schlüsselfähigkeiten für Karrieren und zukünftige Tätigkeiten. Sie werden auch bei Personalauswahlverfahren benutzt. Quelle: Der Zukunftsletter 10/2000; www.peaklearning.com
 
 
6) Empirische Studie zu Belästigungen und Verbrechensfurcht bei Frauen
Den Einfluss von sexuellen Belästigungen auf die Verbrechensfurcht und das Sicherheitsgefühl von Frauen hat eine empirische Studie an der Univ. of Minnesota untersucht. Mehr als 80% der befragten Frauen waren danach bereits mindestens einmal von Fremden sexuell belästigt worden, 30% durch unmittelbare Konfrontation (also nicht telefonisch, schriftlich etc.). Erwartungsgemäss hat die Erfahrung sexueller Belästigung negative Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl, wobei dies insbesondere für Belästigungen durch Fremde zutrifft. Wichtig der Hinweis durch die Studie, dass ein Grossteil der von Frauen geäusserten Ängste im öffentlichen Bereich auf sexuelle Belästigungen bzw. die Angst davor zurückgehen, und weniger auf eine allgemeine Angst vor Kriminalität. Quelle: R. Macmillan, A. Nierobisz, S. Welsh: Experiencing the Streets: Harassment and Perceptions of Safety among Women. In: Journal of Research in Crime and Delinquency, 37, 3, August 2000, S. 306-322.
 
 
7) Neue Anti-Drogen-Kampagne in den USA
Das Office of National Drug Control Policy hat gemeinsam mit der Zeitung USA TODAY und anderen eine neue Anzeigenkampagne gegen Drogen gestartet. Die insgesamt achtseitige Beilage wurde von Jugendlichen gestaltet und kann angesehen werden unter http://www.mediacampaign.org/pdf/USATodaySup.pdf (Ansicht erfolg nach download im Adobe-Format und dauert aufgrund der farbigen Bilder etwas). Gleichzeitig wurde ein neues „Media Tool Kit” vorgestellt, das Organisationen bei ihrer Anti-Drogenarbeit helfen soll. Enthalten sind Hintergrundinformationen aber auch Tipps zum Umgang mit Medien etc. Das Kit kann man sich online ansehen unter http://www.mediacampaign.org/mediatoolkit/index.html oder kostenlos bestellen (auch aus Deutschland) über http://www.mediacampaign.org/order/webordertoolkit.asp.
 
 
8) Cybercrime wird kaum verfolgt
Nach einer jetzt in Washington veröffentlichten Studie der McConnell International ( http://www.mcconnellinternational.com/services/securitylawproject.cfm) Unternehmensberatung sind die Gesetze vieler Staaten an das Internet nicht angepasst. Lediglich neun von 52 untersuchten Ländern konnten mit einer angepassten Rechtslage aufwarten. Deutschland ist nicht unter den begutachteten Staaten. Der Nachbar Frankreich gehört zu den Inaktivsten, das beste Zeugnis habe die Philipinen erhalten, was sich sich auf den "Love-Bug" zurückführen lässt, der von einem philippinischen Hacker programmiert worden sein soll. Kritisiert werden die entweder nicht vorhandenen oder lückenhaft eingeführten Strafgesetze und deren oftmals viel zu geringe Strafandrohungen. Die Studie nimmt auch Stellung zu einem Entwurf der EU, der umfassend die Problematik der Internetkriminalität behandeln soll, doch selbst McConnell teilweise zu weitreichend ist (http://www.coe.int). Die 11-seitige Analyse kann bei McConnell Int. unter o.a. Link als pdf-Datei heruntergeladen werden.
 
 
9) Kugelsichere Westen aus Spinnweben
Spinnenseide ist extrem reißfest und leicht - das ideale Material für Panzerungen. Das Problem bisher: Die Fasern können nicht massenproduziert werden. Mit Hilfe der Gentechnik hat die kanadische Biotechnologie-Firma Nexia dieses Problem gelöst: Spinnengene wurden in die Milchdrüsen von Ziegenembryonen eingeschleust. Folge: Jedes erwachsene Tier, "Biostahl-Ziegen" genannt, produziert in seiner Milch soviel Seide wie 10.000 Spinnen. Die amerikanische Armee hat bereits Interesse an dem Stoff angemeldet. www.nexiabiotech.com

Die amerikanische Regierung hat im übrigen gerade neue Anforderungen an Schutzwesten veröffentlicht. Näheres dazu im nächsten newsletter (wer nicht warten kann: http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/183651.pdf
 
 
10) "Hate Crime"
Eine umfangreiche Materialiensammlung einschl. Statistiken, Rechtsprechung, Präventions- und Bekämpfungsprogrammen und weitere Infos zum Thema "Hate Crimes" findet sich http://www.ncjrs.org/hate_crimes/hate_crimes.html Der Titel: Responding to Hate Crimes: A Police Officer's Guide to Investigation and Prevention". Aus der Beschreibung: Die Studie erklärt die Unterschiede zwischen Zwischenfällen aus Hass und Gewalttaten aus Hass und wie in beiden Fällen reagiert werden sollte. Zu Hass-Zwischenfällen gehören Verhaltensweisen, die nicht als illegal gelten und die begründet sind in Vorurteilen gegenüber Rasse, Religion, ethnischer/nationaler Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter, Behinderung oder sexuelle Neigungen eines Opfers. Das kann z.B. feindselige oder  hasserfüllte Redeweise sein. Diese Verhaltensweisen werden zu Hass-Gewalttaten, wenn Gewalt oder ein Angriff gegenüber Personen oder Besitz ausgeübt wird, oder wenn Opfer begründete Furcht vor Gewalt haben. Die Studie listet Maßnahmen auf, die Polizisten in der Szene ergreifen sollten, Faktoren, die anzeigen, dass eine Hass-Gewalttat geschehen sein könnte, und Möglichkeiten für die Polizei, wie sie den Opfern von Hass-Gewalttaten und den Gemeinden während der ganzen Untersuchung und des Strafverfolgungsprozesses effektive Unterstützung anbieten kann . Darüber hinaus enthält die Studie  einen praktischen Taschenführer zum Herausnehmen, der diese Punkte zusammenfasst und weitere Quellen auflistet.
 
 
11) Effektive Preispolitik reduziert Cannabiskonsum wirkungsvoller als juristische Strafen
Durch eine Studie der Volkswirtschaftlerin Jenny Williams an der australischen Adelaide University wurde deutlich, dass Geld- oder Gefängnisstrafen nur einen geringen Einfluss auf das Verhalten von Marihuanakonsumenten hatten. Stieg jedoch der Preis für hochwertiges Cannabis pro Gramm von 32 auf 38 australische Dollar, änderte sich das Verbraucherverhalten deutlich. In diesem Fall sank die durchschnittliche Zahl der Käufer um 16, die der wöchentlichen Konsumenten sogar um 23 Prozent. Höhere Gefängnisstrafen für den Besitz von Cannabis dagegen wirkten nur bei 2-3 Prozent der Verbraucher. Dr. Williams sieht darin "einen starken Beweis, dass die Marihuananachfrage in erster Linie preisabhängig ist und eine geschickte Preispolitik den Verbrauch effektiver reduzieren kann als Strafen der Justiz."
Williams rät Politikern, die Legalisierung von Marihuana zu erwägen. Der Wegfall juristischer Strafen und die Einführung von Steuern könnten nach ihrer Auffassung den Cannabisverbrauch erheblich verringern. Der staatlich geregelte Handel von Marihuana trage außerdem dazu bei, Schulkinder besser zu schützen, so wie es jetzt bereits durch den kontrollierten Verkauf von Zigaretten und Alkohol der Fall ist. Williams ist der Meinung, dass ihre Arbeit auch für Fragen in der Drogenpolitik nützlich sein kann. Quelle: (Eurekalert) Bild der Wissenschaft.
 
 
12) Handy-Verbot am Steuer ist Gesetz
Ab 1. Januar ist das Telefonieren während der Fahrt ohne Freisprechanlage verboten. Verstöße schlagen künftig mit einem Bußgeld von 60 Mark zu Buche. Das Verbot gilt auch für Radfahrer. Beim Telefonieren am Lenker drohen 30 Mark Verwarnungsgeld. Konkret heißt es, dass Kraftfahrer während der Fahrt ihr Mobil- oder Autotelefon nicht mehr benutzen dürfen, wenn sie dafür Gerät oder Hörer in die Hand nehmen müssen. Das Verbot gilt für sämtliche Funktionen, so auch für den Wählvorgang oder das Versenden von Nachrichten. Die Eingabe einer Kurzwahl in ein fest installiertes Gerät bleibt ebenso erlaubt wie die Anwahl durch Lenkradtasten oder Sprachwahl bzw. -annahme. Wer keine Freisprecheinrichtung besitzt, muss künftig zum Telefonieren anhalten und den Motor ausschalten. Quelle: www.billiger-telefonieren.de
 
 
13) Das Letzte. Oder: Was auf uns (möglicherweise) zukommt: Kopftransplantation
Sobald er über ausreichende finanzielle Mittel verfüge, werde er die erste menschliche Schädelverpflanzung versuchen - das kündigte der amerikanische Neurochirurg Robert J. White in der Schweizer Weltwoche (7.09.00) an. Sein Ziel ist es, den Kopf eines Querschnittsgelähmten auf den eines verstorbenen Spenders zu transplantieren. Das Vorhaben ist nicht völlig unrealistisch: Bei Affen ist White eine Kopftransplantation bereits gelungen.