Polizei : Newsletter Nr. 37, Februar 2002
 1)   Mit vielen Links gegen rechts im Netz
 2)   Dokumentation zur deutschen Anti-Terror-Gesetzgebung
 3)   19,2 Milliarden US$ für die Drogenkontrolle
 4)   Demokratie verwirklichen durch Polizeireform
 5)   Kinderarmut in der Stadtgesellschaft
 6)   Website zur Polizeireform in England
 7)   Neue Studien des britischen Home Office zur Drogenproblematik
 8)   Europarat und Polizeiausbildung
 9)   Netzwerk gegen häusliche Gewalt in den Niederlanden eingerichtet
10)  Langzeitwirkungen von Psychotherapien
11)  Empirisches Modell zur Lokalisierung von Serienmördern getestet
12)  Täter und Opfer unter dem Hakenkreuz
13)  Europäische Verkehrspolitik bis 2010
14)  Private Gemeindepolizei in der Schweiz
15)  Das Letzte (?): Polizei treibt Handydiebe mit SMS in den Wahnsinn
 
1) Mit vielen Links gegen rechts im Netz
Was auf den ersten Blick wie eine konventionelle Homepage eines (in diesem Fall jüdischen) Online-Anbieters aussieht, hat es in sich: Die website www.HaGalil.com setzt auf massive Verlinkung (ca. 18.000) und sich somit gegen Naziseiten durch, die bei der Eingabe bestimmter begriffe in Web-Suchmaschinen auftauchen. Auf den Seiten von HaGalil, dem ersten jüdischen Internetportal in Europa, findet sich auch ein Formular, mit dem man auf rechte Seiten im Netz aufmerksam machen kann. Halten die Juristen von HaGalil den Inhalt für strafrechtlich verfolgbar, nehmen sie Kontakt mit der Staatsanwaltschaft auf. So gingen 50% der im Jahr 2000 angezeigten Fälle auf die Initiative von HaGalil zurück. Neben einer superben Suchmaschine bietet die Seite aber auch Nachrichten auf Jidisch und Englisch und einen link zum neuen jüdischen Museum in Berlin (http://www.jmberlin.de/ ). Quelle: taz 4.1.02
 
 
2) Dokumentation zur deutschen Anti-Terror-Gesetzgebung
Unter http://www.cilip.de/terror/ hat die Redaktion von „Bürgerrechte und Polizei – Cilip“ Gesetzesentwürfe, offizielle Stellungnahmen sowie weitere Unterlagen (z.B. die Anhörungsprotokolle) bereitgestellt. Zu CILIP selbst und zu weiteren Aktivitäten finden sich unter www.cilip.de weitere Infos.
 
 
3) 19,2 Milliarden US$ für die Drogenkontrolle
Das nationale Drogenkontrollbudget der USA beträgt für 2002 insgesamt 19,2 Mrd. US$ - 1999 waren es noch 17,1 Mrd. US$. Davon bekommt die Justiz über 8 Mrd. - für Erziehung sind nur 0,6 Mrd. vorgesehen. Selbst das Verteidigungsministerium erhält mit 1,1 Mrd. deutlich mehr Mittel. Quelle: National Drug Control Budget, Fiscal Year 2002.
 
 
4) Demokratie verwirklichen durch Polizeireform
Unter diesem Titel beschäftigt sich eine umfangreiche Studie (126 Seiten) mit den Möglichkeiten, die demokratische Entwicklung von Staaten durch eine Reform der Polizeistrukturen zu unterstützen. "Democratizing the Police Abroad-What to Do and How to Do It" beschreibt auch die Erfahrungen, die Personen gemacht haben, die sich in diesem Bereich engagieret haben und geht auf die Bedeutung dieser Problematik für die Wirtschaft ein. http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/188742.pdf oder

http://www.ncjrs.org/txtfiles1/nij/188742.txt
 
 
5) Kinderarmut in der Stadtgesellschaft
Eine empirische Studie zu räumlichen und sozialen Strukturen der Armut im Ruhrgebiet hat Klaus Peter Strohmeier von der Ruhr-Uni in Bochum in der Neuen Praxis (3, 2001, S. 311-320) veröffentlicht (Klaus.P.Strohmeier@ruhr-uni-bochum.de). Der Bericht steht über die Seite http://www.ruhr-uni-bochum.de/zefir zum download bereit, ebenso wie der WHO-Bericht „Urban Violence“. Die dargestellten graphischen Übersichten machen deutlich, dass das „Armutsphänomen“ besonders jüngere Menschen sowie Paare mit Kindern und Alleinerziehende betrifft.
 
 
6) Website zur Polizeireform in England
Das Home Office hat Ende 2001 eine Website, auch mit Links, zum Thema Polizeireform-Programme in Großbritannien eingerichtet: http://www.homeoffice.gov.uk/policereform/index.htm Von den zuletzt veröffentlichen Forschungen im Auftrag des Home Office sind von besonderen Interesse die Home Office Research Study 225 mit dem Titel: “Intervening to prevent antisocial personality disorder: a scoping review“ unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs/hors225.pdf. Die 112-Seiten unfassende sekundäranalytische Studie beschäftigt sich mit Risikofaktoren für „antisoziales“ Verhalten bzw. Persönlichkeitsstörungen bei Jugendlichen und Erwachsenen sowie eine Studie zu Minderheiten und rassistisch motivierte Straftaten in England. Die Research Findings 146 “Ethnic minorities' experience of crime and policing: findings from the 2000 British Crime Survey” unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs/r146.pdf beschäftigen sich mit Viktimisierung und Verbrechensfurcht bei Minderheiten in Großbritannien anhand der im Jahr 2000 dort durchgeführten Bevölkerungsbefragung. Danach sind ethnische Minderheiten häufiger Opfer von Straftaten, was aber im wesentlichen mit ihrer randständigen Situation in der Gesellschaft und den Bereichen, in denen sie wohnen zusammenhängt. Sie werden häufiger Opfer rassistischer Gewalt. Während für das Jahr 1999 280.000 rassistisch motivierte Straftaten von den Befragten angegeben wurden, waren es 1995 noch 390.000. Im Vergleich zu diesem Rückgang bei den selbst berichteten Taten stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der polizeilich registrierten rassistisch motivierten Taten um das Vierfache an, was auf eine deutliche Veränderung im Anzeigeverhalten zurückzuführen ist und im übrigen wieder einmal deutlich macht, wie wenig verlässlich polizeiliche Kriminalstatistiken sind. Die Zufriedenheit mit der Polizei, wenn sie gerufen wurde, ist im übrigen nach dieser Studie bei Minderheiten deutlich geringer als bei der übrigen Bevölkerung.
 
 
7) Neue Studien des britischen Home Office zur Drogenproblematik
Auf 116 Seiten beschäftigt sich die Research Study 224 “Drug misuse declared in 2000: results from the British Crime Survey” mit der Entwicklung, den Konsummustern und weiteren Besonderheiten bei Drogenkonsumenten – auch im langjährigen Vergleich: http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs/hors224.pdf. Die Kurzfassung (4 Seiten) dazu findet sich unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs/r149.pdf. Mit dem Problem der Drogenabhängigkeit bzw. den Drogenkonsums bei verhafteten Personen beschäftigt sich Research Findings 148 “Drug use and offending: summary results from the first year of the NEW-ADAM research programme”. Danach sind 65% der von der Polizei verhafteten Personen positiv auf Drogen getestet worden (im Rahmen des versuchsweise eingeführten ADAM (Arrestee Drug Abuse Monitoring)–Projektes, das einen sofortigen Drogentest bei Verhaftung bzw. Inhaftierung vorsieht. Der 4-seitige Kurzbericht finde sich unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs/r148.pdf. Schlieslich geht es im Occasional Paper 74 “Sizing the UK market for illicit drugs” (56 S.) um die Dimensionen des Geschäftes mit illegalen Drogen: http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs/occ74-drugs.pdf. Danach gibt es in Großbritannien ca. 270.000 regelmäßige Heroin-Nutzer. Ein Heroin-Anhängiger braucht dieser Studie zufolge pro Jahr rund 16.500 britische Pfund (ca. EURO), ein Crack-Nutzer 21.000 britische Pfund um seine Sucht zu finanzieren.
 
 
8) Europarat und Polizeiausbildung
Im Rahmen einer multilateralen Konferenz „Police Training and New Technologies“ vom 21.-23.9.01 in Barcelona wurde u.a. von den 65 Teilnehmern aus 34 Staaten empfohlen, ein "Pan-European Centre of Expertise and Information on Legal Universal Values and Principles of Policing“ einzurichten. Nähere Informationen zur Tagung (Referate, Conclusions) und zu dem geplanten Centre unter http://www.legal.coe.int/criminal/police/Default.asp?fd=conf&fn=Conf(2001Barcelona)E.htm oder beim Generalberichterstatter Leiter der Tagung (Thomas Feltes mail@ThomasFeltes.de).
 
 
9) Netzwerk gegen häusliche Gewalt in den Niederlanden eingerichtet
Das Justizministerium der Niederlande hat ein (elektronisches) Netzwerk gegen häusliche Gewalt eingerichtet. Unter www.minjust.nl/b_organ/nhg/english/index.htm finden sich Studien, Zahlen und Fakten sowie Hinweise zur Ermittlung von Straftaten in diesem Zusammenhang (in Englisch). Dort wird auch eine Vierteljahreszeitschrift herausgegeben, die unter www.huiselijkgeweld.nl bestellt werden kann.
 
 
10) Langzeitwirkungen von Psychotherapien
Nicht zuletzt seit der Finanzkrise des Gesundheitswesens sind Psychotherapien u.a. auch deshalb umstritten, weil man glaubt, Erfolge seien nicht oder nur schwer nachweisbar. Für den sicherlich am schwierigsten zu evaluierenden Bereich der Psychoanalyse liegt jetzt eine überaus aufwendige Studie vor, in der über 200 Psychoanalytiker und über 400 ehemalige Patienten einbezogen sind. Die repräsentative Katamnesestudie von psychoanalytischen (Langzeit-)Behandlungen, die zwischen 1990 und 1993 beendet worden waren, untersucht die Auswirkungen dieser Behandlungen, wie sie sich 1998 und 1999 und damit im Abstand von fünf bis neun Jahren nach Behandlungsende dargestellt haben. Im Ergebnis zeigt die Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft unterstützt wurde, dass etwa 80% der ehemaligen Patienten positive Veränderungen in bezug auf Wohlbefinden, persönliche Entwicklung und Beziehungen zu anderen berichten, 70-80% hinsichtlich der Bewältigung von Lebensereignissen, Selbstwertgefühl, Stimmung, Lebenszufriedenheit und Leistungsfähigkeit. Neben diesen eher subjektiven Befunden zeigte sich auch, dass die durchschnittlichen Krankschreibungen und Arztbesuche deutlich zurück gingen, und zwar von 6,7 Arztbesuchen bzw. 10,3 Arbeitsunfähigkeitstagen vor der Behandlung auf jeweils 4 Arztbesuche und 4 AU-Tage im letzten Jahr. Insgesamt kann die Studie somit einen signifikant positiven Effekt von psychoanalytischen Therapien nachweisen. Quelle: M. Leuzinger-Bohlber u.a., Langzeitwirkungen von Psychoanalysen und Psychotherapien: Eine multiperspektivische, repräsentative Katamnesestudie. In: Psyche 3, 2001, S. 193-276
 
 
11) Empirisches Modell zur Lokalisierung von Serienmördern getestet
In einer empirischen Studie testeten amerikanische Wissenschaftler die Effektivität eines geographischen Modells, mit dem der Aufenthaltsort von Serienmördern bestimmt werden kann (sog. „Dragnet System“) anhand von 70 amerikanischen Serien-Mörder-Fällen. Im Ergebnis konnten sie zeigen, dass 51% der Täter in den ersten 5% des definierten Suchbereiches zu finden waren, 87% innerhalb der ersten 25% und 100% generell im benannten Suchbereich. Die Ergebnisse unterstützen nach Ansicht der Autoren solche operationalen Modelle, mit denen das geographische Verhalten von Straftätern rekonstruiert werden kann. Quelle: D. Canter, T. Coffey, M. Huntley u.a., Predicting serial killer´s home base using a decision support system. In: Journal of Quantitative Criminology, 16, 4, 2000, S. 457-478 (CJA 0379-33) .
 
 
12) Täter und Opfer unter dem Hakenkreuz
Unter diesem Titel ist eine Buchpublikation erschienen, die den Untertitel trägt: „Eine Landespolizei stellt sich der Geschichte“. Herausgegeben vom Freundeskreis zur Unterstützung der Polizei Schleswig Holstein e.V. (Im Saal 2, 24145 Kiel, Tel. 0431-717777) beschäftigt sich der Band auf 278 Seiten und in 21 Beiträgen mit der Geschichte des Schleswig-Holsteinischen Polizei zwischen 1933 und 1945. Der Initiative des Leiters der Polizeiabteilung im Innenministerium Schleswig-Holstein, Jörg Ziercke, ist es zu verdanken, dass der Band entstehen und in einer Auflage von 10.000 Exemplaren mit Förderung durch das Innenministerium gedruckt werden konnte. Glückwunsch zur Idee und zur Realisierung, vor allem aber zu den Beiträgen, die zeigen, dass man sich mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 auch und grade aus der Perspektive der Polizei beschäftigen kann und beschäftigen muss.
 
 
13) Europäische Verkehrspolitik bis 2010
'Es bedarf zahlreicher Maßnahmen und politischer Instrumente, um den Prozess in Gang zu sezten, der zu einem dauerhaft umweltverträglichen Verkehrssystem führt, bei dem erhofft werden kann, dieses Ziel in 30 Jahren zu erriechen.' So lauten die ersten Zeilen der Schlussfolgerungen des "Weißbuch 'Die europäische Verkehrspolitik bis 2010: Weichenstellungen für die Zukunft'. Das komplette Buch findet man zum Download als pdf-file auf der homepage der Europäischen Kommission unter http://europa.eu.int/comm/energy_transport/de/lb_de.html.
 
 
14) Private Gemeindepolizei in der Schweiz
Seit November 2001 gibt es die erste private Gemeindepolizei in der Schweiz. Drei Gemeinden (Oberwil-Lieli, Berikon und Widen) haben die Firma Sisec GmbH beauftragt, mit einem Sicherheitsdienst „für öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen“ (so der Auftrag). Insgesamt 10 Sisec-Angestellte sind nun mit Uniformen und Fahrzeugen mit der Aufschrift „Gemeindepolizei“ in diesen Gemeinden unterwegs. Die Angestellten tragen keine Waffen, aber schusssichere Westen. Einige dieser Angestellten sind übrigens ehemalige Mitarbeiter der kantonalen bzw. städtischen Polizeikorps. Quelle „Wochenfalter“ (Zeitung der Gemeinde Oberwil), 2.11.01.
 
 
15) Das Letzte (?): Polizei treibt Handydiebe mit SMS in den Wahnsinn
Der Amsterdamer Polizei ist es gelungen, binnen drei Monaten Handydiebstähle um die Hälfte zu reduzieren. An die gestohlenen Handys wurde fortlaufend die SMS "Warnung, dies ist ein gestohlenes Telefon, es zu benutzen verstößt gegen das Gesetz, es zu stehlen ist eine Straftat" versendet. Quelle:0172 (Magazin von Vodafone) 4/2001