Polizei : Newsletter Nr. 43, August 2002                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Öffentliche Meinung und Richterentscheidungen – eine vergleichende Studie
 2)   Auswirkungen von “Quality-of-Life-Policing”
 3)   Faktoren, die Jugendkriminalität begünstigen
 4)   Newsletter des Deutschen Forums für Kriminalprävention (DFK)
 5)   Viren-Attacken nehmen zu
 6)   Polizei-Adressbuch Baden-Württemberg im Internet
 7)   Leben in Deutschland: Längsschnittstudie privater Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland
 8)   Abweichender Lebensstil führt zu Viktimisierung
 9)   ässliches „Zählen von Straftaten“ ist unmöglich
10)  Reaktionszeit bei Schüssen von Polizeibeamten
11)  Touristen lieben das Risiko
12)  Jugendszene-Steckbriefe
13)  CD-Rom zum Auslandseinsatz UNMIK im Kosovo
14)  Strategien der Tabakindustrie zur Beeinflussung der Gesetzgebung gegen Tabakwerbung
15)  ässt grüssen: Ganztagsschulen reduzieren Jugendkriminalität
16)  Zum Schluss: Schule und Kinderrechte – eine etwas andere Sicht
 
1) Öffentliche Meinung und Richterentscheidungen – eine vergleichende Studie
In einer Schweizer Studie zur objektiven und subjektiven Punitivität (Strafschärfe) wurden 290 Strafrichter und eine repräsentative Bevölkerungsgruppe zu vier fiktiven Straffällen befragt. Im Ergebnis sprach die Bevölkerung dabei deutlich härtere Strafen aus als die Richter. Jedoch verfälscht die übermäßige Gewichtung der straffreudigsten Personen das Bild von der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den richterlichen Strafurteilen. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung mit milderen Strafen als den von den Richtern ausgesprochenen abfindet. Quelle: Crimiscope Nr. 19 (Juni 2002) – Öffentliche Meinung und Strenge der Richter; vollständiger Forschungsbericht unter  www.unil.ch/penal/qui/kuhn/FNRS.html
 
 
2) Auswirkungen von “Quality-of-Life-Policing”
Mit den Auswirkungen von Polizeiarbeit, die sich mit Ereignissen beschäftigt, die die Lebensqualität beeinträchtigen (z.B. Bettler, Drogenabhängige, Müll auf der Strasse...) beschäftigt sich eine neuere Studie. Die Autoren fanden heraus, dass mit dieser Polizeistrategie am ehesten ein Effekt erreicht werden kann bei Vorkommnissen, die sich mit „öffentlicher Moral“ und „physischer Unordnung“ beschäftigen. „Echte“ Kriminalität wird davon nicht beeinflusst. Die Studie beschäftigt sich auch mit Verdrängungseffekten solcher Strategien. Quelle: C.M. Katz, V.J. Webb, D.R. Schaefer: An Assessment of the impact of Quality-Of-Life Policing on Crime and Disorder. In: Justice Quarterly 18, 4, 2001
 
 
3) Faktoren, die Jugendkriminalität begünstigen
Jugendliche, bei denen es zu delinquentem Verhalten kam, waren in ihrer Vorgeschichte mit einer Reihe von Risikofaktoren stärker belastet, als andere. So sind frühe Belastungen in der Umwelt des Kindes, widrige familiäre Bedingungen im Kindes- und im Jugendalter, akute Lebensereignisse und chronische Belastungen, wie auch Unterschichtzugehörigkeit - jeweils für sich genommen - mit einem höheren Risiko für Delinquenz verbunden. Entwicklungsstörungen wie auch dissoziale und/oder hyperkinetische Verhaltensstörungen im Alter von 8 und von 13 Jahren tragen ebenfalls zu einer deutlichen Erhöhung des Risikos für Delinquenz bei.  Quelle: Barbara Lay u.a.: Risikofaktoren für Delinquenz bei Jugendlichen und deren Fortsetzung bis in das Erwachsenenalter. In: MschrKrim 84. Jahrgang - Heft 2, 2001, S.119-132
 
 
4) Newsletter des Deutschen Forums für Kriminalprävention (DFK)
Newsletter heraus. Unter den Rubriken "Aktuelles von der DFK-Homepage", "Präventionsnews", "Termine" und "Verschiedenes" sind Mitteilungen von Behörden, Regierungen und Initiativen sowie aus der Forschung zusammengestellt. Zu abonnieren ist der Newsletter über die DFK-Homepage: http://www.kriminalpraevention.de.
 
 
5) Viren-Attacken nehmen zu
Über 1,2 Millionen Fälle von Virenattacken haben in US-Unternehmen zum Teil erheblichen Schaden angerichtet. Das ist das Ergebnis des 20-Monats-Berichts des Security-Dienstleisters ICSA Labs. Im Schnitt seien auf 1000 landesweit beobachtete Rechner 103 Attacken durch bösartigen Code gekommen. Mehr unter: http://www.silicon.de/a47366. Quelle: www.sicherheit-im-internet.de
 
 
6) Polizei-Adressbuch Baden-Württemberg im Internet
Sämtliche Polizei-Dienststellen in Baden-Württemberg finden nicht nur die Beamten des Landes im Intranet sondern auch der „Rest“ der Welt im WWW. Unter http://www.inpol.de/Pav/index.html kann man alphabetisch suchen und erhält die „Art“ der Dienststelle, also ob es sich zum Beispiel um einen Polizeiposten oder die örtliche Kriminalaußenstelle handelt, sowie die Anschrift und Telefonnummer.
 
 
7) Leben in Deutschland: Längsschnittstudie privater Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland
Das SOEP ist eine seit 1984 jährlich durchgeführte Wiederholungsbefragung von Deutschen, Ausländern und Zuwanderern in den alten und neuen Bundesländern. Die Stichprobe umfasst  etwa 12.000 Haushalte mit mehr als 20.000 Personen. Themenschwerpunkte sind unter anderem Haushaltszusammensetzung, Erwerbs- und Familienbiographie, Erwerbsbeteiligung und berufliche Mobilität, Einkommensverläufe, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Der SOEP-Datensatz wird universitären Forschungseinrichtungen im In- und Ausland für Forschung und Lehre in SPSS, SAS, TDA, STATA und ASCII Format weitergegeben. Umfangreiches Dokumentationsmaterial steht in deutscher und englischer Sprache auch online zur Verfügung. http://www.diw.de/deutsch/sop/uebersicht/
 
 
8) Abweichender Lebensstil führt zu Viktimisierung
Viktimisierung hat eine Synchronwirkung auf normabweichende Lebensstile, aber keine verzögerte Wirkung. Viktimisierung führt zu abweichendem Lebensstil in der Gegenwart, aber nicht in der Zukunft. Allerdings führt ein normabweichender Lebensstil nur in Gegenden mit niedriger Kriminalitätsrate zu Viktimisierung. Quelle: Zhang, Lening; Welte, JohnW.; Wieczorek, William F. Deviant lifestyle and crime victimization. In: Journal of Criminal Justice, 2001, 29(2), S. 133-143.
 
 
9) ässliches „Zählen von Straftaten“ ist unmöglich
Das Zählen von Straftaten soll unmöglich sein. Von der Polizei aufgenommene Kriminalitätstrends verdeutlichen diesem Beitrag zufolge eher die Trends im Verhalten der Polizei als Trends der Kriminalität innerhalb der Bevölkerung. Die schwersten, zerstörerischsten und traumatisierendsten Straftaten sowie persönliche Gewalt und solche Straftaten, die den Stereotypen, wer Kriminelle sind und wo Straftaten geschehen, widersprechen, sind und bleiben verborgen. Der Beitrag stellt auf die (empirisch nachgewiesene) Tatsache ab, dass die Straftaten, die den größten gesellschaftlichen Schaden verursachen, häufig nicht bekannt werden. Pepinsky, Hal. "Living criminologically with naked emperors." Criminal Justice Policy Review 11(1), 2000, S. 6-15.
 
 
10) Reaktionszeit bei Schüssen von Polizeibeamten
Diese Studie untersucht die Geschwindigkeit, mit der ein Polizeibeamter mit einem genauen Schuss auf einen visuellen Reiz reagieren kann - im Vergleich zur Geschwindigkeit einer typischen Bewegung eines Verdächtigen, die eine Reaktion des Polizisten mit der Waffe auslösen würde. Beamte mit einem speziellen Schießtraining hatten kürzere Reaktionszeiten als die ohne solch ein Training. Die Ergebnisse zeigen jedoch nicht deutlich auf, ob mehr praktische Übung, größere Geschicklichkeit oder beides zu den besseren Reaktionszeiten führten. Doch sind diese kürzeren Reaktionszeiten insofern ziemlich bedeutungslos, als die Polizisten immer noch im Nachteil waren im Vergleich zu der Zeit, die die Bewegung des Verdächtigen benötigte. Die Reaktionszeit kann dramatisch variieren, da sie eine Kombination aus Verarbeitungszeit (einem mentalen Prozess) und Bewegungszeit (einem physischen Prozess) darstellt. Hontz, Thomas A. Justifying the deadly force response. Police Quarterly 1999, 2(4), S. 462-476.
 
 
11) Touristen lieben das Risiko
Die Studie untersucht die Viktimisierungsfurcht aus der Sicht von Touristen. Dazu wurden britische Touristen während ihres Urlaubs beobachtet. Obwohl viele den Aspekt Sicherheit bei der Wahl ihres Urlaubsziels berücksichtigten, betrachteten nur wenige Leute Verbrechen oder Unordnung als Problem, wenn sie erst einmal im Urlaub sind. Das Risiko-Furcht-Paradoxon behauptet, dass die Furcht das Risiko übersteigt, doch im Fall von Tourismus und Kriminalität scheint das Risiko die Furcht zu übersteigen. Die Ergebnisse betonen die Wichtigkeit von Kriminalprävention und kommunaler Sicherheit als Prioritäten für die Polizei. Mawby, R.I., Tourists' perceptions of security: The risk-fear paradox. Tourism Economics 2000, 6(2), S. 109-121
 
 
12) Jugendszene-Steckbriefe
www.jugendszenen.com präsentiert Szene-Steckbriefe und ermöglicht damit Einblicke in und tiefergehende Durch-Blicke durch spannende Lebenswelten. Das Ziel der Betreiber am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie von Prof. Dr. Hitzler (www.hitzler-soziologie.de ) an der Uni Dortmund ist die sukzessive Präsentation möglichst vieler aktueller Jugendszenen. jugendszenen.com basiert auf umfangreichen Forschungsaktivitäten.
 
 
13) CD-Rom zum Auslandseinsatz UNMIK im Kosovo
Ein Mitarbeiter der niedersächsischen Polizei bietet eine PowerPoint CD mit 1000 Bildern aus dem Kosovo, Landschaften, Land und Leute, Städte und Dörfer, Fahrzeugen, etc. an, besonders natürlich von den Peacekeepern aus 53 Nationen. Dazu alle Internet-INFOs über den Kosovo, die UNMIK, alles was man für die Vorbereitung einer Auslandsmission braucht oder wenn man sich über dieses Gebiet informieren will. Läuft auf Windows und ist für 10 Euro inklusive Versand zu bestellen bei Michael Inderwisch, iwi56@web.de
 
 
14) Strategien der Tabakindustrie zur Beeinflussung der Gesetzgebung gegen Tabakwerbung
Die Tabakindustrie hat in der Vergangenheit versucht, über verschiedene EU-Mitgliedsstaaten (darunter insbesondere Deutschland) auf die EU-Gesetzgebung zum Verbot der Tabakwerbung Einfluss zu nehmen. So hat z.B. Margret Thatcher, unmittelbar nachdem sie das Amt des Premierministers aufgegeben hatte, einen Betrag von 250.000 Pfund von Philip Morris bekommen. Die Strategien und ihren Erfolg beschreibt ein Beitrag von Mark Neumann, Asaf Bitton und Stanton Glantz in „The Lancet“ April 2002, S. 1323 ff.; www.thelancelet.com
 
 
15) ässt grüssen: Ganztagsschulen reduzieren Jugendkriminalität
Nach Langzeitstudien in den USA haben Vorschulen und Ganztagsschulen vor allem bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen positive Effekte. Im Zusammenhang mit dem “Perry Preschool Project” konnte nachgewiesen werden, dass jeder in Vorschulprogramm investierte Dollar einen Nutzen von sieben Dollar bringt - höhere Steuereinnahmen durch höhere Erwerbsbeteiligung (der Mütter) nicht mitgerechnet. Eine aktuelle Studie aus Zürich kommt immer noch zu einer Relation von 1:4. Die USA-Studie zeigte auch, dass Kinder aus sozialen Unterschichten, die an hochklassischen Vorschulprogrammen teilgenommen hatten,  später signifikant weniger kriminell auffällig wurden und höhere Einkommen hatten. Quelle: Konferenz „Zukunftsfaktor Kinder“ des Bundesministeriums für Familie, Berlin, Juni 2002.
 
 
16) Zum Schluss: Schule und Kinderrechte – eine etwas andere Sicht
Aus einer sehr parteiischen Sicht beleuchtet KRÄTZA (KinderRächtsZänker) das Thema Kinder, Kinderrechte und in dem Zusammenhang auch das Thema Schule. Unter http://www.kraetzae.de/schule.htm finden sich dennoch einige interessante Argumente und Dokumente (u.a. zu Summerhill und anderen alternativen Schulprojekten). Die Website gibt es auch auf Englisch, Spanisch und Esperanto!