Polizei : Newsletter Nr. 47, Dezember 2002
 1)   Großbritannien: Kriminalität auf dem Land niedriger als in Städten
 2)   Psychisch Kranke und Polizei – neue Strategien aus den USA
 3)   Liste der laufenden Projekte des Max-Planck-Instituts in Deutschland im Netz
 4)   Sonderbericht des amerikanischen Drogenkontrollbüros zu synthetischen Opiaten
 5)   Kinder als Opfer von Gewalt in der Familie - neue Projekte in den USA
 6)   In Frankreich ändert sich die Einstellung zur Kriminalität
 7)   Cubus vermittelt kulturwissenschaftliches Fachwissen
 8)   Einführung des Fernsehers und Tötungsraten
 9)   Einkommensunterschiede und Tötungsraten
10)  Bürger unterstützen aggressive Verkehrskontrollen durch die Polizei
11)  Management durch Selbstvertrauen
12)  Elektronische Waffe mit Sicherheitscode
13)  Bundesstandards für die Schweizer Polizeiausbildung
14)  Neue Juristenausbildung in Deutschland
15)  Dosenwurst und Stempel aus dem Knast
 
1) Großbritannien: Kriminalität auf dem Land niedriger als in Städten
Der Bericht befasst sich mit der Kriminalitätsrate auf dem Land und der Kriminalitätsfurcht der Landbevölkerung. Er bestätigt, dass die ländlichen Gebiete immer noch eine niedrigere Kriminalitätsrate aufweisen. Andererseits stieg die Kriminalitätsrate dort steiler als in den Städten. Im Gegensatz zur Stadtbevölkerung ist die Landbevölkerung nach wie vor weniger pessimistisch in Bezug auf Kriminalitätsraten, ihr eigenes Viktimisierungsrisiko und die Arbeit ihrer örtlichen Polizei. Rebbecca Aust, Jon Simmons, Rural Crime, March 2002. Home Office Statistical Bulletin 1/02 - Rural Crime, England and Wales http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs2/hosb102.pdf
 
 
2) Psychisch Kranke und Polizei – neue Strategien aus den USA
Nachdem in den letzten Jahren mehrfach psychisch Kranke bei polizeilichen Einsätzen getötet wurden und bei den darauf folgenden gerichtliche Verfahren Polizeibehörden zum Teil zu hohen Schadensersatzleistungen verurteilt wurden, versucht man in den USA seit längerem, die Ausbildung und die technische Ausrüstung der Polizei diesen besonderen Situationen anzupassen. Allein in Seattle hat man dazu nach einem Vorfall in Jahre 2000 US$ 350.000.- für Ausbildung und neue Techniken bereit gestellt. Quelle: H.J. Steadman et al.: Police Response to Emotionally Disturbed Persons. Unter www.ojp.usdoj.gov/nij  Email des Autors der Studie: hsteadman@prainc.com
 
 
3) Liste der laufenden Projekte des Max-Planck-Instituts in Deutschland im Netz
unter http://www.iuscrim.mpg.de/forsch/krim/k_index_e.html#Administration.  Davon finanziert die EU folgende: Evaluation of Anti-Money Laundering and Asset Confiscation Legislation in Europe (Evaluation der Gesetzgebung gegen die Geldwäsche  und zur Vermögenskonfiszierung in Europa), The Double Construction of Crime - Patterns of Definition and of Organization of Crime in Two European Cities (Die doppelte Konstruktion von Kriminalität: Verbrechensmustern und die soziale Organisation von Kriminalität in zwei europäischen Städten), und Risk Assessment and Crime Prevention (Risikobewertung und Kriminalitätsprävention).
 
 
4) Sonderbericht des amerikanischen Drogenkontrollbüros zu synthetischen Opiaten
Im “Pulse Check” des „Office of National Drug Control Policy” beschreiben Experten verschiedene aktuelle Muster des Drogengebrauchs, darunter insbesondere das steigende Problem der Verbreitung und des Gebrauchs von  OxyContin, eine hochdosierte Form des synthetischen Opiates Oxycodone: www.whitehousedrugpolicy.gov/publications/druffact/pulsechk/fall2001/index.html
 
 
5) Kinder als Opfer von Gewalt in der Familie - neue Projekte in den USA
Wenn Kinder und Jugendliche Zeugen von häuslicher Gewalt werden oder selbst direkt davon betroffen sind, dann ist dies ein wichtiger Risikofaktor für späteres eigenes gewalttätiges Verhalten, aber auch Ursache für vielfältige psychische Probleme bei diesen Kindern und Jugendlichen. Nachdem sich die Polizei in den USA seit Jahren intensiv mit diesem Problem beschäftigt und auch massive gesetzliche Änderungen vorgenommen wurden, wird zunehmend die Bedeutung bekannt, die die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang spielt. Eine umfassende Studie des amerikanischen Justizministeriums stellt nun die verschiedenen Strategien dar, die dort umgesetzt wurden. Die Studie macht auch deutlich, wie wichtig es ist, dass gerade auch die Staatsanwaltschaften dieses Thema aufgreifen und welche Fortschritte in der wichtigen Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und sozialen Diensten dort in den letzten Jahren gemacht wurden. Mit praktischen Beispielen versehen ist die Studie mehr als eine Anregung auch für die bundesdeutsche Situation. Quelle: D. Whitcomb, Prosecutors, Kids, and Domestic Violence Cases. In: NIJ-Journal 248, 2002, S.2-9. Der komplette Bericht unter dem Titel „Children and Domestic Violence: Challenges for Prosecutors kann beim NIJ bezogen werden (US$ 15.-; www.ojp.usdoj/nij.org) Email der Autorin: dabra.whitcomb@ndaa-apri.org .
 
 
6) In Frankreich ändert sich die Einstellung zur Kriminalität
Philippe Robert und Marie-Lys Pottier analysierten die Verbrechensfurcht in Frankreich von Mitte der 70er Jahre bis Mitte der 90er Jahre und jetzt bis zum Jahr 2000. Nach Meinung der Autoren hängen die gesunkene Besorgnis gegenüber Kriminalität zwischen 1996 und 1999 eng zusammen mit der stark gesunkenen Besorgnis gegenüber dem Komplex Kriminalität/Fremdenfeindlichkeit/Bestrafungen, wie sie sich in rechtsextremer oder ultra- rechter Einstellung zeigt. Der Anstieg der Besorgnis im Jahr 2000 zeigt eine neue Wahrnehmung des Phänomens  Kriminalität (nicht mehr als Teil des Komplexes). Die Leute geben ihre Kriminalitätsfurcht bereitwilliger zu, und vor allem ist diese Besorgnis nicht mehr belastet mit der bis dahin geradezu zwanghaften Verbindung zu Fremdenfeindlichkeit und Bestrafung; diese beiden Themen haben einen beträchtlichen Abschwung erlebt. Einige Gruppen, die sich früher nur zögerlich zu ihrer Verbrechensfurcht zu bekannten, können unter diesen Umständen leichter dazu stehen. Quelle: Are feelings about crime changing? In: Penal Issues (CESDIP) 13, 2002, S.15-17; www.cesdip.msh-paris.fr
 
 
7) Cubus vermittelt kulturwissenschaftliches Fachwissen
Als eine der ersten Hochschulen bietet die Ruhr-Universität Bochum der Wirtschaft (und anderen) ihr kulturwissenschaftliches Fachwissen an. Wer peinliche Werbebotschaften vermeiden will (wie: „Jedem das Seine“ eines Technikunternehmens – der Slogan stand über Konzentrationslagern im Nazideutschland) oder sich auf spezielle Zielgruppen einstellen will (z.B. türkische Patientinnen in Krankenhäusern), dem vermittelt cubus die entsprechenden Ansprechpartnern in den gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichen der RUB – von Ostasienwissenschaften über die Psychologie bis hin zur Theologie. Näheres unter www.ruhr-uni-bochum.de/cubus
 
 
8) Einführung des Fernsehers und Tötungsraten
In einer Studie von 1992 behauptete B. Centerwall, dass durch die Einführung des Fernsehers die Tötungsrate in den USA und Kanada gravierend angestiegen sei. Eine auf offiziellen Daten basierende Analyse testet die alternative Hypothese, die Berücksichtigung von Beziehungen sei wesentlicher, um die Veränderungen hinsichtlich der Tötungsraten zu verstehen. Die Hypothese konnte bestätigt werden: der Effekt des Fernsehens reduzierte sich durch die Einbeziehung von Heirat/Scheidungsverhältnissen, Scheidungsraten und anderen Variablen so sehr, dass die Verbreitung des Fernsehers keinen signifikanten Einfluss mehr hatte. Quelle: Jensen, Gary F.: „The invention of television as a cause of homocide: The reification of a spurious relationship.“ Homocide Studies 5, 2, 2001, S. 114-130.
 
 
9) Einkommensunterschiede und Tötungsraten
Eine Studie von 2001 (Daly et al.) vergleicht kanadischen Provinzen mit Staaten der USA hinsichtlich des Zusammenhangs von Einkommensunterschieden und Tötungsraten. Im Gegensatz zu früheren Befunden ergab sich eine positive Korrelation von Durchschnittseinkommen und Gini, dem Provinzlevelindex. Außerdem war der positive Zusammenhang von Gini und Tötungsrate unvermindert. Ferner waren temporäre Veränderungen des Gini ein signifikanter Prädiktor von Veränderungen der Tötungsrate. Wenn man die kanadischen Provinzen und die Staaten der USA gemeinsam betrachtet, scheint das lokale Level der Einkommensunterschiede eine ausreichende Erklärung für die extrem unterschiedlichen nationalen Tötungsraten darzustellen. Quelle: Daly, Martin; Wilson, Margo; Vasdev, Shawn; and others: „Income inequality and homicide rates in Canada and the United States.“ Canadian Journal of Criminology 43, 2, 2001, S. 219-236.
 
 
10) Bürger unterstützen aggressive Verkehrskontrollen durch die Polizei
In einer experimentellen Studie wurden die Reaktionen und Meinungen von Bürgern, die in Gebieten wohnen, in denen aggressive polizeiliche Verkehrskontrollen durchgeführt werden mit denen von Bürgern verglichen, die in anderen Gebieten leben. Im Ergebnis unterstützen die Bürger diese aggressiven Polizeikontrollen sehr, sie haben eine positivere Einstellung gegenüber der Polizei und beurteilen die Arbeit der Polizei insgesamt besser. Allerdings glauben sie nicht, dass diese Polizeikontrollen die Kriminalität reduzieren oder die Lebensqualität in der Gemeinde verbessern. Quelle: S. Chermak, E.F. McGarrell, A. Weiss: Citizen´s perceptions of aggressive traffic enforcement strategies. In: Justice Quarterly 18, 2, 2001, S. 365-391
 
 
11) Management durch Selbstvertrauen
In einem empirischen Experiment schafften zwei Drittel einer Gruppe, deren Mitgliedern zuvor mitgeteilt wurde, dass sie ausgewählt wurden, weil sie eine „besondere Willenskraft“ haben, den Ausstieg aus dem Rauchen; in der Vergleichsgruppe, die diese Botschaft nicht bekam, waren es weniger als ein Drittel und in der dritten Gruppe, die kein Testprogramm bekam, nur 6%. Konsequenz: Aus- und Fortbildung ist gut, die (zusätzliche) Vermittlung von Selbstvertrauen besser. Quelle: Trendletter 8/2002, S. 8
 
 
12) Elektronische Waffe mit Sicherheitscode
Die australische Firma Metal Storm hat eine Pistole entwickelt, die weniger Mechanik, höhere Schussleistung und Aktivierung durch einen Sicherheitscode hat. Die Patronen sind hintereinander im Lauf angebracht und werden durch einen elektronischen Impuls gezündet. Video unter www.metalstorm.com/04_videos/videos.html
 
 
13) Bundesstandards für die Schweizer Polizeiausbildung
Ein Drittel der 15.000 Schweizer Polizeibeamten sind Spezialisten mit hochrangiger Ausbildung. Die übrigen 10.000 Beamten werden nur auf kantonaler Ebene ausgebildet und haben somit kein Diplom, das im ganzen Land anerkannt wird. Dies ist der Nachteil des Föderalismus, den die Zentralregierung ebenso wie die Kantonspolizeien reformieren wollen. Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie wird dieses neue Diplom genehmigen, ebenso wie schon andere vorher. Dies könnte auch dazu beitragen, die Polizei von den privaten Sicherheitsfirmen, die gewöhnlich weniger qualifiziert sind, abzugrenzen. Darüber hinaus hat die Schweizer Konferenz der Polizei- und Justizkantonaldirektoren eine neue Projektarbeitsgruppe zur Ausarbeitung einer umfassenden Ausbildungspolitik ins Leben gerufen. Da auf Bundesebene neue Kompetenzen im Kampf gegen organisierte und Wirtschaftskriminalität entstanden sind, werden Bundesbehörden in der Arbeitsgruppe vertreten sein. Wie Mitglieder der Arbeitsgruppe betonen, wird das ganze Konzept die Trennung zwischen kantonaler Grundausbildung und lebenslanger und gehobener Weiterbildung auf Bundesebene respektiert werden. Quelle: NZZ, 10.09.2002, p. 16
 
 
14) Neue Juristenausbildung in Deutschland
Am 1.7.2003 wird ein neues Gesetz zur Reform der Juristenausbildung in Deutschland in Kraft treten. Wesentliche Elemente: 30% des 1. Staatsexamens werden an der Uni in einem Schwerpunktfach (z.B. Kriminologie) absolviert (statt wie bisher beim staatlichen Justizprüfungsamt); Schwerpunkt der Ausbildung insgesamt wird weiter in den Anwaltsberuf verlegt; die Studieninhalte sollen auch sog. “Schlüsselqualifikationen” wie Gesprächsführung, Management, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit enthalten. Weitere Infos unter http://www.justiz.nrw.de/jm/rechtspolitik/schwerpunkte/ausbildung/index.html
 
 
15) Dosenwurst und Stempel aus dem Knast
Die JVA Heimsheim hat einen Internet-Shop: Unter http://www.jva-heimsheim.de/shop/index.htm kann man Dosenwurst (schwäbische Spezialitäten) sowie Stempel (auch Unterschriftenstempel) online bestellen. Mehr zu bieten hat da der JVA-Shop Niedersachsen, wo man schon Weihnachtsgeschenke bekommen kann: http://www.jva-shop.niedersachsen.de/produkt.htm