Polizei : Newsletter Nr. 49, Februar 2003                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Wiederverurteilungen jugendlicher Täter innerhalb eines Jahres in Großbritannien
 2)   Neue Online-Beiträge zu Community Policing in den USA und China und zum Lernen und zur Reform an Polizeihochschulen
 3)   Bayerische Polizei testet biometrische Grenzkontrolle mit Gesichtserkennung
 4)   Hoaxes und Connections
 5)   Höchster Prozentsatz von Gewaltopfern unter Teens und jungen Erwachsenen
 6)   Genauigkeit von Täter-Identifizierungen durch Augenzeugen
 7)   Noch einmal: der Einfluss von Polizei-Ausbildung auf Berufsanfänger und Vorgesetzte
 8)   Prävention als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
 9)   „Frankfurter Schule“ im Internet
10)  Neue "Drug Policy Alliance"
11)  Charakteristika von Fahrern, die von der US-Polizei angehalten wurden
12)  Studien zum Zusammenhang von Waffenbesitz und Gewalt
13)  Netzwerk gegen Kinderprostitution
14)  Broschüre „Sicheres Wohnquartier“ veröffentlicht
15)  Gute Führungskräfte zeigen „Resilience“
 
1) Wiederverurteilungen jugendlicher Täter innerhalb eines Jahres in Großbritannien
Um Straftaten weiter zu reduzieren hat das Home Office eine Reihe von Zielen in das Public Service Agreement (PSA) aufgenommen. Ein Ziel verlangt  bis 2004 eine fünf-prozentige Reduzierung der Wiederverurteilungsrate jugendlicher Täter (innerhalb von 12 Monaten nach ihrer letzten Verurteilung). Die vorhergesagte Rate basiert auf der kriminellen Vergangenheit und den Charakteristika der Täter, die in der ersten Hälfte des Jahres 1997 verurteilt oder verwarnt worden sind. Für die erste Jahreshälfte 1997 wurden 11.562 Tätereintragungen entnommen, für die Juli-2000-Kohorte wurde eine Stichprobe von 11.056 Tätern entnommen. Die vorhergesagte Rate, die aus den 1997-Daten hergeleitet wurde, betrug 30,9 Prozent. Die reine Wiederverurteilungsrate für die Juli-2000-Daten betrug 26,4 Prozent. Die Reduzierung der Wiederverurteilungsrate beträgt demnach 14,6 Prozent. Unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Änderung der polizeilichen Registrierungspraxis beträgt die Verbesserung 11 bis 12 Prozent. Quelle: Debbie Jennings (Home Office): One Year Juvenile Reconviction Rates, July 2000 cohort; Research Development and Statistics Directorate, June 2002.
 
 
2) Neue Online-Beiträge zu Community Policing in den USA und China und zum Lernen und zur Reform an Polizeihochschulen
Im Online-Teil des Polizei-Newsletters (s. www.polizei-newsletter.de/...) findet sich ab sofort ein umfangreicher (englischer) Text von Kam C. Wong, Professor of Criminal Justice at the University of Wisconsin (Oshkosh) zum Thema „Community Policing in Comparative context: P.R. China  vs. U.S.A.“ Unter dem Titel: „Wenn Lernen zum Erlebnis wird...“ ist ein Beitrag von Jochen-Thomas Werner, Niedersächsische Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, Fachbereich Polizei, Abt. Hann. Münden eingestellt ( jochen.werner@fh-hann-muenden.polizei.niedersachsen.de). Zusätzlich ist noch ein Beitrag von ihm zur Reform der bereit gestellt: http://www.polizei-newsletter.de/online_dokuments_german.php .
 
 
3) Bayerische Polizei testet biometrische Grenzkontrolle mit Gesichtserkennung
In zwei Pilotprojekten testet die Bayerische Polizei eine automatische Kennzeichenerkennung und  eine automatische Gesichtserkennung. Letztere wurde in die bereits eingesetzten Passlesegeräte integriert. Das von der Firma ZN Vision Technologies in Bochum (www.zn-ag.com ) entwickelte System überprüft die Echtheit der Ausweisdokumente und vergleicht die Live-Aufnahme des Ausweisinhabers mit dessen Bild im Pass, das von dem System dazu eingescannt wird. In Sekundenschnelle teilt das System dem kontrollierenden Beamten mit, ob Live- und Passbild übereinstimmen. Da dieser Gesichtsvergleich gänzlich ohne Speicherung abläuft entspricht er auch nationalen Datenschutzbestimmungen und internationalen Richtlinien zur Passkontrolle. Zusätzlich erstellt ZN derzeit ein Gutachten zum Thema "Leistungsfähigkeit biometrischer Identifikationsverfahren". Der Deutsche Bundestag hat ein Expertenkonsortium mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, das die Möglichkeit zur Ausrüstung deutscher Ausweispapiere mit biometrischen Merkmalen analysieren und bewerten soll. Im März 2003 soll das Gutachten vorgelegt werden. Quelle: Presseinformation, www.zn-ag.com
 
 
4) Hoaxes und Connections
Viren sind ernst zu nehmen, aber nur, wenn sie wirklich ernst sind. Leider tummeln sich im Internet unzählige Falschmeldungen, die immer wieder für Probleme und falsche Reaktionen bei angeblich Betroffenen sorgen. Bevor man Kettenmails mit angeblichen Virenwarnungen an Freunde, Kollegen und Bekannte schickt, lohnt ein Blick in eine Hoax-Liste, wie sie zum Beispiel die Technische Universität Berlin unterhält. Hier kann man sich und anderen manchen Schock ersparen. Außerdem unterhält die Homepage ein „Extra-Blatt“ zum Thema „Nigeria-Connection“. Hierbei bitten angeblich Verfolgte oder Hinterbliebene um Übermittlung von Kontodaten des Mail-Empfängers, um Millionbeträge auf dessen Konto zu „parken“. Die Links: http://www.tu-berlin.de/www/software/hoaxlist.shtml, http://www.tu-berlin.de/www/software/hoax/419subjects.shtml Auch Norton und andere Viren-Software-Vertreiber halten solche Informationen auch für Nicht-Abonnenten der eigenen Software bereit; http://www.symantec.com/avcenter/ .
 
 
5) Höchster Prozentsatz von Gewaltopfern unter Teens und jungen Erwachsenen
"Age Patterns in Violent Victimization, 1976-2000" (2 pp.) (NCJ 190104) untersucht Daten des National Crime Victimization Survey (NCVS) und der FBI Supplementary Homicide Reports über Alterstrends bei Gewaltverbrechen in den USA. Den kompletten Text gibt es unter : http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/abstract/apvv00.tm. Eine andere  Studie belegt einen starken Zusammenhang zwischen Opfererfahrungen und Gewalttätigkeit und anderem Problemverhalten. Bei Frauen führte Viktimisierung eher zu Depressionen, bei Männern zu Gewalttätigkeit. Quelle: McGee, Z.T., S.R. Baker: Impact of violence on problem behaviour among adolescents. In: Journal of Contemporary Criminal Justice, 18, 1, 2002, p. 74-93
 
 
6) Genauigkeit von Täter-Identifizierungen durch Augenzeugen
Eine empirische Studie belegte, dass die Identifizierung von Tätern bei Gegenüberstellungen besser bei gleichzeitigen als bei aufeinander folgenden Gegenüberstellungen gelingt. Der Anteil an korrekten Ablehnungen war jedoch bei aufeinander folgenden Aufstellungen höher als bei gleichzeitigen. Quelle: Steblay, N., J. Dysart, S. Fulero et al.: Eyewitness accuracy rates in sequential and simultaneous lineup presentations: A meta-analytic comparison. In: Law and Human Behavior 25, 5, 2001, p. 459-473
 
 
7) Noch einmal: der Einfluss von Polizei-Ausbildung auf Berufsanfänger und Vorgesetzte
Eine empirische Studie belegte (erneut), dass die polizeiliche Hochschulausbildung eine positive Wirkung auf die Einstellungen von Polizeistudenten hatte, allerdings nicht langfristig. Der Einfluss verlor sich, wenn die Studenten ihren jeweiligen Dienststellen zugewiesen wurden. Tatsächlich hatte die praktische Ausbildung negative Auswirkungen auf die Einstellung der Studenten gegenüber bürgernaher Polizeiarbeit (community policing). Die Einstellungen vor der Hochschulausbildung und der Einfluss der Polizeidienststelle formten die Einstellungen und Überzeugungen der jungen Polizisten viel stärker als die formelle Hochschul- oder Praxisausbildung. Quelle: Haarr, R. N.: The making of a community policing officer: The impact of basic training and occupational socialisation on police recruits. In: Police Quarterly 4, 4, 2001, p. 402-433. Im Gegensatz zu diesem Ergebnis zeigte eine andere Studie, dass die Hochschulausbildung eine positive Auswirkung auf Polizeiführungskräfte hat: die besten Verhaltens- und Führungsbeurteilungen erhielten die gut ausgebildeten und auf Führungsaufgaben vorbereiteten Chefs. Schlecht beurteilten Vorgesetzten fehlte die gute Ausbildung. Quelle: : Police Quarterly 4, 4, 2001, p. 469-483.
 
 
8) Prävention als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
In Frankfurt/Main werden in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme „Präventionshelfer“ ausgebildet, die im öffentlichen Raum augenscheinliche Gefahren erkennen und per Diensthandy weitervermitteln sollen. Erste Hilfe zu leisten und Auskunft über Beratungsstellen zu geben gehört ebenfalls zu ihrer Aufgabe. Das Projekt ist somit ein Beitrag zu mehr Sicherheit in den Städten und bietet Langzeitarbeitslosen neue Berufsperspektiven. Quelle: Forum Kriminalprävention 4/2002
 
 
9) „Frankfurter Schule“ im Internet
Auf der Homepage der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt wurde die Beschreibung der Archive der Frankfurter Schule überarbeitet, mit Bildern versehen und um Informationen zu Leben und Werk der Angehörigen der Frankfurter Schule ergänzt. Eine Übersicht finden Sie unter http://www.stub.uni-frankfurt.de/archiv.htm
 
 
10) Neue "Drug Policy Alliance"
The Lindesmith Center und die Drug Policy Foundation haben sich mit dem Ziel zusammengeschlossen, eine nationale Reformbewegung der Drogenpolitik aufzubauen. Der neue Name lautet: "Drug Policy Alliance". Dies ist die führende nationale Organisation, die sich für das Ende des Kriegs gegen Drogen und zur Förderung einer neuen Drogenpolitik auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes, der Wissenschaft, der öffentlichen Gesundheit und der Menschenrechte, einsetzt. www.drugpolicy.org.
 
 
11) Charakteristika von Fahrern, die von der US-Polizei angehalten wurden
Diese Studie legt Daten über die Art und Charakteristika von Verkehrskontrollen vor, wie sie im Police-Public Contact Survey (Überblick über Kontakte zwischen Polizei und Bürgern) von 1999 gesammelt wurden. Tabellen zeigen detaillierte demographische Besonderheiten der 19,3 Mio Fahrern, die 1999 von der Polizei angehalten wurden. Fahrer, die innerhalb von 12 Monaten einmal, zwei- oder mehrmals angehalten wurden, werden nach den Kategorien Geschlecht, Alter und ethnischer Zugehörigkeit verglichen. Der Report untersucht auch Reaktionen der Fahrer, Geschwindigkeit, Fahndungen, Arrest und den Einsatz von Gewalt.   http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/abstract/cdsp99.htm
 
 
12) Studien zum Zusammenhang von Waffenbesitz und Gewalt
Erneut konnte in einer empirischen Studie nachgewiesen werden, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Waffen und Waffenbesitz und Gewaltstraftaten gibt. Allerdings ist der Zusammenhang komplexer als angenommen. So werden zwar bei Raubüberfällen, bei denen Schusswaffen eingesetzt werden, weniger oft Menschen verletzt als wenn andere Waffen im Spiel sind; der Besitz von Schusswaffen generell führt aber zu schwereren Verletzungen und häufigeren Todesfällen, weil dadurch die physische und psychische Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt gesenkt wird. Quelle: W. Wells, J. Horney: Weapon Effects and Individual Intent to do Harm: Influences on the Escalation of Violence. In: Criminology 40, 2, 2002, S. 265-296. Mit dem gleichen Thema beschäftigt sich auch ein Beitrag von M. Killias und H. Haas anhand einer Studie mit 21.314 Schweizer Rekruten: Waffen – Wie viele haben sie, wie gefährlich sind sie? In: Crimiscope 16+17, 2001
 
 
13) Netzwerk gegen Kinderprostitution
Ecpat (End Child Prostitution, Child Pornography and the Trafficking of Children for sexual purposes) ist ein weltweites Netzwerk von 450 Organisationen (darunter 28 in Deutschland), das seit 1990 besteht und seinen Hauptsitz in Bangkok hat. Ecpat versteht sich als Kinderrechtsorganisation, die hauptsächlich Lobbyarbeit leistet. Ein ausführliches Interview mit der Geschäftsführerin von Ecpat Deutschland ist in der taz (http://www.taz.de/pt/2002/08/17/a0190.nf/text ) vom 17./18. August 2002, S. 16 f. abgedruckt. Website: www.ecpat.de
 
 
14) Broschüre „Sicheres Wohnquartier“ veröffentlicht
Eine informative und gut gestaltete Broschüre zum Thema „Sicheres Wohnquartier“ hat das Niedersächsische Innenministerium veröffentlicht. Die Broschüre kann kostenlos angefordert werden unter: Niedersächsisches Innenministerium, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Lavesallee 6, 30169 Hannover, pressestelle@mi.niedersachsen.de
 
 
15) Gute Führungskräfte zeigen „Resilience“
„Resilience“ heißt hier soviel wie Widerstandsfähigkeit. Gute Führungskräfte akzeptieren demnach die Realität so, wie sie ist (= nüchternes Einschätzen der Lage, unbeirrt handeln); sie finden den Sinn ihres Tuns in dem  übergeordneten Nutzen, den sie erreichen wollen und sie haben die Fähigkeit zu improvisieren. Quelle: Trendletter 8/2002, S. 5 www.trendletter.de