Polizei : Newsletter Nr. 53, Juni 2003
 1)   Evaluation des elektronisch überwachten Hausarrestes („curfew orders“) in Großbritannien
 2)   Opferwerden in den USA – neue statistische Daten
 3)   Überwachung als Schwerpunktthema
 4)   Thema Jugendgewalt
 5)   COPS-Programm in den USA und die Auswirkungen auf die Kriminalität
 6)   Kriminalprävention durch Gestaltung des öffentlichen Raumes: CPTED
 7)   Policing 2020 – ein Projekt aus England
 8)   Suche von pharmazeutischen Referenzsubstanzen
 9)   EU-Mittel für Projekte
10)  Zusammenhänge zwischen Rasur und Herzinfarkt
11)  Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalität in der Schweiz – Ergebnisse eines Nationalen Forschungsprogramms
12)  Adventure-Tours für Reiche
13)  Jahresbericht Jugendkriminalität in NRW im Internet
14)  Aktenfinder-Automatik
15)  Aufsatz zum "Netzwerk innere Sicherheit"
 
1) Evaluation des elektronisch überwachten Hausarrestes („curfew orders“) in Großbritannien
Eine Studie des britischen Home Office untersucht die Auswirkungen der Verurteilung zum elektronisch überwachten Hausarrest. Zwischen dem 01.12.1999 und dem 31.12.2000 wurde diese neue Strafe in Großbritannien in 4.600 Fällen verhängt. Dies entspricht einem Prozent aller Verurteilungen in dieser Zeit. Die Verurteilungen betrafen hauptsächlich Diebstahlsdelikte und Fahren ohne Führerschein. Die durchschnittliche Länge des Ausgehverbotes betrug 98 Tage. Pro Verurteiltem wurden im Durchschnitt 275 Pfund im Vergleich zu einer „normal“ verurteilten Gruppe eingespart - insgesamt konnten somit 1,2 Millionen Pfund eingespart werden. In der Untersuchung wurden die Bediensteten der Strafbehörden, die mit der Überwachung Beauftragten sowie die Verurteilten selbst und ihre Familien zu ihren Erfahrungen mit dem neuen System befragt. Als pdf-Dokument unter: http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs2/rdsolr1502.pdf verfügbar.
 
 
2) Opferwerden in den USA – neue statistische Daten
Unter http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/abstract/cvusst.htm stehen insgesamt 110 Tabellen mit detaillierten Daten zur Viktimisierung in den USA zur Verfügung, die anhand des jährlichen National Crime Victimization Survey (NCVS) erhoben wurden. Erstmals sind auch Signifikanzberechnungen enthalten.
 
 
3) Überwachung als Schwerpunktthema
Unter dem Titel „work“ beschäftigt sich eine Ausgabe der Zeitschrift „Surveillance & Society“ mit dem Zusammenhang von Überwachung und Arbeit. Dabei sind die Texte  nach zwei unterschiedlichen Schwerpunkten ausgerichtet: die „Überwachung von Arbeit“ und „Überwachung als Arbeit“. Beides hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen. So befasst sich z.B. ein Beitrag mit der Überwachung öffentlicher Plätze und deren Auswirkungen auf die Polizeiarbeit. http://www.surveillance-and-society.org/journalv1i2.htm
 
 
4) Thema Jugendgewalt
Mit aktuellen Aspekten von Jugendkriminalität und Jugendgewalt beschäftigen sich gleich mehrere Beiträge in der von der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg herausgegebenen Zeitschrift „Der Bürger im Staat“ (Heft 1, 2003). Alle Beiträge sind im Internet verfügbar unter: http://www.lpb.bwue.de/aktuell/bis/1_03/sicher_krimi.htm. Die Beiträge behandeln  folgenden Themen: zur Kriminalitätsentwicklung allgemein (Hans-Jürgen Kerner), Kriminalitätsfurcht (Helmut Kury, Joachim Obergfell-Fuchs), Kinder- und Jugenddelinquenz (Werner Maschke), Häusliche Gewalt (Michael Bock), Gewalt in der Schule (Thomas Feltes), sexuelle Gewalt (Rudolf Egg), Kriminalität von Migranten (Kerstin Reich), politisch motivierte Kriminalität (Roland Eckert), Geschlecht und Kriminalität (Gabriele Schmölzer), Städtebau und Kriminalität (Edwin Kube) sowie Kommunale Kriminalprävention (Dieter Hermann, Christian Laue).
 
 
5) COPS-Programm in den USA und die Auswirkungen auf die Kriminalität
In den letzten acht Jahren wurden über das sog. „COPS“-Programm (Community Oriented Police Services) insgesamt sieben Milliarden US$ an Strafverfolgungsbehörden vergeben, um entsprechende Projekte der bürgernahen Polizeiarbeit zu finanzieren. Eine neuere Studie fand nun heraus, dass dieses Programm zu einer signifikanten Reduktion der Kriminalitätsraten in Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern geführt hat – und zwar sowohl bei Eigentums-, als auch bei Gewalttaten. In diesen Städten – so hat der Bericht berechnet – wurden mit einem US-Dollar pro Einwohner, der zur Neuanstellung von Polizeibeamten verwendet wurde, die Straftaten in dieser Gemeinde um 5,26 Gewalttaten und 21,63 Eigentumstaten auf 100.000 Einwohner reduziert. Noch erfolgreicher war dieser Studie zufolge allerdings die Finanzierung von Projekten (und nicht von Personalstellen): Hier wurde ein Rückgang um 12,93 Gewalttaten und 45,53 Eigentumsdelikte erzielt. Allerdings hat das COPS-Programm diesen Angaben zufolge keine Veränderungen in Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern erzielt. Quelle: Jihong “Solomon” Zhao, Matthew C. Schneider, Quint Thurman: Funding Community Policing to Reduce Crime: Have COPS Grants made a Difference? In: Criminology and Public Policy, 2, 1, 2002, p. 7-32
 
 
6) Kriminalprävention durch Gestaltung des öffentlichen Raumes: CPTED
Grundlage des Kriminalpräventionskonzeptes CPETD (Crime Prevention Through Environemental Design) ist die Erkenntnis der Sozialpsychologie, wonach ein direkter Zusammenhang zwischen Raumgestaltung und menschlichem Verhalten bzw. menschlicher Wahrnehmung besteht. Dementsprechend kann die Gestaltung - und damit die Nutzung – des öffentliche Raumes einerseits zu einer Reduktion devianten Verhaltens, andererseits zu erwünschten Verhaltensweisen im öffentlichen Raum führen, mit dem positiven Nebeneffekt, dass Konflikte vermieden und die Furcht vor Kriminalität gesenkt werden. Aufgrund zahlreicher Kriminalpräventionsprojekten, die z.B. in England, den Niederlanden und in Italien auf der Basis von CPTED-Prinzipien durchgeführt wurden, zeigt sich, dass für einen Erfolg dieser Projekte zumindest drei Disziplinen durch intensive Zusammenarbeit verknüpft werden müssen: Stadtplanung, Kriminologie und Polizeiarbeit. Besonders erfolgreich erweisen sich diejenigen Initiativen, die sich aktiv mit den Sicherheitsproblemen der Bevölkerung auseinander setzen. Quelle: Neue Kriminalpolitik 2002, Heft 4, S. 123 – 126
 
 
7) Policing 2020 – ein Projekt aus England
Das “Tomorrow Projekt“ ist ein Forschungsprojekt, das sich mit den Vorlieben der Briten in den nexten 20 Jahren beschäftigt. www.tomorrowproject.net In diesem Zusammenhang wurde im April 2001 ein Seminar veranstaltet, das sich speziell mit dem Thema “Polizei 2020” beschäftigt hat. Eine jüngst veröffentlichte Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und versucht, die Zukunft von Polizei und Polizeiarbeit zu analysieren. Quelle: Source: Michael Moynagh, Richard Worsley, Policing 2020. In: Police Research and Management 5, 4, 2003, p. 1-14
 
 
8) Suche von pharmazeutischen Referenzsubstanzen
Die Fa. Promochem in Wesel stellt auf Ihrer Homepage www.lgcpromochem.com die Möglichkeit bereit, pharmazeutische Referenzmaterialien (derzeit über 11.000) , Referenzsubstanzen sowie Biomaterialien zu suchen.
 
 
9) EU-Mittel für Projekte
Das EU-Rahmenprogramm für die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (AGIS) stellt sein Jahresarbeitsprogramm und eine Aufforderung zur Antragstellung im Internet bereit:

 http://www.ec-network.net/deutsch/programme/A28.htm; Antragsformulare unter http://europa.eu.int/comm/justice_home/jai/prog_de.htm
 
 
10) Zusammenhänge zwischen Rasur und Herzinfarkt
Männer, die sich selten oder unregelmäßig rasieren, bekommen eher einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall als andere. Dies hat eine Studie der Universität Bristol (England) gezeigt. Danach ist das Risiko, einen tödlichen Herzinfarkt zu erleiden, für diese Gruppe um 30% höher, das Risiko für einen Schlaganfall sogar um 70% höher. Als Ursachen dafür werden soziale, aber auch hormonelle Faktoren genannt. Auch ansonsten fanden sich Unterschiede: Männer, die sich täglich rasieren, rauchen weniger, sind weniger oft verheiratet und haben seltener einen Orgasmus. Quelle: S. Ebrahim u.a., Shaving, Coronary Heart Disease, and Stroke. In: American Journal of Epidemiology 157, 2003, S. 234-238; ; http://www.bris.ac.uk/Depts/Info-Office/news/archive/shaving.htm  bzw. http://aje.oupjournals.org/cgi/content/abstract/157/3/234?etoc
 
 
11) Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalität in der Schweiz – Ergebnisse eines Nationalen Forschungsprogramms
Während sechs Jahren haben rund 90 Forscher in 30 Forschungsprojekten des Schweizer Nationalen Forschungsprogramms die beiden auf den ersten Blick so gegensätzlichen Phänomene „Gewalt im Alltag“ und „Organisierte Kriminalität“ untersucht. Es ist ihnen dabei gelungen, ungewohnte Fragestellungen zu bearbeiten und teilweise auch unerwartete Ergebnisse zu produzieren. So bestätigen die Studien nach eigenen Angaben, dass organisierte Kriminalität für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft derzeit keine unmittelbare Bedrohung darstellt. Die wichtigsten Ergebnisse sind ebenso wie eine Darstellung des Forschungsprozesses in Buchform veröffentlicht worden: Mark Pieth u.a., Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalität, Haupt-Verlag Bern (www.haupt.ch ), € 24,90. Teilweise sind Projektergebnisse auch im Internet unter http://www.nfp40.ch verfügbar.
 
 
12) Adventure-Tours für Reiche
Für knapp 4.000 US-Dollar kann man drei Tage in der Wüste Arizonas James Bond spielen (die Kursleiter haben früher in US-Spezialeinheiten gedient) www.incredible-adventures.com oder für etwas weniger Geld in einem russischen Gulag absteigen – Essen aus der Zeit des Kalten Krieges inklusive. Auch den Häuserkampf kann man über – ein Video dazu findet sich unter http://www.incredible-adventures.com/urban-ops1.html . Quelle: Trendletter 3/2003.
 
 
13) Jahresbericht Jugendkriminalität in NRW im Internet
Unter www.lka.nrw.de/aktuelles/lagebilder ist der Jahresbericht zu „Jugendkriminalität und Jugendgefährdung in NRW 2001“ eingestellt.
 
 
14) Aktenfinder-Automatik
Nach dem Prinzip des „Schlüssel-Finders“, der sich meldet, wenn man nach ihm pfeift, funktioniert eine neue Akten-Verwaltung: Jede Akte wird mit einem Sender-Empfänger-Chip beklebt und ein Signal aus einer zentralen Antenne ermittelt jederzeit, wo sich die Akte befindet und zeigt den Ort auf einem Raumplan an. Das System kostet € 800.- pro PC: www.thax.de.
 
 
15) Aufsatz zum "Netzwerk innere Sicherheit"
Der Autor ist Professor an der niedersächsischen Polizei-Fachhochschule. Er legt in dem Beitrag dar, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um ein solches Netzwerk aufzubauen. Er beschreibt das "Netzwerk innere Sicherheit" als eine virtuelle Konstruktion, die von unterschiedlichen sozialen Ordnungsagenturen getragen wird. Um ein solches Netzwerk überhaupt aus der Taufe heben zu können, bedarf es einer vorherigen Erfahrungssicherung (Sicherung bereits erworbenen Know-hows) und eines speziellen Wissenstransfers. Der Beitrag thematisiert sowohl die Konstruktion selber, als auch die dafür notwendige personelle Fortbildung. Jochen-Thomas Werner, Netzwerk Innere Sicherheit, Online-Beitrag unter www.polizei-newsletter.de/pdfWerner Netzwerk innere Sicherheit.pdf