Polizei : Newsletter Nr. 62, März 2004
 1)   Computerspiele und Gewaltdelikte
 2)   (K)ein Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kriminalität
 3)   Gewaltprävention in der Grundschule
 4)   Kriterien für die Bewertung von Polizeiarbeit
 5)   Online-Journal „Police Studies“
 6)   Der Einfluss von DTTOs (Drug Treatment and Testing Orders)
 7)   England verstärkt die Polizei
 8)   Neue Rechte/Rechtsextremismus
 9)   Schweizer Polizei-Institut
10)  Neue Abwehrwaffe aus den USA
11)  REITOX-Drogen-Bericht für Deutschland
12)  Sicherheit 2003 – Befragung in der Schweiz
13)  Cyberstalking – ein neues Schlagwort
14)  Online-Handbuch Verfassungsschutz
15)  Tagungsankündigung Empirische Polizeiforschung VI: „Innen- und Außensicht(en) der Polizei“; Frankfurt am Main, 8.–10. Juli 2004
 
1) Computerspiele und Gewaltdelikte
Gegenstand des Beitrags ist die Frage nach dem Zusammenhang zwischen genrespezifischen Computerspielkonsum, Filmkonsum, familiären Erziehungserfahrungen und der Gewaltdelinquenz im Jugendalter. Datenbasis bilden 436 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren. Anhand von multiplen Regressionsanalysen ist festzustellen, dass dem Computerspielkonsum bei Körperverletzungen ohne Waffen eine Bedeutung zukommt. Für die gesamte Gewaltdelinquenz bestehen die stärksten Zusammenhänge jedoch mit innerfamiliären Gewalterfahrungen sowie dem Sehen von Horror- und Kriegsfilmen. Raithel, Jürgen, Medien, Familie und Gewalt im Jugendalter. Zum Zusammenhang von Gewaltkriminalität, Erziehungserfahrungen, Filmkonsum und Computerspielnutzung In: Monatsschrift für Kriminologie 4, 86, 2003, S.287-298 (abstract von der website der Monatsschrift:  www.iuscrim.mpg.de/verlag/krim/kzs/monatsschrift.html )
 
 
2) (K)ein Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kriminalität
Der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Kriminalität bei Frauen gibt, geht eine Studie nach, in die fast 6.000 Einzelfälle einbezogen waren. Im Ergebnis stellen die Autoren fest, dass im Gegensatz zu früheren empirischen Ergebnissen, wonach es bei Männern einen solchen Zusammenhang nicht gibt, dieser bei Frauen nachweisbar ist. Daneben sind aber auch andere Faktoren wie Missbrauch in der Kindheit sowie die familiäre und schulische Entwicklung von Bedeutung. Quelle: D.J. Hubbard, T.C. Pratt, A meta-analysis of the predictors of delinquency among girls. In: Journal of Offender Rehabilitation 34, 3, 2003, S. 1-13.
 
 
3) Gewaltprävention in der Grundschule
Die Polizei Schleswig-Holstein hat zwei Faltblätter zur Gewaltprävention in Grundschulen und für Klasse 6-8 bereit gestellt: http://www.polizei.schleswig-holstein.de/download/faltblatt_pit2.pdf bzw. http://www.polizei.schleswig-holstein.de/download/faltblatt_pit1.pdf
 
 
4) Kriterien für die Bewertung von Polizeiarbeit
Insgesamt sechs Kriterien spielen bei der Bewertung der Polizei durch die Bürger eine Rolle: Effektivität, Verfügbarkeit, lokale Orientierung und Verbundenheit, Vorgehensweisen und Verhalten der Polizeibeamten vor Ort sowie Tradition. Quelle: M.S. de Vries, Legitimacy and public-sector quality: How citizens judge the quality of the police. In: Police Journal 75, 4, 2003, S. 301-321.
 
 
5) Online-Journal „Police Studies“
Police Command Studies International ist eine exklusive elektronische Zeitung zur Förderung der beruflichen Weiterbildung von Polizeikräften weltweit. Sie vermittelt aktuellste Denkansätze im Bereich technischer Forschung und Management, praktische Lösungen für Probleme im Polizeieinsatz und Besprechungen neuer Ausrüstungen. Weitere Inhalte sind aktuelle Ereignisse, internationale Konferenzen, Seminare und Veröffentlichungen. Die Online-Zeitung wird der Nachfrage entsprechend in verschiedenen Sprachen (derzeit Englisch, Deutch, Schwedisch, Russisch und Spanisch) veröffentlicht. http://www.police-studies.com
 
 
6) Der Einfluss von DTTOs (Drug Treatment and Testing Orders)
In einer Studie wurden die Wiederverurteilungsraten von drogenabhängigen Straftätern in Croyden, Gloucestershire und Liverpool zwei Jahre nach Beginn der DTTOs untersucht. Diejenigen Straftäter, die die DTTOs vollständig erfüllten, wiesen eine beachtenswerte Reduktion ihrer Verurteilungen auf. Weitere Informationen sind unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/whatsnew1.html (Findings 184) zu finden.
 
 
7) England verstärkt die Polizei
Im zweiten Jahr in folge wurde in England und Wales die Anzahl der Polizeibeamten erhöht. Nachdem bereits 2002 fast 4.000 mehr Polizeibeamte im Einsatz waren, sind es 2003 nochmals 3.800 (oder 3%) mehr. Allerdings waren im Jahr 2000 auch fast 2.000 weniger Polizisten verfügbar als im Jahr zuvor. Insgesamt knapp 3% (bzw. Fast 4.000 Beamte) gehören ethnischen Minderheiten an. Quelle: Home Office Statistical Bulletin 11/03 - Police Service Strength England and Wales, 31 March 2003,
http://www.homeoffice.gov.uk/rds/whatsnew1.html
 
 
8) Neue Rechte/Rechtsextremismus
Der Verfassungsschutz NRW hat zum Thema Neue Rechte unter dem Titel „Die Kultur als Machtfrage. Die Neue Rechte in Deutschland“ eine Studie veröffentlicht. Sie ist im Internet unter www.im.nrw.de/sch/doks/vs/neurech.pdf abgelegt und kann als Broschüre unter folgender Adresse bestellt werden: Innenministerium Nordrhein-Westfalen, Abteilung Verfassungsschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 103013, 40021 Düsseldorf, Fax: 0211/871-16-1190, e-mail: Bestellung.Verfassungsschutz@im.nrw.de

Vom 27. – 29.8.2003 fand am Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) das Symposium "Rechtsextremismusforschung – aktuelle Tendenzen empirischer Untersuchungen" statt. Ziel der Veranstaltung war es, eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungsarbeiten vorzunehmen und einen Rahmen für die Diskussion dieser Forschungsergebnisse und ihrer Thesen anzubieten. Ein Tagungsbericht von Janina Söhn unter dem Titel „Rechtsextremismusforschung – aktuelle Tendenzen empirischer Untersuchungen“ findet sich im Forum Qualitative Sozialforschung 5(1). Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-04/1-04tagung-soehn-d.htm
 
 
9) Schweizer Polizei-Institut
Das Schweizerische Polizei-Institut SPI ist eine private Stiftung mit Sitz in Neuenburg, getragen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Es betreibt die nationale Ausbildungsstätte für die Schweizer Polizei und hat jetzt auch eine eigene web-Präsenz: www.institut-police.ch
 
 
10) Neue Abwehrwaffe aus den USA
Unter dem Produktnamen „Myotron“ vertreibt die US-Firma Arianne eine neuartige Selbstverteidigungswaffe, die, so die Bewerbung im Internet, auf einer völlig neuartigen Technologie beruht. Nur halb so groß wie ein herkömmlicher Elektroschocker und quasi wartungsfrei zielt der Wellengenerator auf die Steuerung der willkürlichen Muskelfunktionen des Angreifers. Innerhalb einer Millisekunde sei der Gegner kampfunfähig, denn die vom „Myotron“ ausgesendeten Wellen erzeugen eine Funktionsstörung der Synapsen im Gehirn und blockieren so die Aggression und Bewegung des Angreifers. Dieser erholt sich von der Abwehrmaßnahme angeblich innerhalb einer Stunde, vollkommen ohne Folgeschäden. Die Anwendung kann weder Verletzungen verursachen noch tödlich sein. Es muss jedoch Berührungskontakt zum Gegner bestehen, bis zu fünf Zentimeter Kleidung werden von den Wellen durchdrungen. Alle Infos auf den Seiten der Herstellerfirma unter: http://www.myotron.net/full_page_ad.htm
 
 
11) REITOX-Drogen-Bericht für Deutschland
e/Download/REITOX_D2003_D_finb.pdf.'
 
 
12) Sicherheit 2003 – Befragung in der Schweiz
Eine umfangreiche Studie zur Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitische Meinungsbildung in der Schweiz ist von der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik an der ETH Zürich veröffentlicht worden. Dabei geht es um das Sicherheitsgefühl der Schweizer Bürger, aber auch um deren Einstellung zur NATO und zur Schweizer Neutralität. Die Studie wird seit 1999 jährlich durchgeführt. Die aktuelle Version ist verfügbar unter http://www.fsk.ethz.ch/documents/Sicherheit/si03/03_con.htm
 
 
13) Cyberstalking – ein neues Schlagwort
Nachdem „Stalking“ innerhalb kurzer Zeit auch in Deutschland bekannt geworden ist, beschäftigt man sich nunmehr mit „Cyberstalking“. Ein erster Bericht des Justizministeriums stammt bereits von 1999. Er beschäftigt sich mit der Art und dem Umfang von Cyberstalking: www.usdoj.gov/criminal/cybercrime/cyberstalking.htm . Das Thema wird auch von den „Cyberangels“ aufgegriffen; deutsche website http://www.cyberangels.org/international/de  (Englisch, Französisch und Spanisch ebenfalls verfügbar über diese Seite).
 
 
14) Online-Handbuch Verfassungsschutz
Was steckt hinter Al Qaida? Was sind national befreite Zonen? Was Internet-Nutzer schon immer vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen wissen wollten, können sie jetzt unter www.im.nrw.de/verfassungsschutz einfach und schnell erfahren. „Unsere Demokratie lebt von informierten Bürgerinnen und Bürgern“, sagte Innenminister Dr. Fritz Behrens heute in Düsseldorf. „Unser neues Online-Handbuch erklärt den Menschen, wie und woran der Verfassungsschutz arbeitet.“ Dafür bietet das Internet die besten Voraussetzungen: Es ist kostengünstig und aktuell. Von Autonom bis Ausländerfeindlichkeit, von NPD bis Milli Görus, von Marxismus bis Scharia – das Online-Handbuch erläutert gut 200 Stichworte zum gesamten politischen Extremismus und zur Spionageabwehr.
 
 
15) Tagungsankündigung Empirische Polizeiforschung VI: „Innen- und Außensicht(en) der Polizei“; Frankfurt am Main, 8.–10. Juli 2004
Die Institution Polizei schneidet bei Bevölkerungsumfragen zum „Vertrauen in Institutionen“ immer sehr gut ab und nimmt nach dem Bundesverfassungsgericht meist den zweiten Platz ein. Gleichzeitig gibt es den national und international stabilen Befund, dass Polizeibeamte glauben, Bürger brächten ihnen relativ wenig Vertrauen entgegen. Die öffentliche Wertschätzung verliert sich also auf ihrem Weg bis zum einzelnen Polizisten. Ausgehend von dieser Kluft sollen in der sechsten Tagung „Empirische Polizeiforschung“ die Selbstwahrnehmung der Polizei(beamten) mit deren Fremdwahrnehmung kombiniert werden. Wie sieht die Polizei sich selbst, wie möchte sie gesehen werden und wie wird sie von der Bevölkerung wahrgenommen? Vorschlägen für Beiträge und Teilnahmewünsche an Hermann Groß, Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden, Fachbereich Polizei,  hermann.gross@vfh-hessen.de