Polizei : Newsletter Nr. 65, Juni 2004                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Versicherungsbetrug: Kundenzufriedenheit schützt 
 2)   Die Rolle von Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Kriminalprävention
 3)   Volltextserver der Virtuellen Fachbibliothek Psychologie
 4)   Literatur- und Rechtsprechungssammlung zum Polizeirecht u.a.
 5)   Längsschnittstudie zu Sozialverhalten und Alkoholgenuss von Polizeistudenten
 6)   Straßenbeleuchtung, Kriminalität und Angst vor Kriminalität
 7)   Drogenkonsum und Einflussfaktoren in Großbritannien
 8)   Medien und Kriminalität
 9)   Evaluation des Pathfinder-Projects
10)  Drittmittel-Anträge und ihre Beurteilung
11)  Jahresbericht 2003 der Kommission Polizeiliche Kriminalpräven­tion
12)  Verbesserter Internet-Service des Crime Reduction Center
13)  Polizeigewalt im internationalen Vergleich – Materialien der Bochumer Tagung im Internet
 
1) Versicherungsbetrug: Kundenzufriedenheit schützt 
Der deutschen Versicherungswirtschaft entsteht jährlich ein geschätzter Schaden von rund 4 Milliarden Euro durch Versicherungsbetrug. Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) von letztem Jahr ist die Anzahl der Schäden leicht rückläufig. In den Versicherungsunternehmen ist eine Tendenz vom Volkssport "Versicherungsbetrug" hin zum organisierten, gewerbsmäßigen Betrug spürbar. Damit nimmt der Anteil an Betrugshandlungen zwar ab, jedoch verursachen die organisierten Betrügerbanden einen ungleich höheren Schaden. Festgestellt werden konnte, dass die Neigung zum Versicherungsbetrug im direkten Zusammenhang mit der Kundenzufriedenheit und der Bindung an ein Unternehmen steht. Je größer die Unzufriedenheit, desto größer die Bereitschaft, einen Schaden vorzutäuschen oder einen tatsächlichen Schaden auszunutzen, um die Schadensumme zu erhöhen. So war bei der Hausratversicherung die Unzufriedenheit bei den "Betrügern" neunmal höher als bei den "Nicht Betrügern". In der Privaten Haftpflichtversicherung war das Verhältnis 4 zu 1. http://www.gdv.de/presseservice/21731.htm
 
 
2) Die Rolle von Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Kriminalprävention
In ihrer Studie untersuchten S. D. Johnson und K. J. Bowers den Einfluss von Werbemaßnahmen auf die Kriminalitätsreduzierung, insbesondere in Bezug auf Einbruchsdiebstahl. Benutzte Medien waren u.a. Zeitungsartikel, Prospekte, Fernsehauftritte. Ergebnisse waren u.a. ein klarer Zusammenhang zwischen Zeit und Intensität der Werbemaßnahmen und der Reduzierung der Einbruchsdiebstähle; Verringerung der Einbruchsdiebstähle durch das Veröffentlichen von Präventionsaktivitäten. Weitere Details sind unter

http://www.homeoffice.gov.uk/rds/whatsnew1.html ·  Home Office Research Study 272 - The role of publicity in crime prevention: findings from the Reducing Burglary Initiative (12.12.03)·  Findings 213 - Reducing Burglary Initiative: the role of publicity in crime prevention (12.12.03 zu finden.
 
 
3) Volltextserver der Virtuellen Fachbibliothek Psychologie
PsyDok, der Volltextserver der Virtuellen Fachbibliothek Psychologie, dient der Archivierung wissenschaftlicher Literatur aus dem Fach Psychologie.
PsyDok ist ein kostenloser Service und ein Gemeinschaftsprojekt des Sondersammelgebietes Psychologie an der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) http://www.sulb.uni-saarland.de/ und des Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) http://www.zpid.de . Ziel ist die Verbesserung des Informationsangebotes und -nachweises der Online-Publikationen im Fach Psychologie.  Flyer und Poster können heruntergeladen werden.
 
 
4) Literatur- und Rechtsprechungssammlung zum Polizeirecht u.a.
Clemens Arzt, Professor an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in  Berlin für Staats- und Verwaltungsrecht mit dem Schwerpunkt Polizei- und Ordnungsrecht, hat unter www.security-service.com/Frame-Uebersicht-Fund.html Rechtsprechungsübersichten, Klausuren mit Musterlösungen u.a.m. zu den Bereichen Polizeirecht, Strafprozessrecht und Versammlungsrecht bereit gestellt. Die Materialien sind auf der kommerziellen Homepage von “Security-Service“ eingestellt, die u.a. die Zeitschrift „Polizei-heute“ herausgeben. Die Materialien dort sind frei zugänglich (als pdf-Datei), einige wenige (z.B. Folien) auf der persönlichen website von Arzt http://www.fhvr.berlin.de/deutsch/dozenten/personen/arzt/arzt.html sind mit kennwort geschützt.
 
 
5) Längsschnittstudie zu Sozialverhalten und Alkoholgenuss von Polizeistudenten
Eine australische Längsschnittstudie untersucht die Entwicklung des Sozialverhaltens von Polizeianfängern während ihres ersten Dienstjahres. Demhachn werden Polizeianfänger nach Einritt in die Polizeiakademie geselliger und trinken häufiger Alkohol mit ihren Kollegen als vorher. Der größte Anstieg lässt sich in den ersten sechs Monaten feststellen. Die Häufigkeit von 'Saufgelagen' steigt während der Zeit im Polizeidienst deutlich an, wobei von den Rekruten berichtet wird, sich einem Druck ausgesetzt zu sehen, trinken zu müssen, um 'dazuzugehören'. Quelle: Obst, Patricia L.; Davey, Jeremy D.: Does the police academy changes your life? A longitudinal study of changes in socialising behaviour of police recruits. In: International Journal of Police Science & Management (ISSN: 1461-3557), 5 (1): 31-40, 2003.
 
 
6) Straßenbeleuchtung, Kriminalität und Angst vor Kriminalität
Eine Studie betrachtet die Beziehung zwischen Straßenbeleuchtung, Kriminalität sowie Verbrechensfurcht und untersucht diesbezügliche gängige theoretische Erklärungen und diskutiert vorhandenen Beleuchtungsnormen in Verbindung mit dem Kriminalitätsrückgang. Ausgehend von der These, dass eine verbesserte Straßenbeleuchtung zum einen das Sicherheitsgefühl stärkt, zum anderen jedoch auch einen Rückgang von Kriminalität bedingt, hat die britische Regierung unlängst 300 Mio. Pfund zur Verfügung gestellt. Damit soll den lokalen Behörden ermöglicht werden, ihre Straßenbeleuchtungen zu modernisieren. Weitere Untersuchungen und politische Folgerungen, das Verbrechensrückgangspotential mittels Straßenbeleuchtung zu verbessern, werden diskutiert. Quelle: Cozens, P.M.; Neale, R.H.; Whitaker, J. u.a.: A critical review of street lightning, crime and fear of crime in the British city. Crime Prevention and Community Safety: An International journal (ISSN: 1460-3780), 5 (2): 7-24, 2003.
 
 
7) Drogenkonsum und Einflussfaktoren in Großbritannien
Drei Studien des British Crime Survey behandeln das Thema Drogenkonsum in der britischen Bevölkerung. Ziel ist es, Risikogruppen auszumachen und präventiven politischen und sozialen Handlungsbedarf abzuleiten. Das Alter ist demnach ein wesentlicher Faktor in Bezug auf den Drogenkonsum. Zudem sind jedoch weiterer Faktoren wichtig wie z.B. Geschlecht, ethnische Herkunft und geographischer Raum. Quelle: Home Office Statistical Bulletin 15/03 - Geographical Variations in Drug Use; http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs2/hosb1503.pdf Findings 229 - Prevalence of drug use: key findings from the 2002/2003 British Crime Survey; http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs2/r229.pdf Findings 209 - Ethnicity and drug use: key findings from the 2001/2002 British Crime Survey. http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs2/r209.pdf
 
 
8) Medien und Kriminalität
Der Frage, welches Bild die Medien von der Kriminalität in Deutschland zeichnen, ging eine Umfrage der Zeitschrift Chrismon nach. Danach glauben 42 Prozent der Deutschen, dass die Kriminalität in der Realität etwas oder sehr viel schlimmer sei, als sie in den Medien dargestellt wird. Weitere Ergebnisse und Grafik unter  http://www.chrismon.de/cframe-umfrage.html .
 
 
9) Evaluation des Pathfinder-Projects
Sue Rex, Loraine Gelsthorpe, Colin Roberts und Peter Jordan haben einen Bericht über das “Pathfinder-Project”, welches im Rahmen eines Kriminalitätsreduzierungsprogramms stattfand, veröffentlicht. Es wurden drei verschiedene Ansätze in sieben Projekten bezogen auf die Verhinderung weiterer Straffälligkeit seitens der Straftäter getestet: PSM (pro-social modelling), SA (skills accreditation) und TON (tackling other offending-related needs). Quelle: Home Office Findings 231 bzw. Home Office Occasional Paper 87: Crime  reduction programme: An evaluation of community service pathfinder-projects final report 2002 . http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs04/rdsolr2204.pdf
 
 
10) Drittmittel-Anträge und ihre Beurteilung
Eine spannende qualitative Analyse eines eigenen Antrages auf Gewährung von Forschungsgeldern, der zuerst abgelehnt, ein Jahr später unverändert aber genehmigt wurde, liefert Wolff-Michael Roth (Kanada). Unter dem Titel: „Von Launen und Politik im Drittmittelerwerb: Über ein „Habe ich's dir nicht gesagt“ hinaus“ ist sein Beitrag im Forum Qualitative Sozialforschung, Volume 5, No. 1 – Januar 2004 abgedruckt http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/1-04/1-04roth-d.htm (abstract in Deutsch, Originalbeitrag in Englisch).
 
 
11) Jahresbericht 2003 der Kommission Polizeiliche Kriminalpräven­tion
Vor kurzem hat die Kommission Polizeiliche Kriminalprävention – also das Gremium, in dem die Aktivitäten und die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Polizeilichen Kriminalprävention länderübergreifend abgestimmt werden – ihren Jahresbericht für 2003 vorgelegt. Er gibt einen Überblick über die Schwerpunkte der Arbeit der Kommission im vergangenen Jahr und informiert dabei insbesondere über die aktuellen Projekte und weiteren Projektplanungen des Programms Polizeiliche Kriminal­prävention (ProPK). Der Jahresbericht ist nicht nur für Entscheidungsträger in der Polizei gedacht, sondern für alle mit Kriminalitätsvorbeugung befassten Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen, die sich über bundesweit behandelte Themen der Polizeilichen Kriminalprävention informieren und ggf. eigene Projektplanungen mit polizeilichen Projektpartnern abstimmen wollen. Kostenlose Exemplare des Jahresberichts sind erhältlich über die Zentrale Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention, Taubenheimstraße 85, 70372 Stuttgart, Telefax:            0711-2268000, info@polizei-beratung.de Darüber hinaus kann der Bericht über die Internetadresse des Programms Polizeiliche Kriminal­prävention (ProPK) unter www.polizei-beratung.de/profil/jahresbericht.xhtml  herunter geladen werden. (Der Text stammt von der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention; besten Dank!)
 
 
12) Verbesserter Internet-Service des Crime Reduction Center
Das des englischen Innenministeriums bietet mit seinem neu gestalteten Webauftritt (http://www.crimereduction.gov.uk/) nunmehr einen verbesserten Online-Service mit Angeboten zu Praxistraining, Fortbildung und Information. Zweck der seit 1963 bestehenden Einrichtung ist die Verringerung von Krimininalität und Kriminalitätsfurcht. Der gesamte Webauftritt ist als ein Hilfmittel für die praktische Arbeit gestaltet, der einen schnellen und fundierten Zugang zu Informationen und Hilfsmitteln erlaubt und zur qualifizierten Intervention anleitet. Das Angebot richtet sich vor allem an Polizeipraktiker und an politische Entscheidungs­träger. Ihnen werden Materialien interaktiv zur Verfügung gestellt, die sie unter­stützen sollen, Maßnahmen zur Verringerung von Krimininalität erfolgreich umsetzen und aufrechterhalten zu können. So bieten die sog. Toolkits einen bewährten und umfassenden Ansatz für die problemlösende Arbeit mit kommunalen Partnern. Die Materialien des Toolkits sind für die Kooperation mit den lokalen Polizei- und Verwaltungsbehörden, mit Partnern im Gesundheitsbereich, in der Freiwilligenarbeit sowie mit privaten Einrichtungen geeignet.
 
 
13) Polizeigewalt im internationalen Vergleich – Materialien der Bochumer Tagung im Internet
Die Referate, die während der Tagung „Polizeigewalt“ im April 2004 an der Ruhr-Universität Bochum gehalten wurden, stehen ab sofort auf der website der Police Use of Force-Arbeitsgruppe zur Verfügung http://www.policeuseofforce.org/; darunter M. Haberfeld (New York, USA): Management Training for the New York Police Department (NYPD), P.A.J. Waddington (England): Policing Hostile Encounters, O. Adang (Niederlande): Managing Dangerous Conflict Situations und ein sehr instruktiver Beitrag von Peter Manning (Boston, USA): Some Observations Concerning a Theory of Democratic Policing. Ein Beitrag von Philip Stenning (Neuseeland/ Kanada) zu Private Policing – Advantages and Disadvantages wird noch folgen.