Polizei : Newsletter Nr. 67, September 2004                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   USA: Verbrechen im Verhältnis zu Haushalten 2002
 2)   Mobiler Bewachungsroboter
 3)   Online-Spiel gegen Vandalismus
 4)   Polizei NRW und e-government
 5)   Neues französisches e-Journal für Kriminologie
 6)   Lokale Politik beeinflusst Kriminalitätsraten
 7)   Studie zur Wirksamkeit von Polizeirazzien in Vergnügungsvierteln
 8)   Kriminelle Karriere auf Dauer – eine Illusion? Daten aus der längsten Längsschnittstudie weltweit ausgewertet
 9)   “Furcht” muss nicht Verbrechensfurcht sein
10)  Führungsstil, Mitarbeiterverhalten und Kundenzufriedenheit
11)  Projekt Polizei-Online/Bildung 21
12)  Unfallrisiken erkennen und eindämmen: Verkehrssicherheitsarbeit mit EUSka 4.0
 
1) USA: Verbrechen im Verhältnis zu Haushalten 2002
Die US Regierung hat die neuen Ergebnisse des National Crime Victimization Survey  veröffentlicht, u.a. mit Daten über Vandalismus und Gewalt gegen Lebenspartner. Die Daten sind aufgeschlüsselt nach regionaler, städtischer oder länglicher Lage und nach Haushaltsgröße. Auch die Trends seit 1994 werden dargestellt. Einige Zahlen fallen auf: in 3% der US-Haushalte wurden 2002 Gewalttaten gegen Personen über 12 Jahre begangen. In weniger als 1% der Haushalte wurden sowohl 1994 als auch 2002 Haushaltsangehörige zu Opfern ihrer Lebenspartner. Etwa 5% der Haushalte wurden 2002 mindestens einmal verwüstet.

http://www.ojp.usdoj.gov/bjs/abstract/cnh02.htm
 
 
2) Mobiler Bewachungsroboter
MOSRO MINI ist der mobile Bewachungsroboter für Ihren Privathaushalt. Aber auch in Büros, Kanzleien, Praxen, Agenturen, Werkstätten oder im Gartenhaus überwacht er zuverlässig jeden Winkel. In wenigen Minuten ist er per PC individuell für seinen Einsatzort programmiert und fährt selbständig durch jeden Raum. Bis zu 6 Stunden. Möbeln, Arbeitsgeräten oder anderen "Hindernissen" kann er sicher und zuverlässig ausweichen. Für längere Bewachungen bleibt er mit der Ladestation verbunden. Drei Infrarotscanner liefern Bewegungsmeldungen auch bei 100% Dunkelheit. Durch das integrierte Videosystem haben Sie den Überwachungsbereich über Computer oder PDA voll im Blick - von jedem Platz der Erde aus. Bei Gefahrensituationen schlägt er z.B. via Handy Alarm, gleich ob unerwartete Personen, ein schlafendes Kind oder das Fortschreiten der Renovierungsarbeiten. Preis: 1.200.- Euro; www.robowatch.de
 
 
3) Online-Spiel gegen Vandalismus
In der Februar Ausgabe von VIA (unterwegs mit Bahn, Bus und Schiff) von den Schweizer Bahngesellschaften ist ein Online-Game gegen Vandalismus vorgestellt worden. In dem Online-Spiel „Rail-Guard“ sind Spieler für die Sicherheit auf dem Bahnhof zuständig. Gefährlich wird’s dann, wenn sich Menschen auf dem Bahnhofareal falsch verhalten. Aufgabe ist, die Reisenden auf ihr Verhalten hin genau zu beobachten und sofort zu reagieren, wenn sich eine Person in Gefahr begibt. Das Spiel ist zu Ende, wenn eine der Figuren verunfallt. Das Spiel wurde von der SBB im Rahmen der Bemühungen gegen Vandalismus entwickelt. Gespielt wird unter: www.magicticket.ch Weitere Spiele unter http://www.magicticket.ch/d/4/47/4710_uebersicht_f.asp
 
 
4) Polizei NRW und e-government
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen startet mit drei Anwendungen ins E-Government: Man kann per Internet unter www.polizei.nrw.de Anzeigen erstatten, Beschwerden einreichen oder sich bei der Polizei bewerben. Die Anwendungen sollen laufend weiterentwickelt und Zug um Zug ergänzt werden. Die im Internet bereitgestellten Formulare sind bewusst sprachlich einfach gehalten sowie mit erklärenden Texten und Videos in Deutscher Gebärdensprache versehen. Es ist der Polizei nach eigenen Angaben auch wichtig, dass das Angebot barrierefrei ist, also für blinde, gehörlose und motorisch behinderte Menschen genauso offen wie für Nichtbehinderte.Das Angebot, Strafanzeigen online zu erstatten, wurde im vergangenen Jahr bereits in neun Polizeibehörden erfolgreich getestet: In Aachen, Bochum, Duisburg, Höxter, Köln, im Oberbergischen Kreis, in Paderborn, Wesel und Wuppertal. Von dem neuen Angebot haben die Menschen in den Testgemeinden regen Gebrauch gemacht, so in Köln in etwa 4 500 Fällen, das sind über 3,5 % der dort erstatteten Anzeigen. Rund 1 500 tatsächlich begangene Straftaten wären der Kölner Polizei ohne diese Möglichkeit nicht bekannt geworden.
 
 
5) Neues französisches e-Journal für Kriminologie
Penal field ist ein neues bilinguales Web-Kriminologie-Journal mit englischen und französischen Beiträgen. Unter http://champpenal.revues.org/index.html kann es kostenlos besucht werden. Das Journal wird von Pierre V. Tournier, Forschungsdirektor am Centre national de la recherche scientifique , herausgegeben und ist vollkommen unabhängig von allen Institutionen.
 
 
6) Lokale Politik beeinflusst Kriminalitätsraten
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7) Studie zur Wirksamkeit von Polizeirazzien in Vergnügungsvierteln
Die Studie untersucht die Wirksamkeit von Polizeirazzien, die das Ziel haben, den  Drogenhandel in Bars zu reduzieren, von denen nächtliche Ruhestörungen ausgehen. Dazu wurden die Anzahl der Razzien, die Dauer der Maßnahmen sowie die damit verbundenen Konditionierungseffekte im Hinblick auf die Ausdehnung der störenden und kriminellen Aktivitäten auf die Straße hinaus untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Drogenhandel während der Durchführung der polizeilichen Maßnahmen (Razzien) zwar unterdrückt wird, die Wirkung aber größtenteils zurückgeht, sobald die Maßnahmen geendet haben. In Einsatzgebieten mit hohem Drogenhandel kommen die Maßnahmen dabei weniger stark zum Tragen als in solchen mit eher niedrigem Handel. Das gleiche gilt auch für die Bars der näheren Umgebung. Quelle: Jacqueline Cohen, Wilpen Gorr and Piyusha Singh: "Estimating Intervention Effects in Varying Risk Settings:  Do Police Raids Reduce Illegal Drug Dealing at Nuisance Bars?" In: Criminology, Vol. 41 (2), May 2003, pp. 257-292.
 
 
8) Kriminelle Karriere auf Dauer – eine Illusion? Daten aus der längsten Längsschnittstudie weltweit ausgewertet
Aus der längsten Längsschnittstudie wurden Daten über Straftaten von delinquenten männlichen Straftätern im Alter von 7 bis 70 untersucht. Dabei ging es um die Frage, ob es eine bestimmte Gruppe gibt, deren Kriminalitätsraten bei zunehmendem Lebensalter stabil blieben und ob individuelle Unterschiede hinsichtlich Kindheitsmerkmalen und Familienhintergrund langfristige Entwicklungen vorhersagbar machen. In beiden Hinsichten sind die Ergebnisse negativ: Die Verbrechensraten gehen für alle Gruppen früher oder später zurück, sogar bei aktiven Straftätern. Im Ergebnis ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, das Begehen von Straftaten über die gesamte Lebensspanne mit Hilfe statistischer Lebenslaufdaten an Hand einer großen Bandbreite von Risikofaktoren aus Merkmalen bezogen auf Kindheit und Adoleszenz prospektiv zu identifizieren. Das „Modell krimineller Karriere“ lässt sich gemessen an den individuellen Verläufen nicht halten. Quelle: Robert J. Sampson and John H. Laub: "Life-Course Desisters?  Trajectories of Crime Among Delinquent Boys Followed to Age 70," In: Criminology, Vol. 41 (3), August 2003, pp. 555-592.
 
 
9) “Furcht” muss nicht Verbrechensfurcht sein
Die Forschung über Kriminalitätsfurcht war bislang vor allem quantitativ-statistisch angelegt und an Konzepten wie “Furcht”, “Verbrechen” und “Störung der Ordnung” aufgezogen. Alternative Konzepte wie “Sicherheit” bezogen auf urbane Problemgebiete wurden wenig untersucht. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, Reaktionsweisen auf Verbrechen und die im Hintergrund dieser Reaktionen ablaufenden Prozesse zu untersuchen. Dafür wurden auf Basis des Ansatzes datengenerierter Theorie (“grounded theory”) Tiefeninterviews und Feldbeobachtungen mit einer Gruppe von 69 unter schwierigen sozialen Bedingungen  lebenden Sozialhilfeempfängern in Chicago durchgeführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass “Furcht” in gewaltträchtigen Nachbarschaften nicht die vorherrschende Art der Reaktion auf lokale Kriminalität und Unordnung darstellt bzw. von ihr hervorgerufen wird. Andere “Zeichen” als solche, die sich auf Verbrechen und Störung der Ordnung beziehen, lösen vielmehr dort die Furcht aus. Quelle: Irene Carvalho and Dan A. Lewis: "Beyond Community:  Reactions to Crime and Disorder among Inner-City Residents," In: Criminology, Vol. 41 (3), August 2003, pp. 779-812.
 
 
10) Führungsstil, Mitarbeiterverhalten und Kundenzufriedenheit
Der Führungsstil wird allgemein als Schlüssel erfolgreicher Arbeit angesehen, und die Verbesserung des Führungsstils innerhalb der  Polizei ist ein zentrales Anliegen der Polizeireform-Agenda. Bisher liegen Forschungsergebnisse, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen besonderen polizeilichen Führungsstilen und polizeilicher Leistungsfähigkeit belegen, nicht vor. Immer wenn die Leistung der Polizei kritisiert und in der Folge dann der polizeiliche Führungsstil kritisch untersucht wurde, gab es keine allgemein anerkannte Führungstheorie, anhand der die Praxis getestet werden konnte, und es blieb unklar, wie die polizeiliche Führung verändert werden könnte. Grob gesagt, enthüllte eine neue Studie, dass Polizeibeamte von ihren Vorgesetzten das Gefühl vermittelt bekommen möchten, auf ihren Dienst und ihren individuellen Beitrag stolz sein zu können. Die Merkmale, die nach Ansicht der Befragten Kennzeichen eines guten Führungsstils sind, lassen sich in folgenden Kategorien zusammenfassen: das Bewusstsein, einen wichtigen Dienst an der Gemeinschaft zu erfüllen, und Unterstützung der Mitarbeiter, um dies zu erreichen; Aufweisen hoher persönlicher und beruflicher Standards und kein Dulden negativen Verhaltens; Ermutigung, Wertschätzung und Förderung der Mitarbeiter. Quelle: Home Office On-line report 20/04 - Police leadership: expectations and impact. http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs04/rdsolr2004.pdf
 
 
11) Projekt Polizei-Online/Bildung 21
Auf der letzten CEBIT haben das Innenministerium Baden-Württemberg und die Deutsche Telekom einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der als Basis für ein „Global Learning“ Projekt dienen soll. Dabei wurde beschlossen, das bisherige Bildungs- und Informationssystem „Polizei Online“ zu einem ganzheitlichen System der Wissensvermittlung und des Wissensmanagements auszubauen. Mit der Projekterweiterung ist die Polizei des Landes Baden-Württemberg jetzt Pilotanwender für die gesamte Landesverwaltung. Zusammen mit der Führungsakademie des Landes soll versuchen werden, im bisherigen Projekt bewährte, aber auch neue, innovative Entwicklungen im Bereich der Landesverwaltung zum Einsatz zu bringen. Die Führungsakademie hat bereits auf der Grundlage des Fortbildungsmanagementsystems ein Bildungsmanagementsystem entwickelt, das künftig auch aus dem Internet erreichbar sein wird. In einem weiteren Schritt sollen Teile der polizeilichen Informationsplattform für die Landesverwaltung öffnen. Das "Know-how" soll auch in EU-Projekte sowie das European Police Learning Net (EPLN) und die Mitteleuropäische Polizeiakademie (MEPA) einfließen. Verantwortlich im Innenministerium Baden-Württemberg ist Uwe Seidel Quelle: http://www.global-learning.de/g-learn/cgi-bin/gl_userpage.cgi?Structured .
 
 
12) Unfallrisiken erkennen und eindämmen: Verkehrssicherheitsarbeit mit EUSka 4.0
Mit EUSka bietet die PTV AG ein grafisches System zur Analyse von Verkehrsunfällen, das speziell auf die Anforderungen in der Auswertung von Unfalltypen-Steckkarten abgestimmt ist. Konzipiert wurde das System vom Verkehrstechnischen Institut der Deutschen Versicherer (VTIV) (ehemals ISK) in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Innenministerien und der Polizei. In der Praxis bewährt sich EUSka bereits im landesweiten Einsatz in Bundesländern Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und seit 2004 auch in Sachsen. Über eine Standardschnittstelle fließen die Unfalldaten aus dem jeweiligen Vorgangssystem in EUSka, wo sie zunächst georeferenziert werden, damit sie sich in der digitalen Karte auf dem Bildschirm anzeigen lassen. Danach stehen die Unfalldaten für sekundenschnelle Recherchen bereit. PTV liefert das komplette System mit aktuellem detaillierten Kartenmaterial (teilweise mit Hausnummernbereichen) und vordefinierten Analyse-Routinen für die Verkehrssicherheitsarbeit. Weitere Informationen zu EUSka finden Sie im Internet unter http://www.ptv.de/cgi-bin/traffic/traf_euska.pl.