Polizei : Newsletter Nr. 76, Juni 2005                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Bericht des Home Office über Vergewaltigungen
 2)   Foto-Experiment: Affen mögen Promis und schöne Frauen
 3)   Implementierung eines Präventionsprogramms gegen Einbruchskriminalität
 4)   Kriminologie im Deutschen Kaiserreich
 5)   Deutschland 2020 – immer mehr Kinderarmut
 6)   Elektronischer Wachhund hütet das Haus
 7)   Sitzungen effektiver machen
 8)   Berliner Arbeitskreis Rechtswirklichkeit
 9)   Artikelsammlung zu Identitätsdiebstahl des NCJRS online
10)  Kommunikation bei polizeilichen Routinetätigkeiten
11)  Kunsthaus Zürich zeigt Fotografien aus dem Archiv des Los Angeles Police Department.
12)  Polizeilehrfilme aus den 1960er bis 1980er Jahren auf DVD
13)  Verwaltungssponsoring
14)  Nächste Wissenschaftliche Fachtagung der Neuen Kriminologischen Gesellschaft (NKG)
15)  Kolloquium zur Polizeigeschichte
 
1) Bericht des Home Office über Vergewaltigungen
Im Text (Findings 247) wird eine Stichprobe von über 5000 Fällen von Vergewaltigungsfällen an Frauen aus den Zeiträumen 2001/02 und 2002/03 erfasst und untersucht, die dem Metropolitan Police Service gemeldet wurden. Dabei wird die prozentuale Verteilung verschiedener Merkmale der Übergriffe gezeigt. Untersucht wird das Alter der Opfer und der Täter, die Opfer-Täter Beziehung, der Ort des Übergriffs, die Stärke der Gewaltanwendung, die Anzahl der Täter und die Art der Annäherung des Täters an das Opfer. Es werden drei Arten von Annäherung unterschieden: „Con“ (der Täter verwickelt das Opfer in ein Gespräch, bevor er sie angreift – 85%); „Surprise“ (der Täter wendet ausreichend Gewalt an, um das Opfer unter seine Kontrolle zu bringen; manche Täter sprechen dabei auch, um das Opfer gleichzeitig zu bedrohen – 15%); „Blitz“ (der Täter wendet sehr schnell Gewalt an und überwältigt das Opfer sofort – 1%). Die Ergebnisse werden mit denen des BCS (British Crime Survey) verglichen und kommentiert. http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs05/r247.pdf
 
 
2) Foto-Experiment: Affen mögen Promis und schöne Frauen
Affen sind Menschen in vielem ähnlich. Wie wahr das ist, mussten Forscher jetzt erfahren, als sie Affen mit Orangensaft für Fotos von Rudelmitgliedern zahlen ließen. Die größten Saftmengen gingen für die Sorte Bilder über die Theke, die auch Menschen am liebsten sehen. Die Forscher der Duke University in den USA haben getestet, wie viel Orangensaft Makaken hergeben würden, um Fotos von bekannten Artgenossen anzuschauen. Das Ergebnis war äußerst - menschlich. Männliche Affen etwa rückten die größten Saftmengen für Bilder von mächtigen Rudelmitgliedern heraus. Und für Fotos von weiblichen Hinterteilen. Weniger scharf waren die Probanden dagegen auf Bilder von Affen, die nicht zu den Reichen und Schönen, sondern eher zu den Verlierern der Gesellschaft zählen. Erstmals sei bewiesen worden, dass Affen Informationen nach sozialen Inhalten bewerten - genauso wie es Menschen tun. Bilder von mächtigen und sexuell attraktiven Mitgliedern der Gemeinschaft sind am begehrtesten. Denn deren Verhalten ist nicht nur nach Meinung von Menschen, sondern auch in den Augen von Affen der Schlüssel zum gesellschaftlichen Erfolg. Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,339099,00.html
 
 
3) Implementierung eines Präventionsprogramms gegen Einbruchskriminalität
Die Reducing Burglary Initiative ist ein Programm, das in England und Wales vom Home Office als ein Teil der Programme zur Verbrechenseindämmung in den Jahren 1998-2002 implementiert wurde. In drei Projektphasen wurden ca. 240 Projekte betreut, die ungefähr 2 Mio. Haushalte einbezogen. Die Ziele des RBI waren die Unterstützung und Förderung von innovativen Maßnahmen zur Reduzierung von Einbrüchen. Außerdem sollten Erkenntnisse über die Effektivität von Maßnahmen und die Kosten-Nutzen-Rechnung derselben erfasst werden, Einbrüche durch die Implementierung von Maßnahmen in den am meisten betroffenen Gegenden verringert und die Kosten, die durch Einbrüche entstehen, reduziert werden. Der vorliegende Bericht bezieht sich hauptsächlich auf die Evaluation der Umsetzung der Projekte in die Praxis vor Ort. Dabei werden verschiedene Bereiche der Umsetzung angesprochen wie das finanzielle Management, die Kapazitäten und Charakteristika der Projektmanager und der Mitarbeiter und die Anpassung der Projekte an die Bedürfnisse der Bevölkerung (Erfassung und Kontakt zur Bevölkerung und zu den betroffenen Opfern). Resümierend erstellen die Autoren Richtlinien und Empfehlungen für die Umsetzung zukünftiger ähnlicher Programme. http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs05/hors287.pdf
 
 
4) Kriminologie im Deutschen Kaiserreich
Eine Besprechung der Bielefelder Dissertation von Silviana Galassi, Kriminologie im Deutschen Kaiserreich, Geschichte einer gebrochenen Verwissenschaftlichung, Stuttgart 2004 von Karsten Uhl für H-Soz-u-Kult (Online-Portal für Geschichtswissenschaft), ist zu finden unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-1-183
 
 
5) Deutschland 2020 – immer mehr Kinderarmut
Deutschland steht vor einem Baby-Boom – so das überraschende Ergebnis der Studie “Deutschland 2020” vom Berlin-Institut für Weltbevölkerung (www.berlin-institut.org). Aber: Die Kinder-Armut in größeren Städten wird sich weiter verstärken (Quelle: Trendletter 3, 2005, S. 4).
 
 
6) Elektronischer Wachhund hütet das Haus
Siemens arbeitet an einem Gerät, das eine Wohnung überwacht und per SMS benachrichtigt, wenn etwas Verdächtiges passiert. Mikrofone, Temperatur- und Bewegungssensoren registrieren Veränderungen. Der elektronische Wachhund wird über das Internet programmiert und verfügt über keine Tastatur (Queiie: Trendletter 3, 2005, S. 10).
 
 
7) Sitzungen effektiver machen
Wie man Sitzungen effektiv und strategisch richtig gestaltet, wird in verschiedenen Veröffentlichungen behandelt. Daraus 7 Punkte: 1. Operatives und Strategisches getrennt voneinander behandeln. 2. Fokusieren auf Entscheidungen, nicht auf Diskussionen. 3. Die Dauer der Behandlung eines Tagesordnungspunktes muss der Bedeutung des Verhandlungsgegenstandes entsprechen. 4. Die Tagesordnung so schnell wie möglich kürzer machen, in dem Punkte, die schnell erledigt werden können, vorgezogen werden. 5. Bereiten Sie echte Alternativen für Entscheidungen vor. 6. Benutzen Sie geeignete Werkzeuge, um zu Entscheidungen zu kommen. 7. Verschaffen Sie den Entscheidungen Geltung. Quelle: Trendletter 12/2004; weitere Infos (auf Englisch) unter a target="_blank" href="http://harvardbusinessonline.hbsp.harvard.edu/">http://harvardbusinessonline.hbsp.harvard.edu/
 
 
8) Berliner Arbeitskreis Rechtswirklichkeit
Der Berliner Arbeitskreis Rechtswirklichkeit ist eine außeruniversitären Arbeitsgruppe, die sich mit der Verbindung zwischen Recht und Rechtswirklichkeit beschäftigt http://www.rechtswirklichkeit.de. Es gibt einen "Call for Papers" für die "Zweite Tagung für Nachwuchswissenschaftler in der disziplinenübergreifenden Rechtsforschung" vom 25.-26.11. 2005 in Halle:  http://bar.panya.de/Veranstaltungen/bar2005/cfphalle2005
 
 
9) Artikelsammlung zu Identitätsdiebstahl des NCJRS online
Das sicherlich am besten bekannte Schlagwort zu diesem Thema ist „Phishing“ – der Versuch über manipulierte Webseiten an Kreditkartennummern oder andere persönliche Daten zu gelangen, um diese dann missbräuchlich zu nutzen. Der Identitätsdiebstahl kennt aber noch viele andere Formen. Wie und welche Daten abhanden kommen (können) stellt eine Dokumentensammlung der amerikanischen NCJRS dar; von der Fallzahlenstatistik bis hin zu Präventionsprogrammen verschiedener US-Bundesstaaten. Online: http://www.ncjrs.org/spotlight/identity_theft/summary.html Eine Broschüre der Generalstaatsanwaltschaft Arizona zum Thema ist in Englisch http://www.attorneygeneral.state.az.us/cybercrime/ID%20Theft%20Brochure.pdf  und Spanisch http://www.attorneygeneral.state.az.us/cybercrime/ID%20Theft%20Brochure%20Spanish.pdf) erhältlich.
 
 
10) Kommunikation bei polizeilichen Routinetätigkeiten
Die Ergebnisse einer empirische Studie von Max Hermanutz, Wolfgang Spöcker, Yasemin Cal, Julia Maloney sind im Online-Bereich des PNL bereit gestellt. Die Befragungen zur Zufriedenheit lassen Defizite in diesem Bereich erkennen. Mit dieser Studie sollen die Ursachen für Defizite in der Zufriedenheit der Bürger im Umgang mit der Polizei in polizeilichen Standardsituationen untersucht werden. Dazu wurden 104 reale Personen- und Fahrzeugkontrollen von Beamten der Polizei Baden-Württembergs durchgeführt. Sowohl die Beamten als auch die kontrollierten Bürger wurden beobachtet und ihr Verhalten eingeschätzt. Zusätzlich wurden beide Gruppen zur konkreten Kontrollsituation befragt. Die Studie zeigt, dass dann, wenn die Empfehlungen aus Leitfaden 371 zur Eigensicherung nicht befolgt werden, die kontrollierten Bürger das verbale und nonverbale Verhalten von Polizeibeamten als negativ bewerten. Die Höflichkeit der Kontrollbeamten wird hauptsächlich durch das äußere Erscheinungsbild des polizeilichen Gegenübers und weniger durch dessen tatsächliches Verhalten bestimmt. Diese Fehleinschätzung kann unnötige Stressreaktionen auf beiden Seiten bewirken. Aufgrund dieser Ergebnisse, sollen in einer zukünftigen Studie verbale und nonverbale Kommunikationsstrategien zur Verbesserung des Kontrollverhaltens entwickelt und  im Rahmen eines Trainings weiter untersucht und bewertet werden. Quelle: http://www.polizei-newsletter.de/online_documents_german.php oder Dokument direkt unter http://www.polizei-newsletter.de/pdf/Einsatzkommunikation.pdf
 
 
11) Kunsthaus Zürich zeigt Fotografien aus dem Archiv des Los Angeles Police Department.
Vom 15. Juli bis 18. September 2005 zeigt das Kunsthaus Zürich als erstes Museum weltweit Fotografien aus dem Archiv des Los Angeles Police Department. Unter dem Titel «The Art of the Archive» sind rund 100 Fotos aus den 1920er bis 1950er Jahren zu sehen. In einer bildbewussten Stadt wie Los Angeles achteten auch die im Dienst der Polizei tätigen Fotografen stärker auf das professionelle und ästhetische Niveau ihrer Bilder als anderswo. Die für Los Angeles so typische Vermischung von Fiktion und Realität spielte insofern eine Rolle, als dass die Polizei in ihrer Selbstdarstellung vom Bild, das die Film- und Fernsehindustrie von der Stadt schuf, beeinflusst wurde. Ab Juli können sich Interessierte auf der Website zur Ausstellung unter www.kunsthaus.ch im Detail informieren.
 
 
12) Polizeilehrfilme aus den 1960er bis 1980er Jahren auf DVD
Die Publikation (ein Begleitheft nebst DVD) präsentiert Ausschnitte aus Polizeilehrfilmen der 1960er- bis 1980er-Jahre, aus der DDR sowie aus der Bundesrepublik. Die zehn Filmausschnitte sind zwischen 3 und 18 Minuten lang, fünf stammen aus Lehrfilmen der DDR-Volkspolizei, die übrigen aus bundesdeutschen Polizeien (drei aus Nordrhein-Westfalen, zwei aus Hamburg). Zu allen Ausschnitten bietet das Begleitheft filmografische Daten, ausführliche Informationen zum Filminhalt sowie didaktische Vorschläge und eine Zusammenstellung der Lernziele für den Einsatz der DVD in der Bildungsarbeit mit heutigen Polizisten. Die Filme sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Lehrfilmsammlung des Geschichtsorts Villa ten Hompel in Münster, einer Forschungs- und Bildungseinrichtung, die sich aus historischer Perspektive mit Polizei, Verwaltung und Verantwortung beschäftigt ( http://www.muenster.de/stadt/villa-ten-hompel/index1.html). Als Quelle genutzt, lässt sich aus den Polizeifilmen das damalige Selbstbild der jeweiligen Polizei rekonstruieren. Sie spiegeln aber auch gesellschaftliche ebenso wie polizeiliche Entwicklungen. Quelle: Geschichtsort Villa ten Hompel (Hrsg.): Bürger, Rowdys und Rebellen. Deutsche Polizeilehrfilme in West und Ost. Didaktische Handreichung von Stefan Noethen und Volker Pade. Münster: Stadt Münster 2004. ISBN 3-935811-01-2; 89 S., 26 Abb., mit DVD; EUR 19,90. Rezensiert für H-Soz-u-Kult von: Klaus Weinhauer, < http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-2-039
 
 
13) Verwaltungssponsoring
Die Möglichkeiten und Grenzen des "Verwaltungssponsoring" lotet die Forschungsstelle für Verwaltungsmodernisierung und Vergaberecht (FVV) der RUB in einem Projekt aus, das im Frühjahr startet und das die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert. Ziel der Bochumer Juristen ist, die zentrale Frage zu beantworten, ob der Staat sich selbst zum Werbeträger machen darf. http://www.rub.de/fvv.
 
 
14) Nächste Wissenschaftliche Fachtagung der Neuen Kriminologischen Gesellschaft (NKG)
Die nächste Wissenschaftliche Fachtagung der Neuen Kriminologischen  Gesellschaft (NKG) wird vom 29. September bis 1. Oktober 2005 in Nürnberg stattfinden. Das Generalthema lautet: Kriminologie und wissensbasierte Kriminalpolitik: Entwicklungs- und Evaluationsforschung. Wenn Sie interessiert sind, an der Tagung teilzunehmen oder/und selbst ein Paper einzubringen, gehen Sie bitte auf die folgende Website: http://www.nkg-tagung.de/
 
 
15) Kolloquium zur Polizeigeschichte
 In Düsseldorf findet vom 30. Juni bis 2. Juli im Polizeipräsidium das nächste Kolloquium zur Polizeigeschichte statt. Veranstalter sind Dr. Carsten Dams, Klaus Dönecke und Thomas Köhler, unterstützt von der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e.V. und „Geschichte am Jürgensplatz“ e.V. 6 Referate in drei Sektionen stehen auf dem Programm. Homepage von Geschichte am Jürgensplatz e.V. - Verein zur Aufarbeitung der Düsseldorfer Polizeigeschichte www.geschichte-am-juergensplatz.de , Polizeikolloquium2005@web.de