Polizei : Newsletter Nr. 81, Dezember 2005
 1)   Aktueller CEPOL-Bericht zur Polizeiforschung in Europa
 2)   Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Machtmissbrauch bei der Polizei
 3)   Handbuch für Koordination und Integration von Jugendstrafrecht und Sozialarbeit mit Kindern
 4)   Einsatz- und Ergebnisevaluation des Programms „Intensive Nachbetreuung”
 5)   Mock Prison Riot Registration
 6)   Soziale Kosten des Drogenmissbrauchs
 7)   Vergleichende Studie zu Polizeiermittlern und Universitätsstudenten
 8)   Wahrheit und Lüge in Vernehmungen
 9)   Gewalteinsatz durch die Polizei
10)  Polizeiarbeit 2050 – Zukunftsforscher der Polizei und das FBI
11)  Kriminalität in Europa,  Ursachen und Folgen
12)  Polizei-Sprachführer zur WM 2006
13)  ZIS – Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik
14)  Handbuch der polizeilichen Jugendarbeit
15)  Kommunale Kriminalprävention: Mehr Sicherheit für die Stadt?
16)  Informationen gegen Kinderpornografie
17)  Migranten in Organisationen von Recht und Sicherheit
 
1) Aktueller CEPOL-Bericht zur Polizeiforschung in Europa
Im September 2005 hat die Europäische Polizeiakademie einen umfassenden, von Gerhard Hanak und Veronika Hofinger (Wien) erstellten Bericht zur Polizeiforschung in der Europäischen Union veröffentlicht. Der Bericht steht im Online-Bereich des Polizei-Newsletter unter http://www.polizei-newsletter.de/online_dokuments_german.php  zur Verfügung oder kann beim PNL per email angefordert werden.
 
 
2) Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Machtmissbrauch bei der Polizei
In den letzten Jahren haben Rassendiskriminierungs- und Rassismusanschuldigungen in vielen Polizeidienststellen zu öffentlichen Untersuchungen geführt. Forschungen lassen sogar den Schluss zu, dass Supervisoren oft nicht bereit sind, rassistische Witzeleien und unangemessene Sprache zurückzuweisen. Diese Dokumentation untersucht diese Problematik und analysiert theoretische und empirische Forschung bei ausgewählten Polizeikräften in England, Südafrika, Australien und den USA. Policing and Human Rights: Eliminating Discrimination, Xenophobia, Intolerance and the Abuse of Power from Police Work  (Bowling, B., Phillips, C., Campbell, A. and Docking, M., 2004, UNRISD) Mehr unter: http://www.grc-exchange.org/statics/ID1052.html
 
 
3) Handbuch für Koordination und Integration von Jugendstrafrecht und Sozialarbeit mit Kindern
Weil Jugendliche, die Misshandlungen erlebt haben, oft mit dem Jugendstrafrecht Bekanntschaft machen, hat die Bundesgesetzgebung kürzlich eine erweiterte Zusammenarbeit von Jugendstrafjustiz und Kinderfürsorgesystemen gefordert. Zwei neue Veröffentlichungen der Child Welfare League of America werden die in diesem Bereich Tätigen interessieren. "Guidebook for Juvenile Justice and Child Welfare System Coordination and Integration: Framework for Improved Outcomes" von Janet K. Wiig und John A. Tuell. Das 112-seitige Buch zeigt Barrieren bei der Verbesserung des Services quer durch verschiedene Jugendhilfe-Systeme und stellt Strategien, Tools und Ressourcen zur Überwindung dieser Barrieren bereit. "Promoting a Coordinated and Integrated Child Welfare and Juvenile Justice System" von John A. Tuell. Diese achtseitige Aktionsstrategie beschreibt den Planungsprozess für die Entwicklung einer koordinierten und integrierten Jugendhilfe. Sie finden beide Publikationen über die Web site der Child Welfare League of America. "Guidebook for Juvenile Justice and Child Welfare System Coordination and Integration: Framework for Improved Outcomes" finden Sie unter http://www.cwla.org/programs/juvenilejustice/jjguidebook.htm, "Promoting a Coordinated and Integrated Child Welfare and Juvenile Justice System" unter http://www.cwla.org/programs/juvenilejustice/jjintercord.htm.
 
 
4) Einsatz- und Ergebnisevaluation des Programms „Intensive Nachbetreuung”
Das Office of Juvenile Justice and Delinquency Prevention (OJJDP) gibt die Verfügbarkeit dieser Evaluation bekannt. Das von dieser Behörde unterstützte „Intensive Aftercare Program (IAP)“ zeigt das große Problem auf, vor dem das Jugendjustiz-System des Landes steht: wie reduziert man die Rückfallquote bei stark gefährdeten Haftentlassenen durch intensive Supervision und Zuwendung nach der Haftentlassung? Der Bericht stellt die Ergebnisse einer 5-jährigen Evaluation von Einsatz und Ergebnis des IAP vor, in der viele Gesichtspunkte berücksichtigt wurden. Quelle: “Implementation and Outcome Evaluation of the Intensive Aftercare Program: Final Report” gibt es nur online unter http://www.ojjdp.ncjrs.org/publications/PubAbstract.asp?pubi=12063.
 
 
5) Mock Prison Riot Registration
In dem alljährlichen „Mock Prison Riot“, werden neue Justizvollzugstechniken aus- und dargestellt. Justizvollzugsbeamte und Taktikteam-Mitglieder können sich hier einen Überblick über Techniken für Revolten-Trainingsszenarios verschaffen. (NIJ) Weitere Informationen unter
http://www.oletc.org/riot/index.html Registrierung unter: http://www.oletc.org/riot/riot_reg.html
 
 
6) Soziale Kosten des Drogenmissbrauchs
Die Schrift "The Economic Costs of Drug Abuse in the United States, 1992-2002" (112 pp.) (NCJ 207303) stellt die aktuellen und erwarteten Schätzungen der wirtschaftlichen Kosten aufgrund von Drogenmissbrauch in den USA vor. Für 2002 wurden sie auf $180,9 Milliarden geschätzt. Dieser Betrag beinhaltet sowohl die Kosten für die Behandlung der Gesundheits- und Kriminalitätsfolgen als auch für den Verlust der Arbeitskraft durch Behinderung, Tod oder Rückzug aus der regulären Arbeitswelt. Diese Schätzung enthält eine Menge neuer Daten, obwohl mehrere wichtige Komponenten in ihrer Tendenz bestätigt wurden. http://www.whitehousedrugpolicy.gov/publications/economic_costs/
 
 
7) Vergleichende Studie zu Polizeiermittlern und Universitätsstudenten
"I d Know a False Confession if I Saw One": A Comparative Study of College Students and Police Investigators Author(s): Saul M. Kassin, Christian A. Meissner, Rebecca J. Norwick. In: Law and Human Behavior (ISSN: 0147-7307), 29, 2, 211 – 227. Artikel mit interessanten Informationen zur Akkuratesse von Lügen-Einschätzungen bei Ermittlungsbeamten im Vergleich zu Studierenden in den USA. http://springerlink.metapress.com/link.asp?ID=Q483417332PT2G78
 
 
8) Wahrheit und Lüge in Vernehmungen
In dieser britischen Forschung versuchten 99 Polizeibeamte, Lüge und Wahrheit in auf Video aufgezeichneten Vernehmungen aufzudecken. Die Trefferquote war höher als sonst üblich in solchen Untersuchungen, fast so hoch wie bei spezialisierten Lügendetektoren in früheren Forschungen. Die Genauigkeit stand in Zusammenhang mit der wahrgenommenen Erfahrung im Verhören Verdächtiger und mit der Erwähnung von Schlüssel(begriffen) zur Ermittlung von Unwahrheiten in Bezug auf die Geschichte eines Verdächtigen. Die Genauigkeit stand in keinem Zusammenhang mit den wohlbekannten stereotypen „Schlüsseln“ wie Blickkontaktvermeidung und Unruhe. Quelle: Mann, S., Vrij, Al, & Bull, R. (2004). Detecting true lies: Police officers’ ability to detect suspects’ lies. In: Journal of Applied Psychology, 89(1), 137-149.
 
 
9) Gewalteinsatz durch die Polizei
Eine Stichprobe von 499 Polizisten in Philadelphia vervollständigte den Überblick aus 5 hypothetischen Skizzen, die eine große Bandbreite von abweichendem und konformem Verhalten veranschaulichen. Drei Schlüsselergebnisse haben sich gezeigt. 1. Die Beamten betrachteten die Annahme von Geschenken als normkonform und nicht als Hinweis auf andere, schwere Formen von Fehlverhalten. 2. Die Einstellung der Beamten gegenüber dem Einsatz von unangemessener Gewalt bezogen sich stärker auf Bürgerbeschwerden als es gegenüber Diebstahl oder der Annahme von Geschenken der Fall war. Und schließlich erwarteten die Interviewten stärkere Strafen im Fall von Diebstahl als bei Gewaltanwendung, obwohl die Variablen in Bezug auf Gewalt die zuverlässigsten Vorboten für Bürgerbeschwerden waren. Quelle: Chappel, Allison T.; Piquero, Alex R. “Applying social learning theory to police misconduct.” In: Deviant Behavior, 25(2):89-108, 204.
 
 
10) Polizeiarbeit 2050 – Zukunftsforscher der Polizei und das FBI
Im Februar 2002 trafen sich  in der FBI Akademie Polizeiverantwortliche und Zukunftsforscher als Vertreter von FBI und Police Futurists International (PFI) (www.policefuturists.org). Ziel war, eine Organisation zu bilden, die Vorhersagen und Strategien entwickeln könnte, um auf ethische Weise die Wirksamkeit der lokalen, staatlichen, föderalen und internationalen Vollzugsinstitutionen im 21. Jahrhundert zu erhöhen. Zwei Monate später unterzeichneten FBI Director Robert Mueller und PFI President Gerald Konkler ein Verständigungsmoratorium, das eine „Forschungsgruppe Zukunft“ (FWG) ins Leben rief. Seit ihrer Schaffung hat die FWG eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, die sich mit Zukunft und Polizeiarbeit befasst. Die Zukunftsforschung soll die Menschen neugierig machen, anspornen und herausfordern. Letztendlich hoffen die, die sich als Zukunftsforscher betrachten, die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Die Sammlung dieser Schriften erhalten Sie bei: Jensen, Carl J., III and Levin, Bernard H. (editors), Neighborhood-Driven Policing: Proceedings of the FuturesWorking Group, Volume I, A Series of Working Papers from the Futures Working Group, U.S. Department of Justice, Federal Bureau of Investigation, FBI Academy, Futures Working Group, Behavioral Science Unit, Quantico, Virginia, January 2005, 42 Seiten. Online:

http://www.fbi.gov/hq/td/fwg/neighborhood/neighborhood-driven-policing.pdf
 
 
11) Kriminalität in Europa,  Ursachen und Folgen
Das großzügigere Wohlfahrtssystem in Europa ist der wichtigste Unterschied zwischen der europäischen und US-amerikanischen Gesellschaft. Befürworter des europäischen Wohlfahrtsstaates argumentieren, dass er den sozialen Zusammenhalt verbessert und Kriminalität verhindert. Auf der anderen Seite geht es der US-amerikanischen Wirtschaft recht gut, so dass die Kriminalitätsraten aufgrund der besseren Möglichkeiten, legales Einkommen zu erzielen, sinken könnten. Das Buch geht von dieser Balance aus und trägt zu einem besseren interdisziplinären Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Kriminalität, wirtschaftlicher Leistung und sozialem Ausschluss bei. Es evaluiert die bestehende Wirtschafts- und Kriminologieforschung. U.a. weisen die Ergebnisse eindeutig auf das kriminalitätsreduzierende Potenzial intakter Familien und die Verbindung zwischen Kriminalität und Arbeitsmarkt hin. Ein Schwerpunkt liegt auf der Einschätzung der Kriminalitätsfolgen – ein Thema, das in der Literatur selten analysiert wird. Crime in Europe Causes and Consequences, Entorf, Horst, Spengler, Hannes, 2002, IX, 235 p. 18 illus., Hardcover, ISBN: 3-540-42326-5
 
 
12) Polizei-Sprachführer zur WM 2006
An der Fachhochschule Villingen-Schwenningen wurde ein Sprachführer zur WM 2006 erstellt. Er wird auf weiteres nur im polizeilichen Intranet zur Verfügung gestellt. Kontakt: poststelle@fhpol-vs.de
 
 
13) ZIS – Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik
Ab 15.1.2006 wird ZIS als online-Zeitschrift monatlich erscheinen. Sie wird unter

www.zis-online.com ins Internet eingestellt; die komplette Ausgabe kann dann bequem als pdf-Datei ausgedruckt werden. Unter der angegebenen Adresse können Sie sich bereits jetzt einen Eindruck vom Erscheinungsbild der Zeitschrift machen.  Die Zeitschrift soll Raum geben für – auch längere – wissenschaftliche Aufsätze zum Deutschen und Internationalen Strafrecht und Strafprozessrecht. Dabei soll zum einen die Weiterentwicklung der Deutschen Strafrechtsdogmatik auf hohem Niveau ermöglicht, zum anderen aber auch die zunehmende Europäisierung des Strafrechts in den Blick genommen werden.
 
 
14) Handbuch der polizeilichen Jugendarbeit
Zwei erfahrene Polizeibeamte haben ein "Handbuch der polizeilichen Jugendarbeit" verfasst. So­wohl Wilfried Dietsch, Leiter der Stabsabteilung Einsatz, Ausbildung, Technik und ständiger Vertre­ter des Polizeipräsidenten der Bayerischen Bereitschaftspolizei, als auch Polizeihauptkommissar Werner Gloss, Leiter einer Arbeitsgruppe von Jugendbeamten und Koordinator für die polizeiliche Jugendarbeit bei der Polizeidirektion Fürth, haben darin ihre praktischen Erfahrungen einfließen lassen. Eine ausführliche Besprechung des Buches findet sich auf der Buchbesprechungsseite des PNL unter http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php. Quielle: Wifried Dietsch und Werner Gloss: Handbuch der polizeilichen Jugendarbeit. Prävention und kriminalpädagogische Intervention. Boorberg - Verlag, Stuttgart u.a., 1. Aufl. 2005, ISBN: 3-415-03380-5. 266 Seiten, € 23.00
 
 
15) Kommunale Kriminalprävention: Mehr Sicherheit für die Stadt?
Viel wird über die kommunale Kriminalprävention und ihre Wirkung geforscht und publiziert. Weniger Aufmerksamkeit erfuhren in der Literatur bisher aber diese Gremien und ihre Mitglieder selbst. Hier setzt die Diplomarbeit von Henning van den Brink „Kommunale Kriminalprävention. Mehr Sicherheit für die Stadt? Eine qualitative Studie über kommunale Präventionsgremien“ an, die in den Schriften zur empirischen Polizeiforschung im Verlag für Polizeiwissenschaft erschienen ist. Eine ausführliche Besprechung des Buches findet sich auf der Buchbesprechungsseite des PNL unter http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php. Quelle: Henning van der Brink. Kommunale Kriminalprävention: Mehr Sicherheit für die Stadt? Eine qualitative Studie über Kommunale Präventionsgremien. Verlag für Polizeiwissenschaft Clemens Lorei, Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-935 979 - 56 – 8. 132 Seiten,  € 15.90
 
 
16) Informationen gegen Kinderpornografie
Mit der Zunahme der Internet-Nutzung haben auch Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie zugenommen. Bereits vor einem Jahr startete deswegen eine Aufklärungskampagne, an der sich als Partner namhafte Internet-Service-Provider und Nachrichtenportale beteiligen.  Neben allgemeinen und allgemeinverständlichen juristischen Informationen über Kinderpornografie liegt ein Schwerpunkt der Kampagne auf dem Schutz von Kindern beim Umgang mit dem Netz und auf entsprechenden Informationsangeboten für Eltern. Hier eine Übersicht der Programme und Materialien: http://www.polizei-beratung.de/vorbeugung/gefahren_im_internet/so_schuetzen_sie_ihr_kind/

Weitere Initiativen: http://www.polizei-beratung.de/aktionen/kinderpornografie/weitere_initiativen/  Der zweite Fokus ist dem "richtigen" Umgang mit kinderpornografischen Inhalten im Netz gewidmet. Wer solche findet, darf nämlich nicht auf eigene Faust "Sheriff" spielen, da bereits der Besitz solcher Bilder strafbar ist. Wie man fachgerecht "Spuren sichert" und wo man sie dann zur weiteren Ermittlung der Polizei meldet, wird deswegen verständlich auf den Webseiten erklärt. Hinweise zum Umgang mit kinderpornografischen Inhalten:  http://www.polizei-beratung.de/aktionen/kinderpornografie/das_koennen_sie_selbst_tun/ Dem Schutz von Kindern widmet sich auch die Informations-Broschüre "Klicks-Momente - So unterstützen Sie Ihr Kind bei der Medienkompetenz". Interessierte erhalten das 44-seitige Heft kostenfrei: http://www.polizei- beratung.de/mediathek/kommunikationsmittel/broschueren/index/content_socket/broschueren/display/8/ Weitere Links zum Thema: http://www.polizei-beratung.de/aktionen/kinderpornografie/weitere_initiativen/ Aktionsplan der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung:  http://www.hinsehen-handeln-helfen.de/ Quelle: Journalisten-Newsletter der Polizei-Beratung, 03/2005
 
 
17) Migranten in Organisationen von Recht und Sicherheit
So heißt ein Forschungsprojekt des ISIP Hamburg. Das von der deutschen Volkswagen-Stiftung geförderte Projekt befasst sich mit der Frage nach der "kulturellen Elastizität" der Polizei, und zwar konkretisiert am Beispiel  der Aufnahmefähigkeit von Migranten in die Polizei. Die Studiengruppe untersucht einerseits die bisherigen Strategien, Begründungen und Erfolge der Integration und fragt andererseits nach Möglichkeiten der Intensivierung solcher Integration, und zwar nicht allein aus polizeistrategisch-instrumentellen, sondern aus integrationstheoretischen und integrationspolitischen Begründungen heraus. Dem liegt die Annahme zurunde, dass die Tätigkeit von Personen mit Migrationshintergrund in einer zentralen staatlichen Institution nicht nur positive Wirkungen auf die Integration der übrigen migrantischen Bevölkerung entfaltet, sondern angesichts des demographischen Wandels der deutschen Bevölkerung in den nächsten 25m Jahren auch zum zentralen Personalthema der Polizei avancieren wird. Methodisch weicht das Projekt etwas von den üblichen empirischen Forschungszugängen ab: Im Zentrum des Projekts stehen  sog. "Praktikerkonferenzen". In ihnen bilden Polizeibeamte und Mitglieder der Forschungsgruppe eine "multiprofessionelle Expertengruppe" und gleichzeitig eine unterschiedliche sozialisierte Kommunikationsgemeinschaft. Das Organisationswissen und die Erfahrung von Funktionsträgern in der Polizei (Einstellungsberater, Beamte mit Migrationshintergrund und solche in Einsatz- und Leitungsverantwortung) trifft in etwa zwölf Konferenzen auf das (feldunspezifische) Theorie- und Methodenwissen der Forschungsgruppe. Dieser Teil des Projekts bewegt sich eher auf der Ebene der hermeneutischen Prozess- und Interaktionsforschung als auf der einer klassischen sozialwissenschaftliche Datenproduktion. Die Erfahrungen anderer europäischer Staaten werden in drei länderübergreifenden Wissenschaftskolloquien (good practice-Konferenzen) ausgetauscht, und zwar mit Polizeiforschern aus Deutschland, Belgien, Großbritannien und Holland. Außerdem beteiligt sind die Mitglieder der Praktikerkonferenzen. Die Fragestellung tangiert politische und soziologische Interessen gleichermaßen, wenn man z.B. so unterschiedliche Integrationsansätze wie Assimilations- und Multikulturalitätskonzept vergleicht. Auch die Analyse der Organisationskultur der Polizei wird vor dem Hintergrund des Umgangs mit "Fremden" bereichert. Kontakte und sonstige Anregungen über rafael.behr@web.de oder isip@uni-hamburg.de