Polizeiwissenschaft : Newsletter
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Polizeiwissenschaft : Newsletter Nr. 211, Oktober 2017
 
Der Polizeiwissenschaft : Newsletter ist ein Kooperationsprodukt von TC TeamConsult, Genf/Zürich (CH) und Freiburg i. Br. (D) www.tc-teamconsult.com und dem Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Universität Bochum (Prof. Dr. Thomas Feltes), http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/ sowie den Masterstudiengängen Kriminologie und Polizeiwissenschaft und Criminal Justice, Governance and Police Science an der Ruhr-Universität Bochum.
 
1) Studie zu Türstehern
2) Tatort-Drehbuch von ehemaligem Bewährungshelfer
3) G20-Gipfel und das Vertrauen der Bevölkerung
4) Verbrechensquote in der Stadt und Einwanderung
5) Aufnahme von Straftaten bei Notrufen zu häuslicher Gewalt
6) Legendierte Fahrzeugkontrolle
7) Kriminalitätsfurcht und Polizei
8) Rechtsquiz zum Polizei- und Ordnungsrecht
9) Kosten der Kriminalität
10) Hacker-Angriff auf Telekom-Geräte
11) Ein einzelnes belastendes Ereignis kann langfristige Auswirkungen auf das Gehirn eines Menschen haben
12) Einkommensungleichheit und Kriminalitätsfurcht in Europa
13) Opfer von Polizeigewalt in den USA
14) Instrumente zu automatischer Risikobewertung und deren Verlässlichkeit
15) Verhindern von Wirtschaftsstraftaten durch Mitarbeiterlizenzierung
16) Auswirkungen eines Kasinos auf Straftaten in der Nachbarschaft
17) Keine charakterliche Eignung für den Polizeidienst bei Trunkenheit auf dem Fahrrad

 
1) Studie zu Türstehern
60 Nächte lang hat Christine Preiser vom MPI in Freiburg die Türsteher-Szene in drei Clubs beobachtet und dabei das Verhältnis zur Polizei untersucht. Die Ergebnisse ihrer ethnographischen Studie sind im Heft 3, 2017 des „Kriminologischen Journals“ veröffentlicht. http://www.krimj.de/index.php/de/
 
 
2) Tatort-Drehbuch von ehemaligem Bewährungshelfer
Paul Reiners, ein ehemaliger Bewährungshelfer, hat ein Drehbuch für eine Tatortfolge geschrieben, das aber von der Redaktion abgelehnt wurde. Die Leser können online über das Buch abstimmen. Bestellen kann man es überall, so auch hier: http://www.thalia.de
 
 
3) G20-Gipfel und das Vertrauen der Bevölkerung
Die Ereignisse rund um den Hamburger G20-Gipfel verdeutlichen abermals das Spannungsfeld, in dem sich die Polizei bewegt. Einerseits wird ihr großes Vertrauen entgegengebracht und andererseits werden polizeiliche Aktivitäten in den (sozialen) Medien zunehmend skandalisiert. Eine Untersuchung, veröffentlicht im Heft 2, 2017 der MSchrKrim befasst sich mit der Frage, ob das Vertrauen der Bevölkerung aus politischen Grundüberzeugungen hervorgeht. http://www.heymanns-mschrkrim.de/die-zeitschrift/
 
 
4) Verbrechensquote in der Stadt und Einwanderung
Die Forschung bietet wenig Nachweise für die ständig wiederkehrende Behauptung, dass mehr Einwanderung mit mehr Verbrechen in Zusammenhang steht. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie in den USA zeigen, dass Einwanderung sogar in Verbindung mit einer Abnahme an Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikten steht.  http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/15377938.2016.1261057
 
 
5) Aufnahme von Straftaten bei Notrufen zu häuslicher Gewalt
Auf Grund einer neuen Rechtslage ist die finnische Polizei verpflichtet, alle Körperverletzungen aufzunehmen und ihnen nachzugehen, auch bei häuslicher Gewalt. Die Taten können sogar ohne Einverständnis des Opfers strafrechtlich verfolgt werden. Die vorliegende Studie stellt die ersten empirischen Ergebnisse zu dieser gesetzlichen Neuregelung vor. http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/01924036.2017.1364277
 
 
6) Legendierte Fahrzeugkontrolle
Mit Urteil vom 26. April 2017 entschied der BGH, dass zwischen Strafprozess- und Gefahrenabwehrrecht ein allgemeiner Vorrang eines Rechtsgebietes nicht anzuerkennen ist. Vielmehr kann die Polizei auch während eines laufenden Ermittlungsverfahrens aufgrund einer gefahrenabwehrrechtlichen Grundlage präventiv tätig werden. Quelle: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=457
 
 
7) Kriminalitätsfurcht und Polizei
Unter Verwendung der Lifestyle-Exposure-Theorie untersucht eine Studie die Beziehung zwischen Kriminalitätsfurcht und Lebensstil. Dabei zeigte sich eine signifikante Beziehung zwischen Sichtbarkeit der Polizei und Kriminalitätsfurcht. Die Ergebnisse wiesen auch darauf hin, dass der Lebensstil einen Einfluss auf Kriminalitätsfurcht haben kann. Auch individuelle Merkmale wie Geschlecht, Ethnie und Wohnform stehen in einem positiven Zusammenhang zur Kriminalitätsfurcht. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0032258X16676289
 
 
8) Rechtsquiz zum Polizei- und Ordnungsrecht
“Legal Tribune Online” stellt ein Rechtsquiz zur Verfügung, das im Unterricht, aber auch zur Selbstkontrolle eingesetzt werden kann. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=458
 
 
9) Kosten der Kriminalität
Die Dissertation von Caroline von der Heyden an der Ruhr-Universität Bochum zu „Costs of Crime“ (Untertitel ”Towards a more humane, rational, and unified criminal justice policy in Germany”) ist online verfügbar unter http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=459
 
 
10) Hacker-Angriff auf Telekom-Geräte
Sicherheitsforscher der FU Berlin erstellten ein detailliertes Lagebild zu Hacker-Angriffen. Für die Darstellung der Daten nutzen die Forscher eine Analyse-Software, die im RiskViz-Projekt erstellt worden ist. Ziel ist es, ein digitales Lagebild über verwundbare Systeme im Internet zu erstellen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=460
 
 
11) Ein einzelnes belastendes Ereignis kann langfristige Auswirkungen auf das Gehirn eines Menschen haben
Eine Studie bestätigt erneut, dass eine einzige schwere Belastung durch ein plötzliches Ereignis (einen Verkehrsunfall, eine Naturkatastrophe, eine Gewaltepisode) schwere, Jahre andauernde neuropsychiatrische Störungen zur Folge haben kann (sog. posttraumatische Belastungsstörung, PTSD). http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=461
 
 
12) Einkommensungleichheit und Kriminalitätsfurcht in Europa
Eine Studie verwendet Daten aus dem European Social Survey (N = 56,752 aus 29 Ländern), um Hypothesen zum Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und Verletzlichkeitsempfinden weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse bestätigen, dass Individuen in Gesellschaften mit höherer Einkommensungleichheit mehr Angst vor Kriminalität haben, ebenso ältere und behinderte Menschen sowie Frauen. Angehörige ethnischer Mehrheiten und anderen Minderheiten berichten ebenfalls von mehr Kriminalitätsfurcht, wenn sie in Ländern mit hoher Einkommensungleichheit leben. Je höher die Einkommensungleichheit, umso höher die Verbrechensfurcht und umso niedriger das subjektive Wohlbefinden. http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1477370816648993
 
 
13) Opfer von Polizeigewalt in den USA
2015 wurden fast 1.000 Menschen Opfer von Polizeischüssen in den USA. Eine Auswertung der Berichterstattung in der Washington Post zeigt, dass Minderheiten signifikant weniger als Weiße zuvor die Polizei attackiert hatten und dass Schwarze doppelt so oft wie Weiße unbewaffnet waren. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1745-9133.12269/full
 
 
14) Instrumente zu automatischer Risikobewertung und deren Verlässlichkeit
2014 standen in den Vereinigten Staaten 6.851.000 erwachsene Personen unter Strafaufsicht (correctional supervision). Nach Entlassung aus dem Gefängnis wurden innerhalb von fünf Jahren 77 % erneut straffällig. Zunehmend werden sog. Risikobewertungsinstrumente eingesetzt, um Rückfälligkeit vorauszusagen, kriminogene Faktoren zu bestimmen und um die vorhandenen Ressourcen dort einzusetzen, wo das größte Strafrückfälligkeitsrisiko besteht. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1745-9133.12272/abstract
 
 
15) Verhindern von Wirtschaftsstraftaten durch Mitarbeiterlizenzierung
Lizenzierungsprogramme für Mitarbeiter der Sicherheitsbranche werden in einer wachsenden Zahl von Ländern eingeführt und sind zu einem bedeutenden Kontrollelement geworden. Dieser Artikel dokumentiert das Lizenzierungsprogramm in Schweden und analysiert sein Potenzial zur Förderung der Regeleinhaltung und Verhinderung von Wirtschaftsverbrechen. https://link.springer.com/article/10.1057/sj.2014.45?wt_mc=alerts.TOCjournals
 
 
16) Auswirkungen eines Kasinos auf Straftaten in der Nachbarschaft
Acht Jahre lang wurden nach der Neueröffnung eines Kasinos Daten erhoben und untersucht, ob und in welchem Ausmaß sich die Zahl der Straftaten im Umfeld verändert hatte. Die Ergebnisse zeigen, dass der Betrieb des Kasinos keine signifikante Auswirkung auf die Kriminalität hatte, sondern sich Drogendelikte und Hauseinbrüche in der Umgebung um das Kasino sogar verringerten. https://link.springer.com/article/10.1057/sj.2014.28?wt_mc=alerts.TOCjournals
 
 
17) Keine charakterliche Eignung für den Polizeidienst bei Trunkenheit auf dem Fahrrad
Ein Bewerber, der mit mehr als 2,25 Promille als Fahrradfahrer im Straßenverkehr aufgefallen ist oder Feuerwerkskörper in Richtung eines Kinderspielplatzes geworfen hat, ist für den Polizeidienst charakterlich nicht geeignet.  http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=462