Polizeiwissenschaft : Newsletter
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Polizeiwissenschaft : Newsletter Nr. 213, Dezember 2017
 
Der Polizeiwissenschaft : Newsletter ist ein Kooperationsprodukt von TC TeamConsult, Genf/Zürich (CH) und Freiburg i. Br. (D) www.tc-teamconsult.com und dem Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Universität Bochum (Prof. Dr. Thomas Feltes), http://www.kriminologie.ruhr-uni-bochum.de/ sowie den Masterstudiengängen Kriminologie und Polizeiwissenschaft und Criminal Justice, Governance and Police Science an der Ruhr-Universität Bochum.
 
1) Beginn des Loveparade-Prozesses in Düsseldorf
2) Medienmisstrauen und die Folgen für die Demokratie
3) Die Kleingartenanlage als kriminalgeografischer Raum
4) Ostdeutsche Lebenslügen
5) Makrotrends beim Migrantenschmuggel nach Europa
6) Gewalt und Polizeieinsätze in Notunterkünften
7) Künstliche Intelligenz in der Polizeiarbeit
8) Flucht als Sicherheitsproblem
9) Profilerstellung aufgrund des Gesichtes: Ethnie, körperliche Erscheinung und Bestrafung
10) Ungleichverteilung in deutschen Haftanstalten
11) Arbeitsstrafe für Arme
12) Zunahme der Kindeswohlgefährdung
13) Entwicklungsverläufe bei Betrugstätern
14) Veränderungen der Verbrechensverteilung bei Personen verschiedenen sozioökonomischen Hintergrundes im Laufe der Zeit
15) Nachwuchspreis für Dissertation zur Fluchtgefahr
16) Sanktionsrisikoeinschätzungen von Jugendlichen
17) Nachbarschaftliche soziale Kontrolle und Wahrnehmungen von Verbrechen und Unordnung im urbanen China
18) Strategieprinzipien bei kriminalpolizeilichen Untersuchungen
19) Drogenhändler und Humor
20) Studie zum Tragen verdeckter Feuerwaffen auf Universitätscampussen der USA
21) Zu seltene Meldung von Totschlag durch die Polizei in den Vereinigten Staaten

 
1) Beginn des Loveparade-Prozesses in Düsseldorf
Am 08. Dezember 2017 beginnt der Prozess in den Düsseldorfer Messehallen gegen 10 Angeklagte – Mitarbeiter des Veranstalters und der Stadt Duisburg. Das Verfahren muss spätestens Mitte 2020 beendet sein, da dann die absolute Verjährungsfrist endet. Wer sich über den Ablauf des Prozesses informieren will, kann dies auf einem von Thomas Feltes tun, der den Vater einer getöteten Bochumer Jura-Studentin als Nebenkläger vertritt. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=471 Zum Blog: http://www.loveparadeprozess.blog
 
 
2) Medienmisstrauen und die Folgen für die Demokratie
Die Otto-Brenner-Stiftung hat eine Untersuchung veröffentlicht, nach der sich Polarisierungstrends bestätigen. Demnach misstrauen Ostdeutsche und AfD-Wähler den Medien am stärksten. Das Vertrauen in Medien bleibt hoch, gleichzeitig steigt das Misstrauen stark an. Glaubwürdigkeit der Medien und Vertrauen in demokratische Institutionen sind eng gekoppelt: Lediglich 18 % der Menschen, die Medien misstrauen, sind mit der Demokratie zufrieden. Der Zusammenhang ist schwächer bei Justiz und Polizei. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=472
 
 
3) Die Kleingartenanlage als kriminalgeografischer Raum
Gelten für die Kleingartenanlage die Zusammenhänge wie in der gut beforschten Wohnumgebung? Die Studie zum Kleingarten als kriminalgeographischer Raum knüpft im Wesentlichen an gut replizierte Ergebnisse der kriminologischen Forschung an. Im Hinblick auf die Wirksamkeit von Präventionskampagnen in Kleingartenanlagen ist insbesondere die Aktivierung der Präventionsbereitschaft von Bedeutung, da diese von differenzierten Aushandlungsprozessen innerhalb des Kollektivs abhängig ist. https://www.kriminalistik.de/ausgabe/inhalt-der-ausgabe-oktober-2017
 
 
4) Ostdeutsche Lebenslügen
Zentral für das Verständnis der ostdeutschen Unzufriedenheit, die sich bei einem beängstigend hohen Anteil Ostdeutscher derzeit in der Wahl rechtsextrem durchwirkter Parteien wie der AfD manifestiert, sind vor allem drei Entwicklungen, die sich aus dem Zusammenspiel von ostdeutscher Sozialisation und ostdeutscher Situation ergeben: die überhöhten Erwartungshaltungen vor und nach 1989, spezifische politische Regionalkulturen und ein generationeller Bias. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=473
 
 
5) Makrotrends beim Migrantenschmuggel nach Europa
Dieser Artikel identifiziert die analytischen und empirischen Merkmale der Märkte für Schmuggeldienste. Er zeigt, dass diese Märkte die Fähigkeit haben, sich beträchtlich auszudehnen und das oft in nur kurzer Zeit. Das Papier schließt mit einer Diskussion über einige politische Auswirkungen, darunter auch die Einführung einer Politik zu Lande, die als wirkungsvoller als Marineoperationen angesehen wird. https://bulletin.cepol.europa.eu/index.php/bulletin/article/view/242
 
 
6) Gewalt und Polizeieinsätze in Notunterkünften
Mehrere Beiträge im Heft 16, 3, 2017 der Zeitschrift „Criminology and Public Policy” beschäftigen sich mit den Problemen (u. a. von Haftentlassenen) in Notunterkünften und der öffentlichen Wahrnehmung dieser Unterkünfte. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/capp.2017.16.issue-3/issuetoc
 
 
7) Künstliche Intelligenz in der Polizeiarbeit
Der Zweck dieses Papieres ist es, französische Entwicklungen in der vorhersagenden Analyse zu beschreiben und die potenzielle Verwendung künstlicher Intelligenz auf verschiedenen Gebieten der kriminalpolizeilichen Intelligenz zu eröffnen, ohne die Risiken dieser neuen Entwicklungen auszuklammern. https://bulletin.cepol.europa.eu/index.php/bulletin/article/view/244
 
 
8) Flucht als Sicherheitsproblem
Der erste „Fluchtpunkt“ des Forschungsprojekts „Flucht als Sicherheitsproblem“ an der Ruhr-Universität Bochum gibt einen Überblick über Probleme bei der Interpretation der Polizeilichen Kriminalstatistik. Diese und weitere Veröffentlichungen finden sich unter http://www.flucht.rub.de/index.php/de/veroeffentlichungen . Dort kann man auch einen Info-Brief abonnieren.
 
 
9) Profilerstellung aufgrund des Gesichtes: Ethnie, körperliche Erscheinung und Bestrafung
Der Artikel untersucht die Zusammenhänge zwischen körperlichem Erscheinungsbild, Wahrnehmung von Bedrohung und Bestrafung. Die Ergebnisse zeigen, dass das Erscheinungsbild schwarzer Beschuldigter als bedrohlicher wahrgenommen wird. Andere Gesichtsmerkmale wie körperliche Attraktivität, Babygesicht, Gesichtsnarben und sichtbare Tätowierungen beeinflussen die wahrgenommene Bedrohung ebenso, genau wie ein Vorstrafenregister. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1745-9125.12143/full
 
 
10) Ungleichverteilung in deutschen Haftanstalten
Zu voll oder zu leer: Doppelt belegte Zellen, bis zu acht Menschen in Gemeinschaftsräumen. Während es in vielen Haftanstalten eng wird, stehen andere kurz vor ihrer Schließung. Dieses Ungleichgewicht zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse Agentur. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=474
 
 
11) Arbeitsstrafe für Arme
Als Alternative zur uneinbringlichen Geldstrafe, die eine Ersatzfreiheitsstrafe nach sich ziehen würde, ist in den letzten Jahrzehnten die freie, gemeinnützige Arbeit eingeführt worden. Auf diese Weise hat sich, zusätzlich zur Geld- und Ersatzfreiheitsstrafe, eine Arbeitsstrafe für Arme etabliert. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=475
 
 
12) Zunahme der Kindeswohlgefährdung
2016 führten die Jugendämter in Deutschland rund 136.900 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls durch (sexuelle Gewalt, körperliche/psychische Misshandlung, Vernachlässigung). Dies bedeutet einen Anstieg um 5,7 % gegenüber dem Vorjahr. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=476
 
 
13) Entwicklungsverläufe bei Betrugstätern
Die Studie beschreibt die kriminelle Karriere von Betrügern und unterscheidet verschiedene Aspekte wie Regelmäßigkeit, Vielseitigkeit und Spezialisierung. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Betrugstäter vielseitig in dem Sinne sind, dass sie signifikante Vorstrafenregister für andere schwere Verbrechen haben (also nicht für Betrug), sich gleichzeitig aber auf Betrug spezialisiert haben. Die klassische Kluft zwischen dem typischen Wirtschaftskriminellen und dem gewöhnlichen Kriminellen findet sich keine nicht. http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1477370816677620
 
 
14) Veränderungen der Verbrechensverteilung bei Personen verschiedenen sozioökonomischen Hintergrundes im Laufe der Zeit
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sich Verbrechenstrends je nach sozioökonomischem Hintergrund unterscheiden: Eine Abnahme von Verbrechen (Diebstähle) ist stärker bei den Wohlhabenden und ein Anstieg (Gewaltverbrechen) ist hauptsächlich in den unteren Einkommensebenen zu finden. Verschiedene Mechanismen können zum Verständnis beitragen, warum Verbrechen sich zunehmend bei den weniger wohlhabenden gesellschaftlichen Gruppen konzentrieren. http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1477370816682979
 
 
15) Nachwuchspreis für Dissertation zur Fluchtgefahr
Die Dissertation „Die Fluchtprognose im Untersuchungshaftrecht. Eine empirische Untersuchung der Fluchtgefahr nach § 112 Abs. 2 Nr. 2 StPO“ wurde mit dem Nachwuchspreis der Kriminologischen Gesellschaft e.V. geehrt. Die Arbeit untersucht anhand einer Aktenanalyse, auf welche Faktoren Fluchtgefahr empirisch tatsächlich gestützt werden kann. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=477
 
 
16) Sanktionsrisikoeinschätzungen von Jugendlichen
Eine soziologische Langzeitstudie ist seit 2002 in vier Erhebungswellen mit 1.950 Duisburger Schülern der Frage nachgegangen, inwieweit Sanktionsrisikoeinschätzungen delinquentes Handeln beeinflussen. Die teilweise überraschenden Ergebnisse sind in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 2017 (69): 259-282 veröffentlicht. http://kzfss.uni-koeln.de/aktuelles-heft/
 
 
17) Nachbarschaftliche soziale Kontrolle und Wahrnehmungen von Verbrechen und Unordnung im urbanen China
Der Artikel untersucht die Auswirkungen verschiedener Formen nachbarschaftlicher sozialer Kontrolle auf verschiedene Arten wahrgenommener Unordnung. Kollektive Wirkungskraft als Form informeller Kontrolle hat nur auf die wahrgenommene soziale Unordnung eine signifikante Wirkung. Öffentliche Kontrolle hat eine signifikante kontextabhängige Wirkung auf alle Formen von Unordnung, halböffentliche Kontrolle wirkt sich auf alle Formen von Unordnung aus. http://onlinelibrary.wiley.com/wol1/doi/10.1111/1745-9125.12142/abstract
 
 
18) Strategieprinzipien bei kriminalpolizeilichen Untersuchungen
„Strategie“ ist eine weitläufige Sammlung von Ideen und Erkenntnissen, die seit langem angewandt wird. Die hier vorgestellte Analyse wendet verschiedene Strategiekonzepte auf kriminalpolizeiliche Untersuchungen an, so Ideen von historischen Strategiemeistern wie Sun Tzu, Che Guevara, von Clausewitz, Lawrence „von Arabien“ und Mao Zedong u.a. https://bulletin.cepol.europa.eu/index.php/bulletin/article/view/247
 
 
19) Drogenhändler und Humor
Humor unterstützt die Identitätsbildung bei illegalen Drogenhändlern auf verschiedene Arten und Humor ist eine wichtige symbolische Grenzmarkierung, mit der sich Dealer von anderen, die sie als „blöd“ oder weniger umsichtig erachten, unterscheiden. Dealer verwenden in ihren Narrativen abschätzigen Humor, um ihre früheren und virtuellen Identitäten von ihren jetzigen Identitäten zu distanzieren. Humor reduziert auch die Wahrnehmung von Bedrohung durch die Polizei. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1745-9125.12148/full
 
 
20) Studie zum Tragen verdeckter Feuerwaffen auf Universitätscampussen der USA
Eine Studie hat die Einstellung von Universitätsangehörigen zum Tragen von verdeckten Feuerwaffen an US-amerikanischen Universitäten untersucht. Dort ist der Glaube weitverbreitet, dass die Selbstbewaffnung von Studenten und Mitarbeitern einen abschreckenden Effekt auf Kriminelle habe. Die Studie identifiziert mehrere Faktoren die diese Einstellung befördern, darunter Angst vor Gewalt, ein hohes Maß an Misstrauen in Polizei und Regierung sowie die allgemeine politische Orientierung. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0734016816686660
 
 
21) Zu seltene Meldung von Totschlag durch die Polizei in den Vereinigten Staaten
Tötungsdelikte von Polizeibeamten werden in den Vereinigten Staaten nicht genau gemeldet. Das FBI zählt jedes Jahr etwa 500 Tötungsdelikte, während andere Quellen von 1.000 oder auch mehr von der Polizei getöteten Menschen sprechen. Messfehler waren die Hauptquelle für zu seltenes Melden. Wenn die Polizeibeteiligung auf der Todesurkunde nicht erwähnt wurde, wurde der Todesfall als ziviler Totschlag eingeordnet. Quelle: http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1088767917693358