{"id":1120,"date":"2019-01-15T19:26:02","date_gmt":"2019-01-15T18:26:02","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1120"},"modified":"2019-01-15T19:26:02","modified_gmt":"2019-01-15T18:26:02","slug":"andre-schulz-aufgaben-und-taetigkeiten-von-kriminalistinnen-in-deutschland-rezensiert-von-ulf-kuech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1120","title":{"rendered":"Andr\u00e9 Schulz &#8211; Aufgaben und T\u00e4tigkeiten von Kriminalist*innen in Deutschland &#8211; Rezensiert von: Ulf K\u00fcch"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Schulz, Andr\u00e9;<\/em> Aufgaben und T\u00e4tigkeiten von Kriminalist*innen in Deutschland. Eine empirische Bestandsaufnahme und Bewertung;<\/strong> Felix Verlag Holzkirchen 2018. Bochumer Schriften zur Rechtsdogmatik und Kriminalpolitik Bd. XXXXVIII.\u00a0 ISBN 9783862935482, Preis 29.- Euro.<\/p>\n<p><strong><em><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1122 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/aufgaben_kriminalistinnen-106x150.png\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/aufgaben_kriminalistinnen-106x150.png 106w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/aufgaben_kriminalistinnen.png 200w\" sizes=\"(max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Thema \u201eBerufsbild der Kriminalpolizei\u201c betritt die Studie von Schulz aktuell \u201eNeuland\u201c, da wir es in der kriminalpolizeilichen Ausbildung in der Bundesrepublik mit einem \u201eFlickenteppich\u201c analog der f\u00f6deralistischen Struktur der Polizei zu tun haben. Schulz legt in seiner Untersuchung offen, dass es ein wissenschaftlich fundiertes Berufsbild der \u201eKriminalpolizei\u201c in der Bundesrepublik fl\u00e4chendeckend nicht gibt und mithin die erforderlichen Grundvoraussetzungen f\u00fcr ein Berufsbild von Kriminalist*innen im Hinblick auf ein einheitliches Anforderungsprofil nicht existieren. Damit sind Standards in der \u201eKripoausbildung\u201c sofern diese \u00fcberhaupt zielgerichtet verfolgt werden, auch kaum vorhanden.<!--more--><\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass die Rekrutierung und Ausbildung von Kriminalist*innen in der Bundesrepublik Deutschland sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Insbesondere die in vielen Bundesl\u00e4ndern Mitte der 1990iger Jahre eingef\u00fchrte\u201c sog. \u201eEinheitsausbildung\u201c steht im Ergebnis der hier vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung einer fortschrittlichen Kriminalpolizei des 21. Jahrhundert diametral entgegen.<\/p>\n<p>Schulz will mit seiner Studie einen bundesweiten und repr\u00e4sentativen Vergleich erm\u00f6glichen. Dazu m\u00fcsste grunds\u00e4tzlich eine ausreichende Anzahl von Proband*innen, die in der Kriminalit\u00e4tssachbearbeitung t\u00e4tig sind, entweder in allen Bundesl\u00e4ndern oder zumindest in einer angemessenen Anzahl von Bundesl\u00e4ndern befragt werden. Der Autor hat auf diese M\u00f6glichkeit verzichtet, da daf\u00fcr die Genehmigung durch das jeweilige Innenministerium bzw. die Innenbeh\u00f6rde erforderlich gewesen w\u00e4re und ihm (wie uns allen) aus der Vergangenheit und anderen Forschungsvorhaben bekannt ist, dass diese Genehmigungen in der Regel &#8211; aus verschiedenen Gr\u00fcnden &#8211; nicht erteilt werden. Schulz umgeht dieses Problem, in dem er alle aktiven verbeamteten BDK-Mitglieder, von denen mindestens eine E-Mail-Adresse in der Mitglieder-datei vorhanden war, in die Umfrage einbezieht. Insgesamt wurden im Mai 2017 ca. 6.300 Personen aus allen 16 Bundesl\u00e4ndern, dem BKA und der Bundespolizei, und aus allen Bereichen der Kriminalit\u00e4tssachbearbeitung im Alter von 18 bis 63 Jahren befragt. Davon waren 28 % weiblich. Die R\u00fccklaufquote betrug 24 %. Zusammenfassen kommt Schulz zu dem Ergebnis, dass eine wissenschaftlich fundierte kriminalistische Ausbildung derzeit in der Bundesrepublik Deutschland eher die Ausnahme zu sein scheint. Bis auf wenige Lehrst\u00fchle an einigen Akademien und Fachhochschulen der L\u00e4nderpolizeien, ist eine entsprechende Ausbildung bzw. ein Studium in Deutschland derzeit nur an der Ruhr-Universit\u00e4t in Bochum m\u00f6glich. Selbst die \u201eDeutsche Hochschule der Polizei\u201c in M\u00fcnster hat es bislang vers\u00e4umt hier einen entsprechenden Forschungsbereich aufzustellen. Damit macht der Autor klar, dass die Kriminalistik als eigenst\u00e4ndige Wissenschaft ein \u201eMauerbl\u00fcmchendasein\u201c in der bundesdeutschen Hochschullandschaft fristet.<\/p>\n<p>In Zeiten einer sich immer schneller ver\u00e4ndernden Kriminalit\u00e4tslandschaft ist die vorliegende Arbeit quasi ein Weckruf, um das Ruder in der Ausbildung von Kriminalist*innen umzulegen.\u00a0 Dabei ist die Verlagerung polizeilicher Ausbildungen zum \u201eEinheitspolizisten\u201c ist ein, wie Schulz auch darlegt, innerhalb der Organisation Polizei durchaus umstrittenes Thema. Nachdenklich stimmt, dass in Zeiten von Nachwuchsproblemen gerade in den Sicherheitsbeh\u00f6rden viele junge Menschen nicht mehr den Weg in die Polizei suchen, da ihnen vielfach der fachliche Ausbildungsweg in die Kriminalpolizei von vornherein verwehrt wird und sie nur mit \u201eviel Gl\u00fcck\u201c nach Jahren einen Spartenwechsel vornehmen k\u00f6nnen. Speziell in Bezug auf die von Schulz er\u00f6rterten Historie der deutschen Kriminalpolizei und ihrer Entwicklung \u00fcber einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren, steht das eigentlich verfassungsrechtlich garantierte \u201eInstrument\u201c der Kriminalpolizei f\u00fcr eine umfassende und nachhaltige Straftatenerforschung mittlerweile auf sehr t\u00f6nernen Beinen und ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Schulz hat bei seinen empirischen Untersuchungen seitens der Innenbeh\u00f6rden von Bund und Land so gut wie keine Unterst\u00fctzung erhalten. Man hat sich dort in Fragen der kriminalistischen Aus- und Fortbildung sowie der Personalrekrutierung \u201ebedeckt\u201c gehalten hat. Daher war er gezwungen, seine Studie im Bereich der Mitglieder des Bund Deutscher Kriminalbeamter durchzuf\u00fchren, die es ihm erlaubten auf aktive Kriminalistinnen und Kriminalisten sowie Berufsanf\u00e4nger zur\u00fcckzugreifen. Insbesondere bei den Fragen zur Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung in Bezug auf einzelne Bundesl\u00e4nder sind die dort aufgef\u00fchrten Ergebnisse erschreckend und lassen dringenden politischen Handlungsbedarf erforderlich erscheinen.<\/p>\n<p>Schulz kommt u. a. zu folgenden Ergebnissen: Die kriminalpolizeiliche Aus- und Fortbildung in Deutschland ist grunds\u00e4tzlich an keinem verbindlich wissenschaftlich orientierten Konzept ausgerichtet. Die Einheitspolizistenausbildung vieler Bundesl\u00e4nder ist keine \u201eAntwort\u201c auf die immer komplexer werdende Kriminalit\u00e4t im 21. Jahrhundert. Die meisten aktuellen Kriminalpolizeien in Bund und Land sind \u00fcberaltert und personell h\u00e4ufig unterbesetzt. Insbesondere in der Bek\u00e4mpfung der IT-Kriminalit\u00e4t ist die kriminalpolizeiliche Qualifikation h\u00e4ufig infolge der Vernachl\u00e4ssigung von Aus- und Fortbildung sehr unzureichend. Der \u201eBeruf\u201c der Kriminalistin und des Kriminalisten ist in der Regel unattraktiv geworden, da neben Einkommenseinbu\u00dfen (Schichtzulagen pp.) die Bef\u00f6rderungsm\u00f6glichkeiten in der Regel wenig aussichtsreich sind und damit auch im Bereich der Besoldung eher mit niedrigem Einkommen zu rechnen ist. Die unterschiedlichen Laufbahnverl\u00e4ufe, Aufstiegsm\u00f6glichkeiten und Einstellungsvoraussetzungen in den Bundesl\u00e4ndern f\u00fchren bei potentiellen Bewerbern*innen vielfach zur Resignation, den anvisierten Beruf des Kriminalisten*in dann nicht anzustreben. So gehen wertvolle potentielle Nachwuchskr\u00e4fte verloren.<\/p>\n<p>Mit seiner Untersuchung zu den \u201eAufgaben und T\u00e4tigkeiten der Kriminalist*innen in Deutschland\u201c liegt ein fundiert wissenschaftliches Werk zu den Hintergr\u00fcnden und erkennbaren Handlungsdefiziten vieler deutscher Kriminalpolizeien vor. Zudem werden Ausbildungsdefizite aufgezeigt. Da das 1975 erstellte sog. (\u201eSaarbr\u00fccker Gutachten\u201c) nie der \u00d6ffentlichkeit offiziell vorgelegt wurde und man offensichtlich die dort gewonnenen Erkenntnisse auf eine moderne Kriminalpolizei nicht umgesetzt hatte, ist es nun an der Zeit, Konsequenzen aus der Bestandsaufnahme von Schulz zu ziehen. Das vorliegende Werk ist dabei ein wichtiger Ansto\u00df zu einem erforderlichen Umdenkungsprozess bei den Personalplanern und bei den Verantwortlichen in den Aus- und Fortbildungsst\u00e4tten, den\u00a0 Innenministerien, Polizeiakademien\/Fachhochschulen und der Deutschen Hochschule der Polizei, um endlich einer qualifizierten und einheitlich an Standards orientierten kriminalistischen Ausbildung den entscheidenden Impuls zu geben.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Ulf K\u00fcch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schulz, Andr\u00e9; Aufgaben und T\u00e4tigkeiten von Kriminalist*innen in Deutschland. Eine empirische Bestandsaufnahme und Bewertung; Felix Verlag Holzkirchen 2018. 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