{"id":1133,"date":"2019-01-29T16:20:58","date_gmt":"2019-01-29T15:20:58","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1133"},"modified":"2019-01-29T16:20:58","modified_gmt":"2019-01-29T15:20:58","slug":"irene-mihalic-polizeiliche-einsaetze-kriminalitaet-und-raum-eine-kriminalgeografische-analyse-auf-basis-polizeilicher-einsatzdaten-und-sozialstrukturdaten-der-stadt-gelsenkirchen-rezensiert-von","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1133","title":{"rendered":"Irene Mihalic &#8211; Polizeiliche Eins\u00e4tze, Kriminalit\u00e4t und Raum. Eine kriminalgeografische Analyse auf Basis polizeilicher Einsatzdaten und Sozialstrukturdaten der Stadt Gelsenkirchen &#8211; Rezensiert von: Astrid Klukkert"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Mihalic, Irene;<\/em> Polizeiliche Eins\u00e4tze, Kriminalit\u00e4t und Raum. Eine kriminalgeografische Analyse auf Basis polizeilicher Einsatzdaten und Sozialstrukturdaten der Stadt Gelsenkirchen; <\/strong>Felix-Verlag Holzkirchen, Bochumer Schriften Bd. 45, 2018, 300 S., ISBN 978-3-86293-545-1, 29.- Euro<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1134 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mihalic_irene_plizeiliche_einsatzkraefte-105x150.png\" alt=\"\" width=\"105\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mihalic_irene_plizeiliche_einsatzkraefte-105x150.png 105w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mihalic_irene_plizeiliche_einsatzkraefte.png 200w\" sizes=\"(max-width: 105px) 100vw, 105px\" \/><\/p>\n<p>In der Kriminologie wird der Zusammenhang zwischen Wohnort und Kriminalit\u00e4t seit langem empirisch untersucht. Entsprechende kriminalgeografische Studien anhand von Daten aus der polizeilichen Kriminalstatistik wurden relativ h\u00e4ufig durchgef\u00fchrt. Woran es mangelt sind einerseits Analysen anhand weiterer, polizeilich verf\u00fcgbarer Daten und andererseits r\u00e4umliche Vergleiche mit verf\u00fcgbaren Sozialdaten. Hier nun setzt die vorliegende Studie an.<!--more--><\/p>\n<p>Die Verfasserin legt eine kriminalgeografische Analyse auf Basis polizeilicher Einsatzdaten und Sozialstrukturdaten f\u00fcr die Stadt Gelsenkirchen vor. F\u00fcr das Gebiet der Stadt Gelsenkirchen sind derartige Analysen bisher nicht durchgef\u00fchrt worden. Dabei w\u00fcrde, wie die Verfasserin betont, \u201eeine raumbezogene Betrachtung von Kriminalit\u00e4tsschwerpunkten und der T\u00e4tigkeit der Polizei den politisch und polizeilich Verantwortlichen weitere M\u00f6glichkeiten bieten gezielte Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen zu ergreifen und auch polizeiliches Handeln zu effektivieren\u201c (S.1). Die vorliegende Arbeit soll daher einen Beitrag zur kriminalgeografischen Forschung leisten und \u201eInformationen zu Kriminalit\u00e4t und polizeilichem Handeln im Kontext mit sozialr\u00e4umlichen Bedingungen im Gelsenkirchener Stadtgebiet zusammentragen und analysieren\u201c (aaO.).<\/p>\n<p>Das Ziel der Studie bestand darin, \u00fcber eine deskriptive Analyse ein Bild \u00fcber die quantitative und qualitative Verteilung von Kriminalit\u00e4t und polizeilichen Eins\u00e4tzen im Gelsenkirchener Stadtgebiet zu erhalten und \u00fcber den Vergleich mit sozial-strukturellen Daten Hinweise auf besonders belastete R\u00e4ume zu erlangen. Durch das Zusammenf\u00fchren dieser beiden Analysen soll gezeigt werden, ob und inwieweit Kriminalit\u00e4t sozialr\u00e4umlich mit anderen sozialen Problemen einer Gemeinde einhergeht. Daraus wiederum k\u00f6nnen Ma\u00dfnahmen abgeleitet werden, die \u00fcber den \u00fcblichen, im Ergebnis jedoch beschr\u00e4nkten Ansatz einer reinen Kriminalpr\u00e4vention hinausgehen.<\/p>\n<p>Die Studie basiert auf Daten der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), auf polizeilichen Einsatzdaten sowie auf Sozialstrukturdaten, die von der Stadtverwaltung Gelsenkirchen eigens f\u00fcr die Studie aufbereitet wurden. Da das Innenministerium NRW die urspr\u00fcnglich gew\u00fcnschten IGVP-Daten nicht bereitstellte, wurden Einsatzdaten f\u00fcr das Gelsenkirchener Stadtgebiet aus dem Einsatzleitsystem eCEBIUS verwendet. Darin enthalten sind jeweils die Uhrzeit des Beginns der elektronischen Einsatzbearbeitung sowie des Einsatzendes, die Einsatz\u00f6rtlichkeit (anonymisiert), der Einsatzanlass sowie die Anzahl und Art der eingesetzten Einsatzmittel, wie z.B. Funkstreifenwagen oder Zivilfahrzeuge. Das zuvor entwickelte Kategoriensystem f\u00fcr die Auswertung der eCEBIUS-Daten ist auch f\u00fcr zuk\u00fcnftige Studien (und auch f\u00fcr polizeiinterne Auswertungen) in diesem Bereich wertvoll. Die urspr\u00fcnglich und in dem System vorgesehenen 245 Einsatzanlassarten wurde hier auf 11 auswertbare Oberkategorien reduziert.<\/p>\n<p>Konkret zeigt die Verfasserin auf, dass in Gelsenkirchen Stadtgebiete mit einer enorm verdichteten Einsatzsituation sowie gro\u00dfen sozialen Problemen auf der einen Seite Gebieten mit vergleichsweise geringerem Einsatzaufkommen gegen\u00fcberstehen. Dabei zeigen sich Wechselbeziehungen. So kann sowohl hinsichtlich der sozialstrukturellen Situation, als auch hinsichtlich der Kriminalit\u00e4tsbelastung von einem Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle gesprochen werden. Im Gelsenkirchener S\u00fcden leben insgesamt weniger Menschen als im Norden, aber deutlich mehr Personen mit Migrationshintergrund. Zudem ist die wirtschaftliche Situation im S\u00fcden, gemessen an der Transferleistungsquote, wesentlich prek\u00e4rer als im Norden. Die Wohnverh\u00e4ltnisse im S\u00fcden sind gemessen an der Wohndauer weniger stabil als im Norden. Auch die Kriminalit\u00e4tsbelastung (ermittelt anhand von Daten aus der PKS) ist ungleich verteilt. Legt man die H\u00e4ufigkeitszahl zugrunde, ist der Gelsenkirchener S\u00fcden deutlich st\u00e4rker von Kriminalit\u00e4t belastet als der Norden, was angesichts m\u00f6glicher Zusammenh\u00e4nge zwischen schwierigen sozialstrukturellen Bedingungen und kriminalit\u00e4tsbeg\u00fcnstigenden Faktoren nicht verwundert. Die Verfasserin hebt auch hervor, dass durch die Verr\u00e4umlichung sozialstruktureller Faktoren und die Zuschreibung kriminalit\u00e4tsf\u00f6rdernder Merkmale zu bestimmten R\u00e4umen raumbezogene Stigmatisierungen entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Unterschiede wie bei der Analyse der PKS zeigten sich bei der Verteilung der polizeilichen Funkstreifenwageneins\u00e4tze. Bezogen auf die Zust\u00e4ndigkeitsbereiche der Polizeiwachen Nord und S\u00fcd, die auch den PKS-Gebieten entsprechen, wurden die meisten Eins\u00e4tze im Gelsenkirchener S\u00fcden wahrgenommen. Die inhaltlichen Schwerpunkte polizeilicher Einsatzbew\u00e4ltigung in Gelsenkirchen lagen bei Anl\u00e4ssen aufgrund von Straftaten. Die am zweith\u00e4ufigsten vertretene Einsatzkategorie war die Gefahrenabwehr, gefolgt von Eins\u00e4tzen aus Verkehrsanl\u00e4ssen und Eins\u00e4tzen aufgrund von Ordnungs- und Schutzma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Auch hinsichtlich der untersuchten Eins\u00e4tze aus Anlass sozialraumbezogener Straftaten zeigt sich, dass im Gelsenkirchener Norden deutlich weniger Eins\u00e4tze aus diesen Anl\u00e4ssen wahrgenommen wurden, als im S\u00fcden. Der Eindruck eines Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lles, der sich bereits aus der Analyse der PKS ergeben hat, wird durch die Einsatzzahlen best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt wurde die Kriminalit\u00e4tskontrolle durch die Gelsenkirchener Polizei anhand des bestehenden Einsatzaufkommens in den 18 Gelsenkirchener Stadtteilen untersucht. Dabei trat die beschriebene Heterogenit\u00e4t im Stadtgebiet nochmals deutlicher hervor. Festgestellte Besonderheiten hinsichtlich der Einsatzlage werden von ihr anhand von sozialstrukturellen Daten bewertet.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus kommt die Verfasserin zu spannenden Ergebnissen, wo sie die polizeiliche Schwerpunktber\u00fccksichtigung von Buer im Verh\u00e4ltnis zur Altstadt bzw. die geringe Ber\u00fccksichtigung von Stadtteilen wie Bulmke-H\u00fcllen oder Schalke trotz des dort festgestellten hohen allgemeinen Einsatzaufkommens aufgrund von Straftaten mit der unterschiedlichen Sozialstruktur erkl\u00e4rt. Nach Wahrnehmung der Gelsenkirchener Polizei seien es eher B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus sozialstrukturell besser situierten Wohngebieten, die sich mit ihren Sorgen und Unsicherheitsbekundungen hilfesuchend an die Polizei oder auch an die Stadtverwaltung wenden. Bewohner von Stadtteilen mit einem hohen Migrantenanteil und un\u00fcbersehbaren sozialen Problemen regelten derartige Probleme h\u00e4ufiger unter sich, anstatt sich an \u00f6ffentliche Stellen zu wenden. Demnach sei dort das Unsicherheitsgef\u00fchl trotz des deutlich h\u00f6heren Straftatenaufkommens weniger stark ausgepr\u00e4gt als in besser situierten Gegenden. Auf Basis der vorliegenden Einsatzdaten konnte diese Wahrnehmung jedoch nicht best\u00e4tigt werden. Wird das Notrufaufkommen in den genannten Stadtteilen als Ma\u00dfstab f\u00fcr den Bedarf polizeilicher Hilfe bei der dortigen Wohnbev\u00f6lkerung definiert, kann festgestellt werden, dass in Stadtteilen mit gro\u00dfen sozialen Problemen Eins\u00e4tze deutlicher h\u00e4ufiger aufgrund von Notrufen veranlasst wurden als in gut situierten Stadtteilen wie z.B. Buer. Dies deute darauf hin, dass in problembehafteten Gebieten, die neben der schwierigen sozialstrukturellen Situation auch ein vergleichsweise hohes Einsatzaufkommen aufgrund von Straftaten aufweisen, die dort lebenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger keine feststellbare Kontaktscheue gegen\u00fcber der Polizei aufweisen. Entgegen der Wahrnehmung der Gelsenkirchener Polizei scheinen die dort lebenden Anwohner Probleme weniger unter sich zu regeln, sondern sich deutlich h\u00e4ufiger hilfesuchend an die Polizei zu wenden.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Astrid Klukkert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mihalic, Irene; Polizeiliche Eins\u00e4tze, Kriminalit\u00e4t und Raum. 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