{"id":1179,"date":"2019-03-11T00:10:45","date_gmt":"2019-03-10T23:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1179"},"modified":"2019-03-11T00:16:11","modified_gmt":"2019-03-10T23:16:11","slug":"stephan-barton-marieke-dubelaar-ralf-koelbel-michael-lindemann-hrsg-vom-hochgemuten-voreiligen-griff-nach-der-wahrheit-fehlurteile-im-strafprozess-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1179","title":{"rendered":"Stephan, Barton \/ Marieke Dubelaar \/ Ralf K\u00f6lbel \/ Michael Lindemann (Hrsg.) &#8211; Vom hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit. Fehlurteile im Strafprozess &#8211; Rezensiert von: Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Barton, Stephan<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \/ Dubelaar, Marieke<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> \/ K\u00f6lbel, Ralf<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> \/ Lindemann, Michael<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> (Hrsg.);<\/em>\u00a0 \u201eVom hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit. Fehlurteile im Strafprozess\u201c <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/strong><strong>;<\/strong> ISBN: 978-3-8487-4891-4, 304 Seiten, erschienen bei Nomos, Baden-Baden als Band 56 der Schriftenreihe \u201e<a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/reihenpopup.aspx?reihe=79\">Interdisziplin\u00e4re Studien zu Recht und Staat<\/a>\u201c, 2018, 82.- \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1180 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/griff_nach_der_wahrheit-101x150.png\" alt=\"\" width=\"101\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/griff_nach_der_wahrheit-101x150.png 101w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/griff_nach_der_wahrheit.png 200w\" sizes=\"(max-width: 101px) 100vw, 101px\" \/><\/p>\n<p>Der schon titelgebend<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> interessant gestaltete Sam\u00ad\u00admelband, entstanden aus den \u201e<a href=\"http:\/\/www.jura.uni-bielefeld.de\/fakultaet\/veranst\/rueckblick\/themen\/verfahren_17\/\">6. Bielefelder Verfahrenstagen<\/a>\u201c im \u201e<a href=\"https:\/\/www.uni-bielefeld.de\/ZIF\/\">Zen\u00adtrum f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Forschung<\/a>\u201c (ZiF) an der Universit\u00e4t Bielefeld am 23. \/ 24. November 2017, vereint \u2013 neben der be\u00adreits aussagekr\u00e4ftigen und im Befund ziemlich eindeutigen Ein\u00adf\u00fchrung der He\u00adrausgeber, eine Auswahl von elf (von siebzehn) interdisziplin\u00e4ren Bei\u00adtr\u00e4gen nam\u00adhafter Wissenschaftler*innen aus f\u00fcnf L\u00e4ndern zum Stand und zu verschiedensten Aspekten der Fehlurteilsforschung.<!--more--><\/p>\n<p>Wie notwendig diese \u00dcberlegung auch im Sinne des Modells einer \u201eGesamten Straf\u00adrechtswissenschaft\u201c Liszt`scher Pr\u00e4gung<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> ist, die sich in den Beitr\u00e4gen auch in viel\u00ad\u00adf\u00e4ltiger Weise bemerkbar macht, zeigen nicht nur die (leider) im\u00admer noch thematisch relevanten, obgleich inhaltlich in die Jahre gekommenen Erkenntnisse der umfas\u00adsenden (dreib\u00e4ndigen) Unter\u00adsu\u00adchung\u00aden von Karl Peters<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> aus den 1970er Jahren, allerdings j\u00fcngst mehr\u00adfach mit \u00e4hn\u00adlichem kritisch-reflexiven Tenor wie\u00adder aufge\u00adgriffen<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>, sehr eindring\u00adlich. So stellt nicht nur <strong>K\u00f6lbel<\/strong> (vgl. Fn. 3) als Mit\u00adhe\u00adrausgeber in seinem Beitrag (\u201e<em>Der Stand der internationalen Fehl\u00adurteils\u00adfor\u00adschung: Was kann man daraus f\u00fcr Deutschland lernen<\/em>\u201c, S. 31 \u2013 58) heraus: \u201eEs hat den Anschein, als sei die Fehlurteilsproblematik f\u00fcr die deutsche Straf\u00adpro\u00adzessrechtswissenschaft nach Jahrzehnten des Desinteresses inzwischen wieder zu einem relevanten Thema avan\u00adciert.\u201c Gleichzeitig mute allerdings die \u201eange\u00adsichts des (evidenten) Nicht-Wissens etwas selbstgef\u00e4llige Problemverneinung, die Tei\u00adle des deutschen pro\u00adzessrechtspolitischen Diskurses an den Tag legen, zumindest befremdlich\u201c an, ja \u201ewirke etwas aus der Zeit gefallen\u201c, so K\u00f6lbel an\u00adgesichts der Behauptung der <strong>Ex\u00adpertenkommission<\/strong><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><em><strong>[10]<\/strong><\/em><\/a> zur effektiveren und praxis\u00adtauglicheren Ausgestaltung des allgemeinen Strafverfahrens und des jugendge\u00adrichtlichen Ver\u00adfahrens, \u201edas gel\u00adtende Recht sei f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Fehlur\u00adteils\u00adproblematik ausreichend auf\u00adgestellt.\u201c Ohne Zweifel darf man angesichts des nicht nur im Rah\u00admen der Tagung dokumentierten Forschungsstandes herausstellen, dass H\u00e4ufig\u00adkeit und Ver\u00adbreitung von Fehlurteilen jedenfalls in Deutschland unzureichend erforscht sind und die \u201eKorrektur und Pr\u00e4vention von Fehlurteilen keine rein ju\u00adris\u00adtische sein kann, sondern im disziplinen- und l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Austausch\u201c erfolgen m\u00fcsse. Vor allem letztere Feststellung erschlie\u00dft dabei dem deutsch\u00adsprachigen Forschungsverbund die weitaus fortgeschritteneren, jedoch auch dort keines\u00adwegs abschlie\u00dfenden Be\u00adm\u00fchungen und Beitr\u00e4ge v. a. des anglo-ame\u00adrikanischen Sprach\u00ad\u00adraumes. Auch insofern leistet die Tagung einen kleinen, aber dennoch be\u00addeu\u00adtenden Beitrag, den hierzulande langsam keimenden Diskurs ein wenig zu ordnen.<\/p>\n<p>Bei der Aufstellung der insgesamt beachtlichen \u201einterdisziplin\u00e4ren Beitr\u00e4ge\u201c des Sammel\u00adbandes f\u00e4llt allerdings auf, dass, obgleich die Dominanz des Ermittlungs\u00adverfahrens in Deutschland mehrfach (zurecht) kritisch kommentiert wird, die durchaus beachtliche Perspektive der \u201e<strong>Kriminalistik<\/strong>\u201c fehlt. Dabei erg\u00e4nzt und befruchtet auch die Kri\u00adminalistik (nicht nur \u201ehilfswissenschaftlich\u201c) das formelle Strafrecht. Es ist gera\u00addezu die Aufgabe einer (wissenschaftlichen) Disziplin wie der Kriminalistik, dem Tatrichter sowie den anderen Prozessbeteiligten kasu\u00adis\u00adtisch, sachverst\u00e4ndig und bedarfsgerecht die im Zusammenspiel grundlagen\u00adbezo\u00adgener disziplin\u00e4rer und prak\u00ad\u00adtischer (angewandter) Forschung entwickelten Erfah\u00adrungsregeln zur Tat\u00adsachen\u00adermittlung darzulegen und diese andererseits im Alltag kontinuierlicher \u00dcberpr\u00fcfung zu unterziehen. Diese Einzelschritte m\u00fcnden dann schlie\u00df\u00adlich in der nach wie vor noch erforderlichen grundlagenbezogenen Zusam\u00admen\u00adf\u00fcgung zu einem wi\u00adderspruchsfreien Lehrgeb\u00e4ude. Diese Anwendungs- und Forschungskette be\u00adzeichnet bspw. j\u00fcngst <strong>de Vries<\/strong><a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> als einzig akzeptable Ant\u00adwort auf das moralische Pro\u00adblem \u201edes Fehlurteils\u201c, um gleichzeitig festzustellen, dass es \u201ein Deutschland eine solche (systematische) Fehlerforschung derzeit (we\u00adder als eigenst\u00e4ndige \u201aStraf\u00adprozesslehre\u2018 noch in der Kriminalistik als Grund\u00adla\u00adgen\u00adforschung\u00a0oder im Rahmen der systematisierten angewandten krimina\u00adlis\u00adtischen Forschung) gibt.\u201c Er macht neben anderen Umst\u00e4nden hierf\u00fcr auch ein Wissen\u00adschafts-Praxis-Wissens\u00adtrans\u00adferproblem aus, denn die \u201efehlende Etablie\u00adrung der Kriminalistik an den Uni\u00adversit\u00e4ten habe ihre Ursache (wohl auch) in dem fehlen\u00adden Verst\u00e4ndnis der Jura\u00adprofessoren f\u00fcr die praktischen Probleme der Straf\u00adver\u00adfol\u00adgungsbeh\u00f6rden.\u201c Gerade weil K\u00f6lbel in seinem Vortrag auf die Erfor\u00addernisse in\u00adnerhalb der \u201eStrafprozess\u00adrechtswissenschaft\u201c (s. o.) hinweist, sollte in diesem Zu\u00adsammenhang auch nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass es gerade der bereits erw\u00e4hnte <strong>Karl Peters<\/strong> war, der schon 1974 als ein Ergebnis seiner weit\u00adreichenden tatsachen- und norm\u00adwissenschaftlichen Analyse \u201eFehler im Straf\u00adprozess\u201c (vgl. Fn. 8, Band 3, 1974, S. 253 ff.) forderte, angesichts der Erhebungen bed\u00fcrfe es eigentlich einer \u201e<strong>Straf\u00adprozesslehre<\/strong>\u00a0als (selbst\u00e4ndige) Wirk\u00adlich\u00adkeits\u00adwissenschaft des Strafpro\u00adzesses\u201c.<\/p>\n<p>Auch insofern ist der Ansatz <strong>K\u00f6lbels<\/strong> also nachvollziehbar, wenn er in Abw\u00e4gung zwischen Nutzen und Risiken in An\u00adlehnung an vorhandene Beispiele (vgl. z. B. Fn. 14) die Errichtung \u201espezialisierter Institutionen, die an der Herbeif\u00fchrung von ggf. er\u00adforderlichen Korrektur\u00adent\u00adscheidungen systematisch mitwirken\u201c, seiner An\u00adsicht nach staatlich finan\u00adziert aber unabh\u00e4ngig agierend, f\u00fcr notwendig erach\u00adtet. Den\u00adnoch, es bedarf an\u00adgesichts des immensen \u201eDunkelfeldes\u201c, sowohl hin\u00adsichtlich der Quantit\u00e4t wie auch der begrifflichen Qualit\u00e4t des \u201eFehlurteil\u00adbegriffs\u201c notwen\u00addiger definitorischer Klarheit!<\/p>\n<p>Denn, auch das wird in dem Sammelband im ersten, von den Hrsg. als \u201e<em>diagnostischer Abschnitt<\/em>\u201c bezeichnet, deutlich, ist auch angesichts zahlreicher popul\u00e4rwissenschaftlicher oder aus der Per\u00ad\u00adspektive der Gerichtsberichterstattung aufgegriffener \u201eFalldokumenta\u00adtio\u00adnen\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> noch weitgehend unklar, was denn den allgemein gehaltenen Begriff \u201eFehlurteil\u201c \u00fcberhaupt inhaltlich-sub\u00adstan\u00adtiell ausmache. K\u00f6lbel fordert deswegen v\u00f6llig ein\u00adgangs zurecht die De\u00adfinition eines (einheitlichen) \u201eheuristischen Fehlurteils\u00adbegriffs\u201c.<\/p>\n<p>Die Herausgeber kontrastieren mit der Auswahl der Beitr\u00e4ge drei wesentliche Absichten (S. 22). Sie wollen<\/p>\n<ol>\n<li>die Begrifflichkeiten kl\u00e4ren und dabei eine Bestandsaufnahme und Akti\u00advierung der Fehlurteilsforschung vornehmen, um so eine gemeinsame Grund\u00adlage f\u00fcr den Austausch zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Rechtsordnungen zu schaffen. Insofern soll der Sammelband auch einen Impuls f\u00fcr den Ausbau deutschsprachiger Forschung<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/li>\n<li>F\u00fcr das Problem sensibilisieren und somit die Rechtswissenschaften \/ Rechtspraxis f\u00fcr einen aufwachsenden interdisziplin\u00e4ren Dialog interes\u00adsieren (da ist er wieder einmal deutlich erkennbar, der Ansatz einer \u201eGe\u00adsamten Strafrechtswissenschaft\u201c!).<\/li>\n<li>Nicht zuletzt wollen sie Fehlervermeidungsstrategien entwickeln helfen, und zwar auf der Prim\u00e4rebene der \u201eVermeidung\u201c und der Sekund\u00e4rebene der \u201eFehlerbeseitigung\u201c, z. B. durch die Diskussion von geeigneten Qua\u00adlit\u00e4ts\u00admanagement- oder Controlling-Mechanismen<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> oder ggf. sogar \u00fcber not\u00adwen\u00addige Reformen der juristischen Ausbildung<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wichtig sei dieses Thema aber nicht nur erkenntnistheoretisch, unverzichtbar gar aus dem Blickwinkel potentieller Opfer eines Justizirrtums. Im politisch-medialen Kontext werde irgendwann (wenn sie es angesichts umfangreicher Bericht\u00ader\u00adstattung, vgl. oben Fn. 12, nicht schon l\u00e4ngst ist) auch die Frage evident, ob man der (Straf-)Justiz noch trauen k\u00f6nne? Vertrauen in die Justiz und damit in die Funktionsf\u00e4higkeit des Rechtsstaates ist jedoch f\u00fcr ein funktionierendes Gemein\u00adwesen elementar und schon der Frage alleine wohnt das Potential inne, dieses nachhaltig zu besch\u00e4digen. Noch sind die Vertrauenswerte aber, zieht man z. B. den aktuellen \u201e<a href=\"https:\/\/www.roland-rechtsschutz.de\/media\/rechtsschutz\/pdf\/unternehmen_1\/ROLAND_Rechtsreport_2018.pdf\">Roland-Rechtsreport 2018<\/a>\u201c (S. 11) oder andere seri\u00f6se Umfragen zurate, durchaus beacht\u00adlich.<\/p>\n<p>Die Fehlerquellen sind beachtlich, interdisziplin\u00e4r und auf unterschiedlichen Ebenen zu verorten, und k\u00f6nnten z. B.<\/p>\n<ol>\n<li>der grds. Struktur des Erkenntnisverfahrens im deutschen Strafprozessrecht mit seiner in horizontaler Struktur \u201eweitgehend externer Kontrolle entzogenen, verfahrensdeter\u00adminierenden Bedeutung des Ermittlungsstadi\u00adums und zus\u00e4tzlich aufgrund der Tatsache, dass dieselben Berufsrichter im Zwischenverfahren \u00fcber die Er\u00f6ffnung des Hauptverfahrens und am Ende \u00fcber die Schuld des Ange\u00adklagten zu befinden h\u00e4tten\u201c,<\/li>\n<li>in vertikaler Hinsicht durch ein strukturelles Defizit im Rechtsmittel\u00adin\u00adstanzenzug,<\/li>\n<li>dem Umstand, dass \u201eStrafverfahren Kommunikation sei\u201c und Urteile aber auch die Erhebung von Zeugenbeweisen mittels polizeilicher Befragungs\u00adtech\u00adniken wesentlich auf \u201emenschlichen Wahrnehmungs- und Verarbei\u00adtungs\u00adprozessen, Verhaltensmustern, sozialpsychologischen Effekten, Ste\u00adreo\u00adtypen und Alltagstheorien basieren, die die Wahrheitsfindung in erheb\u00adlichem Ma\u00dfe beeinflussen k\u00f6nnten,<\/li>\n<li>den erheblichen Umgestaltungen des deutschen Strafverfahrens in j\u00fcngerer Vergangenheit, z. B. nur im Rahmen sog. \u201everfahrensbeendenden Abspra\u00adchen\u201c (vgl. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__257c.html\"> 257c StPO<\/a>) oder den signifikanten Ausbau der \u201eOpferorien\u00adtierung\u201c, welcher aus Sicht des Angeklagten den \u00dcbergang zu einem \u201easymmetrischen Parteiprozess, in dem er sich inzwischen einer Vielzahl professioneller Akteure gegen\u00fcber sieht\u201c, gleichkomme,<\/li>\n<\/ol>\n<p>geschuldet sein (k\u00f6nnten). Dabei sei das Problem aber nicht die Verf\u00fcgbarkeit solcher Erkenntnisse, sondern die fehlende Kenntnisnahme durch die Akteure.<\/p>\n<p>Ich will exemplarisch noch einen weiteren, derzeit praktisch sehr aktuellen Bei\u00adtrag aus dem zweiten Teil des Sammelbandes, der sich nach der Diagnostik des ersten Teils mit innerprozessualen Handhabungen und verfahrensrechtlichen Aus\u00adge\u00adstaltungen besch\u00e4ftigt, die auf eine <em>Eingrenzung von Fehlern und Fehl\u00aderfolgen<\/em> zielen, herausgreifen. <strong>Altenhain<\/strong><a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> besch\u00e4ftigt sich darin mit \u201e<em>Vor- und Nach\u00adteilen der audiovisuellen Aufzeichnung von Zeugenaussagen<\/em>\u201c (S. 225 \u2013 252). Nach langer und kontroverser Diskussion, u. a. innerhalb der bereits ge\u00adnann\u00ad\u00adten Exper\u00adtenkommission, hat der Gesetzgeber im Rahmen des \u201eGesetzes zur effektiven und praxistauglichen Ausgestaltung des Strafverfahrens vom 17. Au\u00adgust 2017\u201c (<a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;start=%2F%2F%2A%5B%40attr_id=%27bgbl117s3202.pdf%27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s3202.pdf%27%5D__1551967472224\">BGBl. I 2017, Nr. 58, S. 3202 ff.<\/a>), n\u00e4mlich eine ab dem <strong>01.01.2020<\/strong> \u00fcber \u00a7 136 StPO (vgl. Art. 3 Nr. 17, dort insbesondere Abs. IV) neu geltende, allerdings gegen\u00fcber dem RefE erheblich engere Pflicht zur audiovisuellen Auf\u00adzeichnung von Vernehmung statuiert. Der schon bisher existente, f\u00fcr die Vernehmung von Zeugen relevante <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__58a.html\">\u00a7 58 a StPO<\/a> wurde im Rahmen dieses Ge\u00adsetzes zwar nicht ge\u00e4ndert, die dort statuierten Pflichten wurden allerdings \u00fcber dessen Zitierung in \u00a7 136 Abs. IV S. 2 f\u00fcr Beschuldigte \u00fcbernommen. So war und ist aufgrund der Neu\u00adregelung im Absatz IV des \u00a7 136:<\/p>\n<p><em>Die Vernehmung des Beschuldigten kann in Bild und Ton aufgezeichnet wer\u00adden. Sie ist aufzuzeichnen, wenn<\/em><\/p>\n<ol>\n<li><em>dem Verfahren ein vors\u00e4tzlich begangenes T\u00f6tungsdelikt zugrunde liegt und der Aufzeichnung weder die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde noch die besondere Dringlichkeit der Vernehmung entgegenstehen, oder<\/em><\/li>\n<li><em>die schutzw\u00fcrdigen Interessen von<\/em><\/li>\n<li><em>Beschuldigten unter 18 Jahren oder<\/em><\/li>\n<li><em>Beschuldigten, die erkennbar unter eingeschr\u00e4nkten geistigen F\u00e4\u00adhig\u00adkeiten oder einer schwerwiegenden seelischen St\u00f6rung leiden,<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>durch die Aufzeichnungen besser gewahrt werden k\u00f6nnen. \u00a7 58a Absatz 2 gilt entsprechend.<\/em><\/p>\n<p>auch k\u00fcnftig in der Vernehmungspraxis bei Zeugen und Beschuldigten wohl weit \u00fcberwiegend das \u201eInhalts\u00adprotokoll\u201c \u00fcblich, das von vornherein nicht darauf an\u00adgelegt ist, den vollst\u00e4ndigen und tats\u00e4chlichen Inhalt der Aussage und ihr Zu\u00adstandekommen, insbesondere die Fragen und Vorbehalte, w\u00f6rtlich wieder\u00adzugeben. Der Vernehmende fasst \u2013 je nach Geschick und Erfahrung \u2013 den aus seiner Sicht wesentlichen Inhalt der Aussage in eigenen Worten zusammen. Die audio-visuell vollst\u00e4ndige Doku\u00admentation (auch) als Grundlage einer m\u00f6glichst umfassenden \u201eFehlerforschung im Strafverfahren\u201c, gerade solcher Fehler, die im bereits weiter oben erw\u00e4hnten sozio-psychischen Wahrnehmungs\u00adfeld der Betei\u00adligten liegen k\u00f6nnen, bleibt derart nach wie vor auf ein sehr geringes Ma\u00df begrenzt, zumal dabei in der Praxis signifikante Beurteilungs- und Ermessens\u00adspielr\u00e4ume offen bleiben. Vor- und Nachteile des Inhaltsprotokolls und auch die Vorteile der audiovisuellen Aufzeichnung waren dem Gesetzgeber sehr wohl bewusst, wie die Ausf\u00fchrungen in der relevanten Bt.-Drs. <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/112\/1811277.pdf\">18\/11277<\/a> vom 22.02.2017, S. 24 ff. zeigen. Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass wesentliche Feststellungen zu den Schwach\u00adstellen von Inhaltsprotokollen, gerade auch unter dem weiter oben evidenten Dik\u00adtum einer zunehmenden Dominanz des Ermittlungsverfahrens bei \u00fcberwiegend \u201efaktischer Sachherrschaft\u201c der Polizei, sogar aus einer (zwar etwas \u00e4lteren aber nach wie vor lesenswerten) inner\u00adpolizeilichen empirisch-kommunikationswissen\u00adschaft\u00ad\u00adlichen Studie stammen.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Dem\u00ad\u00adnach verharren selbst \u201eerfahrene Vernehmungspersonen auf einer durch Rou\u00adtine vorgefassten Meinung vom Tat\u00adhergang, bei unerfahrenen Vernehmungs\u00adpersonen sei (hingegen oftmals) mangelnde Konzentration und Selektions\u00adf\u00e4higkeit\u201c feststellbar.\u00a0 Nach seither aus der Praxis best\u00e4tigter Befunde (S. 240 m. w. N.) seien \u201eInhaltsprotokolle (h\u00e4ufig) selektiv, subjektiv und intuitiv, sie seien nicht selten durch vorgefasste Mei\u00adnungen gepr\u00e4gt, g\u00e4ben die Aussage nur oberfl\u00e4chlich und l\u00fcckenhaft wieder und enthalten keine (verl\u00e4sslichen) Angaben zur Befra\u00adgungs\u00adtechnik und zum Verlauf der Vernehmung (&#8230;)\u201c. Selbst in sensi\u00adblem Umfeld, im Rahmen der Vernehmung mutma\u00dflicher kindlicher Miss\u00adbrauchs\u00adopfer, zeigte sich z. B. im Rahmen einer interessanten Studie von Lamb et al.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> bei einem Vergleich der Transkripte mit den simultan angefertigten Proto\u00adkollen der Vernehmungs\u00adpersonen nicht nur deren L\u00fcckenhaftigkeit, sondern vor allem der Umstand, dass \u201edetailreiche Aussagen der Zeugen \u00f6fter als spontane, freie Antworten auf offene Fragen dargestellt wurden, obwohl sie tats\u00e4chlich auf suggestive, geschlossene oder \u00e4hnliche Fragen hin erfolgt waren.\u201c \u00a0All dies veran\u00adlasst den Autor zur Forderung der Einf\u00fchrung der \u201eobligatorischen audiovisuellen Aufzeichnung (mindestens von) Zeugenaussagen, (&#8230;) einher\u00adgehend mit dem Weg\u00adfall der Pflicht zur Erstellung eines Protokolls, (&#8230;) an dessen Stelle die Kom\u00adbination von audiovisueller Aufzeichnung und Vermerk tr\u00e4te.\u201c<\/p>\n<p>Der Sammelband h\u00e4lt dar\u00fcber hinaus noch einige sehr interessante Ann\u00e4herungen an die Problematik unter Einbeziehung verschiedenster disziplin\u00e4rer Perspektiven bereit (vgl. <a href=\"http:\/\/www.soz.psy.unibe.ch\/unibe\/portal\/fak_humanwis\/philhum_institute\/inst_psych\/psy_soz\/content\/e48660\/e48674\/e69660\/e69692\/files736331\/005_Oswald.Fallstricke_2018_ger.pdf\">Inhaltsverzeichnis<\/a> inkl. des bei diesem Link der Universit\u00e4t Bern an\u00adgeh\u00e4ngten Beitrags der dort bis 2014 t\u00e4tigen Forscherin Margrit E. Oswald<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.bcu.ac.uk\/social-sciences\/psychology\/staff\/helen-wyler\">Dr. Helen Wyler<\/a>, \u201e<em>Fallstricke auf dem Weg zur \u201arichtigen\u2018 Entscheidung im Strafrecht: Eine Analyse aus psychologischer Sicht<\/em>\u201c).<\/p>\n<p>Die Thematik ist hochaktuell, weil ubiquit\u00e4r und schon deshalb rechts- wie auch gesellschaftspolitisch hoch brisant. So schreibt <a href=\"https:\/\/community.beck.de\/2008\/11\/11\/sabine-rueckert-unrecht-im-namen-des-volkes-ein-justizirrtum-und-seine-folgen-ausgewaehlt-fuer-die-juristischen-buech\">Heintschel-Heinegg<\/a> im Zusam\u00admenhang mit der Diskussion der \u201eJuristischen B\u00fccher des Jahres\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> in einem Bei\u00adtrag, zugleich eine kurze Besprechung eines Buches von Sabine R\u00fcckert, schon im Jahr 2008: \u201e<em>Fehlurteile kommen in allen L\u00e4ndern vor und auch die Ursachen der Fehlurteile sind in allen L\u00e4ndern dieselben: M\u00e4ngel in der Beweis\u00adaufnahme und im Verfahren, menschliche Fehlerquellen, Gesetzesm\u00e4ngel, aber auch in der Psychologie die Urteilsfindung kann die Ursache liegen. Nur: Fehlurteile sind <strong><u>nicht<\/u><\/strong> unvermeidlich. Aber nur wer die Ursachen kennt und sich mit ihnen aus\u00adeinandersetzt, kann dazu beitragen, dass Fehlurteile im Strafprozess m\u00f6glichst vermieden werden<\/em> <em>(&#8230;) !\u201c<\/em><\/p>\n<p>Schon deshalb ist die Tagung und der daraus entstandene Sammelband ein zwar in der Gesamtbetrachtung kleiner, dennoch wichtiger Beitrag zu dieser hoffentlich andauernden und ertragreichen Debatte, dem man angesichts des wichtigen The\u00admas, seiner interdisziplin\u00e4ren Anlage und der spannenden, multinationalen rechts\u00advergleichenden Beitr\u00e4ge nur noch die notwendige Aufmerksamkeit und nach\u00adhal\u00adtige Rezeption w\u00fcnschen darf.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Prof. Dr. iur. Stephan <a href=\"http:\/\/www.jura.uni-bielefeld.de\/lehrstuehle\/barton\/lehrstuhl\/stephanbarton\">Barton<\/a>, Universit\u00e4t Bielefeld, Professur f\u00fcr Strafrecht und Strafprozessrecht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ass.-Prof. Dr. Marieke <a href=\"https:\/\/www.ru.nl\/personen\/dubelaar-m\/\">Dubelaar<\/a>, Radboud Universiteit in Nijmegen, Lehrstuhl f\u00fcr Straf\u00adrecht und Kriminologie.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Prof. Dr. iur. Ralf <a href=\"https:\/\/www.jura.uni-muenchen.de\/personen\/k\/koelbel_ralf\/index.html\">K\u00f6lbel<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr Strafrecht und Kriminologie an der LMU M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Prof. Dr. iur. <a href=\"http:\/\/www.jura.uni-bielefeld.de\/lehrstuehle\/lindemann\/lehrstuhlinhaber\">Michael Lindemann<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr Strafrecht Strafprozessrecht und Kriminologie an der Universit\u00e4t Bielefeld.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/Barton-Dubelaar-K\u00f6lbel-Lindemann-Vom-hochgemuten-voreiligen-Griff-Wahrheit\/productview.aspx?product=37864\">Verlags-Website<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.soz.psy.unibe.ch\/unibe\/portal\/fak_humanwis\/philhum_institute\/inst_psych\/psy_soz\/content\/e48660\/e48674\/e69660\/e69692\/files736331\/005_Oswald.Fallstricke_2018_ger.pdf\">Inhaltsverzeichnis<\/a> des Sammelbandes.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Der Titel des Sammelbandes geht zur\u00fcck auf das Diktum: \u201e<em>Den hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit hemmen will der Kritizismus des Verteidigers<\/em>\u201c von Max Alsberg, in: \u201eDie Philosophie der Verteidigung\u201c, Schriften zur Psychologie der Strafrechtspflege, Ausgabe 2, Verlag, J. Bensheimer, 1930, S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. hierzu, <a href=\"https:\/\/www.worldcat.org\/title\/gesamte-strafrechtswissenschaft-ein-fallanalytischer-diskurs-am-beispiel-eines-kriminalromans\/oclc\/1029861216\">Plank<\/a>, 2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Karl Peters, \u201eFehlerquellen im Strafprozess. Eine Untersuchung der Wiederaufnahmeverfahren in der Bundesrepublik Deutschland\u201c, Band 1 \u2013 3, 1970 -1974 erschienen bei C. F. M\u00fcller, M\u00fcnchen. Peters hat dabei, angeregt durch die Schrift \u201eDas Fehlurteil im Strafproze\u00df (sic.) \u2013 Zur Pathologie der Recht\u00adsprechung\u201c von Max Hirschberg und gef\u00f6rdert von der DFG, in T\u00fcbingen insgesamt 1.115 nach den \u00a7\u00a7 359ff. StPO durchgef\u00fchrte Wiederaufnahmeverfahren, bei denen der Wiederaufnahmeantrag f\u00fcr begr\u00fcndet erkl\u00e4rt worden war, untersucht. Die Motivation, Entstehung dieses Forschungs\u00advor\u00adhabens und erste wesentliche Erkenntnisse hieraus finden sich pointiert zusammengefasst in einem \u00fcber\u00adlieferten Vortrag des Forschers, den er am 2. Dezember 1966 vor der Berliner Juristischen Gesell\u00adschaft gehalten hat, \u201eUntersuchungen zum Fehlurteil im Strafprozess\u201c, Schriftenreihe der juristischen Ge\u00adsellschaft e. V. Berlin, Heft 29, Walter de Gruyter, Berlin, 1967.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. z. B. nur <a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1125\">B\u00f6hme<\/a>, 2018 (Besprechung Feltes im PNL) oder auch <a href=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/9783845294476-1\/titelei-inhaltsverzeichnis\">Dunkel<\/a>, 2018 (Besprechung Plank im PNL).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Bericht der <a href=\"https:\/\/www.bmjv.de\/SharedDocs\/Artikel\/DE\/2015\/10132015_Abschlussbericht_Reform_Strafprozessrecht.html\">Expertenkommission<\/a> vom 13.10.2015, S. 168 ff. (zuletzt abgerufen am 07.03.2019).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> De Vries, \u201eFehlerforschung in der Kriminalistik\u201c, in: Die Polizei (105) 2014, Heft 5, S. 134.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> \u00a0Der Markt f\u00fcr derartige Produkte ist offensichtlich noch nicht ann\u00e4hernd ges\u00e4ttigt, wenn man die F\u00fclle der B\u00fccher alleine in j\u00fcngerer Vergangenheit betrachtet, bspw. Gisela Friedrichsen, \u201eGerichts\u00adreportagen 1989 \u2013 2004. Ich bin doch kein M\u00f6rder\u201c, DVA, 2004; Sabine R\u00fcckert, \u201eUnrecht im Namen des Volkes. Ein Justizirrtum und seine Folgen\u201c, Hoffmann und Campe, 2007; Rolf Lamprecht, \u201eDie Lebensl\u00fcge der Juristen. Warum Recht nicht gerecht ist\u201c, DVA, 2008; Thomas Darnst\u00e4dt, \u201eDer Richter und sein Opfer. Wenn die Justiz sich irrt\u201c, Piper, 2013; Coralie Colmez \/ Leila Schneps, \u201eWahrschein\u00adlich Mord. Mathematik im Zeugenstand\u201c (im englischen Original: \u201eMath on Trial. How Numbers Get Used and Abused in the Courtroom\u201d), Hanser, 2013; Max Steller, \u201eNichts als die Wahrheit. Warum jeder unschuldig verurteilt werden kann\u201c, Heyne, 2015; Rudolf Egg, \u201eDie unheimlichen Richter. Wie Gutachter die Strafjustiz beeinflussen\u201c, Bertelsmann, 2015; Klaus Volk, \u201eDie Wahrheit vor Gericht. Wie sie gefunden und geschunden, erk\u00e4mpft und erkauft wird\u201c, Bertelsmann, 2016; Joachim Wagner, \u201eEnde der Wahrheitssuche. Justiz zwischen Macht und Ohnmacht\u201c, C. H. Beck, 2017 und viele andere mehr.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> \u00a0So weist nicht nur aber vor allem K\u00f6lbel, S. 38, darauf hin, dass sich anderenorts, z. B. in den USA, die Fehlurteilsforschung als eine eigenst\u00e4ndige \u201earea of academic study\u201c zu konstituieren beginnt und sich inzwischen dort sogar eine \u201eCriminology of Wrongful Conviction\u201c forme, wenngleich \u00fcber\u00adgreifende Datenbanken wie z. B. im Rahmen des in den USA inzwischen seit 25 Jahren prak\u00adtizierten \u201e<a href=\"https:\/\/www.innocenceproject.org\/\">Innocence-Project<\/a>\u201c immer noch weitgehende ehrenamtlich erstellt und gepflegt w\u00fcrden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u00a0Andere L\u00e4nder, wie die USA, Kanada aber auch Norwegen, England, Schottland und Wales, haben ent\u00adspre\u00adchende Instanzen entweder auf der Ebene regionaler Staatsanwaltschaften (USA, \u201eConviction Integrity Units\u201c) oder auf der Ebene des Justizministeriums (Kanada) in der Form so genannter \u201eCriminal Cases Review Commissions\u201c installiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> \u00a0Auch hier schimmert er wieder deutlich durch, der Ansatz der \u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c, wenn die Herausgeber (S. 22) bspw. bem\u00e4ngeln: \u201eF\u00fchre man sich vor Augen, dass sich beim Per\u00adsonal\u00adbeweis die meisten Fehler schon im Kontext der Wahrnehmungswiedergabe ereignen, muss es er\u00adstaunen, dass aussagepsychologische Kompetenzen bislang noch keinen Eingang in die juristische Ausbildung gefunden h\u00e4tten!\u201c Diese Feststellung klingt nicht ganz unbekannt, forderten doch schon Hanns Gro\u00df, Franz von Liszt und andere bereits ausgangs des 19ten Jahrhunderts, dass die Krimi\u00adnalistik zu einem selbstverst\u00e4ndlichen Teil ju\u00adris\u00adtischer Ausbildung werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> \u00a0Karsten <a href=\"http:\/\/www.jura.hhu.de\/dozenten\/altenhain.html\">Altenhain<\/a>, Prof. Dr. iur., Lehrstuhl F\u00fcr Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Medienrecht an der Heinrich Heine-Universit\u00e4t, D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> \u00a0Banscherus, J\u00fcrgen, \u201ePolizeiliche Vernehmung: Formen, Verhalten, Protokollierung\u201c, BKA-For\u00adschungs\u00adreihe, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=2ahUKEwizp_aOpPDgAhWJKVAKHX3UBBkQFjAAegQIAxAC&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.bka.de%2FSharedDocs%2FDownloads%2FDE%2FPublikationen%2FPublikationsreihen%2FBkaForschungsreihe%2F2_07_PolizeilicheVernehmungFormenVerhaltenProtokollierung.pdf%3F__blob%3DpublicationFile%26v%3D2&amp;usg=AOvVaw2nbwzN0K1ZouGZZZbOFbC4\">Band 7<\/a>, 1977, S. 250, 259 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a>\u00a0 Lamb, Michael E \/ Orbach, Yael \/ Sternberg, Kathleen J. \/ Hershkowitz, Irit \/ Horowitz, Dvora: \u201eAccuracy of Investigators\u2019 Verbatim Notes of Their Forensic Interviews with Alleged Child Abuse Victims\u201d, in: <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1023\/A:1005556404636\">Law and Human Behavior (24) 2000, Issue 6, S. 699 \u2013 708<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> \u00a0Prof. em. Dr. Margit E. <a href=\"http:\/\/www.soz.psy.unibe.ch\/ueber_uns\/personen\/margit_oswald\/index_ger.html\">Oswald<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr Sozialpsychologie und Soziale Neurowissenschaft an der Universit\u00e4t Bern<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> \u00a0Ein sehr sch\u00f6nes Format, in dem ein Kreis bekannter Ordinarien seit Mitte der 1990er Jahre j\u00e4hrlich mehrere Werke juristischer Literatur ausgiebig (zumeist in der NJW im Vorfeld der Frankfurter Buch\u00admesse) bespricht und empfiehlt.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barton, Stephan[1] \/ Dubelaar, Marieke[2] \/ K\u00f6lbel, Ralf[3] \/ Lindemann, Michael[4] (Hrsg.);\u00a0 \u201eVom hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit. Fehlurteile im Strafprozess\u201c [5]; ISBN: 978-3-8487-4891-4, 304 Seiten, erschienen bei Nomos, Baden-Baden als Band 56 der Schriftenreihe \u201eInterdisziplin\u00e4re Studien zu Recht und Staat\u201c, 2018, 82.- \u20ac Der schon titelgebend[6] interessant gestaltete Sam\u00ad\u00admelband, entstanden aus den \u201e6. &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1179\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Stephan, Barton \/ Marieke Dubelaar \/ Ralf K\u00f6lbel \/ Michael Lindemann (Hrsg.) &#8211; Vom hochgemuten, voreiligen Griff nach der Wahrheit. 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