{"id":1259,"date":"2019-06-04T11:39:39","date_gmt":"2019-06-04T09:39:39","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1259"},"modified":"2019-06-04T11:43:27","modified_gmt":"2019-06-04T09:43:27","slug":"horst-dilling-harald-j-freyberger-hrsg-taschenfuehrer-zur-icd-10-klassifikation-psychischer-stoerungen-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1259","title":{"rendered":"Horst Dilling, Harald J. Freyberger (Hrsg.) &#8211; Taschenf\u00fchrer zur ICD-10-Klassifikation psychischer St\u00f6rungen &#8211; Rezensiert von: Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Dilling, Horst; Freyberger, Harald J. (Hrsg.);<\/em> Taschenf\u00fchrer zur ICD-10-Klassifikation psychischer St\u00f6rungen. Mit Glossar und Diagnostischen Kriterien sowie Referenztabellen ICD-10 vs. ICD-9 und ICD-10 vs. DSM-IV-TR von WHO &#8211; World Health Organization;<\/strong> ISBN 9783456859927. 9., aktualisierte Auflage entsprechend ICD-10 GM 2019, 528 Seiten, 36,95 Euro<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1260 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/icd_10-91x150.png\" alt=\"\" width=\"91\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/icd_10-91x150.png 91w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/icd_10.png 200w\" sizes=\"(max-width: 91px) 100vw, 91px\" \/><\/p>\n<p>Psychische St\u00f6rungen sind nicht nur in der Bev\u00f6lkerung weitaus verbreiteter, als allgemein angenommen. Bundesweit erf\u00fcllt mehr als jeder vierte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung. F\u00fcr die knapp 18 Millionen Betroffenen und ihre Angeh\u00f6rigen ist eine psychische Erkrankung mit massivem Leid verbunden und f\u00fchrt oft zu schwerwiegenden Einschr\u00e4nkungen im sozialen und beruflichen Leben. Zu den h\u00e4ufigsten Erkrankungen z\u00e4hlen Angstst\u00f6rungen (15,4 %), gefolgt von affektiven St\u00f6rungen (9,8 %) und St\u00f6rungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum (5,7 %). Psychische Erkrankungen z\u00e4hlen in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen, b\u00f6sartigen Neubildungen und muskul\u00e4ren Erkrankungen zu den vier wichtigsten Ursachen f\u00fcr den Verlust gesunder Lebensjahre. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben zudem im Vergleich zur Allgemeinbev\u00f6lkerung eine um 10 Jahre verringerte Lebenserwartung<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Menschen mit solchen St\u00f6rungen besch\u00e4ftigen auch die Polizei in einem Umfang, der gemeinhin deutlich untersch\u00e4tzt wird. Da in der j\u00fcngsten Zeit zunehmend psychisch gest\u00f6rte Personen durch polizeilichen Schusswaffengebrauch zu Tode kommen, sollten sich Polizeibeamt*innen und vor allem die Polizeif\u00fchrung verst\u00e4rkt mit diesem Problem besch\u00e4ftigen, zumal es Hinweise darauf gibt, dass Eins\u00e4tze in Verbindung mit psychisch Kranken deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als andere Eins\u00e4tze. In den USA beanspruchen sie inzwischen 21% der Zeit von Polizeibeamt*innen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>. Leider gibt es in Deutschland keine verl\u00e4ssliche Aufstellung dar\u00fcber, in wie viel Prozent aller F\u00e4lle des Einsatzes von Polizeigewalt das sog. \u201cGegen\u00fcber\u201c psychisch gest\u00f6rt ist. 2013 ging man von einem Anteil von einem Drittel bei allen von der Polizei get\u00f6teten Personen aus<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Tats\u00e4chlich aber d\u00fcrfte der Anteil deutlich h\u00f6her sein und weit \u00fcber 50% liegen<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p>In dem Buch der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) der WHO kommt den psychischen St\u00f6rungen eine Sonderstellung zu. Der \u00abTaschenf\u00fchrer\u00bb enth\u00e4lt die diagnostischen Kriterien f\u00fcr die einzelnen psychischen St\u00f6rungen und St\u00f6rungsgruppen in kommentierter Form. Nach einem kurzen Einf\u00fchrungsabschnitt zu jeder St\u00f6rung werden die f\u00fcr die Diagnose relevanten Kriterien aufgef\u00fchrt und mit Hinweisen zur Differenzial- und Ausschlussdiagnostik erg\u00e4nzt. Damit umfasst dieser Ansatz sowohl die pragmatische Darstellung der Diagnosen entsprechend den ICD-10-Forschungskriterien als auch, anstelle der ausf\u00fchrlicheren diagnostischen Leitlinien, die kompakte Definition und Beschreibung der einzelnen St\u00f6rungen. Erg\u00e4nzend enth\u00e4lt diese Ausgabe ein Faltblatt mit allen psychiatrischen ICD-10-Diagnosen im \u00dcberblick. F\u00fcr die 9. Auflage wurde das Buch entsprechend der German Modification (ICD-10-GM) 2019 des Deutschen Instituts f\u00fcr Medizinische Datenverarbeitung und Information (DIMDI) \u00fcberarbeitet und erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Zwar ist der ICD-10 auch im Internet verf\u00fcgbar (International Classification of Mental and Behavioural Disorders)<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, wobei ab Mitte 2019 voraussichtlich ICD-11 verf\u00fcgbar sein soll. Die Zusammenstellung in Taschenbuchform sollte jedoch auf jeder Polizeidienststelle verf\u00fcgbar sein, damit Beamt*innen sich in den F\u00e4llen, in denen sie mit Personen Kontakt haben oder die sie beispielsweise aus ihrer Wohnung zu einer Untersuchung oder Vorf\u00fchrung bringen sollen und bei denen eine psychische St\u00f6rung vermutet wird, sich \u00fcber den Hintergrund und die Einordnung der jeweiligen St\u00f6rung informieren k\u00f6nnen. Auch zwischendurch kann es nicht schaden, wenn Streifenbeamt*innen in dem Buch bl\u00e4ttern. Dies betrifft vor allem das Kapitel \u00fcber \u201ePers\u00f6nlichkeits- und Verhaltensst\u00f6rungen\u201c (F60-F69 S. 231 ff.) und das Kapitel \u00fcber \u201epsychische und Verhaltensst\u00f6rungen durch psychotrope Substanzen\u201c (F00-F09, S. 61 ff.), das im Kontext von Eins\u00e4tzen in Verbindung mit Drogenabh\u00e4ngigen zu lesen ist.<\/p>\n<p>Das Taschenbuch ersetzt allerdings in keinem Fall eine fach\u00e4rztliche oder psychologische Diagnose. In allen F\u00e4llen, in denen in der Vorbereitung eines Einsatzes oder bei der Durchf\u00fchrung erwartet werden kann, dass man mit Personen konfrontiert wird, die psychisch gest\u00f6rt sind, sollte fachkundiger Rat und Unterst\u00fctzung angefordert werden. Versuche, psychisch gest\u00f6rte Personen, die beispielsweise eine Gefahr f\u00fcr sich oder andere darstellen, mit eigenen, ausschlie\u00dflich polizeilichen Mitteln zu \u201eberuhigen\u201c oder gar festzunehmen, sind in der Vergangenheit zu h\u00e4ufig mit massiven Sch\u00e4den f\u00fcr Beamt*innen, vor allem aber f\u00fcr die gest\u00f6rten Personen ausgegangen \u2013 leider oftmals auch mit dem Tod<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.dgppn.de\/_Resources\/Persistent\/933a83524dd5459f46f2d2885ff57a0b69264cef\/Factsheet_Psychiatrie.pdf\">https:\/\/www.dgppn.de\/_Resources\/Persistent\/933a83524dd5459f46f2d2885ff57a0b69264cef\/Factsheet_Psychiatrie.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.treatmentadvocacycenter.org\/road-runners\">https:\/\/www.treatmentadvocacycenter.org\/road-runners<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.thieme.de\/de\/psychiatrie-psychotherapie-psychosomatik\/polizei-interventionen-55540.htm\">https:\/\/www.thieme.de\/de\/psychiatrie-psychotherapie-psychosomatik\/polizei-interventionen-55540.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Psychologe-ueber-toedliche-Polizeischuesse\/!5408530\/\">http:\/\/www.taz.de\/Psychologe-ueber-toedliche-Polizeischuesse\/!5408530\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.icd-code.de\/icd\/code\/ICD-10-GM.html\">http:\/\/www.icd-code.de\/icd\/code\/ICD-10-GM.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> S. dazu <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2012\/42\/Polizeigewalt-Interview\">https:\/\/www.zeit.de\/2012\/42\/Polizeigewalt-Interview<\/a><\/p>\n<p>Rezensiert von: Thomas Feltes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dilling, Horst; Freyberger, Harald J. (Hrsg.); Taschenf\u00fchrer zur ICD-10-Klassifikation psychischer St\u00f6rungen. Mit Glossar und Diagnostischen Kriterien sowie Referenztabellen ICD-10 vs. ICD-9 und ICD-10 vs. DSM-IV-TR von WHO &#8211; World Health Organization; ISBN 9783456859927. 9., aktualisierte Auflage entsprechend ICD-10 GM 2019, 528 Seiten, 36,95 Euro Psychische St\u00f6rungen sind nicht nur in der Bev\u00f6lkerung weitaus verbreiteter, als &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1259\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Horst Dilling, Harald J. 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