{"id":1334,"date":"2019-08-31T21:21:38","date_gmt":"2019-08-31T19:21:38","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1334"},"modified":"2019-08-31T21:21:38","modified_gmt":"2019-08-31T19:21:38","slug":"anja-mensching-astrid-jacobsen-hrsg-polizei-im-spannungsfeld-von-autoritaet-legitimitaet-und-kompetenz-rezensiert-von-ruediger-schilling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1334","title":{"rendered":"Anja Mensching, Astrid Jacobsen (Hrsg.) &#8211; Polizei im Spannungsfeld von Autorit\u00e4t, Legitimit\u00e4t und Kompetenz &#8211; Rezensiert von: R\u00fcdiger Schilling"},"content":{"rendered":"<div class=\"WordSection1\"><strong><em> Mensching, Anja, Jacobsen, Astrid (Hrsg.);<\/em> Polizei im Spannungsfeld von Autorit\u00e4t, Legitimit\u00e4t und Kompetenz Schriften zur Empirischen Polizeiforschung von Hans-Joachim Asmus \/ Rafael Behr \/ Bernhard Frevel \/ Herman Gro\u00df \/ Astrid Jacobsen \/ Karlhans Liebl \/ Anja Mensching \/ Thomas Ohlemacher \u2020 \/ Peter<\/strong><br \/>\n<strong>Schmidt;<\/strong> Empirische Polizeiforschung XXI, Band 24 Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2018, ISBN 978-3-86676-545-0. \u20ac 22,90. 191 Seiten<\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1335 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/empirische_polizeiforschung_xxi-108x150.png\" alt=\"\" width=\"108\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/empirische_polizeiforschung_xxi-108x150.png 108w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/empirische_polizeiforschung_xxi.png 200w\" sizes=\"(max-width: 108px) 100vw, 108px\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"WordSection1\"><u>\u00dcbersicht<\/u>: Der Tagungsband zur einundzwanzigsten Jahrestagung der Empirischen Polizeifor- schung widmet sich unterschiedlichster aktueller Aspekte polizeilicher Arbeit. Dabei werden pr\u00e4ventive wie repressive, kriminalpolitische ebenso wie \u00dcberlegungen zur Selbstdarstellung diskutiert. Die Autoren fokussieren auf innerdeutsche Problemstel- lungen, beziehen aber auch Erkenntnisse aus der Schweiz oder aus Venezuela mit ein.<!--more--><\/p>\n<p><u>Inhalt<\/u>: Ein Editorial der beiden Herausgeberinnen Anja Mensching und Astrid Jacobsen ist den Beitr\u00e4gen vorweggestellt. Die beiden Autorinnen beschreiben dort treffend den Gegenstand dieses Taschenbuches: \u201epolitischer Extremismus, Terrorlagen, hohes Einsatzaufkommen bei Fu\u00dfballspielen und Demonstrationen, zunehmende Respekt- losigkeit gegen\u00fcber Polizeibeamt*innen, Aufgaben im Kontext der Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen, Kriminalit\u00e4t mit hohen Fallzahlen, Umgang mit neuen Medien \u2013 und all das flankiert vom Selbstverst\u00e4ndnis einer B\u00fcrgerpolizei\u201c (S. 3). Es wird \u00fcber Autorit\u00e4t und Autorisierung diskutiert (S. 4) und der Ruf nach einer \u201estarken Polizei\u201c problematisiert (S. 5). \u00a0 Dem Editorial folgt ein Beitrag von Thomas Scheffer, der sich den \u201eKapazit\u00e4ten und Anspr\u00fcche[n] polizeilicher Kriminalpr\u00e4vention\u201c widmet und darin \u201e[e]in Pl\u00e4doyer f\u00fcr die mitlaufende Bearbeitung prek\u00e4rer Autorit\u00e4t und Legitimation\u201c h\u00e4lt. Sein Beitrag basiert auf \u201emehrmonatigen, auf verschiedene Polizeieinheiten verteilten, durch w\u00f6chentliche Teammeetings koordinierten Feldforschungen\u201c (S. 11). Die Notwendigkeit von Kooperations- und B\u00fcndnispartnern im Rahmen polizeilicher Kriminalpr\u00e4vention wird herausgestellt (S. 12), nicht ohne auf Gefahren dieser T\u00e4tigkeit und \u201erechtliche Grauzonen\u201c hinzuweisen (S. 13). Auf die innerpolizeilichen Besonderheiten und schwierigen Einordnungen in die Organisation wird abgehoben (aaO), sowie vor re- pressiver Unterwanderung gewarnt (S. 22). Besonders herauszuheben ist die Struk- turierung der Arbeitsformen der Pr\u00e4vention (S. 16f.), ist doch gerade die polizeiliche Pr\u00e4ventionsarbeit eine sehr heterogene bis h\u00f6chst unterschiedliche Arbeit, die sich kaum kategorisieren l\u00e4sst und die polizeiintern kaum Anerkennung erf\u00e4hrt (S.21). Marlene Tietz und Anja Mensching widmen sich der \u201eLegitimit\u00e4t und Authentizit\u00e4t \u2013 Wertsch\u00e4tzung als organisationskultureller Aspekt des ,Doing Authority\u2018 in der Polizei. Der Beitrag basiert auf den Erkenntnissen zu \u201eWertsch\u00e4tzung im polizeilichen Kontext\u201c aus dem Jahr 2017 der beiden Autorinnen. Es wird deutlich, welche gro\u00dfe Rolle Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Polizeibeamte hat und wie schwierig es ist, authentische<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"WordSection2\">Wertsch\u00e4tzung in das Konstrukt \u201eLob, Beurteilung und Bef\u00f6rderung\u201c einzubinden (S. 38). \u00a0 \u201eWir sind die Polizei. Das Schlusswort haben wir.\u201c <i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">(Un)doing authority <\/i>in einem Schweizer Polizeidienst\u201c ist der Titel des Beitrags von Nathalie Pasche, Esteban Pi\u00f1eiro und Martina Koch. Die Autor*innen sehen die Gefahr der Kaschierung des polizeilichen Eingriffs, \u201esei es durch den freundlichen Auftritt als (polizeiliche) Dienst- leistungsorganisation (Schalter) oder durch die Pflege kollegialer Beziehungen und durch p\u00e4dagogische Handlungen (die Gruppe)\u201c (S. 54). \u00a0 Susanna Ehrensberger, Annelie Molapisi und Rainer Pr\u00e4torius stellen sich die Frage: \u201ePolizei als Status. Polizeipolitik als Statuspolitik?\u201c Bedeutung erh\u00e4lt hier der Polizist, der \u201esein Objekt nach polizeilichen Kriterien (Verdacht, Gefahr) von seinen sonstigen Lebensvollz\u00fcgen [isoliert], [was wiederum] auch den Status als Polizist [best\u00e4tigt], der nicht nur formale Autorit\u00e4t, sondern auch die kulturelle Zugeh\u00f6rigkeit erlebt, in der er diese Leistung erbringt\u201c (S. 61). Es geht um \u201ePrestige und formale Autorit\u00e4t [\u2026] [und] die getroffenen Ma\u00dfnahmen [, die] kaum eine Nachweispflicht \u00fcber die Wirksamkeit erzeugen k\u00f6nnen\u201c (S.67). \u00a0 Das \u201eNachwuchsforschungsprojekt PluS-i: Interdisziplin\u00e4re Analysen f\u00fcr ein kontext- ad\u00e4quates, legitimes, effizientes und effektives plurales Polizieren im urbanen Raum\u201c wird von Nathalie Hirschmann und Tobias John vorgestellt. Die beiden Autoren kon- kretisieren hierzu zun\u00e4chst, was unter \u201ePolicing\u201c zu verstehen ist (S. 72f). Dabei grenzen sie dies von \u201eanderen Aktivit\u00e4ten der Sicherheitsproduktion wie Kriminalpr\u00e4vention und Verbrechensbek\u00e4mpfung\u201c ab (S. 73). \u201ePlurales Polizieren\u201c wird anschlie- \u00dfend definiert und im Rahmen des Forschungsprojektes beschrieben. \u00a0 Christian Hamm und Markus Sander sehen \u201eNeue Wege der Darstellung der Rolle der Polizei\u201c. Vor dem Hintergrund eines labilen und st\u00f6ranf\u00e4lligen Vertrauens in die Polizei (S. 85) begr\u00fcnden und entwickeln die Autoren M\u00f6glichkeiten eines \u201eDigital Community Policing\u201c (S. 94) und erhoffen sich eine Normalisierung und Versachli- chung (u.a.) des Themas Gewalt und Polizei (S. 99). \u00a0 \u201eRacial-\u201c, \u201eSocial-\u201c und \u201eCriminal-Profiling\u201c im Zusammenhang mit der \u201eLegitimation polizeilicher Kontrolle\u201c werden von Rafael Behr diskutiert. Er geht dabei Fragen \u201epoli- zeilicher Diskriminierung\u201c deren Etablierung in Kultur und Selbstbilder der Polizei so- wie dem Umgang damit nach (S. 107). Welche Rolle \u201epolizeiliches Erfahrungswissen\u201c und auch welchen Anteil Gesetze spielen, die Diskriminierungshandlungen legitimie- ren k\u00f6nnen (S. 109f.), ist Gegenstand dieses Textes. Die Aus- und Fortbildung und deren positiven wie negativen Einflussm\u00f6glichkeiten nehmen bedeutenden Raum ein. \u00a0 \u201eSubtile Autorit\u00e4t und prek\u00e4re Legitimit\u00e4t der Video\u00fcberwachung von Demonstratio- nen \u2013 Praxen und Wissensformen von Polizei und Protestierenden\u201c ist der Titel des Beitrags von Peter Ullrich. Dieser fu\u00dft auf dem Forschungsprojekt \u201eViDemo\u201c und thematisiert Fragestellungen und Ergebnisse des mehrj\u00e4hrigen Projekts (S. 121). \u00a0 Elena Isabel Zum-Bruch berichtet in \u201eIm Namen der Gerechtigkeit?\u201c \u00fcber \u201eRechtferti- gungsmuster polizeilicher Kompetenz\u00fcberschreitungen\u201c. In ihrer eigenen \u201eErforschung von polizeilicher pro-organisationaler Devianz\u201c (S. 137) weitet sie den Blick \u00fcber \u201eeinzelne schwarze Schafe\u201c hinaus auf institutionelle Hintergr\u00fcnde bis hin zu \u201e\u2018gute\u2018[n] Abweichungen, die von \u201aguten\u2018 Polizisten aus \u201aehrenwerten\u2018 Gr\u00fcnden be- gangen werden\u201c (S. 135).<\/div>\n<p class=\"MsoBodyText\" style=\"margin-right: 5.6pt; text-align: justify;\">In \u201ePolizei und Staatsbildung in Venezuelas Bolivarischer Revolution: Polizeibefug- nisse und ordnungspolitische Kontrolle in einem Hybridregime\u201c berichtet Stiven Tremaria \u00fcber \u201eein Forschungsvorhaben, das sich mit der Entwicklung des Polizeiappa- rates sowie den ordnungspolitischen Kontrollmechanismen in Venezuela und deren Zusammenhang mit den Prozessen der Staatsbildung und den Reformen des politi- schen Systems besch\u00e4ftigt\u201c (S. 153).<\/p>\n<p class=\"MsoBodyText\" style=\"margin-right: 5.5pt; text-align: justify;\">Christian Wickerts Beitrag \u201eIch hab\u2018 Polizei\u201c \u2013 Die Darstellung der Polizei in deutsch- sprachigen Rapliedern\u201c beschlie\u00dft das Taschenbuch. Anlass f\u00fcr eine Forschung zu deutschsprachigen Rapliedern ist die Parodie von Jan B\u00f6hmermann \u201eIch hab\u2018 Polizei\u201c, in dem die \u201egenrespezifische Rollenzuschreibung verkehrt\u201c (S. 163) wird. Beforscht wurden Alben-Charts im Bereich Hip-Hop, die quantitativ und qualitativ hin- sichtlich der Wahrnehmung von Polizei und ihrer Rolle bzw. Verhaltens analysiert wurden.<\/p>\n<p class=\"MsoBodyText\" style=\"margin-right: 37.75pt; line-height: 200%;\">Den Artikeln ist eine Kurzbeschreibung der Autorinnen und Autoren angeh\u00e4ngt. <u>Diskussion und Fazit<\/u>:<\/p>\n<p class=\"MsoBodyText\" style=\"margin-right: 5.55pt; text-align: justify;\">Band 24 der Schriften Empirischer Polizeiforschung ist wiederum ein hochinformativer Beitrag f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr einen sachlichen Umgang mit Alltagsph\u00e4nomen im Umfeld polizeilicher Arbeit interessieren. Kritiker k\u00f6nnten zur Auffassung gelangen, hier w\u00fcrde \u00fcber l\u00e4ngst bekannte Erkenntnisse berichtet. Allerdings gefallen die dargestellten theoretischen Hintergr\u00fcnde, die der Versachlichung von Diskussionen \u00fcber polizeiliches (Fehl-)Verhalten (beispielhaft Behr oder Zum-Bruch) dienen. Spannend ist auch der Blick auf heikle innerpolizeiliche Abl\u00e4ufe, wie sie im Zusammenhang mit Beurteilungs- und daraus resultierenden Bef\u00f6rderungssystem von Bedeutung sind und mit einer positiv wirkenden Wertsch\u00e4tzung im Sinne des Artikels von Tietz und Mensching wenig zu tun haben.<\/p>\n<p class=\"MsoBodyText\" style=\"margin-right: 5.75pt; text-align: justify;\">Das Taschenbuch ist ein sehr aktueller Beitrag auf der Suche nach einer modernen Polizei. In der Vielfalt der Beitr\u00e4ge und eben der fortdauernden Aktualit\u00e4t liegt die St\u00e4rke dieses Werkes. Alle Artikel haben dabei eines gemeinsam: Sie thematisieren die Polizei in ihrer machtvollen Rolle mit all ihren Gefahren. Die Texte k\u00f6nnen als konstruktive Kritik aufgefasst werden, eine Kritik deren sich die Polizei ergebnisoffen stellen sollte.<\/p>\n<p>Rezensiert von: R\u00fcdiger Schilling<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mensching, Anja, Jacobsen, Astrid (Hrsg.); Polizei im Spannungsfeld von Autorit\u00e4t, Legitimit\u00e4t und Kompetenz Schriften zur Empirischen Polizeiforschung von Hans-Joachim Asmus \/ Rafael Behr \/ Bernhard Frevel \/ Herman Gro\u00df \/ Astrid Jacobsen \/ Karlhans Liebl \/ Anja Mensching \/ Thomas Ohlemacher \u2020 \/ Peter Schmidt; Empirische Polizeiforschung XXI, Band 24 Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2018, &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1334\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Anja Mensching, Astrid Jacobsen (Hrsg.) &#8211; Polizei im Spannungsfeld von Autorit\u00e4t, Legitimit\u00e4t und Kompetenz &#8211; Rezensiert von: R\u00fcdiger Schilling<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1334"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1334"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1334\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1336,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1334\/revisions\/1336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}