{"id":1446,"date":"2020-03-11T11:29:01","date_gmt":"2020-03-11T10:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1446"},"modified":"2020-03-11T11:29:01","modified_gmt":"2020-03-11T10:29:01","slug":"stuart-hall-vertrauter-fremder-ein-leben-zwischen-zwei-inseln-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1446","title":{"rendered":"Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. <\/strong>Argument-Verlag Hamburg, 304 Seiten, Hardcover mit Leseb\u00e4ndchen. ISBN 978-3-86754-109-1, 36,00 Euro<img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1447 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hall-96x150.jpg\" alt=\"\" width=\"96\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hall-96x150.jpg 96w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Hall.jpg 240w\" sizes=\"(max-width: 96px) 100vw, 96px\" \/><\/p>\n<p>Wenn die Autobiografie eines Soziologen hier vorgestellt wird, der sich zwar auch mit Kriminalit\u00e4t und Polizei besch\u00e4ftigt hat<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, dessen Schwerpunkt dies aber nicht war, so bedarf dies einer Begr\u00fcndung. Da gen\u00fcgt es nicht darauf zu verweisen, dass Stuart Halls Impulse unverzichtbar f\u00fcr postkoloniale Kritik, f\u00fcr Medien- und Kulturanalysen wie auch f\u00fcr Perspektiven eines undogmatischen Marxismus sind. Dies interessiert diejenigen, der sich im Bereich von Kriminalit\u00e4t, Kriminologie und Polizei(wissenschaft) bewegen, in der Regel (mit wenigen Ausnahmen) nicht, es sei denn, er oder sie geh\u00f6ren zur ausgestorbenen (oder aussterbenden?) \u201eRasse\u201c der marxistischen Kriminologen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Und damit w\u00e4ren wir genau beim Thema, das auch Kriminologen und Polizei(wissenschaftler) interessieren muss: Die Begrifflichkeit von \u201eRasse\u201c, Ethnie, Herkunft, oder welche Begrifflichkeit auch immer verwendet wird f\u00fcr Menschen, die nicht zu den \u201eEingeborenen\u201c geh\u00f6ren, die Fremde im eigenen Land sind und die vor allem in j\u00fcngster Zeit wieder darum k\u00e4mpfen m\u00fcssen, als B\u00fcrger dieses Landes gesehen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und akzeptiert zu werden.<!--more--><\/p>\n<p>Vor einiger Zeit hatte ich einen Disput mit einem deutschen Journalisten, der sich per Email bei mir beklagte, dass ich in einer Meldung f\u00fcr den Polizei-Newsletter (Nr. 217, April 2018 2018, Meldung Nr. 3)<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> von &#8222;farbigen Verd\u00e4chtigen&#8220; sprach. Genauer gesagt hatte ich den Begriff \u201eblack suspects\u201c aus dem Originalbeitrag, der in der anerkannten Wissenschaftszeitschrift \u201eCrime and Delinquency\u201c, die jeglicher rechter Gesinnung unverd\u00e4chtig ist, verwendet worden war, so ins Deutsche \u00fcbertragen<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Der Journalist schrieb mir: \u201e<em>Der Begriff (farbiger Verd\u00e4chtiger, TF) ist nicht in Ordnung. Er suggeriert, dass wei\u00df der Normalzustand ist und &#8222;farbig&#8220; eine Abweichung davon, so etwas wie ein &#8222;angemalter&#8220; oder &#8222;eingef\u00e4rbter&#8220; Wei\u00dfer. Der Begriff ist au\u00dferdem eine von Wei\u00dfen geschaffene Fremdbezeichnung f\u00fcr eine ethnische Gruppe und keine frei gew\u00e4hlte Selbstbezeichnung. Zudem ist der Begriff ein Euphemismus, eine &#8222;h\u00f6flich gemeinte&#8220;, weil schw\u00e4chere Form von &#8222;schwarz&#8220;. Viele Menschen nutzen ihn, weil sie denken &#8222;schwarz&#8220; d\u00fcrfe man nicht sagen und damit &#8222;schwarz&#8220; abschw\u00e4chen wollen. Genau das ist das Problem, denn &#8222;schwarz&#8220; ist \u00fcberhaupt kein schlimmer Begriff. Au\u00dferdem nennt man Wei\u00dfe ja auch &#8222;wei\u00df&#8220;, obwohl sie nicht wei\u00df wie ein Blatt Papier sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auf meine Entgegnung und R\u00fcckfrage, welche Formulierung ich bei der \u00dcbertragung des Begriffes \u201eblack suspects\u201c aus der amerikanischen Originalquelle verwenden sollte, da m.E. weder die w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung, noch die Originalversion besser gewesen w\u00e4ren<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, bekam ich folgende Antwort: \u201e<em>\u2026 da kann ich Ihnen nicht helfen. \u2026 \u00dcbersetzungen sind, nicht nur bei dieser Kategorie von Begriffen, nicht immer Eins zu Eins m\u00f6glich, mit einer Adaption von Begriffen kommt man hier also auch nicht unbedingt weiter. Weil es nichts Besseres gibt, etwas Unzul\u00e4ngliches zu nehmen, hielte ich bei diesem Thema f\u00fcr keine gute L\u00f6sung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Irgendwie musste ich dem Journalisten zustimmen, fand aber keinen Ausweg aus der Zwickm\u00fchle.<\/p>\n<p>Und da ger\u00e4t mir nun diese Autobiografie in die H\u00e4nde, bei der in einem ausf\u00fchrlichen Vorwort genau auf diese Problematik der \u00dcbersetzung entsprechender Begriffe ins Deutsche eingegangen wird. Der Verlag hatte angesichts der besonderen Herausforderung der \u00dcbersetzung dieses Buches eine Redaktionsgruppe ernannt, um \u00dcbersetzungsprobleme zu kl\u00e4ren, die sich aus den verschiedenen Konnotationen und Gebrauchsweisen des f\u00fcr Stuart Hall wesentlichen Begriffsfeldes um Race ergeben (S. 9). Allein schon diese Tatsache muss hervorgehoben werden, zumal die Redaktionsgruppe dann gleich mehrere Beispiele benennt, warum es so schwierig ist, bestimmte englische Begriffe ins Deutsche zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Im Ergebnis kommen sie zu der Entscheidung, race\/racial und damit zusammenh\u00e4ngende Begriffe nicht zu \u00fcbersetzen (und auch nicht mit Anf\u00fchrungszeichen zu versehen), sondern so zu belassen. \u00c4hnlich stellt sich das Problem mit \u201ecolour\u201c bzw. \u201ecoloured\u201c. Schon diese (wenigen) Seiten, auf denen das Redaktionsteam sich mit dieser \u00dcbersetzungsproblematik besch\u00e4ftigt, lohnen die Lekt\u00fcre des Buches, denn sie sensibilisieren gleicherma\u00dfen f\u00fcr Begrifflichkeiten wie f\u00fcr \u00dcbersetzungsprobleme. Sprache ist eben, worauf das Redaktionsteam hinweist, \u201e<em>kein neutrales Werkzeug, sondern ein Kampfplatz um hegemoniale Bedeutungen du ihre begriffliche Fassung<\/em>\u201c (S. 11). Und:<\/p>\n<p>\u201e<em>Die \u00dcbertragungspraxis von &gt;coloured&lt; ins Deutsche &gt;farbig&lt; ist nicht haltbar, obwohl mit dem Begriff oftmals versucht wird, weniger verletzend \u00fcber Race zu sprechen. Im Unterschied zu &gt;of Colour&lt; handelt es sich jedoch um keine politische Selbstbezeichnung, \u00fcber die auch Gemeinsamkeit hergestellt wird. Im Gegenteil wird mittels &gt;farbig &lt; erneut eine skalierende Abstufung von Hautfarben hergestellt. Aus diesem Grund wird Colour hier (also in dem Buch, TF) englisch belassen. Wenn explizit, also materiell Hautfarbe gemeint ist, dann wird im Deutschen auch &gt;Hautfarbe&lt; verwendet<\/em>\u201c (aaO.).<\/p>\n<p>Nun aber zum Buch selbst, zur Biografie von Stuart Hall. \u201e<em>Ein Leben zwischen zwei Inseln<\/em>\u201c lautet der Untertitel und beschreibt damit die Tatsache, dass Hall 1932 in Jamaika geboren wurde, 1951 in Oxford zu studieren begann und danach in England blieb. Wikipedia beschreibt ihn als \u201e<em>born into a middle-class Jamaican family of African, British, Portuguese Jewish and likely Indian descent<\/em>\u201d.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> 2014 starb er in London.<\/p>\n<p>Die Autobiografie des Cultural Studies-Begr\u00fcnders verbindet, so der Verlagstext, \u201e<em>pers\u00f6nliche Erfahrung und Erinnerung mit klugen Diskursen um Race und (Post)Kolonialismus, liefert eine Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts und f\u00fchrt in komplexes politisch-kulturelles Denken ein: zug\u00e4nglich, stellenweise heiter, koh\u00e4rent und geschmeidig. Das Leben in der Diaspora sch\u00e4rfte Stuart Halls Blick auf Gesellschaft. Seine Erinnerungen zeigen das (post)koloniale Jamaika, das England der 1950er, die Weltpolitik, die Entwicklung der New Left. Eine bereichernde Lekt\u00fcre f\u00fcr alle, die politisch interessiert sind, sich mit den Themen Race, Identit\u00e4t, Kolonialismus, Kapitalismuskritik befassen und\/oder mit der Aneignung von Kultur und Geschichte. Dieses Buch ist auch ein Einstieg in Stuart Halls Denken und theoretisches Arbeiten. Es schl\u00e4gt eine Br\u00fccke zwischen Erfahrung und Wissenschaft und lehrt Kolonial- und Kulturgeschichte<\/em>\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Stuart Hall z\u00e4hlte zu den wichtigsten Intellektuellen marxistischer Orientierung. Als einer der Begr\u00fcnder und Hauptvertreter der Cultural Studies besch\u00e4ftigte er sich vor allem mit kulturellen Praktiken und gab antikolonialistischen und antiimperialistischen Bewegungen wichtige Impulse. Er pr\u00e4gte den Begriff \u201eThatcherismus\u201c und war Mitbegr\u00fcnder der \u201eNew Left\u201c. Stuart Hall galt zudem als einer der f\u00fchrenden Kulturtheoretiker Gro\u00dfbritanniens.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Ungeachtet dessen bleibt die Frage, was wir hier in Deutschland des Jahres 2020 mit seinem Buch anfangen k\u00f6nnen oder sollten. Hall beschreibt, wie er in den 1950er Jahren nach England kam und was er dort wie erlebt. Tats\u00e4chlich konzentriert er sich auf dieses eine Jahrzehnt (1950 bis 1960), und dennoch ist vieles von dem, was er (be)schreibt, sehr aktuell, auch f\u00fcr unsere Gesellschaft. Seine Ankunft in England beschreibt er so: \u201e<em>Da war ich aus den Vorgaben der unmittelbaren Pr\u00e4gung durch die koloniale Unterwerfung (in Jamaika, TF) herausgetreten und fand die M\u00f6glichkeit, eine andere Art Mensch zu werden<\/em>\u201c (S. 19).<\/p>\n<p>Hall beschreibt aber auch sein heutiges \u201e<em>generelles Verlustgef\u00fchl<\/em>\u201c in Bezug auf seine Erinnerungen. \u201e<em>Sie stellen sicher, dass ich mein Leben lang Jamaikaner bleibe, egal wo ich lebe<\/em>\u201c (S. 25). Gestatten wir den Menschen, die zu uns gekommen sind und immer noch kommen, ein Leben lang das zu bleiben, was sie einmal waren? Wir rufen nach \u201eIntegration\u201c, meinen aber Assimilation, also die m\u00f6glichst weitreichende Angleichung an uns, unseren Lebensstil, unsere Moral, unsere \u201echristlichen\u201c Werte. Auch wenn die zwangsweise Herbeif\u00fchrung einer Assimilation durch politische Ma\u00dfnahmen offiziell abgelehnt wird: informeller Zwang ist allt\u00e4gliche Praxis in Deutschland. Die Verleugnung der Herkunft hat aber, wie nicht nur Psychologen und Psychiater wissen, oftmals dramatische Folgen f\u00fcr die Betroffenen.<\/p>\n<p>Hall schreibt dazu: \u201e<em>Doch was dies (Jamaikaner zu bleiben, TF) in Bezug auf meine Lebenspraxis und mein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl tats\u00e4chlich bedeutet hat, war wesentlich problematischer<\/em>\u201c (aaO.). Er schreibt von seiner lebensl\u00e4nglichen \u201e<em>randst\u00e4ndigen Position<\/em>\u201c, von seinem \u201e<em>merkw\u00fcrdigen, schwer fassbaren, best\u00e4ndigen Unbehagen<\/em>\u201c und zitiert C.L.R. James: \u201e<em>Wir sind in, aber nicht aus Europa\u201c<\/em>. Sp\u00e4testens hier werden die Parallelen zur aktuellen Situation <em>in<\/em> Deutschland (und auch anderenorts in Europa) deutlich: Viele Menschen leben hier, teilweise seit Jahrzehnten, die nicht aus Deutschland stammen, und die man dies auch immer wieder sp\u00fcren l\u00e4sst oder es ihnen sogar vorh\u00e4lt. Dabei fragt kaum jemand danach, wie es diesen Menschen dabei geht, was dies mit ihnen \u201emacht\u201c, wie ihre Psyche dies verkraftet (oder auch nicht).<\/p>\n<p>Hall hatte \u201e<em>nie den Ehrgeiz, ein waschechter Engl\u00e4nder zu werden \u2026 Aber die Briten wirkten wie eine sehr andere, fremdl\u00e4ndische Race<\/em>\u201c (S. 30). Fragt bei uns jemand danach, ob diejenigen, die in den vergangenen 50 Jahren nach Deutschland gekommen sind, \u201eDeutsche\u201c werden wollten oder wollen und danach, wie sie die Race der Deutschen sehen? Sicherlich, es gibt migrationsspezifische Forschungen dazu. Nur: Kommen die Ergebnisse in der Gesellschaft an? Wohl kaum.<\/p>\n<p>Wie wichtig es dabei ist, die eigene Identit\u00e4t zu behalten oder zu gewinnen, macht Hall ebenfalls deutlich, wenn er schreibt, \u201e<em>dass Identit\u00e4t nicht blo\u00df eine Kombination festgelegter Eigenschaften ist, die unver\u00e4nderliche Essenz des innersten Selbst, sondern ein sich best\u00e4ndig ver\u00e4ndernder Prozess der Positionierung. Wir neigen dazu, Identit\u00e4t als etwas zu betrachten, das uns zu unseren Wurzeln zur\u00fcckbringt, als einen Teil unseres Selbst, der \u00fcber die Zeit im Wesentlichen gleich bleibt. Tats\u00e4chlich aber ist Identit\u00e4t ein nie abgeschlossener Prozess des Werdens<\/em>\u201c (S. 31 f.). Ein Baum, der keine Wurzeln mehr hat, stirbt ab. Was ist mit Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, und von denen wir verlangen, dass sie ihre Wurzeln verleugnen? Sie k\u00f6nnen nicht \u201eWerden\u201c.<\/p>\n<p>Sicherlich, Hall besch\u00e4ftigt sich prim\u00e4r und vordergr\u00fcndig (?) mit den Auswirkungen des Kolonialismus. Aber gibt es nicht auch einen Kolonialismus zu Hause, im eigenen Land? Ein Kolonialismus, der diejenigen, die zu uns gekommen sind, kolonialisieren will?<\/p>\n<p>Der Kolonialismus gr\u00fcndete <em>\u201eniemals auf Geben, sondern immer auf der Eroberung von Land und Rohstoffen, auf der gewaltsamen Ausbeutung von Arbeitskraft, dem Aufzwingen fremder Gesetze, der Unterwerfung von V\u00f6lkern und der Vernichtung und Marginalisierung s\u00e4mtlicher kulturellen Traditionen, die der kolonialen Herrschaft abtr\u00e4glich sein k\u00f6nnten. Und so funktioniert er immer noch. \u2026 Er stellt einen der einschneidendsten Br\u00fcche in der Geschichte der Neuzeit dar, &#8230;. Er hat Gesellschaften wie Individuen unwiderruflich verformt. Er hinterlie\u00df uns ein entsetzlich geistt\u00f6tendes Erbe: den widerspr\u00fcchlichen und verzerrten Zustand der Entfremdung, den Frantz Fanon \u00bbSchwarze Haut, Wei\u00dfe Masken\u00ab genannt hat. Der Kolonialismus hat sich alle M\u00fche gegeben, uns, die unterjochten Kolonisierten, umzumodeln und zu Abziehbildern seiner selbst zu machen. Er machte uns zu &gt;Anderen&lt;, entfremdete uns von uns selbst.<\/em>\u201c (S. 36)<\/p>\n<p>Vieles kreist bei Hall um seine \u00dcberlegungen, \u201e<em>wie man auf die unschuldige \u2013 oder gar nicht so unschuldige \u2013 Frage antwortet: \u201eWoher kommst Du?<\/em>\u201c (S. 107). Auch wir stellen diese Frage immer wieder, allerdings nicht uns selbst, sondern \u201eden anderen\u201c, den \u201eFremden\u201c \u2013 aus unterschiedlichen Motiven. Dabei schwingt immer im Hintergrund die Idee, dass \u201e<em>die Gliederung aus Race, Colour und Klasse \u2026 die gesamte soziale Hierarchie<\/em>\u201c st\u00fctzt (S. 109). Haben wir deshalb so ein Problem damit, dass Menschen zu uns kommen, die wir, nebenbei bemerkt, dringend brauchen, weil sie unsere soziale Hierarchie st\u00f6ren k\u00f6nnten? Eine wahrlich verst\u00f6rende Idee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Thomas Feltes, M\u00e4rz 2020<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Hall hat sich gemeinsam mit anderen mit \u201cmoral panic, folk devils, and deviancy amplification\u201c besch\u00e4ftigt, und zwar durchaus intensiv in dem Buch \u201ePolicing the Crisis\u201c, das dankenswerterweise online vollst\u00e4ndig verf\u00fcgbar ist <a href=\"https:\/\/sociologytwynham.files.wordpress.com\/2014\/10\/policing-the-crisis.pdf\">https:\/\/sociologytwynham.files.wordpress.com\/2014\/10\/policing-the-crisis.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/soztheo.de\/kriminalitaetstheorien\/herrschafts-und-gesellschaftskritik\/marxistische-kriminalitaetstheorien\/\">https:\/\/soztheo.de\/kriminalitaetstheorien\/herrschafts-und-gesellschaftskritik\/marxistische-kriminalitaetstheorien\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> S. dazu zu den ersten Reaktionen nach dem Anschlag in Hanau <a href=\"https:\/\/taz.de\/Berichterstattung-zum-Anschlag-in-Hanau\/!5662906\/\">https:\/\/taz.de\/Berichterstattung-zum-Anschlag-in-Hanau\/!5662906\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u201eBeamte mit Beschwerdevorg\u00e4ngen schie\u00dfen h\u00e4ufiger\u201c <a href=\"https:\/\/www.polizei-newsletter.de\/newsletter.php?N_NUMBER=217&amp;N_YEAR=2018\">https:\/\/www.polizei-newsletter.de\/newsletter.php?N_NUMBER=217&amp;N_YEAR=2018<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/0011128718756038\">https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/0011128718756038<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Auch \u201enative american\u201c finde ich absolut unpassend (den natives sind andere), ebenso wie \u201eAfroamerikaner\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stuart_Hall_(cultural_theorist)\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Stuart_Hall_(cultural_theorist)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a href=\"https:\/\/argument.de\/produkt\/stuart-hall-vertrauter-fremder-ein-leben-zwischen-zwei-inseln\/\">https:\/\/argument.de\/produkt\/stuart-hall-vertrauter-fremder-ein-leben-zwischen-zwei-inseln\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stuart_Hall_(Soziologe)\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stuart_Hall_(Soziologe)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. Argument-Verlag Hamburg, 304 Seiten, Hardcover mit Leseb\u00e4ndchen. ISBN 978-3-86754-109-1, 36,00 Euro Wenn die Autobiografie eines Soziologen hier vorgestellt wird, der sich zwar auch mit Kriminalit\u00e4t und Polizei besch\u00e4ftigt hat[1], dessen Schwerpunkt dies aber nicht war, so bedarf dies einer Begr\u00fcndung. Da gen\u00fcgt es nicht darauf zu &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1446\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. Rezensiert von Thomas Feltes<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1446"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1446"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1449,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1446\/revisions\/1449"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}