{"id":1464,"date":"2020-04-16T09:42:37","date_gmt":"2020-04-16T07:42:37","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1464"},"modified":"2020-04-16T09:42:37","modified_gmt":"2020-04-16T07:42:37","slug":"ulrich-eisenberg-jugendgerichtsgesetz-bearbeitet-von-ralf-koelbel-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1464","title":{"rendered":"Ulrich Eisenberg: Jugendgerichtsgesetz, bearbeitet von Ralf K\u00f6lbel. Rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ulrich Eisenberg<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>: Jugendgerichtsgesetz<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, bearbeitet von Ralf K\u00f6lbel<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/strong><\/p>\n<p>ISBN: 978-3-406-73878-4, 1661 Seiten, C. H. Beck Verlag, M\u00fcnchen, Reihe \u201eBeck\u2018 sche Kurzkommentare\u201c, Band 48, 21. Auflage 2020, 109.- \u20ac)<\/p>\n<p>Seit der ersten Auflage 1982 hat Ulrich Eisenberg den Beck\u2018 schen Kurz-Kommentar zum Jugendgerichtsgesetz bis zur 20. Auflage 2018 in alleiniger Bearbeitung zu einem \u00fcber alle <img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1465 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/K\u00f6lbel-98x150.jpg\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/K\u00f6lbel-98x150.jpg 98w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/K\u00f6lbel.jpg 434w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/>jugendstrafrechtlichen Professionen hinweg ge\u00adsch\u00e4tzten und vielzitierten Standardwerk gemacht. Mit der 21. Auflage geht nun die Bearbeitung des Werkes auf Ralf K\u00f6lbel \u00fcber, der auch schon die Bearbeitung des gro\u00dfen <u>Lehrbuchs der \u201eKriminologie\u201c<\/u> im Jahr 2017 von Hr. Eisenberg \u00fcber\u00adnommen hatte. Das ist schon einmal eine gute Nachricht, bleibt doch das beachtliche Werk somit sehr wahrscheinlich \u00fcber viele weitere Auflagen erhalten. Nun harrt nur noch das letzte von Hr. Eisenberg mit unabl\u00e4ssiger Akribie allein verantwortete gro\u00dfe Werk, der <u>Spezialkommentar<\/u> zum \u201e<u>Beweisrecht der StPO<\/u>\u201c (vgl. Fn. 1) der \u00dcbernahme der \u201eNeu\u201c-Bearbeitung, dann in der 11. Auflage.<!--more--><\/p>\n<p>K\u00f6lbel war auch sogleich gefordert. Neben einzuarbeitender neuerer Judikatur und Literatur waren u. a. die Ver\u00e4nderung von gerichtlichen Zust\u00e4ndigkeiten im Rahmen des \u201eGesetzes zur St\u00e4rkung der Rechte von Betroffenen bei Fixierungen im Rahmen von Freiheitsentziehungen\u201c (BGBl. 2019 Teil I Nr. 23 vom 27. Juni 2019, <a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;start=\/\/*%5b@attr_id=%27bgbl119s0840.pdf%27%5d#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl119s0840.pdf%27%5D__1586948377790\">S. 840 ff.<\/a>, dort Art. 7 in Bezug auf <u>\u00a7 93 JGG<\/u>), das \u201eGesetz zur Modernisierung des Strafverfahrens\u201c (BGBl. 2019 Teil I Nr. 46 vom 12. Dezember 2019, <a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;start=\/\/*%5b@attr_id=%27bgbl119s2121.pdf%27%5d#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl119s2121.pdf%27%5D__1586953053981\">S. 2121 ff.<\/a>, dort Art. 5 mit Bezug auf <u>\u00a7 80 Abs. 3 JGG<\/u> zur Nebenklage), vor allem aber die Umsetzung der Richtlinie (EU) <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32016L0800&amp;from=EN\">2016\/800<\/a> \u00fcber \u201eVerfahrensgarantien in Strafverfahren f\u00fcr Kinder, die Verd\u00e4chtige oder besschuldigte Personen im Strafverfahren sind\u201c vom 11. Mai 2016, versp\u00e4tet umgesetzt durch das \u201eGesetz zur St\u00e4rkung der Verfahrensrechte von Beschul\u00addigten im Jugendstrafverfahren\u201c (BGBl. Teil I Nr. 47 vom 19. Dezember 2019, <a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;start=\/\/*%5b@attr_id=%27bgbl119s2146.pdf%27%5d#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl119s2146.pdf%27%5D__1586948998722\">S. 2146 ff.<\/a>) zu ber\u00fccksichtigen. In jedem Fall eine \u201eK\u00e4rrnerarbeit\u201c, die \u2013 ein\u00adhergehend mit dem Bearbeiterwechsel und der methodischen Dringlichkeit &#8211; eine umfassendere Neubearbeitung noch nicht erkennen lassen. Diese ist aber auch, wen wundert es angesichts des bew\u00e4hrten Aufbaus und der Qualit\u00e4t des arri\u00advierten Grundlagenwerks, von Hr. K\u00f6lbel offensichtlich auch nicht beabsichtigt. Er will den Charakter des Werkes nicht ver\u00e4ndern, so sein Vorwort zur Neu\u00adauflage, die \u201eHandschrift\u201c des Kommentars wird sich in der Folge da und dort aber sicher individuell gestalten. Mit Hr. K\u00f6lbel ist sicher auch die inter\u00addisziplin\u00e4re Kontinuit\u00e4t mit der Ber\u00fccksichtigung bedeutsamer kriminologischer, psychologischer, sozialwissenschaftlicher und sozialp\u00e4dagogischer Literatur zu erwarten, die den Eisenberg\u2018 schen Kommentar bisher f\u00fcr die heterogene Zielgruppe so wertvoll machte. Das l\u00e4sst sich schon an den &#8211; legislativ bedingt &#8211; teilweise neu kommentierten Vorschriften erkennen, jedenfalls soweit hierzu schon tiefergehende empirische Daten verf\u00fcgbar waren.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste JGG-Reform betraf insbesondere<\/p>\n<ul>\n<li>die Klarstellung der Anwendbarkeit des JGG bei unklarem Alter (\u00a7 1 Abs. 3 JGG neu),<\/li>\n<li>den Ausbau der Rechte und Pflichten der <u>Jugendgerichtshilfe<\/u> (v. a. in den \u00a7\u00a7 38, 50 Abs. 3 JGG),<\/li>\n<li>Klarstellungen zum notwendigen \u201eUmfang der Ermittlungen\u201c (\u00a7 43 Abs. 1 S. 4 [neu] unter Verweis auf \u00a7\u00a7 38 Abs. 6 [neu] und 70 Abs. 2),<\/li>\n<li>die obligatorische Vernehmung des Beschuldigten durch Staatsan\u00adwaltschaft oder den Vorsitzenden des Jugendgerichts bei zu erwartender Jugendstrafe (\u00a7 44),<\/li>\n<li>46a neu zum Zeitpunkt der Anklage im Zusammenhang mit der notwendigen Berichterstattung der Jugendgerichtshilfe unter \u201eKindes\u00adwohlgesichtspunkten\u201c,<\/li>\n<li>51 Abs. 6 und 7 zur ersatzweisen Vertretung des Jugendlichen nach zeitweiligem Ausschluss der Erziehungsberchtigten aus der Haupt\u00adverhandlung,<\/li>\n<li>51a neu iVm \u00a7 68 Nr. 5 zum \u201eNeubeginn der Hauptverhandlung\u201c nach Feststellung der noch nicht erfolgten aber notwendigen Mitwirkung eines Verteidigers,<\/li>\n<li>\u00a7 67, 67a neu zu Mitwirkungs- und Beteiligungsrechten von Erziehungs\u00adberechtigten und deren gesetzlichen Vertretern sowie deren Entziehung durch das Jugendgericht,<\/li>\n<li>Fallgestaltungen der \u201e<u>notwendigen Verteidigung<\/u>\u201c (\u00a7\u00a7 68, 68a, 68b, 70a, 70b JGG iVm \u00a7\u00a7 140 ff. StPO) sowie ggf. der \u201e<u>audiovisuellen Aufzeichnung der Vernehmung<\/u>\u201c (\u00a7 70c JGG),<\/li>\n<li>Modifizierung der Verfahrensvorschriften zum \u201evereinfachten Jugend\u00adverfahren\u201c, \u00a7 78 Abs. 3 JGG,<\/li>\n<li>89c \u2013 Anpassung der Vorschriften zur Vollstreckung der Untersuchungs\u00adhaft,<\/li>\n<li>\u00a7 92, 93 \u2013 Anpassung der Vorschriften \u00fcber \u201eRechtsbehelfe im Vollzug\u201c und \u201egerichtliche Zust\u00e4ndigkeiten\u201c,<\/li>\n<li>104 \u2013 Anpassung der Verfahrensvorschriften im jugendgerichtlichen Verfahren,<\/li>\n<li>\u00a7 109, 110 \u2013 Anpassung der Verfahrensvorschriften zur Anwendbarkeit des JGG und hinsichtlich der Vollstreckung von Untersuchungshaft bei Heranwachsenden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die z. T. weitreichenden Neuregelungen und Beteiligungspflichten \/ Mitwir\u00adkungsrechte von Erziehungsberechtigten, gesetzlichen Vertretern, Jugendhilfe und der Ausbau der Vorschriften zur notwendigen Verteidigung und zur Vernehmung (inkl. deren audiovisueller Dokumentation) &#8211; jeweils unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Wohls des betroffenen Jugendlichen &#8211; werden auch k\u00fcnftig in der jugendgerichtlichen \/ justiziellen \/ polizeilichen An\u00adwendungspraxis zahlreiche Fragen aufwerfen, f\u00fcr die der \u201eEisenberg \/ K\u00f6lbel\u201c ein \u201eschn\u00f6rkelloses\u201c, damit ebenso griffiges wie auch praxisgerecht aufgebautes und gestaltetes Nachschlagewerk ist und bleibt.<\/p>\n<p>Holger Plank, im April 2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Prof. em. Dr. iur. Ulrich <a href=\"https:\/\/www.jura.fu-berlin.de\/fachbereich\/einrichtungen\/strafrecht\/emeriti\/eisenbergu\/index.html\">Eisenberg<\/a>, bis zum Jahr 2007 Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Strafrecht, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug an der Freien Universit\u00e4t Berlin; neben dem \u201eStandardkommentar\u201c zum JGG Verfasser zahlreicher Lehrb\u00fccher und Studienkommentare, u. a. des gro\u00dfen Lehrbuchs <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/kriminologie-9783161530135\">Kriminologie<\/a>, in der 7. Auflage 2017 ebenfalls fortgef\u00fchrt von Prof. Dr. Ralf K\u00f6lbel, allerdings nun hrsg. bei Mohr Siebeck oder dem Spezialkommentar zum <a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/Eisenberg-Beweisrecht-StPO\/product\/17158703?pac=verlag&amp;adword=google\/Beck_RSW\/aut%3aEisenberg_ctr%3akur_res%3aPC3140_p%3a11021683_tit%3aBeweisrecht-StPO&amp;gclid=Cj0KCQjw4dr0BRCxARIsAKUNjWSRiM94ANcoF8BnTXSYWoiW8jJb2aZxobqSx0cbJrdVN8pyLssZ5MkaAslgEALw_wcB\">Beweisrecht der StPO<\/a>, 10. Auflage 2017, hrsg. bei C. H. Beck (in der 11. Auflage geplant und wahrscheinlich bearbeitet von Prof. Dr. <a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/de\/fb01\/professuren\/strafrecht\/prof-dr-jens-puschke\">Puschke<\/a> und Dr. Ute <a href=\"https:\/\/rsw.beck.de\/aktuell\/meldung\/ute-hohoff-ist-neue-richterin-am-bgh\">Hohoff<\/a>).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/beckassets.blob.core.windows.net\/product\/inhaltsverzeichnis\/27664829\/inhaltsverzeichnis-eisenberg-jugendgerichtsgesetz-jgg-9783406738784.pdf\">Inhaltsverzeichnis<\/a> auf der Verlags-Website des C. H. Beck Verlags, \u00a0zuletzt abgerufen am 15.04.2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Prof. Dr. iur. Ralf <a href=\"https:\/\/www.jura.uni-muenchen.de\/personen\/k\/koelbel_ralf\/index.html\">K\u00f6lbel<\/a>, Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Strafrecht und Kriminologie an der LMU M\u00fcnchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrich Eisenberg[1]: Jugendgerichtsgesetz[2], bearbeitet von Ralf K\u00f6lbel[3] ISBN: 978-3-406-73878-4, 1661 Seiten, C. H. Beck Verlag, M\u00fcnchen, Reihe \u201eBeck\u2018 sche Kurzkommentare\u201c, Band 48, 21. Auflage 2020, 109.- \u20ac) Seit der ersten Auflage 1982 hat Ulrich Eisenberg den Beck\u2018 schen Kurz-Kommentar zum Jugendgerichtsgesetz bis zur 20. Auflage 2018 in alleiniger Bearbeitung zu einem \u00fcber alle jugendstrafrechtlichen Professionen &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1464\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Ulrich Eisenberg: Jugendgerichtsgesetz, bearbeitet von Ralf K\u00f6lbel. 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