{"id":1472,"date":"2020-04-21T14:36:56","date_gmt":"2020-04-21T12:36:56","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1472"},"modified":"2020-04-21T14:36:56","modified_gmt":"2020-04-21T12:36:56","slug":"mark-fahnert-lied-des-zorns-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1472","title":{"rendered":"Mark Fahnert: Lied des Zorns. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mark Fahnert: Lied des Zorns. <\/strong>Piper, M\u00fcnchen, 12,99 Euro, E-Book 9.99 Euro, 432 Seiten, ISBN 978-3-492-06211-4<\/p>\n<p>Wenn ein Verlag offensiv damit wirbt, dass der Autor Polizeibeamter ist und \u201e<em>mehrere Jahre \u2026 verdeckt als szenekundiger Beamter (ermittelte), bevor er bei der Autobahnpolizei im rasanten Einsatz seinen Dienst versah<\/em>\u201c (Klappentext), dann wird man nicht nur als <img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1473 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fahnert-99x150.jpg\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fahnert-99x150.jpg 99w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Fahnert.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 99px) 100vw, 99px\" \/>Kriminologe und Polizeiwissenschaftler stutzig. Auch als gestandener \u201eKrimi-Leser\u201c ist man erst einmal skeptisch, wenn sich jemand, der das Handwerk des Schreibens nicht erlernt hat, diesem Genre zuwendet \u2013 zumal an wirklich guten Kriminalromanen eigentlich kein Mangel herrscht<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Da hilft dann auch nicht die Relativierung des Verlags, dass er sich heute mit \u201e<em>politisch und religi\u00f6s motivierten Delikten<\/em>\u201c befasst. Ob auch die Aussage, dass <em>Fahnert<\/em> durch \u201e<em>seine lange und vielseitige Polizeilaufbahn \u2026 mit den Mechanismen der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden bestens vertraut (ist)<\/em>\u201c von ihm selbst autorisiert wurde, wei\u00df man nicht. Journalisten und Medienverantwortliche denken bei den von ihnen zu verantwortenden Texten oftmals mehr an die Vermarktung, als an die Wahrheit, und auch Risiken und Nebenwirkungen werden hier oftmals nicht gesehen \u2013 als sch\u00f6nes Beispiel sei aus meiner eigenen Erfahrung die \u00dcberschrift der FAZ zu meinem Beitrag \u00fcber das Buch von Thilo Sarrazin, Feindliche \u00dcbernahme, genannt: Ob die \u201eKriminologie aus dem Hobbykeller\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> von mir oder dem als Kriminologe doch eher unbekannten Sarrazin betrieben wird, wurde dem Leser \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Hilfreich ist da schon eher das Interview mit dem Autor, das auf der Website des Verlages abgedruckt ist<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Dort antwortet <em>Fahnert<\/em> z.B. auf die Frage, was die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung beim Schreiben war: \u201e<em>Die Waage zwischen den Erfordernissen an einen spannenden Roman und der Realit\u00e4t zu halten. Polizeiermittlungen sind nie so, wie sie in den Romanen dargestellt werden. Alles dauert recht lang, man muss viel warten und Geduld aufbringen. Aber das ist etwas, was in der Fiktion nicht abgebildet werden kann, wenn man nicht will, dass die LeserInnen das Buch nach kurzer Zeit zuklappen\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Und zu seinen Recherchen f\u00fcr das Buch sagt er: \u201e<em>Wenn ich etwas Spezielles wissen will, dann suche ich im Internet eine Organisation heraus, wo man es vielleicht wissen k\u00f6nnte. Dann schreibe ich eine h\u00f6fliche E-Mail und stelle meine Fragen. Meist bekomme ich eine Antwort. Sonst besorge ich mir Sachb\u00fccher \u00fcber das Thema, bl\u00e4ttere in Magazinen, lese Zeitung, surfe viel im Internet, spreche mit Menschen und stelle viele Fragen\u201c. <\/em><\/p>\n<p>Ob Verfassungsschutz und Geheimdienste seine Emails wohl beantwortet haben? Wohl eher nicht. Denn die im Buch beschriebene Mischung aus real denkbaren und eher fiktiven Abl\u00e4ufen w\u00fcrde den \u201eDiensten\u201c nicht gefallen. Aber gerade hier liegt der Reiz dieses Buches: Es nimmt den Leser mit auf eine Reise, die ihn zu immer wieder wechselnden Orten in Europa und dem Nahen Osten f\u00fchrt. Dieses Spannungselement des \u201eZerhacken\u201c eines Ereignisses kennzeichnet inzwischen viele B\u00fccher, wird aber manchmal auch \u00fcberreizt, wenn Abl\u00e4ufe, die sich innerhalb weniger Stunden ereignen, an verschiedensten Stellen eines Buches scheibchenweise wiedergegeben werden und so der Handlungsstrang unterbrochen wird. Bei <em>Fahnert<\/em> ist dies aber ertr\u00e4glich, man ger\u00e4t nicht zu sehr aus dem komplexen Gesamtzusammenhang und kann noch folgen, wer wann was und warum macht.<\/p>\n<p>Und darum geht es in dem Roman: Die ehemalige Elitesoldatin Wiebke Meinert erf\u00e4hrt vom Mord an ihrer Schwester, die bei einer Autoexplosion stirbt. Sie war \u201eGeheimagentin\u201c (offiziell beim Entwicklungshilfeministerium angestellt \u2013 ob diese \u201eLegende\u201c von <em>Fahnert<\/em> wirklich erfunden ist?) und einer gef\u00e4hrlichen Verschw\u00f6rung auf der Spur. Das Buch kreist immer wieder um die Frage, was sie herausgefunden hatte und wer hinter ihr her war. Von einem Kontakt beim Verfassungsschutz erf\u00e4hrt sie, dass es eine akute Terrorwarnung gibt. Um den Anschlag zu verhindern, muss sie zur\u00fcck in ihr altes Leben. Stoppt sie die T\u00e4ter, findet sie (und das ist das Bindeglied im Buch) garantiert Hinweise auf die M\u00f6rder ihrer Schwester. Wiebke wurde (so der Verlag) \u201e<em>ausgebildet, um zu t\u00f6ten. Sie hat keine Angst vor ihren Gegnern. Und sie mag es nicht, wenn man ihr Vorschriften macht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend letzteres durchaus einen zumindest gewissen Realit\u00e4tsbezug haben d\u00fcrfte, wenn es um Mitglieder von \u201eDiensten\u201c oder auch der Polizei geht, so ist ersteres doch eher James-Bond-Romanen und \u00e4hnlichem entnommen. Und tats\u00e4chlich erinnert so einiges an die (fr\u00fchen) James-Bond-Filme, was aber kein Nachteil sein muss, und auch keine Kritik. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Und hier und da sind dann auch noch kriminologisch-kritische Passagen eingestreut, wie auf S. 66 f., als der Autor \u00fcber seine Protagonistin Wiebke schreibt: <em>\u201eSie sah die beiden Jungs, die gerade noch Schach gespielt hatten. Kluge K\u00f6pfe an der falschen Stelle. Ohne Chance auf irgendwas. Au\u00dfer auf eine kriminelle Karriere. Jemand hatte mal zu ihr gesagt, dass in Deutschland jeder die gleichen M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte. Daran glaubte sie schon lange nicht mehr\u201c \u2026 Und hinterher wird die Gesellschaft \u00fcber die Verbrecher schimpfen und dabei verdr\u00e4ngen, dass sie diese selbst geschaffen hat\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Insgesamt ein spannendes Buch, das auch sprachlich \u00fcberzeugt und (nicht unwichtig) in einer Schriftgr\u00f6\u00dfe gedruckt ist, die das Lesen erleichtert.<\/p>\n<p>Gl\u00fcckwunsch also an den im Sauerland (wirklich oder Legende?) lebenden Autor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Thomas Feltes, April 2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Einige davon werden immer wieder hier im Buch-Bog des PNL besprochen, zuletzt hier <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1401\">https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1401<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/autoren\/sarrazins-buch-feindliche-uebernahme-schuert-vorurteile-15763511.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/autoren\/sarrazins-buch-feindliche-uebernahme-schuert-vorurteile-15763511.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.piper.de\/buecher\/lied-des-zorns-isbn-978-3-492-06211-4\">https:\/\/www.piper.de\/buecher\/lied-des-zorns-isbn-978-3-492-06211-4<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mark Fahnert: Lied des Zorns. 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