{"id":1481,"date":"2020-04-25T10:39:40","date_gmt":"2020-04-25T08:39:40","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1481"},"modified":"2020-04-25T10:39:40","modified_gmt":"2020-04-25T08:39:40","slug":"johannes-kaspar-tonio-walter-strafen-im-namen-des-volkes-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1481","title":{"rendered":"Johannes Kaspar, Tonio Walter, Strafen im Namen des Volkes. Rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kaspar, Johannes<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \/ Walter, Tonio<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> (Hrsg.): \u201eStrafen \u201aim Namen des Volkes\u2018. Zur rechtlichen und kriminalpolitischen Relevanz empirisch feststellbarer Strafbed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3] <\/a><\/strong>(ISBN: 978-3-8487-5270-6 [Print] \/ 978-3-658-8452-9445-2 [<a href=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/9783845294452-279\/autorenverzeichnis\">ePDF<\/a>], 286 Seiten, Nomos Verlag, Baden-Baden, <a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/reihenpopup.aspx?reihe=561\">Schriften<\/a> zur Kriminologie, Band 15, 2019, 74.&#8211; \u20ac als Softcover)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die beiden Herausgeber haben (internationale) Beitr\u00e4ge und Diskussionsberichte einer gleichnamigen <a href=\"https:\/\/www.uni-augsburg.de\/de\/campusleben\/neuigkeiten\/2018\/11\/28\/34\/\">Tagung<\/a> an der Universit\u00e4t Augsburg, die im November 2018<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> stattfand, in diesem straf(-zumessungs)theoretisch \u00e4u\u00dferst lesenswerten Tagungsband<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> zusammengefasst. Titelbezogen lautet die Eingangsfrage, die sich beim geneigten Leser unmittelbar stellt: Wie <img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1484 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/strafen-101x150.jpg\" alt=\"\" width=\"101\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/strafen-101x150.jpg 101w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/strafen.jpg 337w\" sizes=\"(max-width: 101px) 100vw, 101px\" \/>ist Strafrecht, das \u201esch\u00e4rfste Schwert des Rechtsstaates\u201c, Ultima Ratio f\u00fcr den Strafgesetzgeber, und Strafe im Allgemeinen dogmatisch bzw. empirisch zu rechtfertigen? Die informativen und gr\u00f6\u00dftenteils instruktiven Beitr\u00e4ge zeigen hierzu zahlreiche Ans\u00e4tze auf, behandeln viele dogmatische Fragen sehr profund, ohne wirklich \u201edie eine\u201c belastbare, \u201erichtige\u201c L\u00f6sungen bieten zu k\u00f6nnen und lassen naturgem\u00e4\u00df einige dogmatische Fragen und Folgerungen in der Fortfolge entwickelter Ans\u00e4tze offen.<!--more--><\/p>\n<p>Seit jeher wird die Frage nach dem Sinn und dem legitimierenden Zweck von Strafe f\u00fcr normabweichendes Verhalten gestellt. Im Kern haben sich dabei zwei ma\u00dfgebliche Theorielinien, z. T. parallel nebeneinander, herausgebildet, die \u201eabsoluten\u201c und die \u201erelativen\u201c Strafzwecktheorien. Blo\u00dfe Vergeltung \/ S\u00fchne bzw. ein \u201eZweckgedanken\u201c sowie deren jeweilige Anteile an der Strafe standen sich dabei im Rahmen der Strafzumessung lange diametral, beinahe \u201eunver\u00ads\u00f6hnlich\u201c gegen\u00fcber und besch\u00e4ftigten Gelehrte seit vielen Jahrhunderten in allen Gesellschaften der Welt. Das kann man bspw. schon bei Seneca, der sich sehr klug hierzu eingelassen haben soll, nachlesen:<\/p>\n<p>\u201eNemo prudens punit, quia peccatum est, sed ne peccetur; revocari enim praeterita non possunt, futura prohibentur.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Fortgesetzt hat sich diese Diskussion in der deutschen Strafzwecklehre zu Beginn des 20. Jahrhunderts \u00fcber die Protagonisten Franz <a href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz51942.html\">von Liszt<\/a> (\u201eZweckgedanke\u201c \u2013 \u201erelative\u201c, spezialpr\u00e4ventive Strafzwecklehre \u00e0 \u201ePunitur, sed ne peccetur\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>) und Karl <a href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz69476.html#ndbcontent\">Binding<\/a> (\u201eVergeltungsgedanke\u201c \u2013 \u201eabsolute\u201c, generalpr\u00e4ventive Straf\u00adzwecklehre \u00e0 \u201ePunitur, quia peccatum est\u201c <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>), die sich in dieser Frage in \u201eer\u00adbitterter Unvers\u00f6hnlichkeit\u201c gegen\u00fcberstanden. Sie setzten als \u201ej\u00fcngere\u201c nam\u00adhafte strafrechtswissenschaftliche Vertreter den \u201e<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007%2F978-3-540-75955-3_6\">Schulenstreit<\/a>\u201c auf Grundlage der Theorien der (Rechts-)Philosophen Kant, Hegel, Feuerbach u. a., welcher &#8211; trotz des in der Folge sich in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts heraus\u00adbildenden Kompromisses in Form einer \u201e<a href=\"http:\/\/www.krimlex.de\/artikel.php?BUCHSTABE=S&amp;KL_ID=185\">vereinigenden<\/a> Theorie\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> &#8211; bis heute nicht wirklich befriedigend gel\u00f6st ist, fort. So greift z. B. das Bundesverfas\u00adsungsgericht in einigen j\u00fcngeren Entscheidungen den S\u00fchne- und Vergeltungs\u00adgedanken im Strafrecht explizit auf<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>, allerdings i. d. R. im Sinne des \u201egerechten Schulausgleichs\u201c als Strafzumessungsfaktor, der \u201enichts anderes als gerechte Vergeltung\u201c sei (Beitrag Tonio, S. 53).<\/p>\n<p>Wie ist es nun aber tats\u00e4chlich um die Strafbed\u00fcrfnisse und das Gerechtigkeits\u00adempfinden der Bev\u00f6lkerung bestellt? Sind diese Bed\u00fcrfnisse \/ Ph\u00e4nomene mit empirischen Methoden verl\u00e4sslich zu ermitteln? L\u00e4sst es sich theoretisch begr\u00fcn\u00adden (und wenn ja, wie?), dass entsprechende Erkenntnisse vom Strafgesetzgeber oder von der Strafjustiz bei ihren Entscheidungen zu ber\u00fccksichtigen sind? Das sind wesentliche Fragen, die bei der Tagung von ausgewiesenen Experten im internationalen Kontext diskutiert und mit dem Sammelband nun auch dem in\u00adteressierten Leser, angereichert mit neuen Erkenntnissen, weitergereicht werden.<\/p>\n<p>Dabei gehen die Hrsg. (Vorwort) &#8211; in Anlehnung an Hassemer<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> und an abge\u00adsicherte empirische Befunde &#8211; davon aus, dass<\/p>\n<ol>\n<li>Straftaten \u00fcblicherweise (auch) ein Vergeltungsbed\u00fcrfnis nach sich ziehen, in welches tat- (Schwere, H\u00f6he des Schadens etc.) bzw. schuldbezogene Kriterien einflie\u00dfen und<\/li>\n<li>solche messbar in der Gesellschaft vorhandenen Vergeltungsbed\u00fcrfnisse stafzumessungstheoretisch nicht v\u00f6llig ignoriert werden d\u00fcrfen<\/li>\n<\/ol>\n<p>und versuchen aus dieser These einen modifizierten straftheoretischen Ansatz &#8211; fortfolgend auch \u00fcber eigene Wortbeitr\u00e4ge (Tonio, \u201eGrundlagen einer empirisch begr\u00fcndeten Vergeltungstheorie\u201c, S. 49 \u2013 60 \/ Kaspar, \u201eVerfassungsrechtliche Aspekte einer empirisch fundierten Theorie der Generalpr\u00e4vention\u201c, S. 61 \u2013 90) in dem Band &#8211; \u201egrob\u201c zu konturieren. Dieser Ansatz versucht eine \u201eBr\u00fccke zwi\u00adschen Pr\u00e4vention und Vergeltung\u201c zu schlagen. Sie bezeichnen ihn (in Anlehnung an Adrissek<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>) vorl\u00e4ufig als \u201eretributive<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Generalpr\u00e4vention\u201c. So wird die \u201eVer\u00adgeltung\u201c, als Teil dieses Konzeptes, nicht als \u201eZweck an sich\u201c, sondern nur als \u201eZwischenziel, um das eigentliche Ziel der Stabilisierung des Vertrauens der Bev\u00f6lkerung in die Rechtsordung und letztlich in den Staat zu verfolgen\u201c, be\u00adtrachtet. Die Hrsg. pl\u00e4dieren somit \u201eausdr\u00fccklich f\u00fcr ein empirisches Verst\u00e4ndnis des Rechtsfriedens\u201c, womit auch \u201edie (kriminologische \/ soziologische) empir\u00adische Forschung \u00fcber gesellschafliche Einstellungen zu Strafrecht und Strafe (\u2026) an Bedeutung gewinnt\u201c. Tonio legt insbesondere semantisch gro\u00dfen Wert auf die Feststellung, dass der Weg der Fundierung eines solchen Ansatzes nicht \u00fcber eine nur \u201eempirisch begr\u00fcndete Vergeltungstheorie\u201c m\u00f6glich sei, sondern vielmehr eine \u201esoziologisch begr\u00fcndete Vergeltungstheorie (erfordere), die an empirische Befunde ankn\u00fcpft\u201c (S. 49), denn eine \u201egute, lebenswerte Gesellschaft\u201c ben\u00f6tige u. a. ein \u201eStrafrecht, das ihrem Bestand f\u00f6rderlich\u201c sei, was eine \u201eersichtlich utilitaristische Frage\u201c darstelle. Eine solche \u201eGesellschaftsn\u00fctzlichkeit des Strafrechts (trage) bereits die Anlage einer (soziologisch fundierten) Empirie in sich\u201c, wobei es allerdings darauf ankomme, hierbei \u201enach dem Richtigen zu fragen.\u201c Es seien die \u201eGerechtigkeitsintuitionen der Menschen und nicht deren Sanktionsempfehlungen\u201c, die hierbei zu hinterfragen seien. Dabei bezieht sich Tonio also auf den konzeptionell entscheidenden Terminus \u201eGerechtigkeits\u00adintuitionen\u201c im Sinne Robinsons<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>, der als Urheber dieses \u00fcbertragenen Begriffs &#8211; im Original als \u201e<a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=1148907\">empirical desert<\/a>\u201c &#8211; gilt.<\/p>\n<p>Hier begegnet es uns also wieder, das Liszt\u2018 sche Konzept einer \u201e<a href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz51942.html\">Gesamten Strafrechtswissenschaft<\/a>\u201c, bei dem die Kriminologie deutlich mehr ist als eine \u201eHilfswissenschaft des Strafrechts\u201c, vielmehr im Rahmen eigenst\u00e4ndiger Sank\u00adtionswirkungsforschung wesentlich zu den kriminalpolitischen Grundlagen rechtsstaatlichen Strafrechts und zu einem interdisziplin\u00e4ren Austausch zwischen Strafrechtswissenschaft und Kriminologie beitr\u00e4gt. Die Auswirkungen einer der\u00adartigen \u201esoziologisch begr\u00fcndeten, empirisch fundierten\u201c Strafzweck- und -zumessungslehre w\u00e4ren, worauf die Verfasser folgerichtig hinweisen, sowohl de lege lata als auch de lege ferenda schon aus Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeitserw\u00e4gungen (\u201eGeeignetheit\u201c, \u201eErforderlichkeit\u201c) bedeutsam, da sie Kriminalpolitik und Dogmatik veranlassen w\u00fcrden, bestehendes und k\u00fcnftiges Strafrecht \u201eim Namen des Volkes\u201c zu betrachten. Tonio nennt hierf\u00fcr einige Beispiele, von \u201egemeinn\u00fctziger Arbeit als dritter Hauptstrafe\u201c \u00fcber \u201eSentencing Guidelines\u201c im Bestreben einer bundesweit gleichm\u00e4\u00dfigeren Strafzumessung bis hin zur \u201eEntkriminalisierung\u201c (S. 58). Kaspar unterst\u00fctzt Tonio bei seinen \u00dcberlegungen im Sammelband unmittelbar nachfolgend durch die Anlage einer Br\u00fccke vom Straf- hin zum Verfassungsrecht.<\/p>\n<p>Dabei geht es den Autoren aber sicher nicht um das Bed\u00fcrfnis unmittelbar \u201edemoskopisch\u201c fundierter Strafrechtsanwendung. Hierzu sind die Strafw\u00fcnsche und der jeweilige Grad gesellschaftlicher Punitivit\u00e4t auch zu inhomogen, zu instabil, worauf nicht nur Streng<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> in seinem Beitrag zu dem Tagungsband (S. 153 f.) hinweist. Es geht vielmehr um die strafrechtliche Schutzw\u00fcrdigkeit \u00fcber\u00adindividueller Rechtsg\u00fcter im Allgemeinen und die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit staat\u00adlichen Strafens im engeren Sinne. In der Literatur wird das \u201eUltima Ratio-Prinzip\u201c des Strafrechts und seine Missachtung, bspw. durch eine best\u00e4ndige Vor\u00adverlagerung der Strafbarkeitsschwelle (unter dem Stichwort \u201ePr\u00e4ventions- oder Risikostrafrecht\u201c), bereits seit l\u00e4ngerem umf\u00e4nglich diskutiert. Auch zu diesem Diskurs vermag der Band, trotz vieler offen bleibender Fragen, einen nachhaltigen Beitrag zu leisten.<\/p>\n<p>Ungekl\u00e4rt bleibt &#8211; worauf die Hrsg. in ihrem Vorwort auch explizit hinweisen -, dass sich aus der Diskussion des Ansatzes u. a. zahlreiche rechtliche, gesell\u00adschafts- und kriminalpolitische Folgefragestellung ergeben, die man interdis\u00adziplin\u00e4r, mit Fachleuten au\u00dferhalb der Rechtswissenschaft, bspw. mit Politik- und Medienwissenschaftlern etc. diskutieren m\u00fcsste. Dazu geh\u00f6rt z. B. die Frage, wie Meinungsbildungsprozesse in der Gesellschaft funktionieren? Wodurch werden sie, abgesehen von der Strafrechtspraxis, gepr\u00e4gt und beeinflusst? So w\u00e4re insbesondere die Rolle der Medien, deren Berichterstattung zu aktuellen straf\u00adrechtlichen Fragen, Prozessen und Ph\u00e4nomenen einen erheblichen Beitrag haben, aufzugreifen. Es m\u00fcsse auch diskutiert werden, wie ggf. denkbarer \u201epolitischer Missbrauch\u201c eines solchen \u201eempirischen Ansatzes\u201c verhindert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Das ist eine der zahlreichen St\u00e4rken des Sammelbandes, die \u00dcberzeugung der Notwendigkeit einer betont interdisziplin\u00e4ren Herangehensweise, um neben der Rechtswissenschaft etwa Befunde der Politikwissenschaft, der Medien- und Medienwirkungsforschung u. a. Aspekte in die Strafzweck-, -zumessungs- und -wirkungsforschung einzubeziehen. Schon das ist ein bedeutender Mehrwert des interessanten Bandes, welcher in dem anhaltenden Diskurs um die Sinnhaftigkeit staatlichen Strafens signifikate Impulse setzt und schon deshalb beachtenswert ist. Der Ausblick Tonios (S. 55), \u201edie Gesellschaft der Zukunft sei eine Gesellschaft ohne Strafrecht\u201c, das Strafrecht sei also \u201enur noch eine (bis auf Weiteres not\u00adwendige) Br\u00fcckentechnologie\u201c bei einer derartigen soziotheoretischen Ent\u00adwicklung, den er im \u00dcbrigen in keiner Weise \u201ekritisch-abolitionistisch\u201c formu\u00adliert, regt zum Nachdenken, zur kritischen Reflexion an und ist ein markanter Eckpunkt im Rahmen der vierzehn allesamt lesenswerten Beitr\u00e4ge des Bandes.<\/p>\n<p>Holger Plank, im April 2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Prof. Dr. iur. Johannes <a href=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/9783845294452-279\/autorenverzeichnis\">Kaspar<\/a>, Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Strafrecht, Strafprozessrecht, Kri\u00adminologie und Sanktionenrecht an der Universit\u00e4t Augsburg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Prof. Dr. iur. Tonio <a href=\"https:\/\/www.uni-regensburg.de\/rechtswissenschaft\/strafrecht\/walter\/index.html\">Walter<\/a>, Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirt\u00adschaftsstrafrecht und Europ\u00e4isches Strafrecht an der Universit\u00e4t Regensburg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/_assets\/downloads\/9783848752706_lese01.pdf\">Inhaltsverzeichnis<\/a> auf der Verlags-Website des Nomos Verlags, zuletzt abgerufen am 23.04.2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Hierzu ist auch bereits ein kurzer Tagungsbericht von <a href=\"https:\/\/kripoz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/cerny-tagungsbericht-strafen-im-namen-des-volkes.pdf\">Cerny<\/a> in der Zeitschrift KriPoZ, 2019, H. 1, S. 62 ff. erschienen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Welcher auch schon anderweitig besprochen wurde, vgl. z. B. durch <a href=\"https:\/\/www.socialnet.de\/rezensionen\/26299.php\">Hahn<\/a> auf der Plattform social.net am 06.02.2020, bzw. von <a href=\"https:\/\/www.bwv-verlag.de\/detailview?no=2002130419\">Lieber<\/a> in der vom Berliner Wissenschaftsverlag (BwV) verlegten Zeitschrift Richter ohne Robe (RohR), 2019, H. 4.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Seneca, De Ira, in: Rosenbach (Hrsg.), Seneca, Philosophische Schriften, lateinisch und deutsch,\u00a0\u00a0 1. Band, Dialoge I \u2013 VI, 2010, S. 95 ff., 140\/I (I, XIX, 7): \u201eKein kluger Mensch straft, weil gefehlt worden ist, sondern damit nicht gefehlt werde; ungeschehen machen n\u00e4m\u00adlich kann man Vergangenes nicht, Zuk\u00fcnftiges wird verhindert.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u201eBestraft wird, damit kein Unrecht geschieht.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> \u201eBestraft wird, weil Unrecht begangen worden ist\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Das Bundesverfassungsgericht hat 1977 (1 BvL 14\/76, Urteil zur lebenslangen Freiheitsstrafe vom 21.06.1977) die strafrechtswissenschaftliche Vereinigungstheorie aufgegriffen und mit\u00adhilfe von strafrechtswissenschaftlichen Gutachtern eigenst\u00e4ngig durchstrukturiert (Monten\u00adbruck, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=6&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwj8hfDBnP7oAhUEzaYKHXfcB-IQFjAFegQIARAB&amp;url=https%3A%2F%2Frefubium.fu-berlin.de%2Fbitstream%2Fhandle%2Ffub188%2F22237%2FDeutsche%2520Straftheorie_%25203_%2520Aufl.pdf%3Fsequence%3D1%26isAllowed%3Dy&amp;usg=AOvVaw3yX7k7PtMP_Dh7xvOjCrF4\">2020<\/a>, S. 78). Kernsatz hierbei war: &#8222;Das geltende Strafrecht und die Rechtsprechung der deutschen Gerichte folgen weitgehend der Vereinigungstheorie, die \u2013 allerdings mit ver\u00adschieden gesetzten Schwerpunkten \u2013 versucht, s\u00e4mtliche Strafzwecke in ein ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zueinander zu bringen. Dies h\u00e4lt sich im Rahmen der dem Gesetzgeber von Verfassungswegen zukommenden Gestaltungsfreiheit, einzelne Strafzwecke anzuerkennen, sie gegeneinander abzuw\u00e4gen und miteinander abzustimmen.\u201c Demgem\u00e4\u00df hat das Bundes\u00adverfassungsgericht in seiner Rechtsprechung nicht nur den Schuldgrundsatz betont, sondern auch die anderen Strafzwecke anerkannt. Es hat als allgemeine Aufgabe des Strafrechts bezeichnet, \u201edie elementaren Werte des Gemeinschaftslebens zu sch\u00fctzen. Schuldausgleich, Pr\u00e4vention, Resozialisierung des T\u00e4ters, S\u00fchne und Vergeltung f\u00fcr begangenes Unrecht werden als Aspekte einer angemessenen Strafsanktion\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> BVerfGE, <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2006\/12\/rk20061227_2bvr189505.html\">2 BvR 1895\/05<\/a> vom 27.12.2006, Rnr. 23 m.w.N.; ferner auch BVerfGE, <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2004\/02\/rs20040210_2bvr083402.html\">2 BvR 834\/02<\/a> vom 10.2.2004, Rnr. 87: \u201eDer Begriff des Strafrechts wird jedoch weiter verstanden. Unter ihn lassen sich \u00fcber repressive, vergeltende Sanktionen hinaus all diejenigen Rege\u00adlungen fassen, durch die strafw\u00fcrdiges Verhalten in seinen Voraussetzungen gekennzeichnet und mit staatlicher Sanktion bedroht wird\u201c; BVerfGE <a href=\"https:\/\/www.servat.unibe.ch\/dfr\/bv128326.html\">2 BvR 2365\/09<\/a> vom 04.05.2011 zur Sicherungsverwahrung unter dem Licht der Entscheidung des EGMR, dort sogar als \u201egerechte Vergeltung\u201c; im \u201eMauersch\u00fctzenverfahren\u201c, BVerfGE <a href=\"https:\/\/www.servat.unibe.ch\/dfr\/bv095096.html\">2 BvR 1851<\/a> vom 24.10.1996;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Der hierf\u00fcr in seiner \u201eEinf\u00fchrung in die Grundlagen des Strafrechts\u201c aus dem Jahr 1990 (S. 323 f.) \u00fcberhaupt die \u201eWeisheit der absoluten Lehren\u201c sieht und im \u00dcbrigen die Soziologie, eine der interdisziplin\u00e4ren Kernwissenschaften der Kriminologie, als wesentliche Bezugs\u00adwissenschaft des Strafrechts betrachtete.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Andrissek, Tobias R., \u201eVergeltung als Strafzweck\u201c, 2017 (vgl. Besprechung der Dissertation von Andrissek vom 03.09.2017 im <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=789\">Polizei-Newsletter<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Instruktiv einordnend zu dieser adjektivischen Verkn\u00fcpfung der Generalpr\u00e4vention <a href=\"https:\/\/kripoz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/bruckmann-sinn-und-unsinn-gegenwaertiger-vergeltungstheorien.pdf\">Bruck\u00admann<\/a>, in KriPoZ, 2019, H. 2, S. 105 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Prof. Paul H. <a href=\"https:\/\/www.law.upenn.edu\/cf\/faculty\/phrobins\/\">Robinson<\/a>, University of Pennsylvania, Penn Law School, vgl. dessen ein\u00adleitenden Beitrag zum Sammelband \u201cEin \u2018Waffenstillstand\u2018 im Krieg der Straftheorien? Die empirisch ermittlete verdiente Strafe, moralische Glaubw\u00fcrdigkeit und die Verinnerlichung von gesellschaftlichen Normmen\u201c (S. 13 \u2013 34).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Prof. em., Dr. iur., u. a. ehemaliger Leiter der <a href=\"https:\/\/www.fk.rw.fau.de\/leitung\/\">Forschungsstelle<\/a> f\u00fcr Kriminologie und Sanktio\u00adnenrecht an der Friedrich Alexander-Universit\u00e4t Erlangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaspar, Johannes[1] \/ Walter, Tonio[2] (Hrsg.): \u201eStrafen \u201aim Namen des Volkes\u2018. Zur rechtlichen und kriminalpolitischen Relevanz empirisch feststellbarer Strafbed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung\u201c[3] (ISBN: 978-3-8487-5270-6 [Print] \/ 978-3-658-8452-9445-2 [ePDF], 286 Seiten, Nomos Verlag, Baden-Baden, Schriften zur Kriminologie, Band 15, 2019, 74.&#8211; \u20ac als Softcover) Die beiden Herausgeber haben (internationale) Beitr\u00e4ge und Diskussionsberichte einer gleichnamigen Tagung an der &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1481\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Johannes Kaspar, Tonio Walter, Strafen im Namen des Volkes. Rezensiert von Holger Plank<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1481"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1481"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1489,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1481\/revisions\/1489"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}