{"id":1532,"date":"2020-07-20T14:09:37","date_gmt":"2020-07-20T12:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1532"},"modified":"2020-07-20T14:13:09","modified_gmt":"2020-07-20T12:13:09","slug":"sammelbesprechung-predictive-policing-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1532","title":{"rendered":"Sammelbesprechung &#8222;Predictive Policing&#8220;, rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Predictive Policing &#8211; Sammelbesprechung der folgenden B\u00e4nde:<\/strong><\/p>\n<p>Hofmann, Henning<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>: \u201ePredictive Policing. Methodologie, Systemati\u00adsierung und rechtliche W\u00fcrdigung der algorithmenbasierten Krimi\u00adnalit\u00e4tsprognose durch die Polizeibeh\u00f6rden.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2] <\/a>(Reihe: Internetrecht und Digitale Gesellschaft, Band 23; ISBN: 978-3-428-15374-9, 339 Seiten, Verlag Duncker &amp; Humblot, Berlin, 2020, 89,90 \u20ac)<\/p>\n<p>Sommerer<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, Lucia M. (Hrsg.): \u201ePersonenbezogenes Predictive Poli\u00adcing. Kriminalwissenschaftliche Untersuchung \u00fcber die Automa\u00adtisierung der Kriminalprognose\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4] <\/a>(Reihe: Schriften zur Kriminologie, Band 19; ISBN: 978-3-8487-6233-0, 400 Seiten, Nomos Verlag, Baden-Baden, 2020, 104.- \u20ac)<\/p>\n<p>Bode, Felix<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> \/ Seidensticker, Kai<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> (Hrsg.): \u201cPredictive Policing. Eine Bestandsaufnahme f\u00fcr den deutschsprachigen Raum\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7] <\/a>(ISBN: 978-3-86676-597-9, 250 Seiten, Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Frankfurt, 2020, 28,90 \u20ac)<!--more--><\/p>\n<p>\u201ePredictive Policing\u201c (PP), kann man w\u00f6rtlich als interdisziplin\u00e4re \u201evoraus\u00adschauende Polizeiarbeit\u201c \u00fcbersetzen.\u00a0 PP erfolgt i. d. R. auf der Grundlage krimi\u00adnologischer Theorienlehre (zumeist Near-Repeat-Ansatz<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>, vgl. unten metho\u00addi\u00adsche Kritik Hofmanns) unter Nutzung algorithmenbasierter \u201eSoftware zur Ana\u00adlyse historischer Kriminalit\u00e4tsdaten (meist im Zusammenspiel mit aktuellen, kri\u00adminologisch relevanten Lagedaten \u2013 zumindest in den USA durchg\u00e4ngig auch Sozialdaten). Sie soll Prognosen zuk\u00fcnftiger Verbrechensareale<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> oder sogar \u00fcber zuk\u00fcnftige Straft\u00e4ter erm\u00f6glichen und diese f\u00fcr die (polizeiliche) Einsatzplanung nutzen\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> PP ist seit geraumer Zeit, in Deutschland mindestens seit dem Jahr 2010 in Praxis und Wissenschaft in aller Munde. Mitunter euphorisch (unter dem Stichwort \u201ePolizieren der Zukunft\u201c) bei Kriminalpolitik und Polizeibeh\u00f6rden (vgl. Beitrag Rolfes, Sammelband oben 3., S. 217), nicht nur zur Einbruchs\u00adpr\u00e4diktion, sondern auch bei anderen Deliktsgruppen<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, aber z. B. auch im Rah\u00admen der Analyse und Nutzung von Big-Data Best\u00e4nden<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>, eher verhalten-kritisch in der sozialwissenschaftlichen Literatur, z. T. dogmatisch deutlich ablehnend in der Rechtswissenschaft.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Die dem PP-Gedanken in Bezug auf Big-Data Aus\u00adwertungen zugrundeliegende Logik, so bspw. Hofmann (S. 294 f.), laute: \u201eBig Data verhei\u00dft sinngem\u00e4\u00df auch Big Security\u201c, das entspreche dem modernen \u201eMantra eines proaktiven, sicherheitsgew\u00e4hrleistenden Staates\u201c und finde sich dementsprechend auch in Strategien des PP wieder. Es sei aber \u201eweniger ein tech\u00adnischer Quantensprung\u201c, sondern erscheine vielmehr als \u201ezwangslogisches Kon\u00adtinuum einer umf\u00e4nglichen staatlichen Pr\u00e4ventionspolitik.\u201c<\/p>\n<p>Konsequent zu Ende gedacht, ver\u00e4ndert PP die Verbrechensaufkl\u00e4rung allerdings elementar. Die klassische detektivische kriminalistische Ermittlerarbeit wird durchbrochen, durch maschinelle Automatismen verdr\u00e4ngt. Der Kriminalist, der Indiz f\u00fcr Indiz sammelt, jedes f\u00fcr sich und alle in Kombination zueinander interpretiert, kommt ggf. in einen Rollenkonflikt. Seine St\u00e4rke, die Spuren zu immer neuen Hypothesen zusammenzusetzen, ist nicht mehr gefragt. Humane heuristische und syllogistische Arbeit, die der italienische Historiker Carlo Ginzburg als \u201eIndizien- oder auch Spurenparadigma\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> bezeichnet, ein durch Sp\u00fcrsinn, Augenma\u00df und Intuition getragenes diagnostisches Modell f\u00fcr alle am Einzelfall orientierten Wissenschaften, nicht nur f\u00fcr die Kriminalistik, f\u00fchrt als interpretatorischer Akt dazu, in scheinbar nebens\u00e4chlichen empirischen Daten eine komplexe Realit\u00e4t aufzusp\u00fcren, die nicht direkt erfahrbar ist, wird k\u00fcnftig durch algorithmenbasierte Datenanalytik ersetzt. Computergest\u00fctzte Analytik unterscheidet sich eklatant von der klassischen indiziengeleiteten krimina\u00adlistischen Ermittlungst\u00e4tigkeit. Big Data \u201eerledigt aber nicht nur das Spu\u00adrenparadigma, sondern mit dem PP schaltet die Kriminalsitik auch von der Vergangenheits- zur Zukunftsorientierung um.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Die zunehmende Techno\u00adlogisierung der Polizei sei ferner auch mit einem kulturellen Transformations\u00adprozess verbunden, der in praxi als auch in der Aus- und Fortbildung noch zu wenig Ber\u00fccksichtigung finde (vgl. Beitrag von Legros im Sammelband oben 3.).<\/p>\n<p>Dieses Thema wird also seit geraumer Zeit und mit guten Gr\u00fcnden intensiv interdisziplin\u00e4r beforscht und vielfach kritisch komentiert und begleitet<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>. Die drei j\u00fcngsten, sehr ansehnlichen und durchg\u00e4ngig lesenswerten Werke von <strong>Hofmann<\/strong> und <strong>Sommerer<\/strong> (Monographien, jeweils zugleich Diss. iur.) und der Sammelband der Hrsg. <strong>Bode \/ Seidensticker<\/strong> fassen den aktuellen Diskussionsstand unter ver\u00adschiedenen disziplin\u00e4ren Gesichtspunkten sehr gut zusammen, sodass sich dieser im Rahmen einer Sammelbesprechung unter Bezugnahme auf die jeweiligen Argumentationslinien der einzelnen Autoren*innen sehr gut darstellen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Hofmann<\/strong> (oben 1.) versucht, bestehende Unsch\u00e4rfen auf verschiedenen Ebenen herauszuarbeiten. Diese best\u00fcnden schon auf terminologischer Ebene, insbe\u00adsondere aber auf methodischer<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Ebene hinsichtlich der theoretischen Grund\u00adlagen, bei der Interpretation der prognostischen Erkl\u00e4rungsmuster und vor allem auch bei der Frage, welches Datenmaterial zu Prognosezwecken verwendet wer\u00adden solle und d\u00fcrfe. Nicht zuletzt bestehe Unsch\u00e4rfe bei der Antwort auf die Frage, wie durch derartige Prognoseinstrumente Polizeiarbeit beeinflusst werde. Hofmann stellt fest, dass das \u201ekarikatureske Werbeversprechen\u201c rund um ver\u00adf\u00fcgbare PP-Tools, z. B. in der Headline der <a href=\"https:\/\/www.latimes.com\/archives\/la-xpm-2010-aug-21-la-me-predictcrime-20100427-1-story.html\">LA Times<\/a> vom 21. August 2010 \u201estopping crime before it begins\u201c \u00f6ffentlichkeitswirksam pr\u00e4sentiert, jedenfalls derzeit immer noch weit \u00fcberzogen ist. PP sei kein Minority Report<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>. Im Moment existiere zudem keine hinreichende statistische Evidenz, die zweifelsfrei belege, das PP \u00fcberhaupt zu einem merklichen Kriminalit\u00e4tsr\u00fcckgang f\u00fchre. Dennoch schreiten auch in Deutschland (siehe oben, Fn. 11) die Implementierungsbe\u00adm\u00fchungen nahezu ungebrochen voran, so Hofmann verwundert Mediale Berichterstattung und Verhei\u00dfungen der Industrie klaffen im Gegensatz zu den tats\u00e4chlichen technischen Einsatzchancen stark auseinander. Auch wenn \u2013 unab\u00adh\u00e4ngig von den gesicherten aktuellen Ergebnissen &#8211; PP-Tools vorhandene po\u00adlizeiliche und z. T. \u201ezugekaufte\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a>, jeweils \u00fcberwiegend nicht personenbezogene Informationsbest\u00e4nde automatisiert b\u00fcndeln, diese auf effektivere Art und Weise in Risikoprognosen umm\u00fcnzen und somit die taktische Einsatzplanung unter\u00adst\u00fctzten, handele es sich bei derzeitiger Leistungsf\u00e4higkeit der Tools letztlich nur um weiterentwickelte raumbezogene Methoden zur Visualisierung von Krimina\u00adlit\u00e4tsrisiken, die mit der Fixierung von Stecknadeln auf einem Stadtplan (\u201eCrime-Mapping\u201c) ihren Anfang nahmen. Allerdings &#8211; so jedenfalls in den USA vielfach bereits Standard &#8211; wenn das kriminalgeographische, bislang streng r\u00e4umliche Konzept zur geospatialen Verortung von Wohnungseinbruchsdiebst\u00e4hlen oder inzwischen auch weiteren Delikten der Einbruchskriminalit\u00e4t aufgeweicht werde, anstatt rein r\u00e4umlicher nun auch individuelle Kriminalit\u00e4tsrisiken mit signi\u00adfikanter Vehemenz bei der algorithmenbasierten, softwaregest\u00fctzten Ermittlung personeller Risikofaktoren ermittelt werden sollen, drohe der technische Impetus die rechtliche Entwicklung zu \u00fcberholen. Damit sei unweigerlich ein staatliches Vordringen in grundrechtlich gesch\u00fctzte Sph\u00e4ren verbunden. Auch wenn nie\u00admand in Deutschland derzeit von einer derartiger Weiterentwicklung spricht (sehr lesenswert hierzu ist \u00fcbrigens die Darstellung der Entwicklung der politisch-diskursiven Kommunikation seit 2010 bei Rolfes im Sammelband oben 3., S. 215 ff) oder die umf\u00e4ngliche Einbeziehung personenbezogener Daten zur Prognose\u00aderstellung in PP-Tools vergleichbar mit den USA plant, m\u00fcsse der Gesetzgeber die Herausforderung aufgreifen, \u201epr\u00e4diktiv\u201c handeln und diesen Prozess in ge\u00adordnete, die individuellen Freiheitsrechte nachhaltige wahrende Bahnen lenken. Denn, in Anlehnung an Bonson<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> verweist Hofmann auf dessen beachtenswerte, gemessen an ihrer Erstver\u00f6ffentlichung im Jahr 1967 ebenfalls \u201epr\u00e4diktive\u201c Sentenz \u201e(\u2026) where information rests is where power lies, and (electronically computed) concentration of powers is catastrophically dangereous.\u201c Durch PP komme es nicht nur zu einer Datenkonzentration auf der Seite des Staates, viel\u00admehr werde die Konfliktlage durch eine weitere Facette der tiefgr\u00fcndigen Analysem\u00f6glichkeiten durch Big Data angereichert (S. 318). Obgleich die Gew\u00e4hrleistung von Sicherheit und Schutz der Bev\u00f6lkerung zweifellos funda\u00admentaler Staatszweck<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> sei und durch PP wom\u00f6glich Kriminalit\u00e4t auch effektiver, nachhaltiger und (irgendwann einmal) wirkungsvoller bek\u00e4mpft werden k\u00f6nne, verlange die Verfassung eine hinreichende Balance zwischen Freiheit und Sicher\u00adheit. Hofmann pl\u00e4diert deshalb abschlie\u00dfend f\u00fcr eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung \u00fcber PP. Damit sei wahrscheinlich eine gewisse \u201eEntmysti\u00adfizierung\u201c des Ph\u00e4nomens und damit &#8211; neben der Hervorhebung der potentiellen Einsatzchancen &#8211; auch eine sachgerechte Inaugenscheinnahme der Kosten und Risiken verbunden. Zudem schaffe dieser Diskurs eine wachsame Beobachtung der Auswirkungen derartiger staatlicher Datenanalyse und -auswertung auf die Freiheitsrechte der Betroffenen.<\/p>\n<p>Daran schlie\u00dft<strong> Sommerer <\/strong>mit ihrer im Schwerpunkt personenbezogener aus\u00adgerichteten Betrachtung des Ph\u00e4nomens unmittelbar an. Sie (oben 2.) setzt ein\u00adleitend ihre Untersuchung mit einer Interpretation einer Abbildung des Anta\u00adgonismus\u2018 von Schicksal und Weisheit \/ Sicherheit bei Petrarch<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> PP semantisch in Bezug zu \u201eder Z\u00e4hmung des Zufalls\u201c. Sie intendiert derart symbolisch eine die Darstellung einer spezifisch modernen Vereinigung der Erzrivalinnen Fortuna und Sapientia durch algorithmengest\u00fctzte Vorhersagen im Rahmen des PP in ihrer Arbeit. Ein eindringliches Bild eines \u00fcber Jahrhunderte hinweg bis heute schein\u00adbar unvereinbaren Gegensatzpaares und eine gut gew\u00e4hlte mythologische Sym\u00adbolik als Einstieg in ihre hervorragende Betrachtung. Wie schon bei Hofmann bildet der narrative Rahmen Verbrechen unterbinden zu k\u00f6nnen, bevor sie geschehen (S. 352), eine kriminalwissenschaftlich wertvoll, ja verlockende Folie. Ebenso wie Hofmann legt aber auch Sommerer &#8211; semantisch vorz\u00fcglich aus\u00adgearbeitet und durch vilf\u00e4ltige mythologische Ankn\u00fcpfungen sehr ansehnlich und daher f\u00fcr eine Diss. iur. sehr lesenwert beispielhaft vergleichend \u201emythisch aufgeladen\u201c &#8211; gro\u00dfen Wert auf den erforderlichen dogmatischen Antagonisten. Sie mahnt uns mit Blick in die Zukunft beispielhaft anschaulich, nicht fort\u00adschrittsgl\u00e4ubig und unreflektiert blind zu bleiben f\u00fcr die augenblicklich tat\u00ads\u00e4chlichen Beschr\u00e4nkungen pr\u00e4diktiver Algorithmen und die Risiken dieser Form der \u201eUnsicherheitsabsorption\u201c f\u00fcr Gesellschaft und Rechtsstaat. Insbesondere warnt sie davor, dass die Gef\u00e4hrlichkeit eines jeden B\u00fcrgers in der algo\u00adrithmischen Wende zu einem entpersonalisierten, abstrakten Dauerzustand werden k\u00f6nnte und pl\u00e4diert gegen eine Sichtweise vom Menschen als deter\u00adminierten \u201eR\u00fcckfallautomaten\u201c (S. 352). Damit bleibt sie &#8211; ihrem Arbeitstitel entsprechend &#8211; deutlich st\u00e4rker im kritischen personenorientierten Ansatz von PP verhaftet. Sie verweist zudem auf hinreichend empirisch belegte kriminologische Evidenzen. Jeder, auch verurteilte Straft\u00e4ter, habe ein Recht auf einen Neuanfang. Derart angelegt bildet sie \u00fcber die gesamte Arbeit eine durchg\u00e4ngig erkennbare Klammer zwischen den <strong>juristischen<\/strong> (Straf- und Strafprozessrecht) und den <strong>nicht-juristischen Kriminalwissenschaften<\/strong> (Kriminalistik und Kriminologie) und bewegt sich so innerhalb der Folie einer \u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c. Diese findet sich abschlie\u00dfend auch sehr gut in der Gliederung ihrer aus den Argumentationslinien ihrer Arbeit heraus entwickelten stattlichen 19 Thesen (S. 353 \u2013 356) wieder. Sie ordnet diese in die Kategorien a. Grundlagen des personen\u00adbezogenen PP (Thesen 1-4), b. Rechtliche Grenzen des personenbezogenen PP (Thesen 5-14) und schlie\u00dflich c. zur \u201ealgorithmischen Wende\u201c in der Krimi\u00adnalit\u00e4tskontrolle (Thesen 15-19) im Allgemeinen. Einige ihrer aus dem Inbegriff der Arbeit gesch\u00f6pften, gut nachvollziehbaren Thesen m\u00f6chte ich herausgreifen. So ist z. B. aus der Perspektive der <strong>Kriminologie<\/strong> vor allem These 18 bedeutsam. Demnach verliere die Disziplin mit dem Ausbau von PP gegen\u00fcber den Compu\u00adterwissenschaften an Relevanz, denn Fragen nach Kausalit\u00e4ten tr\u00e4ten hinter blo\u00dfe Korrelationen zur\u00fcck. Deshalb m\u00fcsse sich die Kriminologie detailliert mit Pro\u00adzessen des maschinellen Lernens auseinandersetzen. Eine neue disziplin\u00e4re Sub\u00addisziplin, die Autorin findet hierf\u00fcr den Begriff der \u201ealgorithmenkundigen Krimi\u00adnologie\u201c, sei dringend erforderlich. Insofern korrespondiert die Autorin im Grun\u00adde mit der gerade j\u00fcngst<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> vielfach bekr\u00e4ftigten Forderung nach einer eigenst\u00e4n\u00addigen Subdisziplin \u201eCyberkriminologie\u201c. Kriminalsoziologisch h\u00f6chst interes\u00adsant finde ich auch den von Hannah Arendt entlehnten philosophischen Gedanken der \u201eselbst auferlegten Gedankenlosigkeit\u201c der Kriminalit\u00e4tskontrolle (These 19). Mit PP k\u00f6nne eine Situation hervorgerufen werden, in der der Mensch \u201edas eigene Denken ausblendet und sich, eingebunden in ein hierarchisches System, v\u00f6llig auf die Entscheidungen anderer, hier bspw. des Algorithmus, verlasse, ohne diese selbst zu hinterfragen oder an eigenen Wertma\u00dfst\u00e4ben zu messen.\u201c Rechtlich ka\u00adtegorisiert weitet Sommerer im Gegensatz zu Hofmann den Blick auf die perso\u00adnenorientierte Auspr\u00e4gung von PP. Sie erkennt bspw. schon heute am Beispiel des \u201eFluggastdatenmusterabgleichs\u201c nach dem FlugDaG<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> eine dogmatisch kriti\u00adsche rechtliche Grundlage f\u00fcr PP in Deutschland (These 1). Aber auch in Deut\u00adschland vereinzelt implementierte Programme wie z. B. \u201eGotham\u201c von der Fa. Palantir (Fn. 12) oder auch Risikobewertungs-Tools f\u00fcr bestimmte Gef\u00e4hrder, wie z. B. das gemeinsam vom BKA und forensischen Psychologen der Universit\u00e4t Konstanz entwickelte Tool \u201e<a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/Presse\/Listenseite_Pressemitteilungen\/2017\/Presse2017\/170202_Radar.html\">RADAR-iTE<\/a>\u201c, k\u00f6nnten als Vorstufen eines perso\u00adnenbezogenen PP betrachtet werden. Derartige Tools verengten zudem u. U. den Entscheidungskorridor von Polizeibeamten*innen in kritischer Weise (These 3 und 4). Es fehle (mit Ausnahme der Grundlage zu These 1) zudem bisher an mit Blick auf das Wesentlichkeitsgebot erforderlichen Rechtsgrundlagen f\u00fcr perso\u00adnenbezogenes PP. Hierin stimmt sie z. B. auch mit Singelnstein \/ Busch (vgl. deren Beitrag im Sammelband oben 3., S. 261 ff \u2013 sie ordnen PP dort im \u00dcbrigen als hybrides Modell ein, welches an der Grenze von Polizeirecht und Strafrecht angesiedelt werden m\u00fcsse) v\u00f6llig \u00fcberein. Zudem sei auch die Verwertung von \u201eTreffern\u201c kritisch zu sehen. F\u00fcr sich alleine k\u00f6nnte ein solcher keinesfalls die erforderliche Gefahrenabwehrschwelle der \u201ekonkreten Gefahr\u201c oder auch nur einen validen \u201eGefahrenverdacht\u201c erzeugen, stelle also nur einen ersten Anhalts\u00adpunkt dar, der vor Ergreifen einschneidender sicherheitsbeh\u00f6rdlicher Ma\u00dfnahmen mit weiteren prognostischen Markern verdichtet werden m\u00fcsse (These 7). Eine humane Leistung, die maschinell noch nicht oder vielleicht auch nie wirklich konsistent und dogmatisch belastbar erbracht werden kann. Vielleicht ist dies zumindest vor\u00fcbergehend die Rettung des Berufsstandes des \u201eKriminalisten\u201c, m\u00f6chte man mit Sommerer unter Bezug auf den oben erw\u00e4hnten Beitrag von Flender (Fn. 15) anmerken. Au\u00dferdem sei es verfassungsrechtlich aus dem Menschenw\u00fcrdekern des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung ent\u00adwickelt dringend geboten, Algorithmen und deren Funktionsweise bei Bedarf vollst\u00e4ndig transparent und nachvollziehbar offenzulegen (These 10). Eine ganz wesentliche Voraussetzung, die interdisziplin\u00e4r immer wieder aufgestellt wird<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> und die als grundlegend angesehen werden muss. Mit einem Verweis auf system\u00adimmanente Probleme bei der Verwendung bestimmter Tools in den USA sei ins\u00adbesondere wegen des \u201eMinderheitenschutzes\u201c darauf zu achten, ggf. programm\u00adseitig von Menschen unabsichtlich \u201etransponierte\u201c Vorurteile im Programm sicher zu erkennen und zu beseitigen (These 11). Die von der Autorin schl\u00fcssig herausgearbeiteten Erkenntnisse, Feststellungen und Kritikpunkte zeigen deutlich die Notwendigkeit eines anhaltend kritischen gesamtgesellschaftlichen Diskurses und verlangen nach einer sachgerechten Aufl\u00f6sung beschriebener immanenter dogmatischer, kriminologischer und kriminalistischer Unsch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend und \u00fcber die bereits vereinzelten Anmerkungen und Hinweise aus \/ auf Beitr\u00e4ge(n) im Text oben nun noch kurz zusammenfassend zum Sammel\u00adband von <strong>Bode und Seidensticker<\/strong> (Hrsg., siehe oben 3.). Neben dem Vorwort der Hrsg. enth\u00e4lt der Band weitere 16 Aufs\u00e4tze mit Beitr\u00e4gen von insgesamt 28 Autoren*innen. Es finden sich gleicherma\u00dfen Beitr\u00e4ge von Softwareanbietern<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>, von polizeilichen Projektbeteiligten aus verschiedenen Bundesl\u00e4ndern<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a>, dem be\u00adnachbarten Ausland<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> sowie aus der Wissenschaft<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a>. Die verschiedenen Perspek\u00adtiven machen die ausgepr\u00e4gte Interdisziplinarit\u00e4t des Ph\u00e4nomens und die bereits jetzt beachtliche Breite des Diskurses deutlich, die aber durch umfassende Eva\u00adluation bestehender Praktiken noch ausgedehnt werden sollte (Belina, Sammel\u00adband oben 3., S. 16). Schlie\u00dflich sei \u201eEvidence Based Policing\u201c in Form per\u00admanenter \u00dcberpr\u00fcfungen und Vergleiche vermeintlich effizienter Methoden heut\u00adzutage der Goldstandard guter Polizeiarbeit.<\/p>\n<p><strong>Sommerer<\/strong> er\u00f6ffnet und schlie\u00dft ihrer Arbeit (oben 2.) jeweils mit einem Gegensatzpaar. Da mir ihre Arbeit aus verschiedenen Gr\u00fcnden sowohl semantisch wie auch inhaltlich-fachlich und in der Schl\u00fcssigkeit der entwickelten Argumente sehr gut gef\u00e4llt, will ich mich abschlie\u00dfend auch auf diese, ihre historischen Anta\u00adgonismen beziehen (S. 351 f.). Es mag sein, so ihr Res\u00fcmee, dass zuk\u00fcnftige Ge\u00adnerationen genauso am\u00fcsiert \u00fcber die kritischen Analysen einer algorithmenge\u00adsteuerten Kriminalit\u00e4tskontrolle im fr\u00fchen 21. Jahrhundert schmunzeln, wie wir es heute in Bezug auf die Warnungen Platos vor der Technologie des Schreibens oder des Trithemus von den Auswirkungen der Druckerpresse tun. Beide Male plagten die Warnenden Sorgen, dass sich der Kontrollverlust, der mit der systematischen und massenweisen Verlagerung von Wissensproduktion und -speicherung von Individuen auf externe Medien verbunden ist, negativ auf Mensch und Gesellschaft auswirken w\u00fcrde. Ein anderer Teil, vielleicht kleinerer, gerade deshalb aber beachtenswerter Teil zuk\u00fcnftiger Gesellschaften wird u. U. vorwurfsvoller zur\u00fcckblicken und die Frage stellen, warum keine Sicherungen f\u00fcr Rechtsstaatlichkeit und Grundrechtsschutz in die neue Technologie mit auf\u00adgenommen wurden. Reichen im digitalen Zeitalter die traditionellen Werkzeuge des Rechtsstaates aus, um den Status quo bestehenden Grundrechtsschutzes zu bewahren? Aus heutiger Sicht kann man sicher konstatieren, dass bei reinen raum\u00adbezogenen PP-Tools auf der Grundlage anonymisierter polizeilicher Vorgangs\u00adgrunddaten ohne zus\u00e4tzliche Fremddaten und bei entsprechend transparenten Algorithmen im Beschwerdefall die bestehenden Sicherungen ausreichend sind. Sp\u00e4testens mit der Ausweitung personenbezogener pr\u00e4diktiver maschineller Automatismen muss man wohl ebenso bestimmt feststellen, dass wohl noch er\u00adheblicher Diskurs- und legislativer Handlungsbedarf besteht. Gen\u00fcgend gute Argumente f\u00fcr letztere Annahme werden in allen drei durchg\u00e4ngig lesenswerten und sehr informativen Werken geboten. Wer sich mit dem nicht mehr ganz neuen Ph\u00e4nomen allgemein oder wissenschaftlich vertieft auseinandersetzen m\u00f6chte, wird in den B\u00fcchern unz\u00e4hlige grunds\u00e4tzliche Aspekte, Ankn\u00fcpfungspunkte und sehr aktuelle Literaturhinweise finden, die unbedingt Eingang in die kriminal- und gesellschaftspolitische Debatte \u00fcber Ausma\u00df und Reichweite der Entwicklung und Nutzung von Algorithmen finden sollten. Dies ist schon deshalb erforderlich, weil die fortschreitende und sehr dynamische Digitalisierung unserer Umwelt auch bei den Sicherheitsbeh\u00f6rden den nachvollziehbaren Impuls ausl\u00f6st, zug\u00e4ng\u00adliche Massendaten mittels automatisierter Analytik (Big-Data-Anwendungen) zur Strafverfolgung, insbesondere aber zur Gefahrenabwehr zu nutzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Holger Plank, Juli 2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dr. iur., Rechtsanwalt in <a href=\"https:\/\/www.duncker-humblot.de\/person\/henning-hofmann-18450\/?page_id=1\">Bremen<\/a>, Justiziar des Fu\u00dfball-Bundesligisten SV Werder Bremen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.duncker-humblot.de\/buch\/predictive-policing-9783428553747\/?page_id=1\">Inhaltsverzeichnis &#8211; vgl. Website des Verlages<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dr. iur., LL.M. (<a href=\"https:\/\/www.uni-goettingen.de\/de\/lucia-sommerer\/534866.html\">Yale<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/shopfiles\/leseprobe_978-3-8487-6233-0_leseprobe.pdf\">Inhaltsverzeichnis &#8211; vgl. Website des Verlages<\/a>. Die Arbeit wurde 2019 an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen <a href=\"https:\/\/www.myscience.de\/news\/wire\/juristische_fakultaet_verabschiedet_absolventinnen_und_absolventen-2019-uni-goettingen\">ausgezeichnet<\/a> mit dem Appelhagen-Stifterpreis f\u00fcr die beste Dissertation.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Prof. Dr. Felix <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/organisation\/personalverzeichnis\/eintrag\/dr-felix-bode\/\">Bode<\/a>, lehrt Polizeiwissenschaften und Kriminologie an der Hochschule f\u00fcr Polizei und \u00f6ffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen (HSPV NRW), Duisburg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Kai <a href=\"https:\/\/www.kaiseidensticker.de\/vita.html\">Seidensticker<\/a>, M. A., Kriminologe, Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle beim LKA NRW<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.polizeiwissenschaft.de\/schriftenreihen\/polizei-wissenschaft?page=2#top\">Vgl. Website des Verlages<\/a>. Vgl. auch Rezension von Laura <a href=\"https:\/\/criminologia.de\/2020\/05\/rezension-predictive-policing-eine-bestandsaufnahme-fuer-den-deutschsprachigen-raum\/\">Struss<\/a>, Criminologia.de<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Das Ph\u00e4nomen der sog. \u201erepeated victimization\u201c ist in j\u00fcngerer Vergangenheit gerade im Zu\u00adsammenhang mit Eigentumsdelikten (Wohnungseinbruchsdiebstahl) in den Fokus der krimi\u00adnologischen Forschung ger\u00fcckt. Studien weisen darauf hin, dass Individuen, die Opfer einer Gewalttat oder eines Eigentumsdeliktes geworden sind, eine erh\u00f6hte Wahrscheinlichkeit auf\u00adweisen, erneut viktimisiert zu werden (z. B. Farrell &amp; Pease, <a href=\"https:\/\/d1wqtxts1xzle7.cloudfront.net\/40920798\/Farrell_and_Pease_Eds_2001_Repeat_Victimization.pdf?1451578893=&amp;response-content-disposition=inline%3B+filename%3DRepeat_Victimization.pdf&amp;Expires=1594828758&amp;Signature=dOY6-kghsa-gy7pD~VcghtRvegTkRE44A3m5A3XSxwe8f3VkrqMK5sA0ICtMjNuygbOYuyvxJqQXO2MVqZFnZkE2j6MfgkPhuq5LbhbTFYub7r8jsU4vPOQxcD~bmphtZItBnthkuYFpHxUSFe~G9lRCgm~SHpvOvKQjQm3iTaIRUTXL2t2r5Kisw2LbnMIRru5i6i4hHAZvVxtjbqmP~FEpKqIhmOO1b4IBYhD5oTjzYfUrbQqp73uXW9UMeRhbL4YtWJ8-AFJYYaiDJCwbcR1FaKeqgZKZOSwt2yDz7vBJVYyWv-dfQu9q~aMv6FhPc1uxxjSyF1LAnpvgCDkH1w__&amp;Key-Pair-Id=APKAJLOHF5GGSLRBV4ZA\">2001<\/a>). Die Beachtung dieser Er\u00adkenntnisse hat geholfen, Kriminalit\u00e4ts-Pr\u00e4ventionsstrategien zu konkretisieren, unter anderem, \u00fcber das den Erkenntnissen zugrundeliegende \u201ePr\u00e4diktionspotenzial\u201c, welches in den Bespre\u00adchungsb\u00e4nden aber z. T. kritisch bewertet wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Hier erkennt man Ans\u00e4tze der \u201e<a href=\"http:\/\/www.krimlex.de\/artikel.php?BUCHSTABE=C&amp;KL_ID=44\">Chicagoer Schule<\/a>\u201c, durch deren Forschungsbem\u00fchungen die Erkenntnis reifte, dass Kriminalit\u00e4t anhand geographischer Komponenten (insbesondere im Zusammenhang mit Umwelt- und sozio\u00f6konomischen Faktoren) besser verstanden und damit auch effektiver kontrolliert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Eine von zahlreichen Definition zum Thema, in diesem Fall von <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/predictive.policing.pdf\">Knobloch<\/a>, 2018, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> In Deutschland j\u00fcngst etwa insbesondere im Rahmen der Prognose von Wohnungsein\u00adbruchsdiebst\u00e4hlen in vielen Bundesl\u00e4ndern, als eingekaufte und im Einsatz fortentwickelte Software, etwa in Bayern (<a href=\"https:\/\/www.ifmpt.de\/\">Precobs<\/a>) oder als polizeiliche Eigenentwicklungen, wie z. B. in NRW (<a href=\"https:\/\/lka.polizei.nrw\/skala\">SKALA<\/a>), in Niedersachsen (<a href=\"https:\/\/www.lka.polizei-nds.de\/startseite\/kriminalitaet\/forschung\/premap\/predictive-policing-in-niedersachsen--das-projekt-premap-114083.html\">PreMAP<\/a>), in Hessen (KLB-operativ), in Berlin (KrimPro) oder in Hamburg, wo die softwaregest\u00fctzten prediktiven Bem\u00fchungen in Sachen Einbruchskri\u00adminalit\u00e4t inzwischen aber mangels Erfolgsaussicht eingestellt worden sind (vgl. Projektbericht \u201e<a href=\"https:\/\/www.polizei.hamburg\/contentblob\/13755082\/74aff9285c340ad260ed65fe912caa17\/data\/abschlussbericht-praediktionspotenzial-schwere-einbruchskrminalitaet-do.pdf\">Pr\u00e4diktionspotenzial schwere Einbruchskriminalit\u00e4t<\/a>\u201c, LKA Hamburg, 2019). In Hamburg gelangte man bspw. zu der Auffassung, dass sich die Umsetzung des Near-Repeat-Ph\u00e4nomens in Algorithmen im polizeilichen Alltag aufgrund der f\u00fcr eine Gro\u00dfstadt typischen engen r\u00e4umlich-zeitlichen Tatkonzentration bei der Einbruchskriminalit\u00e4t und einer gemessen an diesen raum-zeitlichen Parametern unzureichenden polizeilichen Datenlage nur bedingt eigne (vgl. auch Beitrag von Hauber et al. im Sammelband oben 3.). Die Erzeugung und Qua\u00adlit\u00e4tssicherung der f\u00fcr PP-Modelle erforderlichen polizeilichen Datenlage wird sehr sch\u00f6n im Beitrag von Schneider et al. im Sammelband oben 3. am Beispiel des sehr fr\u00fchen Mo\u00addellprojekts der Z\u00fcricher Polizei herausgearbeitet und f\u00fchrte z. B. zur mit hohem finanziellen Aufwand verbundenen personenbezogenen Ausstattung der Streifenbeamten mit Tablets, \u00fcber die die erforderlichen Vorgangsgrunddaten bereits bei der Anzeigenaufnahme vor Ort ein\u00adgegeben und zur Verarbeitung an den polizeilichen Zentralserver \u00fcbermittelt werden k\u00f6nnen. Zur Entwicklung und sicherheitspolitischen Debatte rund um PP vgl. Beitrag Rolfes (zur Person, Fn. 29) im Sammelband oben 3.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Software \u201e<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/hessen-umstrittene-polizei-software-palantir-automatisch-verdaechtig-13454012.html\">Gotham<\/a>\u201c der Fa. Palantir, im Einsatz in Hessen und NRW.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. z. B. nur Egbert, Abschlussbericht \u201e<a href=\"https:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/fachbereich-sowi\/professuren\/hentschel\/forschung\/predictive-policing\/egbert-krasmann-2019-predictive-policing-projektabschlussbericht.pdf\">Predictive Policing. Eine ethnographische Studie neuer Technologien zur Vorhersage von Straftaten und ihre Folgen f\u00fcr die polizeiliche Praxis<\/a>\u201c der Universit\u00e4t Hamburg, WiSo, Fachbereich Sozialwissenschaften, Kriminologische Sozial\u00adforschung, vom 30.04.2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Ginzburg, <a href=\"https:\/\/www.wagenbach.de\/buecher\/titel\/835-spurensicherung.html\">Spurensicherung<\/a>, 4. Aufl., 2011, S. 36ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Das hier angedeutete Dilemma beschreibt der Autor Wolfgang Flender sehr sch\u00f6n in seinem Gastbeitrag \u201e<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kriminalroman-karl-wolfgang-flender-big-data-ermittler-zeitenwende-1.4876161\">Das Ende von Verstand und Sp\u00fcrsinn<\/a>\u201c in der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 15.04.2020 und prognostiziert &#8211; in seinem Genre &#8211; f\u00fcr die Kriminalliteratur \u201eeine Zeitenwende\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Z. B. im Rahmen einer kritischen Evaluation am Beispiel des Einsatzes der Software Precobs im Land Baden-W\u00fcrttemberg durch das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalit\u00e4t, Sicherheit und Recht, Freiburg, <a href=\"https:\/\/csl.mpg.de\/de\/forschung\/projekte\/predictive-policing\/#klassifizierung\">2018<\/a>, die letztlich zur Aussetzung des Projektes bei der Polizei in BW f\u00fchrte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Hofmann greift auf das grundlegende Modell von Perry et al., <a href=\"https:\/\/www.rand.org\/content\/dam\/rand\/pubs\/research_reports\/RR200\/RR233\/RAND_RR233.pdf\">2013<\/a> (vierstufige Funktions\u00admatrix) zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Titel einer Kurzgeschichte des US-amerikanischen Science-Fiction-Autors Philip K. Dick aus dem Jahr 1956. Die Geschichte spielt in der Zukunft nach einem globalen Krieg. John Anderton ist der erfolgreiche Chef von Pr\u00e4-Verbrechen, einer speziellen staatlichen Polizei\u00adorganisation. Mithilfe dreier Mutanten, sogenannter \u201ePr\u00e4kogs\u201c, bei denen in fr\u00fcher Kindheit die F\u00e4higkeit zu \u201ePr\u00e4kognition\u201c entdeckt wurde, sieht er \u201ePr\u00e4-Verbrechen\u201c (zuk\u00fcnftige Ver\u00adbrechen) voraus und inhaftiert die \u201eT\u00e4ter\u201c noch vor der Tataus\u00fcbung (vgl. Wikipedia, zuletzt abgerufen am 18.07.2020).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Anonymisierte Sozialdaten der St\u00e4dte, vgl. z. B. Evaluationsbericht des Projektes SKALA in NRW vom <a href=\"https:\/\/lka.polizei.nrw\/sites\/default\/files\/2018-06\/160430_Evaluationsbericht_SKALA.pdf\">30.04.2018<\/a>, S. 71, 78.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Zitiert in <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/sw\/article-abstract\/13\/4\/114\/1872392?redirectedFrom=fulltext\">Westin<\/a>, \u201ePrivacy and Freedom\u201c, 1967, S. 299<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> BVerfGE 115, 320 (358), Rn. <a href=\"https:\/\/www.servat.unibe.ch\/dfr\/bv115320.html\">127<\/a> ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ders., Des Rem\u00e8des de l\u2018une et l\u2019autre fortune prosp\u00e8re et adverse, Paris, 1524, <a href=\"https:\/\/reader.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb10197852_00017.html\">Abb<\/a>. Fortuna und Sapientia, S. 17 des Digitalisates der Bayerischen StaatsBibiliothek.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. z. B. nur die Beitr\u00e4ge des 2020 erschienenen Sammelbandes \u201eCyberkriminologie\u201c, siehe <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1467\">Besprechung<\/a> im PNL vom 18.04.2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/flugdag\/__4.html\">\u00a7 4<\/a> des Gesetzes \u00fcber die Verarbeitung von Fluggastdaten zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016\/681 (Fluggastdatengesetz).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Vgl. z. B. nur <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/de\/analysen-und-argumente\/detail\/-\/content\/algorithmische-entscheidungen-transparenz-und-kontrolle\">Zweig<\/a>, 2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Bspw. von Thomas Schweer, einem der Mitbegr\u00fcnder des Instituts f\u00fcr musterbasierte Pro\u00adgnosetechnik (<a href=\"https:\/\/www.ifmpt.de\/imprint.html\">IfmPt<\/a>), welcher mit einem Partner die weiter oben erw\u00e4hnte Software \u201ePrecobs\u201c entwickelt hat oder von Kai Hartmann vom IT-Dienstleister Capgemini, der sich mit der Digitalisierung der Polizeiarbeit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> So z. B. von G\u00fcnter <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/bayern\/wenn-computer-ploetzlich-verbrechen-vorhersagt-8520188.html\">Okon<\/a> (ehemals Bayerisches Landeskriminalamt \u2013 Einf\u00fchrungsverant\u00adwortlicher der Software Precobs an den Modellstandorten M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg; Alexander <a href=\"https:\/\/www.lka.polizei-nds.de\/startseite\/kriminalitaet\/forschung\/premap\/predictive-policing-in-niedersachsen--das-projekt-premap-114083.html\">Gluba<\/a> (LKA Nds. \u2013 Begleiter des Projektes PreMap); Mathias Berthold (LKA NRW) und Dr. Christian Erzberger (Gesellschaft f\u00fcr innovative Sozialforschung und Sozialplanung e. V.\/GISS-EV, Bremen) im Rahmen der Evaluation des Projekts SKALA in NRW.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Schneider \/ Leutenberger zum sehr fr\u00fchen Pilotprojekt mit der Software \u201ePrecogs\u201c, heute \u201ePrecobs\u201c in Z\u00fcrich, Schweiz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Etwa ein bewusst polemisch formuliertes Statement von Prof. Dr. <a href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/42233858\/Prof__Dr__Bernd_Belina\">Belina<\/a>, oder Prof. Dr. <a href=\"https:\/\/www.kriminologie.rub.de\/index.php\/de\/prof-dr-singelnstein\">Singelnstein<\/a> \/ Johannes <a href=\"https:\/\/www.kriminologie.rub.de\/index.php\/de\/team\/busch-johannes\">Busch<\/a> von der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum zu den rechtlichen Grenzen f\u00fcr PP bzw. Prof. Dr. Manfred <a href=\"https:\/\/www.uni-potsdam.de\/de\/umwelt\/institut\/alle-mitarbeiterinnen\/rolfes-manfred\">Rolfes<\/a> von der Universit\u00e4t Potsdam zu den politischen Debatten rund um PP.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predictive Policing &#8211; Sammelbesprechung der folgenden B\u00e4nde: Hofmann, Henning[1]: \u201ePredictive Policing. Methodologie, Systemati\u00adsierung und rechtliche W\u00fcrdigung der algorithmenbasierten Krimi\u00adnalit\u00e4tsprognose durch die Polizeibeh\u00f6rden.\u201c[2] (Reihe: Internetrecht und Digitale Gesellschaft, Band 23; ISBN: 978-3-428-15374-9, 339 Seiten, Verlag Duncker &amp; Humblot, Berlin, 2020, 89,90 \u20ac) Sommerer[3], Lucia M. (Hrsg.): \u201ePersonenbezogenes Predictive Poli\u00adcing. Kriminalwissenschaftliche Untersuchung \u00fcber die Automa\u00adtisierung der Kriminalprognose\u201c[4] &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1532\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Sammelbesprechung &#8222;Predictive Policing&#8220;, rezensiert von Holger Plank<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1532"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1532"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1535,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1532\/revisions\/1535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}