{"id":1536,"date":"2020-07-25T09:59:36","date_gmt":"2020-07-25T07:59:36","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1536"},"modified":"2020-07-25T09:59:36","modified_gmt":"2020-07-25T07:59:36","slug":"tamara-verena-pitz-robe-versus-brief-im-diversionsverfahren-zum-spezialpraeventiven-potential-jugendstrafrechtlicher-einstellungsvarianten-rezensiert-von-leif-artkaemper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1536","title":{"rendered":"Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. Zum spezialpr\u00e4ventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten. Rezensiert von Leif Artk\u00e4mper"},"content":{"rendered":"<div class=\"col-xs-7 col-sm-7\">\n<p><strong>Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. <\/strong>Zum spezialpr\u00e4ventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten unter Empfehlung einer Diversionsrichtlinie, 365 Seiten, 96,00 Euro, ISBN 978-3-8487-6435-8<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Autorin besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie die Justiz in Zeiten ressourcenbegrenzter Personalpolitik, schwindender sozialer Kontrolle und medienwirksamer Sanktionsappelle bestm\u00f6glich auf jugendtypische Kriminalit\u00e4t junger Erstt\u00e4ter (im Diversionsverfahren) <img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1537 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10.5771_9783748905585_big-101x150.png\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10.5771_9783748905585_big-101x150.png 101w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/10.5771_9783748905585_big.png 400w\" sizes=\"(max-width: 130px) 100vw, 130px\" \/>reagieren sollte. Um diese Frage zu beantworten begn\u00fcgt sich die Autorin nicht, bereits bestehende Forschungsergebnisse auszuwerten und zu vergleichen, sondern f\u00fchrt eine eigene \u2013 recht breit angelegte (n= 350) \u2013 empirische Studie durch, in der sie erforscht, \u201eob innerhalb der informellen Verfahrenserledigung nach \u00a7\u00a045\u00a0Abs.\u00a01 und Abs.\u00a02 sowie des \u00a7\u00a047 Abs.\u00a01\u00a0JGG eine Diversionsvariante im Hinblick auf Spezialpr\u00e4vention und Verfahrens\u00f6konomie den anderen \u00fcberlegen ist.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Um die aufgeworfene Forschungsfrage zu beantworten, stellt die Autorin zuerst die theoretischen Grundlagen sowie die Rahmenbedingungen, die bei der Beantwortung der Frage zu ber\u00fccksichtigen sind, dar. Hier wird ausf\u00fchrlich auf die Zielrichtung des Jugendstrafverfahrensrecht eingegangen und die prozessualen Grunds\u00e4tze dargestellt. Der Autorin gelingt es hier in beeindruckender Weise die Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens herauszuarbeiten und diese darzustellen.<\/p>\n<p>Darauf folgend besch\u00e4ftigt sich die Autorin mit der dogmatischen Herleitung, der Geschichte und den m\u00f6glichen St\u00f6rfaktoren der Diversion, um sodann diese Ergebnisse auf die jugendrechtliche Diversion zu \u00fcbertragen und diese ausf\u00fchrlich und fundiert, nebst den Problemen, die die Diversion birgt, darzustellen und abschlie\u00dfend aktuelle Diversionsrichtlinien vorzustellen.<\/p>\n<p>Das dritte \u2013 den Schwerpunkt des Werks ausmachende \u2013 Kapitel beinhaltet die eigens durch die Autorin durchgef\u00fchrte Studie. Hierzu wird zuerst auf bereits durchgef\u00fchrte Studien verwiesen und die Ergebnisse dieser Studien dargestellt und verglichen. Darauf folgend beschreibt die Autorin die in der Studie verwendete Methodik und hinterfragt sie kritisch. Dies f\u00fchrt dazu, dass die sp\u00e4ter pr\u00e4sentierten Ergebnisse nachvollziehbar und vor allem transparent sind. Die Autorin nimmt bei der Darstellung und Bewertung der Forschungsergebnisse gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Differenzierungen vor, damit die Ergebnisse tats\u00e4chlich vergleichbar sind und erreicht es so, dass die St\u00f6rfaktoren, die die Studie beeinflussen k\u00f6nnen, gr\u00f6\u00dftenteils eliminiert werden und ansonsten bei der Bewertung der Studie ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse werden von der Autorin differenziert dargestellt und bieten somit die Grundlage f\u00fcr das daran folgende Fazit. Die Studie l\u00e4sst anhand der R\u00fcckfallstudie den Schluss zu, dass die Diversion im Rahmen der Hauptverhandlung erfolgversprechender ist. In Zahlen ausgedr\u00fcckt wird die R\u00fcckfallquote nach Diversion in der Hauptverhandlung mit 13 % geringer als bei der Diversion ohne Hauptverhandlung angeben. Gerade auch der Vergleich innerhalb der Einstellung mit Sanktion (Vergleich von den Einstellungen nach \u00a7 45 Abs. 2 und \u00a7 47 Abs. 1 Nr. 3 JGG) und der sanktionslosen Einstellung ( \u00a7 45 Abs. 1 und \u00a7 47\u00a0Abs.\u00a01\u00a0Nr.\u00a01\u00a0JGG) zeigt eine deutlich geringe R\u00fcckfallquote bei Durchf\u00fchrung einer Hauptverhandlung. Zwar erscheinen die Ergebnisse der Studie auf den ersten Blick, da sie eine geringere R\u00fcckfallquote bei richterlichem Kontakt des Jugendlichen attestieren, kontr\u00e4r zu den Forschungsergebnissen von <em>Dollinger et al.<\/em> sowie des Rezensenten zu sein, da diese bei der Untersuchung, wie die Hauptverhandlung auf den Jugendlichen wirkt, festgestellt haben, dass es zu immensen Verstehensproblemen durch den Jugendlichen kommt. Allerdings ist hier vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Forschungsfragen und dem entsprechend divergierenden Forschungsgegenstand nicht von einem Wiederspruch auszugehen. Vielmehr zeigen die unterschiedlichen Studien einen allgemeinen Reform- und Verbesserungsbedarf der jugendgerichtlichen Praxis auf.<\/p>\n<p>Diesen Reformbedarf nimmt die Autorin so dann im letzten Kapitel des Werks auf, in der sie einen Vorschlag f\u00fcr eine Diversionsrichtlinie entwickelt. Anzumerken ist bereits hier, dass das Werk auch bereits ohne die Herausarbeitung der Empfehlung der Diversionsrichtlinie einen gro\u00dfen Mehrwert f\u00fcr Forschung und Praxis, da die Autorin auf beeindruckende Weise die dogmatischen Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens, sowie die des Diversionsverfahren mit der eigens durchgef\u00fchrten Studie verkn\u00fcpft und die Wirkungsweisen darstellt und erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Der Vorschlag f\u00fcr die Richtlinie versucht sodann einen bestm\u00f6glichen Interessensausgleich zwischen allen wiederstreitenden Faktoren zu finden. Hierbei erfolgt eine Abw\u00e4gung aller verfahrensrechtlichen aber auch praktischen Gegebenheiten, um diese weitestgehend zu ber\u00fccksichtigen. Insgesamt kann das Ergebnis der Autorin \u00fcberzeugen und eine Umsetzung in der Praxis w\u00e4re w\u00fcnschenswert und k\u00f6nnte die jugendrechtliche Diversion verbessern.<\/p>\n<p>Insgesamt kann das Buch jedem Strafjuristen, der in Jugendsachen t\u00e4tig ist, aber auch jedem \u2013 im weitesten Sinne verstanden \u2013 Verfahrensbeteiligten (JGH, Polizei etc) ans Herz gelegt werden. Neben den dogmatischen Ausf\u00fchrungen, die jedoch eine hohe Verst\u00e4ndlichkeit aufweisen, f\u00fchrt das Werk durch die durchgef\u00fchrte Studie zu einer Sensibilisierung des Lesers. Gerade in vielen nicht vordergr\u00fcndigen \u2013 auch kriminologischen \u2013 Bereichen, die ansonsten in der Praxis teilweise \u00fcbersehen werden k\u00f6nnten, sensibilisiert das Werk und f\u00fchrt somit zu teilweise neuen Ansichten, die zu einer Ber\u00fccksichtigung von wichtigen Forschungsergebnissen in der Praxis f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leif Artk\u00e4mper, Juli 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. Zum spezialpr\u00e4ventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten unter Empfehlung einer Diversionsrichtlinie, 365 Seiten, 96,00 Euro, ISBN 978-3-8487-6435-8 Die Autorin besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie die Justiz in Zeiten ressourcenbegrenzter Personalpolitik, schwindender sozialer Kontrolle und medienwirksamer Sanktionsappelle bestm\u00f6glich auf jugendtypische Kriminalit\u00e4t junger Erstt\u00e4ter (im Diversionsverfahren) reagieren sollte. Um diese &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1536\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. Zum spezialpr\u00e4ventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten. Rezensiert von Leif Artk\u00e4mper<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1536"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1536"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1540,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions\/1540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}