{"id":1544,"date":"2020-08-08T14:04:29","date_gmt":"2020-08-08T12:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1544"},"modified":"2020-08-08T14:04:29","modified_gmt":"2020-08-08T12:04:29","slug":"kargl-walter-strafrecht-einfuehrung-in-die-grundlagen-von-gesetz-und-gesetzlichkeit-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1544","title":{"rendered":"Kargl, Walter: Strafrecht. Einf\u00fchrung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit. Rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kargl, Walter<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>: \u201eStrafrecht. Einf\u00fchrung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> <\/strong>ISBN: 978-3-8487-5162-4, 360 Seiten, Nomos Verlag, Baden-Baden, 2019, 79.- \u20ac<\/p>\n<p>\u201eKargl (\u2026) hat sich seit Mitte der siebziger Jahre mit (strafrechtswissenschaft\u00adlichen) Themen (im Kontext von) Jurisprudenz und Psychologie (interdisziplin\u00e4r) auseinandergesetzt. Fragen wie \u201eWas ist Sozialtherapie?\u201c, \u201eJurisprudenz der <img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1545 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/bild-101x150.jpg\" alt=\"\" width=\"127\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/bild-101x150.jpg 101w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/bild.jpg 334w\" sizes=\"(max-width: 127px) 100vw, 127px\" \/>Geisteskrankheit\u201c, \u201eKriminalit\u00e4t und Psychoanalyse\u201c, \u201eKritik des Schuldprin\u00adzips\u201c pr\u00e4gten seine Arbeiten. Bald folgte eine Ausrichtung an Rechtssoziologie und Rechtstheorie (mit Arbeiten zur) \u201eInstrumentalita\u0308t und Symbolik der posi\u00adtiven Generalpr\u00e4vention\u201c oder zur \u201eFunktion des Strafrechts in rechtstheo\u00adretischer Sicht. (\u2026) Seine (auch in dem zugrundeliegenden Werk durchg\u00e4ngig erkennbare fundierte und mitunter) originelle Sicht eines inter- und intradis\u00adziplina\u0308r gedeuteten Strafrechts, die sich zugleich durch Begriffsscha\u0308rfe und an Grundrechten orientierte Zugriffsbegrenzung auszeichnet, ist f\u00fcr sein ebenso umfassendes wie konsequentes Werk pr\u00e4gend.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Man darf ihn schon deshalb als einen wichtigen Vertreter einer umfassend angelegten \u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c einordnen und muss schon unter diesem Gesichtspunkt einen umfassenden Blick in sein wirklich beeindruckendes (Lehr-)Buch werfen.<!--more--><\/p>\n<p>Kargl besch\u00e4ftigt sich in dem grundlegenden und vielschichtigen straf\u00adrechts\u00adwissenschaftlichen Werk ausgehend von der lateinischen Formel <em>\u201enullum crimen, nulla poena sine lege scripta, praevia, certa et stricta\u201c <\/em>sowohl ideengeschichtlich als auch beispielhaft praxisnah mit dem Gesetzlich\u00adkeitsprinzip des Strafrechts. Diese im deutschsprachigen Raum auf Paul Johann Anselm von Feuerbach<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> zur\u00fcckzuf\u00fchrende, erstmals 1801 in dessen \u201e<a href=\"https:\/\/reader.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb10394279_00005.html\">Lehrbuch<\/a> des gemeinen in Deutschland g\u00fcltigen peinlichen Rechts\u201c (dort \u00a7 24, S. 20 ff., \u201eH\u00f6chste Principien des peinlichen Rechts\u201c, sic.) niedergelegte und entfaltete Formel beschreibt unverzichtbare dogmatische Notwendigkeiten f\u00fcr das sch\u00e4rfste Schwert des Staates bei der Gew\u00e4hrleistung der sozialen Ordnung, das Strafrecht, n\u00e4mlich u. a. die<\/p>\n<ol>\n<li>Notwendigkeit der schriftlichen Fixierung der Strafbarkeit einer Handlung und damit das Verbot strafbegr\u00fcndenden Gewohnheitsrechts (<em>\u201enulla poena sine lege scripta\u201c<\/em>),<\/li>\n<li>Notwendigkeit einer solchen Fixierung vor Begehung der Tat und somit die Begr\u00fcndung eines materiell-strafrechtlichen \u201eR\u00fcckwirkungsverbots\u201c (<em>\u201enulla poena sine lege praevia\u201c<\/em>),<\/li>\n<li>Notwendigkeit hinreichender Bestimmtheit des Gesetzes \u2013 \u201estrafrecht\u00adlicher Bestimmtheitsgrundsatz\u201c (<em>\u201enulla poena sine lege certa\u201c<\/em>) und schlie\u00dflich<\/li>\n<li>das Verbot der Analogie zu Lasten des Angeklagten \u00fcber den Wortlaut des Gesetzes hinaus (<em>\u201enulla poena sine lege stricta\u201c<\/em>).<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die \u201eFeuerbach\u2018sche Formel\u201c wird in Kargls (straf-) rechtsphilosophischer Grundlegung musterg\u00fcltig und in beeindruckender Tiefe, interdisziplin\u00e4r im Sinne einer \u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c entfaltet. In acht ausf\u00fchrlichen Kapiteln (vgl. Fn. 2, Link zum Inhaltsverzeichnis) n\u00e4hert er sich zun\u00e4chst sowohl naturrechtlich als auch tiefgreifend rechtspositivistisch &#8211; mit zahllosen au\u00dferdis\u00adziplin\u00e4ren Entlehnungen &#8211; philosophisch, verfassungs- und strafrechtlich dem unbedingten Gesetzlichkeitserfordernis des Strafrechts unter der Pr\u00e4misse der \u201eultima ratio\u201c in einem demokratischen Rechtsstaat an. Dann beleuchtet er dessen konkrete Ausformungen und dessen Reichweite am Beispiel ausgew\u00e4hlter Probleme und geht hierbei vor allem auf dessen dogmatische und methodische Sicherung umfassend ein. Dabei wird auch die immer wieder in der Literatur kritisierte Entwicklung hin zu einem tendenziellen Pr\u00e4ventionsstrafrecht thema\u00adtisiert und aktuell eingeordnet. In Anlehnung an das instruktive Zitat von Matthias Jahn<\/p>\n<p><em>\u201eNachrichtendienste, Polizei- und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden sind die drei zentralen S\u00e4ulen der deutschen Sicherheitsarchitektur. Sie erf\u00fcllen als Wachturm, Schild und Schwert unterschiedliche aber doch auf dasselbe Ziel ausgelegte Aufgaben\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>k\u00f6nnte man die bei Kargl erkennbare Formel auch analog in die inhaltlich in das Zitat eingepasste und abge\u00e4nderte Reihenfolge \u201eGefahrenabwehrrecht, Straf\u00adprozess- und Strafrecht\u201c als \u201eWachturm, Schild und Schwert\u201c des Rechtsstaats \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Wenngleich gro\u00dfe Teile des Dargelegten f\u00fcr einen demokratischen Rechtsstaat, in welchem die W\u00fcrde jedes einzelnen Menschen zentraler Ankerpunkt der gesellschaftlichen und damit auch der rechtlich verfassten Werteordnung ist, selbstverst\u00e4ndlich erscheint, die hervorragend gegliederte, facettenreiche inter\u00addisziplin\u00e4re und durchg\u00e4ngig lesenswerte (straf-) rechtswissenschaftliche Grund\u00adlegung enth\u00e4lt zahlreiche hochinteressante Anker- und Ankn\u00fcpfungspunkte. Kargl w\u00e4gt sehr gelungen philosophische Theorien gegeneinander ab und setzt sie in Beziehung zum geschriebenen (Verfassungs-, Straf- und Strafprozess-) Recht. So er\u00f6ffnet er mitunter auch nachdenkenswerte neue Perspektiven auf bestehende Interpretationsmuster.<\/p>\n<p>Das (Lehr-)Buch macht nicht nur beim ersten Lesen Freude. Dessen hervor\u00adragende Gliederung und die schl\u00fcssige Wegweisung \u00fcber zahlreiche innere Verweise sowie viele wertvolle Hinweise auf begleitende Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4r\u00adlite\u00adratur machen es auch zu einem sehr gehaltvollen strafrechtswissenschaftlichen Kompendium, das in keiner (privaten \/ akademischen) Fachbibliothek fehlen sollte.<\/p>\n<p>Holger Plank<\/p>\n<p>im August 2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Prof. em. Dr. iur. Walter <a href=\"https:\/\/www.jura.uni-frankfurt.de\/41075487\/Emeritierte_Professor_innen\">Kargl<\/a>, bis 2014 Lehrstuhl f\u00fcr Rechtstheorie, Rechtsphilosophie und Strafrecht an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.nomos-shop.de\/titel\/strafrecht-id-96420\/\">Website<\/a> des Nomos Verlags, zum <a href=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/9783845293585-1\/titelei-inhaltsverzeichnis\">Inhaltsverzeichnis<\/a>, zuletzt abgerufen am 25.07.2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Zitat aus der von P. A. Albrecht et al. 2014 in 1. Auflage (2. Auflage <a href=\"http:\/\/medien.bwv-verlag.de\/9783830550150_p.pdf\">2020<\/a>) im Berliner Wissenschaftsverlag hrsg. Festschrift f\u00fcr Walter Kargl zum 70. Geburtstag.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Beitrag von Wolfgang <a href=\"http:\/\/www.enzyklopaedie-rechtsphilosophie.net\/autorenliste\/19-beitraege\/100-feuerbach-paul-johann-anselm-ritter-von\">Naucke<\/a> in der Enzyklop\u00e4die zur Rechtsphilosophie, zuletzt abgerufen am 08.08.2020.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zitat <strong>Prof. Dr. Matthias Jahn, <\/strong>Goethe<strong>&#8211;<\/strong>Universit\u00e4t Frankfurt<strong>, <\/strong>anl. eines Vortrags bei der 1. M\u00fcnchner Fachtagung zum Sicherheitsrecht der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag (YouTube: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/k9NbfSfVi1E\">https:\/\/youtu.be\/k9NbfSfVi1E<\/a>, zuletzt aufgerufen am 08.08.2020),<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kargl, Walter[1]: \u201eStrafrecht. Einf\u00fchrung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit\u201c[2] ISBN: 978-3-8487-5162-4, 360 Seiten, Nomos Verlag, Baden-Baden, 2019, 79.- \u20ac \u201eKargl (\u2026) hat sich seit Mitte der siebziger Jahre mit (strafrechtswissenschaft\u00adlichen) Themen (im Kontext von) Jurisprudenz und Psychologie (interdisziplin\u00e4r) auseinandergesetzt. Fragen wie \u201eWas ist Sozialtherapie?\u201c, \u201eJurisprudenz der Geisteskrankheit\u201c, \u201eKriminalit\u00e4t und Psychoanalyse\u201c, \u201eKritik des Schuldprin\u00adzips\u201c &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1544\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Kargl, Walter: Strafrecht. Einf\u00fchrung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit. 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