{"id":1688,"date":"2021-04-06T15:54:10","date_gmt":"2021-04-06T13:54:10","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1688"},"modified":"2021-04-06T15:54:10","modified_gmt":"2021-04-06T13:54:10","slug":"benjamin-ferencz-sag-immer-deine-wahrheit-rezensiert-von-uli-rothfuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1688","title":{"rendered":"Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. Rezensiert von Uli Rothfuss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. Was mich 100 Jahre Leben gelehrt haben.<\/strong> Geb.,160 S. Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2020, 17 \u20ac. <span class=\"aCOpRe\">ISBN 978-3-453-<wbr \/>21808-6.<\/span><\/p>\n<p><strong>100 Jahre Leben und ein Ziel: Menschlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Von einem, der k\u00e4mpft, ein Leben lang. Der nicht aufgibt, sein Ziel zu verfolgen, seinen Weg zu gehen. Der nun \u00fcber ein Jahrhundert erlebt hat, und der diese Zeit nutzt, bis heute, <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1689\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ferenc.png\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1690 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ferenc-96x150.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ferenc-96x150.jpg 96w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ferenc-658x1024.jpg 658w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Ferenc.jpg 842w\" sizes=\"(max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/>seine Vorstellung von Gerechtigkeit durchzusetzen. Eine Vorstellung, die geschult ist an seiner vielschichtigen Lebenserfahrung, an seiner fundierten juristischen Ausbildung an der wohl besten Juraschule der Welt, Harvard, und an seiner in der Folge an seinen Zielen fokussierten Berufst\u00e4tigkeit. Benjamin Ferencz, er war einer der Chefankl\u00e4ger in den N\u00fcrnberger Folgeprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg, der letzte noch lebende; <!--more--><\/p>\n<p>der daf\u00fcr sorgte, dass \u00fcber die Initiatoren, die Durchsetzer der Massenmorde an Juden, an Minderheiten, in der Nazizeit, schlie\u00dflich Gericht gehalten werden konnte, der akribisch Beweise sammelte, noch zu Kriegszeiten und als Kriegsteilnehmer, sogar an den kriegsentscheidenden Schlachten zu Ende des Krieges als junger Kriegsteilnehmer, und unmittelbar danach, und der dann als Ankl\u00e4ger, US-Amerikaner j\u00fcdischen Ursprungs, geboren in Transsilvanien als Kind armer Landjuden, als Kleinkind emigriert nach New York, der sich dort durchgebissen hat und zum Jura-Harvard-Absolventen durchstieg. Und es sich zur Aufgabe machte, erst die Kriegsverbrechen zu dokumentieren, die Verbrecher vor Gericht zu stellen, der damit aber nicht aufgab; aus diesen T\u00e4tigkeiten heraus erwuchs das Ziel, insgesamt, umfassend einen internationalen Strafgerichtshof auf die Beine zu stellen \u2013 und dies ist ihm und vielen Mitstreitern gelungen \u2013 heute kann sich kein diktatorisches Staatsoberhaupt, kein menschenmissachtender General mehr sicher sein, nicht f\u00fcr seine Gr\u00e4ueltaten vor Gericht gestellt zu werden. Darauf kann der heute \u00fcber Hundertj\u00e4hrige, der in Florida lebt, mit Genugtuung blicken. Und sich weiter, so es sein muss, einmischen, in Interviews, mit schriftlichen Beitr\u00e4gen; gerade auch in der letzten Pr\u00e4sidentschaft meldete er sich und sah durchaus Parallelen, vor allem im Sprachgebrauch der Nazis \u2013 insbesondere im Vornanstellen der eigenen Nation, im Vermeiden des Miteinander, und den Folgen dieses vors\u00e4tzlichen Handelns, auf die eindringlich hinwies.<\/p>\n<p>Dieses Buch ist eine Dokumentation seines Lebens aus seiner Sicht, geschrieben von einer Journalistin des Londoner Blattes Guardian, erarbeitet in vielen Gespr\u00e4chen. Man merkt am Stil des Buches die Sympathie, mit der sich die beiden begegnen, auch die Nachsicht des viele Jahrzehnte \u00c4lteren, der bis heute die aktuellen Ereignisse verfolgt und, viel geehrt, immer wieder zu Vortr\u00e4gen geladen und mit Preisen bedacht wird, auch hierzulande. Auch wenn manches im Buch etwas amerikanisch Gro\u00dfsprecherisch daherkommt, im Kern ist die Botschaft dieses Mannes, der es vom kleinen, j\u00fcdischen Emigrantenkind zum angesehen Juristen, \u00fcber die Kriegsverbrecherprozesse hin zu einem der Vertreter des israelischen Staates bei den Reparationsprozessen hin zu einem renommierten amerikanischen Anwalt geschafft hat, der diesen Beruf irgendwann aufgab, um ganz in seiner Aufgabe aufzugehen, sich weltweit f\u00fcr die Menschenrechte, f\u00fcr die S\u00fchnung von Unrecht und die Durchsetzung des Rechts einzusetzen. Er sprach im deutschen Bundestag, er sprach in der UNO, er schaffte es, wahrgenommen zu werden, und ging daf\u00fcr manchmal unkonventionelle Wege. Das Ziel, und dieses nicht aus den Augen zu verlieren, z\u00e4hlt bei ihm bis heute. Ehrlichkeit zu sich selbst und zum N\u00e4chsten, aber auch Findigkeit in der Durchsetzung seiner Ziele \u2013 bei der Wahrheit zu bleiben, wie er im Buchtitel auffordert: Sag immer deine Wahrheit.<\/p>\n<p>Das Buch sollte von allen Nachkommenden gerade hierzulande gelesen werden, gerade von denen, denen wieder von Abgrenzung dem Fremden gegen\u00fcber, von Verharmlosung dessen, was in der Zeit der deutschen Diktatur passiert ist, tr\u00e4umt, die das als Kleinigkeit oder Missgriff in der Geschichte verharmlosen. Der Appell von Ferencz ist nicht anklagend, sondern mahnend, so etwas nicht wieder zuzulassen. Tendenzen dahin fr\u00fch und entschieden zu begegnen; Verst\u00f6\u00dfe zu ahnden, egal wo sie passieren, sie aufzusp\u00fcren und vor Gericht zu stellen. Er fand in seinem Leben Mitstreiter, indem er unerm\u00fcdlich ackerte, m\u00e4chtige Mitstreiter. Und heute stehen Diktatoren, Massenm\u00f6rder, vor Gericht, die fr\u00fcher \u2013 weil sie eben gedeckt waren durch eine staatliche Unrechtsmaschinerie \u2013 ungestraft davongekommen w\u00e4ren, und es geht nicht nur darum, Recht zu sprechen und Schuldige zu bestrafen, sondern erstmal das Unrecht nachzuweisen, zu dokumentieren, der Welt\u00f6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Hochachtung vor diesem Leben, vor dieser Leistung in einem langen Leben, nicht entmutigt zu werden, trotz R\u00fcckschl\u00e4gen, und ein lesenswertes, wichtiges Buch geschaffen zu haben, auch an die Autorin Nadia Khomami, dass sie die Initiative ergriffen und Ben Ferencz dazu gebracht hat, so offen, so detailliert, so in die Tiefe gehend zu berichten \u2013 und uns damit zu Zeugen werden zu lassen, dass es m\u00f6glich ist, das Unm\u00f6gliche f\u00fcr die Menschlichkeit zu schaffen, wenn ein Ziel verfolgt wird und Beharrlichkeit da ist. Wichtig.<\/p>\n<p>Uli Rothfuss, April 2021 <a href=\"http:\/\/www.uli-rothfuss.de\/\">http:\/\/www.uli-rothfuss.de\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. Was mich 100 Jahre Leben gelehrt haben. Geb.,160 S. Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2020, 17 \u20ac. ISBN 978-3-453-21808-6. 100 Jahre Leben und ein Ziel: Menschlichkeit Von einem, der k\u00e4mpft, ein Leben lang. Der nicht aufgibt, sein Ziel zu verfolgen, seinen Weg zu gehen. Der nun \u00fcber ein Jahrhundert erlebt hat, &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1688\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. 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