{"id":1761,"date":"2021-12-02T10:02:14","date_gmt":"2021-12-02T09:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1761"},"modified":"2021-12-02T10:02:57","modified_gmt":"2021-12-02T09:02:57","slug":"denise-mina-klare-sache-resensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1761","title":{"rendered":"Denise Mina, Klare Sache, resensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Denise Mina, Klare Sache,<\/strong> aus dem Englischen von Zo\u00eb Beck. Argument Verlag, Hamburg 2019, ISBN 9783867542425, gebunden, 346 Seiten, 21,00 EUR<img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1762 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Mina-Klare-Sache-96x150.jpg\" alt=\"\" width=\"96\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Mina-Klare-Sache-96x150.jpg 96w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Mina-Klare-Sache.jpg 240w\" sizes=\"(max-width: 96px) 100vw, 96px\" \/><\/p>\n<p>Wenn jemand Jura studiert und danach in Kriminologie und Strafrecht promovieren will, stattdessen aber beginnt, Krimis zu schreiben, dann wird man genauer hinsehen m\u00fcssen, vor allem wenn das hier besprochene Buch auf dem 3. Platz des Deutschen Krimipreises 2019 landet<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> und die Autorin im Jahr 2020 mit ihrem Buch \u201eG\u00f6tter und Tiere\u201c sogar auf Platz 1 international.<!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich brach die Denise Mina, geb. 1966, nach einer rastlosen Kindheit in Glasgow, Paris, London, Invergordon, Bergen und Perth die Schule ab, jobbte in einer Fleischfabrik, in Bars, als K\u00f6chin und als Krankenpflegehelferin, und qualifizierte sich dann per Abendschule f\u00fcrs Jurastudium an der Universit\u00e4t Glasgow. Statt danach aber wie geplant in Kriminologie und Strafrecht zu promovieren, begann sie Kriminalliteratur zu schreiben.<\/p>\n<p>Dem Buch ist ein Text von <a href=\"https:\/\/stevenpinker.com\/\">Steven Pinker<\/a>, Experimentalpsychologe an der Harvard-Universit\u00e4t vorausgestellt, der deutlich macht, dass die Autorin nach wie vor eine gewisse Affinit\u00e4t zur Kriminologie hat.<\/p>\n<p><em>\u201e(Ein Dogma) besagt, Gewalt werde durch einen Mangel an Moral- und Gerechtigkeitsgef\u00fchl verursacht. Im Gegenteil: Sehr oft ist ein \u00fcbertriebenes Moral- und Gerechtigkeitsgef\u00fchl die Ursache, oder zumindest wird es vom T\u00e4ter so wahrgenommen\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Das Buch selbst ist nicht nur ein Krimi, sondern, worauf die Verlegerin Else Laudan hinweist, auch ein Schauerroman, ein Roadmovie, ein M\u00e4rchen, ein hochmoderner \u00dcberwachungsthriller. Die schottische Erz\u00e4hlerin \u201e<em>greift tief in die Schatzkiste popul\u00e4rer Narrative, l\u00e4sst es funkeln und blitzen. Aus traditionsreichen Zutaten, Fantasie und scharf geschliffenem Realismus kreiert sie einen wilden Ritt durch die historische und aktuelle Literaturk\u00fcche, l\u00e4sst Porzellan gegen Stahl scheppern, kombiniert Petits Fours mit dampfendem Haggis und \u00adNouvelle Cuisine, tischt ein gewagt unterhaltsames Menu Surprise auf<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Anna McDonald, die Protagonistin des Krimis, f\u00fchrt in Glasgow ein unauff\u00e4lliges Leben. Ihre Leidenschaft sind True-Crime-Podcasts. Eintauchen in eine Parallelwelt voller R\u00e4tsel und ungel\u00f6ster Verbrechen. Ihr neuer Podcast klingt besonders verhei\u00dfungsvoll: \u203aDer Tod und die Dana\u2039. Ein versunkenes Schiff, ein uralter Fluch, Explosion und Mord. Was will man mehr? Aber auf Anna wartet eine b\u00f6se \u00dcberraschung, denn so langsam verschwimmen Fiktion und Realit\u00e4t.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Tag, an dem mir mein Leben um die Ohren flog, fing gut an<\/em>\u201c \u2013 so beginnt die Geschichte, nachdem ein Prolog vorangestellt wer, der die Spannung aufbaut und die Erwartung an den Text f\u00f6rdert:<\/p>\n<p><em>\u201eSagt einfach die Wahrheit. Das habe ich auch meinen Kindern eingetrichtert. Wie l\u00e4cherlich, Kindern so etwas beizubringen. Niemand will sie h\u00f6ren. Es muss einen Grund daf\u00fcr geben, die Wahrheit zu sagen. Ich habe vor einiger Zeit damit aufgeh\u00f6rt, und ich muss sagen, es war gro\u00dfartig. Die beste Entscheidung meines Lebens. Immer wieder l\u00fcgen, sich einen Namen ausdenken eine Vorgeschichte, eigene Vorlieben und Abneigungen einfach ein L\u00fcgenm\u00e4rchen stricken. Das ist so viel vern\u00fcnftiger. Aber ich verrate Ihnen die Wahrheit, hier in diesem Buch. Daf\u00fcr gibt es einen sehr guten Grund.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Roman erscheint bei Ariadne, und das hat seinen Grund: Hinter dem Kleinen scheint in dem Buch stets das Gro\u00dfe durch, hinter dem Privaten das Gesellschaftliche: \u201e<em>Privilegien, D\u00fcnkel, Vorurteile, Imponiergehabe, allt\u00e4gliche Gewalt, Siegerrecht. Die oft sarkastische, hyperpr\u00e4zise Beobachterin erfasst ganz nebenbei mit knappen Chiffres, wie und wo wir alle wider besseres Wissen Spiele mitspielen, Kompromisse eingehen, den Blick abwenden auch von dem, was uns angeht. Aber Denise Mina belehrt uns niemals, sie erz\u00e4hlt \u00bbnur\u00ab eine Geschichte<\/em>\u201c. Jede der ineinandergreifenden Storys ist so \u201e<em>s\u00fcffig wie subtil aufgeladen mit Wahrheiten \u00fcber unsere Welt<\/em>\u201c, so Else Laudan, f\u00fcr die das Erz\u00e4hlen die wahre Heldin dieses Romans ist. \u201e<em>Das Erz\u00e4hlen wird bedroht, entf\u00fchrt, missbraucht, verunglimpft, glorifiziert, vereinnahmt, totgesagt, neu erfunden, angeprangert, rehabilitiert. Das Erz\u00e4hlen wechselt die Gestalt, die Ebene, entzieht sich und taucht wieder auf. Das Erz\u00e4hlen \u00fcberlebt \u2013 und triumphiert<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Ach ja, und dass das B\u00fcchlein im handlichen Format (18,5 x 13 cm) erscheint, fest gebunden und mit Leseb\u00e4ndchen versehen, d\u00fcrfte auch der Lektorin Else Laudan zu verdanken sein. So macht das Lesen einfach noch mehr Spa\u00df.<\/p>\n<p>Thomas Feltes, Dezember 2021<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.deutscher-krimipreis.de\/2019\/12\/\">http:\/\/www.deutscher-krimipreis.de\/2019\/12\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/argument.de\/produkt\/klare-sache\/\">https:\/\/argument.de\/produkt\/klare-sache\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denise Mina, Klare Sache, aus dem Englischen von Zo\u00eb Beck. 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