{"id":1824,"date":"2022-08-11T12:57:56","date_gmt":"2022-08-11T10:57:56","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1824"},"modified":"2022-08-11T12:57:56","modified_gmt":"2022-08-11T10:57:56","slug":"niegisch-thielgen-einfuehrung-in-die-vernehmungspraxis-rezensiert-von-leif-g-artkaemper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1824","title":{"rendered":"Niegisch \/ Thielgen, Einf\u00fchrung in die Vernehmungspraxis. Rezensiert von Leif G. Artk\u00e4mper"},"content":{"rendered":"<p><strong>Patrick Niegisch, Markus M. Thielgen, Einf\u00fchrung in die Vernehmungspraxis.<\/strong> <strong>Kompetenz &#8211; Konzept \u2013 Kommunikation, Kriminalistik, C.F. M\u00fcller GmbH, Heidelberg 2022, ISBN: 978 3 783 200 638, 340 Seiten, 30,00 Euro.<\/strong><\/p>\n<p>Informationsakquise ist f\u00fcr s\u00e4mtliche Berufe mit Vernehmungs- und Befragungspraxis von t\u00e4glicher und essenzieller Bedeutung. Polizeiliche Vernehmungen sind von ein<img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1826 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Unbenannt.jpg\" alt=\"\" width=\"157\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Unbenannt.jpg 750w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Unbenannt-102x150.jpg 102w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Unbenannt-697x1024.jpg 697w\" sizes=\"(max-width: 157px) 100vw, 157px\" \/>er professionellen \u2013 aber neutralen \u2013 Neugier gepr\u00e4gt, die sach- und personenbezogen ist <a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/978-3-7832-0063-8.tif\"><img class=\"alignnone size-full wp-image-1825\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/978-3-7832-0063-8.tif\" alt=\"\" \/><\/a> und von einem kriminalistischen Denken dominiert wird. Wer fragt, bekommt Antworten \u2013 wer richtig fragt, bekommt \u00fcberauff\u00e4llig h\u00e4ufig auch die richtigen Antworten. Das Umfeld und die Fragen, die der Vernehmende stellt, steuern die Qualit\u00e4t der Antworten; Fragen und Antworten bilden eine Symbiose.<!--more--><\/p>\n<p>Die beruflichen Qualifikationen der Autoren &#8211; Kriminalist mit polizeilicher Sozialisierung und Psychologe &#8211; spiegeln exakt die gro\u00dfe Bandbreite und damit die Schwierigkeit gelungener Vernehmungen wider: Die Tatsache, dass eine autorit\u00e4r veranlasste Zwangskommunikation, die noch dazu an recht enge rechtliche Bedingungen gekn\u00fcpft ist, zur Aufkl\u00e4rung einer Straftat beitragen kann, soll und muss, erschwert die Kommunikation, macht sie aber nicht unm\u00f6glich. Die gegenseitige Befruchtung beider Wissensbereiche er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit gehaltvoller\u00a0 Befragungen, wobei stets die juristischen Grenzen zu wahren sind. Eine Wahrheitsfindung um jeden Preis ist dem Strafverfahren fremd.<\/p>\n<p>Die Struktur des Buches ist konsequent und lehnt sich entsprechend dem Untertitel an das propagierte 3K MODELL von Kompetenz, Konzept und Kommunikation an: Nach der Einleitung folgen mehr als 150 Seiten zur rechtlichen, psychologischen, Methoden- und pers\u00f6nlichen Kompetenz, es schlie\u00dft sich ein Kapitel betreffend die polizeiliche Sachverhaltserforschung (Konzept) an und Erkl\u00e4rungen zur Kommunikation runden das Gesamtbild ab.<\/p>\n<p>Die rechtlichen Rahmenbedingungen geraten &#8211; jedenfalls aus der Sicht eines Strafjuristen &#8211; etwas kurz und verdienen einer n\u00e4heren Pr\u00e4zision und Vertiefung; allerdings handelt es sich dabei um eine aus der Sicht des potenziellen Adressatenkreises wahrscheinlich eher marginale Kritik, ebenso wie der Umstand, dass im Rahmen der Klassifikationssysteme psychischer Erkrankungen nicht auf die seit Anfang des Jahres 2022 geltenden ICD 11, sondern auf die &#8211; mit einer \u00dcbergangsfrist fortgeltende, aber veraltete &#8211; ICD 10 abgestellt wird.<\/p>\n<p>Vernehmen bedeutet, dass der Vernehmende die zu befragende Person so befragt, dass er dem Ziel, also letztendlich der Erlangung der materiellen (und nicht nur prozessualen!) Wahrheit so nahe wie m\u00f6glich kommt. Er muss die Kunst beherrschen, die Informationen von den zur Verf\u00fcgung stehenden Auskunftspersonen zu erlangen, ohne dass er bei ihrer Befragung gegen Rechtsnormen verst\u00f6\u00dft oder eine Erinnerungsf\u00e4lschung ausl\u00f6st, die das erlangte Informationsmaterial unbrauchbar macht. Das gilt sowohl bei der Befragung von Erwachsenen als auch umso mehr bei der Vernehmung von Kindern und Jugendlichen. Was es dabei zu beachten gilt, versucht die vorliegende Abhandlung dem Praxisanwender mit auf den Weg zu geben.<\/p>\n<p>Die Kunst, Personen zu befragen, ist keine, die irgendeinem Vernehmenden in die Wiege gelegt wurde. Er muss selbst zuvor die F\u00e4higkeiten erlangen, die ihn auf diesem Gebiet erfolgreich im Sinne der Aufkl\u00e4rung werden lassen.<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung gibt insgesamt dem Leser ein informatives Bild \u00fcber Vernehmungen, f\u00fchrt ihn in diese Materie nachvollziehbar ein, wobei die Ausf\u00fchrungen teilweise auch weit \u00fcber das Niveau einer Einf\u00fchrung hinausgehen. Eines aber bleibt: Das perfekte, universell anwendbare Vernehmungskonzept f\u00fcr jede Vernehmungssituation und f\u00fcr jeden Vernehmenden gibt es &#8211; wie jeder wei\u00df &#8211; nicht; ein solches kann daher auch durch die Autoren nicht pr\u00e4sentiert werden. Vernehmungen lernt man durch \u00dcbung \u2026 und insbesondere durch einen gestandenen \u201eB\u00e4renf\u00fchrer\u201c, den es heute leider weder in der Polizei noch in der Justiz kaum noch gibt.<\/p>\n<p>Es ist bereits die zweite Ver\u00f6ffentlichung zum Thema Vernehmungen in der roten (Grundlagen)Schriftenreihe der KRIMINALISTIK, wobei offenbleibt, ob sie der Nachfolger des <em>Habschick<\/em> (Erfolgreich Vernehmen, zuletzt erschienen in vierter Auflage 2016) oder eine Erg\u00e4nzung dazu werden soll. Auf die weitere Rezension der Ver\u00f6ffentlichung durch <em>M\u00e4rkert<\/em> (der kriminalist 6\/2022, 38) weise ich hin.<\/p>\n<p><em>Dr. Leif Gerrit Artk\u00e4mper, Dortmund <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patrick Niegisch, Markus M. Thielgen, Einf\u00fchrung in die Vernehmungspraxis. Kompetenz &#8211; Konzept \u2013 Kommunikation, Kriminalistik, C.F. M\u00fcller GmbH, Heidelberg 2022, ISBN: 978 3 783 200 638, 340 Seiten, 30,00 Euro. 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