{"id":1838,"date":"2022-08-29T17:16:56","date_gmt":"2022-08-29T15:16:56","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1838"},"modified":"2022-08-29T17:16:56","modified_gmt":"2022-08-29T15:16:56","slug":"indo-lenssen-robert-scheel-der-knast-guide-fuer-verurteilte-angehoerige-und-interessierte-rezensiert-von-hoger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1838","title":{"rendered":"Indo Len\u00dfen, Robert Scheel: Der Knast-Guide f\u00fcr Verurteilte, Angeh\u00f6rige und Interessierte. Rezensiert von Hoger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Len\u00dfen, Ingo<\/strong><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><strong> \/ Scheel, Robert:<\/strong> <strong>\u201eDer Knast-Guide f\u00fcr Verurteilte, Angeh\u00f6rige und Interessierte\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2] <\/a><\/strong>ISBN: 978-3-406-78140-7, 134 Seiten, C. H. Beck im dtv, M\u00fcnchen, 2022, 19,90 \u20ac).<\/p>\n<p>Ingo Len\u00dfen, u. a. bekannt als TV-Anwalt (Fn. 1), hat zusammen mit seinem Kanzleipartner Robert Scheel ein lesenswertes (kriminologisches) Vademecum herausgegeben. Als Zielgruppe f\u00fcr den 134-seitigen \u201ekleinen\u201c Ratgeber benennen sie prim\u00e4r \u201eden Gefangenen und seine Familie\u201c, f\u00fcr die das B\u00fcchlein \u201eein Ratgeber f\u00fcr die schwierige Zeit der <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1839 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild2.png\" alt=\"\" width=\"139\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild2.png 190w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Bild2-98x150.png 98w\" sizes=\"(max-width: 139px) 100vw, 139px\" \/>Inhaftierung\u201c sein soll, daneben \u201eStudierende, junge Strafverteidiger\u201c ebenso wie \u201eInteressierte\u201c (S. 5). Das B\u00fcchlein enth\u00e4lt jedoch auch f\u00fcr die Allgemeinheit viele das Nachdenkens werte Informationen \u00fcber Strafe und deren (geschlossenen) Vollzug, insbesondere hinsichtlich der seit der F\u00f6deralismusreform 2006, mit der die Regelung des Strafvollzugs in die Gesetzgebungskompetenz der L\u00e4nder \u00fcbergegangen ist, unterschiedlichen Vollzugspraxis in den Bundesl\u00e4ndern<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. <!--more--><\/p>\n<p>Die beiden Autoren schlie\u00dfen mit Blick auf die Situation in Deutschland ihre pr\u00e4gnante, facettenreiche und insgesamt informative Handreichung durchaus optimistisch mit Verweis auf Fjodor Dostojewski (*1821, +1881), man k\u00f6nne \u201eden Grad der Zivilisation einer Gesellschaft am Zustand ihrer Gefangenen ablesen\u201c (S. 125). Hierzu \u201ebetreten\u201c sie mit kritischem Blick diese den allermeisten pers\u00f6nlich unbekannte Welt von (deutschlandweit 186, S. 5) Justizvollzugsanstalten (JVA), in welchen laut Statistischem Bundesamt (Stand 10\/2021) 72.398 Personen<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> lebten und verlassen diesen Mikrokosmos trotz einiger Kritik mit einem vorsichtig optimistischen Res\u00fcmee: \u201eDeutschland befinde sich mit der Priorisierung des Resozialisierungsgedankens auf einem guten Weg\u201c und sollte diesen \u201emutig und entschlossen weitergehen und die (in dem Ratgeber angesprochenen) Reformen in Angriff nehmen\u201c (S. 125f.).<\/p>\n<p>Mit einigen der &#8211; dem Format geschuldet &#8211; kurz angesprochenen Reform\u00advorschl\u00e4gen bzw. Kritiken befinden sie sich in guter Gesellschaft.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Die beiden Autoren k\u00f6nnen sich abschlie\u00dfend eine \u201eGeneral\u00fcberholung des Strafrechts\u00adsystems\u201c vorstellen. Insbesondere sollten \u201eFreiheitsstrafen nur f\u00fcr Straft\u00e4ter in Betracht kommen, die wirklich gef\u00e4hrlich\u201c sind. Eben diesen k\u00f6nnte dann mit den \u201efrei gewordenen Ressourcen besser und gezielter geholfen werden\u201c und gerade deren \u201eResozialisierung h\u00e4tte (so) weit mehr Aussicht auf Erfolg, als unter den bestehenden Bedingungen\u201c (S. 126). Insofern f\u00fcgt sich das B\u00fcchlein auch in den aktuellen rechtspolitischen Diskurs ein, der zuletzt mit dem \u201eEntwurf eines Gesetzes zur \u00dcberarbeitung des Sanktionenrechts\u201c vom 19.07.2022 aus dem Bundesministerium der Justiz legislativ Fahrt aufgenommen hat.<\/p>\n<p>Das B\u00fcchlein will kein Lehrbuch sein. Dennoch h\u00e4lt es in seinen sechs inhaltlich und optisch weitgehend sehr ansprechend gestalteten Kapiteln<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, rechtlich jeweils unter Bezugnahme auf die einschl\u00e4gigen Bestimmungen des Strafvollzugs\u00adgesetzes des Bundes (als Referenzvorschrift f\u00fcr das B\u00fcchlein) und hiervon z. T. erheblich abweichende, mitunter kontraproduktive L\u00e4nderregelungen einge\u00adordnet, zahlreiche interessante, z. T. sogar dem beruflich interessierten Leser bis\u00adlang bislang unbekannte Informationen bereit. Diese reichen von \u201eVollzugsplan\u201c \u00fcber die einzelnen \u201eVollzugsmodelle\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> und das Leben in diesem nicht immer leichten Vollzugsalltag weitgehend ohne Privatsph\u00e4re mit all seinen individuellen und sozialen Facetten, von der Arbeitsleistung inkl. sp\u00e4rlicher Entlohnung hierf\u00fcr, der Hygiene, Freizeitgestaltung, Sicherheit und Ordnung, Vollzugslockerungen und deren Bedingungen bis hin zur Kommunikation mit Familie \/ Freunden und Anw\u00e4lten.<\/p>\n<p>Alles in allem legen die beiden Autoren ein gut recherchiertes, sehr lesenswertes, informatives und daher uneingeschr\u00e4nkt (auch) f\u00fcr Interessierte au\u00dferhalb des Strafvollzugssystems empfehlenswertes B\u00fcchlein vor, dass aus der kritisch-reflexiven Perspektive erfahrener Strafverteidiger, die im Vorwort betonen, sie w\u00fcrden es \u201ekeine 24 Stunden dort aushalten\u201c, viele Einblicke in den von \u201eHackordnung, Hierarchien und Abh\u00e4ngigkeiten\u201c gepr\u00e4gten deutschen Knastalltag bietet und dadurch einige beachtenswerte Fakten und Argumente f\u00fcr den anhaltenden rechtspolitischen Diskurs zur Modernisierung des Sanktionen\u00adrechts beinhaltet, ohne dabei das Format eines wissenschaftlichen Lehrbuchs zu ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Holger Plank (im August 2022)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Fachanwalt f\u00fcr Strafrecht, <a href=\"https:\/\/www.anwaltverein-konstanz.de\/index.php\/index.php?option=com_profile&amp;view=profile&amp;task=detailprofile&amp;id=210\">Soziet\u00e4t<\/a> Len\u00dfen &amp; Partner (Bodman-Ludwigshafen), bekannt aus dem TV-Format <a href=\"https:\/\/www.sat1.de\/tv\/lenssen-und-partner\/ingo-lenssen\/der-steckbrief\">Len\u00dfen und Partner<\/a> bei SAT 1 (seit 2003).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe <a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/lenssen-scheel-knast-guide\/product\/33195581\">Verlags-Website<\/a> von C. H. Beck.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. hierzu bspw. <a href=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/0934-9200-2008-1-9.pdf?download_full_pdf=1\">K\u00f6hne<\/a>, \u201eKonsequenzen der F\u00f6deralismusreform f\u00fcr die Strafzumessung\u201c, in: NK, Heft 1, 2008, S. 9 \u2013 11; <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/32967\/strafvollzug-in-deutschland-rechtstatsaechliche-befunde\/\">D\u00fcnkel<\/a> spricht in diesem Kontext sogar von \u201eideologisch gef\u00e4rbten Akzentverschiebungen in einigen Bundesl\u00e4ndern\u201c, APuZ, Ausgabe 07\/2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Darunter 4.416 Frauen und 11.804 Untersuchungsh\u00e4ftlinge.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. z. B. nur den Anwalt und ehemaligen Gef\u00e4ngnisdirektor <a href=\"https:\/\/www.thomas-galli.de\/buecher\/\">Thomas <strong>Galli<\/strong><\/a> in seiner Streit\u00adschrift \u201eWeggesperrt\u201c bzw. in seinen B\u00fcchern \u201eKnastleben\u201c, \u201eEndstation Knast\u201c etc. oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernd_Maelicke\">Bernd <strong>Maelicke<\/strong><\/a> in seiner Streitschrift \u201eDas Knast-Dilemma \u2013 Wegsperren oder re\u00adsozialisieren\u201c, \u201eDas Gef\u00e4ngnis auf dem Pr\u00fcfstand\u201c oder in zahlreichen anderen B\u00fcchern aus seiner Feder.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> 1. \u201eHaft in Deutschland\u201c; 2. \u201eDer Knastalltag\u201c (von der Auswahl, Ankunft, der individuellen Vollzugsplanung \u00fcber Lockerungen im Vollzug bis hin zur Vorbereitung der Freilassung und wiedereingliedernden Begleitma\u00dfnahmen); 3. \u201eBesonderheiten\u201c; eine kurze 4. \u201eKnastschau\u201c mit \u201eeinzelnen JVA im Kurz\u00fcberblick\u201c; 5. \u201eDie Berechnung der Haftzeit im Einzelnen; 6. \u201eSchluss\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Wovon nach Feststellung der Autoren der \u201eoffene Vollzug\u201c, der nicht automatisch mit \u201eFreigang\u201c gleichzusetzen ist, mit Blick auf die R\u00fcckfallwahrscheinlichkeit f\u00fcr die allermeisten Probanden am Erfolg versprechendsten ist, S. 23.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Len\u00dfen, Ingo[1] \/ Scheel, Robert: \u201eDer Knast-Guide f\u00fcr Verurteilte, Angeh\u00f6rige und Interessierte\u201c[2] ISBN: 978-3-406-78140-7, 134 Seiten, C. H. Beck im dtv, M\u00fcnchen, 2022, 19,90 \u20ac). Ingo Len\u00dfen, u. a. bekannt als TV-Anwalt (Fn. 1), hat zusammen mit seinem Kanzleipartner Robert Scheel ein lesenswertes (kriminologisches) Vademecum herausgegeben. Als Zielgruppe f\u00fcr den 134-seitigen \u201ekleinen\u201c Ratgeber benennen sie &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1838\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Indo Len\u00dfen, Robert Scheel: Der Knast-Guide f\u00fcr Verurteilte, Angeh\u00f6rige und Interessierte. 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